BERRSREHHRURE

EX LIBRIS

William Healey Dall

Division of Mollusks Sectional Library

er

dr

Ds

u

Ben ar 4 u 5 r . BT . j YA . v 2 5 eu Bar nz . u Ps u N Pi & , ann Ps ey . . u . 5 i ( D D KIE 5 . = . drr E73 D

25

20

=

RESULTATS DES EXPLORATIONS zOOLOEINUES, BOTANIQUES, OCEANOGRAPHIQUES ET BEOLOGIQUES

ENTREPRISES AUX INDES NEERLANDAISES ORIENTALES en 1899—1900,

a bord du SIBOGA SOUS LE COMMANDEMENT DE G. F. TYDEMAN PUBLIES PAR MAX WEBER Chef de l’expedition.

. Introduetion et deseription de l’expelition, Max Weber.

. Resultats re G. F. Tydeman.

. Foramiunifera, T. er

is. Xenophyophora, RG E. Sehulze.

. Radiolaria, M. Hartmann.

. Porifera, I. E. Schulze, G. ©. J. Vosmaer et

. Hydropolypi, Ch. Julin. [Y. H. Vernhout''), . Stylasterina, S. J. Hickson et Milo H. M. England. . Siphonophora, Mlles Lens et van Riemsdijk.

. Hydromedusae, ©. Maas.

. Scyphomedusae, OÖ. Maas.

Ctenophora, Mlle F, Moser.

. Pennatulidae, S. J. Hickson.

. Actiniaria, P. Me Murrich.

. Madreporaria, A. Aleock ') et L. Döderlein. . Antipatharia, P. N. van Kampen.

. Turbellaria, L, von Graff et R. R. von Stummer. . Cestodes, J. W. Spengel.

. Nematodes, H. F. Nierstrasz.

. Chaetognatha, &. H. Fowler.

. Nemertini, A. A. W. Hubrecht.

. Myzostomidae, R. R. von Stummer.

. Polychaeta errantia, R. Horst.

2. Polychaeta sedentaria, M. Caullery et F. Mesnil. . Gephyrea, C. Ph. Sluiter.

. Enteropneusta, J. W. Spengel.

is. Pterobranchia, S. F. Harmer.

. Brachiopoda, J. F. van Bemmelen.

. Polyzoa, S. F. Harmer.

- Copepoda, A. Scott.

. Ostracoda, G. W. Müller.

. Cirrhipedia, P. P, C. Hoek.

. Isopoda, H. J. Hansen.

. Amphipoda, Ch. Perez.

. Caprellidae, P. Mayer.

. Stomatopoda, H.’J. Hansen.

. Cumacea, W. T. Calman.

. Sehizopoda, H. J. Hansen.

. Sergestidae, H. J. Hansen.

. Decapoda, J. G. de Man.

. Pantopoda, J. C. C. Loman.

. Halobatidae, J. Th. Oudemans.

. Crinoidea, L. Döderlein et ©. Vaney.

. Echinoidea, J. €. H. de Meijere,

. Holothurioidea, C. Ph. Sluiter.

. Ophiuroidea, R. Köhler.

. Asteroidea, L, Döderlein.

. Solenogastres, H. P. Nierstrasz.

- Chitonidae, H. F. Nierstrasz.

. Prosobranchia, M. M. Schepman.

. Prosobranchia parasitica, H. F. Nierstrasz.

. Opisthobranchia, R. Bergh.

. Heteropoda, J. J. Tesch.

. Pteropoda, J. J. Tesch.

. Lamellibranchiata, P. Daidsniene et Ph. Dautzenberg. . Scaphopoda, Mille M. Boissevain.

. Cephalopoda, L. Joubin.

. Tunicata, C. Ph. Sluiter?). - . Pisces, Max Weber.

. Cetacea, Max Weber.

. Liste des algues, Mme A. Weber.

. Halimeda, Mlle E. S. Barton. (Mwe FE, S. san); . Corallinaceae, Mme A. Weber et M. Foslie.

. Codiaceae, A. et Mme RB, S, Gepp.

. Dinoflagellata. Coccosphaeridae, J. P. Tvtsy.

£ Diatomaceae, J. P. Lotsy.

. Deposita marina, O. B. Böggild.

. Resultats geologiques, A. Wichmann.

. Le bateau et son Equipement seientifique, G. F. Tydeman.

. Gorgonidae, ande, J. Versluys et 8.J. Hiekson!).

NTLCDDINDITMITTDTTTTTEHTTROTTOCTUNTN

Pereenn

hope Erna

DIE

HETEROPODEN DER SIROGA-BAPEDITION

VON

19: TESCH

Helder

Mit ı4 Tafeln

Monographie LI aus:

UITKOMSTEN OP ZO0LOGISCH,

BOTANISCH, OGEANOGRAPHISCH EN GEOLOGISCH GEBIED

verzameld in Nederlandsch Oost-Indi& 1899— 1900

aan boord H. M. Siboga onder commando van

Luitenant ter zee ıe kl. G F. TYDEMAN UITGEGEVEN DOOR

Dr. MAX WEBER

Prof. in Amsterdam, Leider der Expeditie

(met medewerking van de Maatschappij ter bevordering van het Natuurkundig

onderzoek der Nederlandsche Kolonien)

ae

OCT15 19%

ig ea

BOEKHANDEL EN DRUKKERIJ

NDORUKEN

E. J. BRILL LEIDEN

0 VREBE. EEE

KLEE NECEENNITTTTENTENENNTNTTNATTTTTENEENNNNNMTTTETEETETIINANNATEHTENEAITNTMMNEMWEIATNNNNTNENMINMNTNENN [ u Anm)

‘. Publie Aoüt 1906

# Les numeros avec un asterique ont d&ja paru; ceux marques I) seulement en partie

Voor de uitgave van de resultaten der Siboga-Expeditie hebben bijdragen beschikbaar gesteld: |

De Maatschappij ter bevordering van het Natuurkundig Onderzoek der Nederlandsche Kolonien. i

Het Ministerie van Kolonien.

Het Ministerie van Binnenlandsche Zaken.

Het Koninklijk Zoologisch Genootschap »Natura Artis Magistra te Amsterdam.

De »Oostersche Handel en Reederij’' te Amsterdam.

De Heer B. H pe Waar Oud-Consul-Generaal der Nederlanden te Kaapstad.

M. B. te Amsterdam.

SIBOGA-EXPEDIIIE.

Siboga-Expeditie

UITKOMSIEN

OP

III, DUTINSCH, OLEANIMAARIDEN EN GEULIDEN Geht)

VERZAMELD IN

NEDERLANDSCH OOST-INDIE 1899— 1900

AAN BOORD H. M. SIBOGA ONDER COMMANDO VAN

Luitenant ter Zee IK GC REIT YDENMAN UITGEGEVEN DOOR

Dr. MAX WEBER

Prof. in Amsterdam, Leider der Expeditie

(met medewerking van de Maatschappij ter bevordering van het Natuurkundig onderzoek der Nederlandsche Kolonien)

> a<—

BOEKHANDE u nn DRUKKERIJ

I, BR JSTEraTE; LEIDEN

Siboga-Expeditie LI

DIE

HETEROPODEN DER SIBOGA-EXPEDITION

VON:

DE] [PTESCH

Helder

Mit ı4 Tafeln

BUCHHANDLUNG UND DRUCKEREI E.J. BRILL LEIDEN 1906

98— 106

107—IIo

DIE HETEROPODEN DER SIBOGA-EXPEDITION

VON

JSOILLESCH,

Utrecht.

MintsndeBateln.

VORWORT.

Bei der Bearbeitung der Heteropoden der Siboga-Expedition musste natürlich die Systematik im Vordergrund der Interessen stehen. Hier stellten sich mir aber die grössten Schwierigkeiten entgegen; denn die grosse Mehrzahl der Beschreibungen und Abbildungen stammt aus der älteren Litteratur und wurde offenbar ohne die nöthige Berücksichtigung der spezifischen Unter- schiede veröffentlicht.

So gestaltete sich meine Aufgabe zu einer durchaus undankbaren; meistens erhielt ich bei meinen wiederholten Versuchen nur negative Resultate. Und doch hat die gründliche Bearbeitung der älteren Litteratur mich zu einer ausführlichen systematischen Darstellung aller bekannten Arten angeregt, welche zweifellos ihren Nutzen haben kann.

Es zerfällt diese Arbeit in drei Abschnitte.

Der erste Abschnitt ist eine Zusammenstellung aller bis jetzt bekannten Arten, wozu die ursprünglichen Abbildungen wiedergegeben wurden. Als ich, dank sei dem freundlichen Entgegenkommen seitens des Herrn Prof. Max WEBER, im October des vorigen Jahres das „British Museum” in London besuchte, war ich in der glücklichen Lage, viele Originalexemplare, namentlich SoULEYET’'s, untersuchen zu können, wodurch meine Bearbeitung der Atlantiden sehr wesentlich gefördert wurde. Damals kam ich auf den Gedanken alle bis jetzt bekannten Arten zusammenzufassen und dadurch eine systematische Monographie der Heteropoden zu liefern. Meinen verbindlichsten Dank sei hier den Herren Prof. JErrrev BErL und Eng. A. Smitn

gebracht, welche mir in freundlichster Weise die Untersuchung des Materiales gestatteten.

SIBOGA-EXPEDITIE LI. I

2;

Der zweite Abschnitt behandelt das Material der Siboga-Expedition. Zunächst sei hervor- gehoben, dass die Conservirung im Allgemeinen sehr gut war. Die Aufbewahrung in Formol (nach Fixirung in schwacher Chromsäure und gründlicher Auswaschung) ist für die sehr wasser- reichen Tiere entschieden die günstigste Conservirung. Nur muss die Behandlung sehr sorg- fältig geschehen, sonst ist die Schrumpfung, durch schnelle Wasserentziehung, zu stark.

Mit Ausnahme der Gattung Perosoma waren sämtliche Genera vertreten. Bezüglich der

Anzahl Arten gebe ich die folgende Liste:

Arten ! Neu

(OBEN Re Baar ee 2 MO Barmen Conrckaßode. 2 >. :.0002.00@ Sr: \Subg. Pterotrachea S.S. &. a ee 3

Pterotrachea | _

j (Sube. Zuryops. 2 2 Se 3 Firoloida I : (6) 2 12

Von den 24 Arten, welche gefunden wurden, musste die Hälfte mit neuen Namen belegt werden. Ein grosses Gewicht ist aber diesem Umstande nicht beizulegen, weil die Systematik, namentlich die der Gattung /erotrachea, höchst unsicher ist.

Bei meinen Diagnosen habe ich oft auch anatomische Tatsachen berücksichtigen müssen, weil auch die Anatomie nicht selten wertvolle Artunterschiede beibringen kann.

Der dritte Abschnitt behandelt die morphologische Bedeutung der Heteropodenflosse und die Umbildung des Fusses. Wenn ich mich in dieser Hinsicht der Ansicht GROBBEN's am meisten nähere, so weiche ich doch in einigen Punkten von ihm ab; und so habe ich im letzten Abschnitt dieser vorwiegend systematischen Arbeit meine eigene Meinung über die Morphologie von Flosse, Saugnapf, Schwanz und Deckelträger bei den Heteropoden näher zu

begründen versucht.

Utrecht, März 1906.

IPSECEINKETZT

ÜBERSICHT DER BIS JETZT BESCHRIEBENEN ARTEN UND GATTUNGEN.

Es hat sich im Laufe der Zeit, seit FoRSKÄL zum ersten Male die Pierotrachea beschrieben hat, eine ziemlich beträchtliche Litteratur angehäuft, die in mehr oder weniger vollkommenen Weise die verschiedenen, bis jetzt bekannten Arten der Heteropoden zu characterisiren versuchte. Allein in der Mehrzahl der Fälle sind leider die betreffenden Beschreibungen und Abbildungen so ungenügend, dass der spätere Forscher, auch beim besten Willen, es einfach aufgeben muss, jemals die beschriebene Form aus den Angaben des Autoren zu erkennen. Die systematische Litteratur der Heteropoden ist ein enormer Chaos geworden, aus dem Keiner sich herausarbeiten kann. Die ursprünglichen Beschreibungen sind entweder ganz kurz, oder verlieren sich in Allge- meinheiten, die nur für die Gattung, nicht für die Art, kennzeichnend sind. Bis vor wenigen Jahren waren, trotz der bewunderungswürdigen Arbeit SouLEvET's, eigentlich nur drei oder vier Formen der Mittelmeeres hinreichend bekannt; in neuester Zeit ist freilich die Wissenschaft, dank dem Bestreben VavssıkrE’s, um die Kenntniss einiger neuen Arten bereichert worden, aber dieser Autor hat sich, wie es scheint, oft gescheut, das überaus gefährliche Gebiet der früheren Forschung zu betreten.

Mir scheint es aber die unumgängliche Pflicht eines jeden Forschers zu sein, die Leistungen seiner Vorgänger, soviel wie möglich, richtig zu würdigen, und aus ihren Angaben alles das herauszufinden, was vielleicht zum Wiederauffinden der betreffenden Form behülflich sein kann.

Zweck der vorliegenden Arbeit wird es nun sein, sämtliche Arten, die je beschrieben und meist auch abgebildet wurden übersichtlich, in einer Monographie darzustellen und Copieen der Figuren beizugeben. Zwar geschieht dies meistens nur zur Beruhigung des (wissenschaftlichen) Gewissens, aber doch hege ich einige Hoffnung, dass es auf diese Weise gelingen dürfte, vielleicht einige Formen später wiederzuerkennen, indem derjenige, der späterhin irgendwelches Material von Heteropoden zu bearbeiten wünscht, hier alles zusammen findet, was in systema- tischer Hinsicht über diese Molluskengruppe bekannt ist. Meine Bemühungen auf diesem Gebiete werden dann, wie ich hoffe, von einigem Werte sein.

Einige Bemerkungen möchte ich noch vorausschicken.

(05)

4

Die Abbildungen geben oft nur die Umrisse der Art wieder; die Einzelheiten in den ursprünglichen Figuren sind meistens nicht angegeben worden; da aber, wo solche zur Characterisirung der Art nützlich schienen, habe ich sie eingezeichnet.

Wenn eine Art öfter, wenn auch bisweilen unter verschiedenen Namen, beschrieben wurde, kam es mir überflüssig vor, sie jedesmal wiederzugeben; dies gilt z.B. von Atlanta peroni, Carinarıa lamarcki u.e.a.

Eine gewisse Zahl der Arten werden noch im zweiten Abschnitt dieses Werkes ausführlich besprochen, weil die Siboga-Expedition einige Formen erbeutete, die ich glücklicherweise mit früher Beschriebenen identifizieren konnte. Ich war in der Gelegenheit, die Originalexemplare der Sammlung SourEever's, welche sich in London befinden, studieren zu können, und hatte bisweilen die Genugthuung, die Identität einiger durch letztgenannten Autor bekannt gewordenen Arten festzustellen. Freilich war das Material nach der fast siebzigjährigen Aufbewahrung oft recht unkenntlich geworden.

Ich verzichte vollständig auf eine Synonymie der verschiedenen Arten, da eine solche schon in trefflicher Weise von Eng. A. Smitn in seiner Challenger-Publication geliefert wurde, und sich seitdem die systematische Litteratur über Heteropoden nur wenig gemehrt hat. Aller- dings werde ich bisweilen Gelegenheit haben, eine, wie mir scheint, irrtümliche Auffassung

SMITH'sS zu rectifizieren.

Familie I. ATLANTIDAE.

Die ursprünglichste Familie der Kielfüsser bildet eine scharf umschriebene Gruppe, welche

sämtliche Arten enthält mit Spiralschale, in welche das Tier sich ganz zurückziehen kann, in

welchem Falle die Öffnung durch das am Schwanze befindliche Operculum geschlossen wird.

Eine nähere Beschreibung wird erst im zweiten Abschnitt gegeben werden.

Die Gruppe zerfällt in die beiden Gattungen Oxygyras und Atlanta, die leicht an der

Beschaffenheit der Schale unterschieden werden können.

Oxygyrus Benson 1835.

Die Schale ist merkwürdig durch ihre hornige Consistenz; nur an den ersten Windungen

ist Kalk eingelagert. Der hohe Kiel, der auch an der Mundöffnung der Schale noch steil aufragt,

ist ebenfalls hornig. Die Schale selbst ist nautiloid, d.h. der letzte Umgang hat sich um die

vorhergehenden gelagert; die Spira ragt nicht hervor, da die Umgänge alle in einer Ebene

aufgerollt sind, eine Nabel ist also an beiden Seiten der flachen Schale sichtbar.

Das Operculum ist dreieckig, ohne spiraligen Teil, nur mit parallelen Linien versehen. Die Gattung zählt drei Arten:

1. ©. keraudreni (Rang non Lesueur).

D

O. rangi (Souleyet). 3. O. inflatus Benson. Eine vierte Art wurde von MacponaLD beschrieben, aber ohne besonderen Namen.

1. Oxygyrus keraudreni (Rang). (Taf. I

Diese Form ist leicht kenntlich an der grossen, grösstenteils hornigen Schale, ohne besondere Sculptur, nur mit Zuwachsstreifen versehen. Der hohe, hornige Kiel setzt sich auf die erste Hälfte der letzten Windung noch fort.

Im Jugendzustande kommt eine Dellerophina-Form vor, die eine mit spiraligen Linien versehene Schale besitzt. Ein Kiel ist noch nicht vorhanden. Genaue Abbildungen dieser Bellerophina sowie der erwachsenen Schale finden sich bei OÖBERWIMMER.

Der Mittelzahn der Radula trägt drei Fortsätze, von denen der Mitteldorn viel grösser ist als die beiden anderen.

Die Reibplatte wird ausführlicher im zweiten Abschnitt besprochen werden.

Obwohl diese Art schon sehr oft beschrieben wurde, sind nur sehr wenige Abbildungen wirklich gewissenhaft angefertigt worden. Auch VAvssIERE iirt sich, wenn er einen Einschnitt am Mundrande, nahe der Innenlippe, einzeichnet; der Verfasser muss sich durch den durch- schimmernden Mantelrand geirrt haben, der gerade an dieser Stelle eine Einbuchtung zeigt.

Die hier gegebene Abbildung ist nach OBERWIMMER.

Durchm. bis zu 10 mm.

Verbreitung: Westliches Mittelmeer: Lo Bianco, CANTRAINE, GEGENBAUR, LEUCKART, Pırajxo, PriLıprı, Veranv. Östliches Mittelmeer und Adria: OBERWIMMER. Azoren und Canarische Inseln: VavssıEre. Atlantischer und Indischer Ozean: SOULEYET.

2. Oxygyrus rangi (Souleyet). (Taf. I, Fig. 3, 4).

Kleiner als ©. keraudreni; der Kiel setzt sich auf die erste Hälfte der letzten Windung nicht fort (SOULEYET).

Nähere Beschreibung im zweiten Abschnitt.

Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Pazif. und Atl. Oz.: SOULEYET.

2a. Oxygyrus n. sp. Macdonald (Taf. I, Fig. 5).

Ganz mit spiraligen Wellenlinien versehen, Radula mit drei gleich langen Fortsätzen (MAcDONALD).

Diese Art ist mit ©. rang? identisch, wie ich durch eigene Untersuchung feststellen konnte.

Nähere Beschreibung im zweiten Abschnitt.

Copie nach MACDONALD.

Verbreitung: ?: MACDONALD.

3. Oxygyrus inflatus Benson.

„lesta tumida, anfractibus transverse confertim striolatis; suturis profunde excavatis’ (Benson). Weiter ist von dieser Art nichts bekannt. Eine Abbildung besteht nicht. Verbreitung: Süd-Atl. Oz., Süd-Indischer Oz. bis zu 17° N.: Benson.

6

Anhang: „/Zeliophlegma candei' d'Orbigny ist eine Embryonalschale von Zchinospira. Beschreibung im zweiten Abschnitt.

Atlanta Lesueur 1817.

Die Schale ist flach, kalkig, sehr dünn und leicht zerbrechlich, nur lose aufgerollt, d.h. die Windungen schliessen oft nicht fest aneinander, eine Spira ist vorhanden, ganz flach oder vorragend; der Nabel also nur von der einen Seite sichtbar. Der Kiel ist kalkig, nicht hornig. Das Operculum besitzt einen spiraligen Teil.

Seit dem Jahre 1797, als Lamanon eine Aflanta unter den Namen „corne d’Ammon’” abbildete, ist die Zahl der Arten beträchtlich zugenommen, namentlich durch die Beschreibungen SOULEYET'S. Es ist die stattliche Zahl von 25 Arten zu verzeichnen, aber es muss gleich erwähnt werden, dass diese Zahl wegen ungenügender Unterscheidung noch zu vermehren wäre.

Die Liste würde also lauten:

1. Atlanta peroni Lesueur. ı 15. Allanta gaudichaudi Souleyet.

2. Atlanta lamanoni (Eschscholtz). ı 16. Atlanta fusca Souleyet.

3. Atlanta. helicialis Sowerby. 17. Atlanta depressa Souleyet.

4. Atlanta sp. Gray. 18. Atlanta rosea Souleyet.

5. Atlanta sp. Gray, 19. Allanta guoyana Souleyet non Vayssiere. 6. Atlanta planorboides (Forbes). 20. Atlanta guoyana \ayssiere non Souleyet. 7. Atlanta turriculata A'Orbigny. 21. Atlanta mediterranea Costa.

8. Atlanta lesueuri Souleyet non d’Orbigny. 22. Atlanta violacea Gould.

9. Atlanta involuta Souleyet. 23. Atlanta tessellata Gould.

10. Atlanta inflata Souleyet non d’Orbigny. 24. Atlanta primitia Gould.

11. Atlanta gibbosa Souleyet. 25. Allanta cunicula Gould.

12. Atlanta helicinordes Souleyet. 26. Atlanta souleyeti Smith.

3. Allanta inchnata Souleyet zor Vayssiere. 27. Atlanta steindachneri Oberwimmer.

14. Atlanta inclinata N\ayssiere non Souleyet.

Zwei neue Arten werden noch im zweiten Abschnitt besprochen werden. Wenn man die verschiedenen Abbildungen vergleicht, wird man ersehen, dass die Arten

sich zu bestimmten Gruppen zusammenbringen lassen.

A. Arten, bei welchen die Schale sehr flach ist und die Spira gar nicht hervorragt, oder doch, von der Seite betrachtet, kaum sichtbar ist. Hierher gehören: A. peroni, steindachneri, lesueuri, und überhaupt, wie es scheint, die grosse Mehrzahl der hier aufgezählten Arten.

BD. Arten, bei welchen die Schale etwas höher scheint, weil die Windungen fest aneinander schliessen, und im Querschnitt mehr rundlich sind; die Spira ragt mehr oder weniger hervor.

Hierher gehören einige leicht kenntliche Arten, wie A. furriculata, fusca, gibbosa.

1. Atlanta peroni Rang. (Taf. 147107670, 7).

Diese Form, die schon wiederholt beschrieben wurde, ist leicht kenntlich durch die Schale,

-

/

die fast ı cm. gross werden kann, sehr flach ist, mit nur lose aufgerollten Windungen, 4 oder 5 an der Zahl; die Spira ragt gar nicht hervor; der Kiel dringt ziemlich tief zwischen den Umgängen ein und verstreicht ganz vor der Mundöffnung; der Schlitz in der Aussenlippe ist sehr tief. Nur Zuwachsstreifen sind auf der Schale sichtbar.

Eine sehr gute Abbildung findet sich bei Vavssıere, wo auch die Radula genau beschrieben worden ist.

Copie nach SOULEYET.

S. übrigens den zweiten Abschnitt.

Verbreitung: Die Art ist kosmopolitisch, in allen wärmeren Meeren verbreitet. Mittelmeer: Actros, Mac Anprew, Lo Bıanco, CANTRAINE, CHUn, CoSTA, FORBES, GEGENBAUR, GRAEFFE, DE GREGORIO, HoPpE, JEFFREYS, KROHN, LEUCKART, MONTEROSATO, ÖBERWIMMER, PHILIPPI, TIBERT, VAVSSIERE, VERANY. Östl. Atl. Oz.: Vavssıere, Nord- und Süd-Atl. Oz.: Surru, SouLEvEr.

Pazif. Oz.: SmitH, D’ORrBIGnY. Neu-Guinea: SMITH.

2. Atlanta lamanoni (Eschscholtz). (Taf. I, Fig. 8).

Die Abbildung von EschscHorLtz gibt keine Aufklärung über die von ihm aufgestellte

Art. Vielleicht ist sie mit A. mediterranea Costa identisch. Der Kiel scheint bis zur Mundöffnung

sich zu erstrecken. Copie nach ESCHSCHOLTZ. Verbreitung: Pazif. Oz.: EscHscHoLTz.

3. Allanta heltcialis Sowerby.

Die ganz flüchtige Zeichnung!) SOwErBY’s lässt nichts mit Sicherheit erschliessen. Vielleicht

ist die Art mit A. lesweuri Souleyet identisch.

Verbreitung : ?: SOWERBY.

4. u. 5. Atlanta sp. Gray. (Taf. I, Fig. 9—ıo).

Nach Zeichnungen von HookeEr sind von Gray zwei Allanta-Arten abgebildet worden, von welchen die eine (Fig. 9) O. keraudreni, die andere A. feroni sein kann.

Copie nach Gray.

Verbreitung: ?: Gray.

6. Atlanta planorboides (Forbes).

„Iesta pellucida, alba, laevis, compressa, carinata, exalata, anfractibus 4. Diam. o'/,." Weiter wissen wir gar nichts. Die Beschreibung ist gänzlich ungenügend.

Verbreitung: Ägäisch. Meerbusen : FoRBEs.

ı) Leider habe ich die Abbildung SowErpy’s nicht einsehen können, und muss mich hier auf die Angaben SmitH's verlassen.

5 7. Atlanta turriculata d’Orbigny. (Taf. I, Fig. 11— 12).

Die leicht kenntliche Art hat eine zierliche Schale mit dünner, deutlich hervorragender Spira. Die ursprüngliche Beschreibung d’Orsıcny’s wurde später von SOULEYET wesentlich ergänzt. Durchm. 2 mm.

Näheres s. im zweiten Abschnitt.

Copie nach SOULEYET.

Pazif. Oz.: p’Orzıcny, SouLzvEr. Ind. Oz.: SOULEYET.

8. Atlanta lesueuri Souleyet. (Taf. I, Fig. 13—16).

Spira klein, nur wenig Umgänge. Letzte Windung sehr gross. Kiel sich bis zum Mund- rande erstreckend, mehr oder weniger tief zwischen den Umgängen eindringend. Leicht kenntlich an den queren Rippen auf der Schale. Durchm. 6 mm. Bei der Varietät (SouLEYET) verstreicht der Kiel allmählich am Mundrande (Fig. 15).

Copie nach SOULEYET und VAYSSIERE.

Verbreitung: Atl. Oz.: Sourever. Nord-Atl. Oz.: Surru. Monaco und Gibraltar: VAvsSSIERE.

9. Atlanta involuta Souleyet. (Taf. I, Fig. 17— 13).

Schale flach, 6 Umgänge, Spira sehr wenig nach hinten geneigt; Schlitz in der Aussen- lippe nicht tief; vorletzte Windung ein wenig nach links gedreht. Durchm. 3 mm.

Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Pazif. Oz.: SOULEYET.

10. Atlanta inflata Souleyet. (Taf. I, Fig. 19—20).

Spira hervorragend, 7 Umgänge. Kiel niedrig. Schlitz in der Aussenlippe wenig tief. Durchm. 5—ıo mm.

Näheres s. im zweiten Abschnitt. Copie nach SOULEYET. Verbreitung: China: SovLevEr. Nord-Atl. Oz.: SMITH.

ı1. Atlanta gibbosa Souleyet. (Taf. I, Fig. 21—.22).

Characterisiert durch ihre dicke, kreiselförmige Schale, bei welcher eine Misverhältniss zwischen Spira und letzter Windung weniger sichtbar ist. Durchm. „microscopisch” (SOULEYET).

Näheres s. im zweiten Abschnitt.

Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Atl. Oz.: SOULEYET.

ı2. Allanta helicinoides Souleyet. (Taf. I, Fig. 23—24).

Diese Art sieht A. inflata sehr ähnlich, ist aber verschieden durch grössere Spira, die etwas mehr hervorragt; der letzte Umgang ist verhältnissmässig etwas kleiner. Durchm. 2 mm.

Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Pazif. Oz.: SOULEYET.

9 13. Atlanta inclinata Souleyet »on Vayssiere. (Taf. I, Fig.

Eine gut characterisierte Form mit grosser, deutlich nach hinten geneigter Spira, 7 Windungen. Durchm. 5—6 mm.

Näheres s. im zweiten Abschnitt.

Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Pazif. u. Atl. Oz.: Sourever. Nord- und Süd-Atl. Oz.: Smitu. Nord-Pazif.

Oz.: SmitH. Torres-Strasse: SMITH.

14. Atlanta inclinata Vayssiere won Souleyet. (Taf. I, Fig. 27— 27a).

Die von VAYSSIERE unter diesen Namen beschriebene Form weicht in mancher Hinsicht von der Darstellung SouLEvErT's ab, weshalb ich die beiden Arten nicht für identisch halten kann. Die Spira zeigt vor Allem weniger Windungen, und ist gar nicht nach hinten geneigt, der Kiel erstreckt sich bis zum Mundrande. Ausserdem bildet Vayssıere eigentümliche, quer- verlaufende Knotenreihen (Fig. 12a) auf der Schale ab. Ich habe im Londoner Museum, als

ich die Originalexemplare SOULEYET’'s untersuchte, bei starker Vergrösserung nichts von solcher

- Sculptur wahrgenommen. Auch ist die Radula ganz anders gebaut.

Copie nach VAYSSIERE.

Verbreitung: Azoren und Canar. Inseln: VAvssıErE.

15. Allanta gaudichaudi Souleyet. (Taf. I, Fig. 28—29).

Schale sehr flach, mit niedriger Spira, die nur aus 3'/), Windungen besteht. Kiel niedrig,

vor der Mundöffnung verstreichend, mit einer rötlichen Linie an der Basis. Durchm. 5—6 mm. Die Art ist nicht sehr kenntlich, im zweiten Abschnitt wird eine nähere Beschreibung gegeben werden. Copie nach SOULEYET. Verbreitung: Pazif. Oz.: SouULEYET. Westl. Pazif. Oz.: Smith. Torres-Strasse: SMITH.

16. Atlanta fusca Souleyet. (Taf. I, Fig. 30°—33).

Schale mit 5 oder 6 Windungen. Spira etwas hervorragend, schlank; Kiel, obwohl allmählich verstreichend, sich bis zur Mundöffnung erstreckend, Schlitz in der Aussenlippe also kaum merkbar. Schalen, wo der Kiel gar nicht die Innenlippe von der vorletzten Windung abhebt (Fig. 32— 33), wurden von SOULEYET als Varietät betrachtet.

Wie Smith hervorhebt, ist ein sehr gutes Merkmal in den spiraligen Linien gelegen, die an beiden Seiten der Schale sichtbar sind. Durchm. 2 mm.

Näheres s. im zweiten Abschnitt.

Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Kosmopolitisch: SouL£vEer. Nord- und Süd-Atl. Oz.: Smirn. Fidschi-Ins.,

Torres-Strasse: SmitH. Nord. Pazif. Oz.: Smitu. Mittelmeer: MONTEROSATO, OBERWIMMER.

>

SIBOGA-EXPEDITIE LI. 2

10 17. Atlanta depressa Souleyet. (Taf. I, Fig, 34—35).

Spira mit 5 Windungen, flach, nur wenig hervorragend. Kiel hoch, Schlitz in der Aussen- lippe ziemlich tief, keilförmig. Durchm. 2 mm. Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Pazif. Oz.: SOULEYET.

18. Atlanta rosea Souleyet. (Taf. I, Fig. 36—37).

Diese Art hat viel Ähnlichkeit mit A. feroni; die Schale ist aber nicht so ganz flach, die Windungen schliessen fest aneinander, die Spira ragt ein wenig hervor, und der Kiel, der vor der Mundöffnung verstreicht, hat an der Basis eine rötliche Linie, wie A. gaudichaudi. Durchm. 40,5 mm.

Näheres s. im zweiten Abschnitt.

Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Atl. Oz.: SouLever. Mittelmeer: Acron, ide MONTEROSATO, JEFFREYS, ÖBERWIMMER.

19. Atlanta guoyana Souleyet zo” Vayssiere. (Taf. I, Fig. 33—39).

Spira flach, mit 4'/, Windungen, alle aneinander schliessend, Spira etwas hervorragend, Mundrand stark eingebuchtet (Fig. 21). Zuwachsstreifen auf der letzten Windung. Durchm. kaum 2 mm.

Copie nach SOULEVYET.

Verbreitung: Paz. Oz.: SouLevEr. Mittelmeer: Lo Bianco, CHun, fide SCHIEMENZ, ÜBERWIMMER.

20. Atlanta guoyana Vayssiere non Souleyet. (Taf. I, Fig. 40).

Ich kann Vavssıere in der Identifizierung dieser Form mit der vorhergehenden nicht beistimmen. Namentlich ist die Spira viel grösser, und zeigt regelmässig an Grösse zunehmende Windungen. Auch der Kiel ist anders gebaut, sehr hoch und, ohne zu verstreichen, bis zur Mundöffnung reichend. Durchm. ',—ı'/, mm.

Copie nach VAvssIERE.

Verbreitung: Santa Cruz, Azoren: VAYSSIERE.

21. Atlanta mediterranea Costa. (Taf. I, Fig. 41).

Diese sehr ungenügend bekannte Art ist merkwürdig dadurch, dass der Kiel am Mund- rande nicht verstreicht, sondern hoch bleibt; die Windungen schliessen alle aneinander, und die Innenlippe ist nicht abgehoben. Am ehesten möchte sie mit A. Zeszeurz: identisch sein, obwohl von Querrippen nichts erwähnt wird, und auch die Form der Spira etwas anders ist. Durchm. ?

Copie nach Cosra.

Verbreitung: Neapel: Costa.

I1 22. Atlanta violacea Gould. (Taf. I, Fig. 42—43).

„Shell violaceous, nautiloid, whorls four, the last volution not rapidly enlarging, and unusually distended; keel nearly as broad as the whorl at the aperture, which is elliptical, about twice as long as broad, rounded at the extremities. Colour violaceous, deeper at the spire. Diam. °®/; inch”.

Copie nach Drayron (in Gourp's Atlas).

Verbreitung: Lat. S.,.Long. 20° W.: GouL».

23. Atlanta tessellata Gould. (Taf. I, Fig. 44).

„Shell nautiloid, compressed, the last whorl somewhat rapidly enlarging; whorls four, with a very narrow keel around the angle; aperture narrow, oval, rounded at the inner extremity, acute at the outer angle; colour yellowish, with a series of square, violaceous spots following around the middle of the spire. Diam. '/, inch”.

Eine so deutliche Zeichnung von quadratischen, violetten Tüpfeln, wie sie hier angegeben wird, scheint diese Art wohl zu den am meisten markirten zu machen.

Copie nach GouL».

Merbreitunen lat 275, Long. 20o2W.: Goutn.

24. Allanta primitia Gould. (Taf. II, Fig. 45).

„Shell nautiloid, ovate, very faintly umbilicate on the left side, of about three whorls; the lip of the aperture convex in profile, the aperture itself narrow, elliptical, acute at extremities. It has a thin, broad, membranous carina at the angle of the shell. Colour violaceous, especially on the spire'. Durchm. ?

Wenn auch von Querrippen gar nicht die Rede ist, so glaube ich doch, dass wir hier wieder A. Zesxeuri vor uns haben.

Copie nach Dana (in Govıp's Atlas).

Verbreitung: Trop. Atl. Oz.: GouL».

25. Atlanta cunicula Gould. (Taf. II, Fig. 46).

„Shell very delicate, with a keel, nearly as broad as the shell itself, nearly circular, compressed, quite simple, merely exhibiting very faint lines of growth”. Durchm. 4 mm.

Man möchte fragen, ob diese Art mit A. guoyana Vayssiere identisch sei. Der sehr hohe Kiel gibt dafür einige Wahrscheinlichkeit, wenn auch die Fundorte weit auseinander liegen.

Copie nach Dana (in GouLp's Atlas).

Verbreitung: Westl. Sandwich-Ins.: GouLD.

26. Atlanta souleyeti Smith. (Taf. II, Fig. 47—49).

Diese Art wurde erst von SoULEYET unter den Namen A. /amanoni beschrieben, später von SMITH in A. sowleyeti umgetauft, weil der frühere Namen schon von EscHscHoLtz gebraucht

worden war.

12

Die Schale zeigt bei oberflächlicher Betrachtung viel Ähnlichkeit mit O. keraudren!; die Art wurde denn auch von MacponaLD zu Oxygyrus gezählt. Die Mundöffnung ist rundlich, gar nicht so flach wie bei den meisten AZlanta-Arten. Auch der Kiel sieht dem von Oxygyrus sehr ähnlich, und ist, ebenso wie diese, von horniger Consistenz. Die Schale ist aber überall kalkig, und besitzt zudem eine deutlich nach rechts hervorragende Spira; auch das Operculum (Fig. 40) ist ganz Aflanta-ähnlich. Immerhin haben wir hier eine sehr kenntliche Art vor uns, die ein Bindeglied zwischen Oxygyrus und Alanta darzustellen scheint. Durchm. 2 mm.

Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Atl. Oz.: SoULEYET, SMITH.

27. Atlanta steindachneri Oberwimmer. (Taf. II, Fig. 50—-51).

„Die ersten Umgänge sind sehr klein, und bilden ein kleines, stumfkegelförmiges Gebilde, welches vom letzten, sehr vergrösserten, und nach rechts vorgezogenen Umgange umgeben wird. Der letzte Umgang ist bis zu seinem halben inneren Umfang von den übrigen losgelöst, so dass der vordere Abschnitt desselben mit seinem Innenrande den vorletzten Umgang nicht berührt. Er ist mit einem breiten Kiele versehen, welcher etwas oberhalb der Mündung beginnt, den ganzen letzten Umgang umgibt, und bis an den vorletzten Umgang reicht, wobei er allmählich schmäler und zarter wird, bis er am vorletzten Umgange verschwindet. .... Der letzte, sehr glän- zende Umgang ist radial mit bald stärkeren, bald schwächeren, schwach S-förmig gekrümmten Linien gestreift‘. Durchm. 2,8—3,5 mm.

Diese kleine Art ist also durch den sehr tief zwischen den Windungen eindringenden Kiel, den die Innenlippe der Mundöffnung nicht berührt, zur Genüge gekennzeichnet.

Copie nach OBERWIMMER.

Verbreitung: Östl. Mittelmeer: OBERWIMMER.

Das hier besprochene zusammenfassend, möchte ich noch bemerken, dass, so viel ich sehe, synonym sind:

4A. lamanoni (Eschscholtz).

A. mediterranea Costa.

A. lesueuri Souleyet.

A. primitia Gould. Weiter:

A. quoyana \ayssiere.

A. cunicula Gould. Gänzlich unbestimmbare Arten sind:

A. helicialis Sowerby.

A. sp. (a .02 2) Gray:

A. planorboides (Forbes).

Im zweiten Abschnitte werden die folgenden Arten noch einer näheren Besprechung unterzogen werden:

2 fo)

O. keraudreni (Rang). A. inclinata Souleyet.

O. rangi (Souleyet). A. gaudichaudi Souleyet. „Heliophlegma candei' d’Orbigny. A. fusca Souleyet.

A. peroni Lesueur. A. rosea Souleyet.

A. turriculata d’Orbigny. A. gibbosa Souleyet.

A. inflata Souleyet. Dorthin verweise ich noch für die Beschreibung zweier neuen Arten.

Familie II. CARINARUDAE.

Diese Familie enthält die Arten, welche zwar eine Schale besitzen, sich aber darin nicht zurückziehen können. Diese ist kalkig, sehr dünn und spröde, und bedeckt entweder den ganzen Eingeweidesack, den Nucleus, oder nur einen sehr kleinen Teil desselben. Am Tiere ist die oft sehr stark entwickelte Cutis bemerkenswert, so dass der ganze Körper wie aufgebläht erscheint, wenigstens am Rumpfe. Tentakel, sowie ein Saugnapf, kommen beiden Geschlechtern zu.

Innerhalb der Gruppe sind drei Gattungen unterschieden worden: Carinaria, Plerosoma und Cardiapoda.

Carinaria Lamarck ıS8oı.

Diese Gattung hat die folgenden Merkmale. Die Schale hat eine Capz/us-ähnliche Gestalt: sie ist am ehesten mit einer Afanta-Schale zu vergleichen, bei welcher die letzte Windung sich nicht um die vorhergehenden aufrollt, sondern gerade gestreckt ist, und dabei, im Vergleiche mit der Spira, enorm vergrössert. An diesen geraden Teile setzt sich ein sagittaler Kiel an. Am freien Vorderrande der Schale ragen die Kiemen hervor; der Eingeweidenucleus wird durch die Schale umfasst, und ist mit einem kurzen Stiele mit dem übrigen Korper verbunden. Der Rumpf ist sehr umfangreich, der enorm entwickelten Cutis wegen; der Rüssel ist etwas schmäler. Der Schwanz trägt oft mediane oder laterale Flossen. Die Schwimmflosse, mit grossem Saug- napfe, ist stark entwickelt, und zeigt eine sehr deutliche Musculatur; im conservirtem Zustande ist freilich die Flosse, wie auch der ganze Körper, stark zusammengeschrumpft, und ihre Form oft unkenntlich.

Die Gattung Carinaria hat in früheren Zeiten das grösste Interesse der Conchyliologen erregt, weil ihre zierliche, milchweisse Schale für äusserst wertvoll gehalten wurde. Wenigstens war dies mit C. cristata der Fall, deren Schale mit fabelhaften Summen bezahlt wurde. Im achtzehnten Jahrhundert, als die Gruppe der Heteropoden überhaupt wissenschaftlich noch unbekannt war, wurde die Carinaria-Schale mit dem Namen Patella, Nautilus, Argonauta von Linn£, MARTINI, SCHROETER belegt. Das Exemplar nach welchem Marrını seinen „Nautilus exiguus vitreus dictus” beschrieb (1769), wurde 1824 in Amsterdam für mehr als 1000 Mark verkauft. Später galt es unter den Conchyliologen als ein grosses Ereigniss, als REEvE zum ersten Male die „C. graczilis” aus der Sammlung Rvper's, des damaligen Residenten der

Molukken, aus Holland nach England brachte.

14

Ein wissenschaftliches Studium des Tieres wurde von Cuvier begonnen, und in mancher Hinsicht von Porı, Quov und GAIMARD, DELLE CHIAJE, SOULEYET und GEGENBAUR ergänzt. Trotzdem ist es eine auffallende Tatsache, dass die Art des Mittelmeeres, die den Forschern fast ausschliesslich zum Untersuchungsobject diente, fast ohne Ausnahme, ungenau beschrieben wurde, und sogar bis jetzt noch keine Abbildung besteht, die ganz genau den Habitus des Tieres darstellt. Auch die Schale ist oft nur mangelhaft dargestellt worden.

Die Arten sind die folgenden:

ı. Carinaria cristata (Linne). | 8. Carinaria punctata d'Orbigny. ıa. Carinaria cristata var. gracılis (Reeve). 9. Carinaria atlantica Adams et Reeve. 2. Carinaria lamarcki Peron et Lesueur. 10. Carinaria gaudichaudi Souleyet.

2a. Carinaria lamarcki var. oceanica Vayssiere. ı1. Carinaria cornucopia Gould.

3. Carinaria fragilis Bory de Saint-Vincent. | 12. Carinaria sp. Smith.

4. Carinaria depressa Rang. 13. Carinaria elata Sowerby.

5. Carinaria australis Quoy et Gaimard. 14. Carinaria grimaldi \ayssiere.

6. Carinaria cithara Benson. 15. Carıinaria pseudo-rugosa N ayssiere. 7. Carinaria galea Benson. | 16. Carinaria sp. Warlomont.

Ausserdem wird noch im zweiten Abschnitt eine neue Art hinzugefügt werden. Zwar wurde neuerdings (1893) eine kritische Revision von SOwERBY gegeben, eine erneute

Besprechung der Arten wird hier aber am Platze sein.

1. Carinaria cristata (Linne). (Taf. Il, Fig. 52—52«).

Schale hoch, nur schwach gekrümmt, ventrale Kante fast gerade, die dorsale schwach convex, mit einem doppeltblättrigen Kiel versehen, der, ebenso wie die Schale, deutlich quer- gerippt ist. Schale an der Spitze umgebogen und hier mit einer kleinen Spira versehen, die also gleichsam an der Schale „aufgehängt'' ist.

Das Tier wurde bis jetzt, freilich nach einem verstümmelten Exemplar, nur von SMITH beschrieben. Die Flosse ist rund, der Schwanz zeigt einen gleich am Nucleus anfangenden, dorsalen Kamm. Der Rumpfteil ist mächtig entwickelt. Wie verschiedene Forscher (SmITH, SowErBY) vermuten, wird das Tier, nach den Schalen zu urteilen, bedeutende Dimensionen erreichen können.

Diese wenigen Worte müssen vorläufig hier genügen; ich werde im zweiten Abschnitt noch ausführlich über die Art zu sprechen haben.

Copie nach SMITH.

Verbreitung: Nur von den Molukken bekannt: FAvannE, SMITH '), SOWERBY.

ıa. Carinaria cristata var. gracilis (Reeve). (Taf. II, Fig. 53—54).

Diese, von REEvE ursprünglich als besondere Art aufgefasste Varietät unterscheidet sich

1) Ich muss hier freilich bemerken, dass SMITH noch drei junge Exemplare dieser Art erwähnt, als zwischen den Admiralitäts- Inseln und Japan erbeutet. Wie ich mich aber durch eigene Untersuchung überzeugen konnte, ist ihre Zugehörigkeit zu C. cristata wenigstens sehr zweifelhaft. Ein Exemplar ist sogar ein P/erosoma.

15

nur durch die im Allgemeinen schlankere Gestalt, noch geringere Convexität der Dorsalkante der Schale, und durch eine, im Verhältniss zu dieser, noch kleinere Spira. Länge wie C. cristata. Copie nach ReEve. Verbreitung: Molukken?: Reeve. Ein Exemplar im „British Museum’, das ich sah, hatte

als Eundort: „Eastern Seas”.

2. Carinaria lamarcki Peron et Lesueur (Taf. II, Fig. 55—53).

Diese, fast immer unter den Namen (. mediterranea erwähnte Form, ist die allbekannte Art des Mittelmeers. Sie wurde von früheren Forschern eingehend beschrieben; aber trotzdem dass gewiss mehr als ein Dutzend Abbildungen der Art bestehen, sind leider noch immer einige Lücken in der Diagnose geblieben. Oft wurde nicht zwischen Tuberkeln, auf der aufgequollenen Cutis, und zwischen Hautflecken unterschieden. Beide kommen nämlich vor, und sie wurden offenbar, auch bei anderen Arten, oft verwechselt, weil die kleinen, scharf umschriebenen Flecken irrtümlich für Tuberkel gehalten wurden. Diese sind ziemlich gross, und kommen ebenso vor den Augen als auf dem Rumpfe und am Schwanze vor. Die Hautflecken sind kleiner und viel zahlreicher, überall zwischen den Tuberkeln zerstreut. Die Tentakeln sind gewöhnlich lang, oft aber stark zusammengezogen und kaum sichtbar. Auf der Höhe der Tentakel und Augen scheidet eine ziemlich tiefe Furche einen Kopf vom viel mächtigeren Rumpfteil ab. Die Flosse ist gross, rundlich, mit einem grossen Saugnapfe am Hinterrande. Eigentümlich ist der Schwanz gebildet. Wie es vielen Beobachtern, mit Ausnahme von GEGENBAUR und KALiDE, entgangen zu sein scheint, findet sich an der Unterseite, nahe der Spitze des Schwanzes, eine eigentümliche, paarige, horizontale Ausbreitung der Cutis, die, indem die Ränder der rechten und linken Flosse sich verbinden, hier einen nach unten offenen, im Querschnitt ovalen Becher bildet, in dessen dünner Wandung isolierte Muskelbündel zu sehen sind. Ein derartiges Gebilde kommt fast in gleicher Form, oft aber dunkel pigmentirt, bei Cardiapoda vor, und ist dort schon öfter erwähnt worden. Der Schwanz endet in einer Spitze, die einen mehr oder weniger langen Faden trägt, der aber fast immer abgerissen ist. Eine Rückenflosse, die eine bestimmte Strecke hinter dem Nucleus plötzlich als steil aufsteigende Firste anfängt und bis zur Spitze des Schwanzes ver- läuft, ist wohl ausgebildet, und zeigt zarte, vertikale oder etwas nach hinten geneigte Muskeln. Dickere Muskelbündel sind an beiden Seiten des Schwanzes deutlich sichtbar; nach vorn gehen sie in die allgemeine Körpermusculatur über. Merkwürdig ist, dass die oben erwähnte paarige Ausbreitung an der Unterseite des Schwanzes nur bei kleineren Exemplaren (bis zu 75 mm.) deutlich entwickelt ist; bei grösseren ist sie sehr klein und winzig. Die Schale ist stark gekrümmt, mit stark niedergedrückter Spira; die Mündung ist ziemlich weit, ungefähr eiförmig; der Kiel auf der dorsalen Kante ist nicht sehr hoch, und besitzt, ebenso wie die Schale, Querrippen.

Länge des Tieres bis zu 220 mm.; Höhe der Schale bis zu 41 mm.

Copie des Tieres nach Costa (Fig. 58 nach Reezve), der Schale nach REEvE.

Verbreitung: Mittelmeer, auch in der Adria: Arapas und Benort, Lo Branco, CAVOLINT, DELLE CHIAJE, CoSTA, DÖDERLEIN, DOUBLIER, FAHRINGER, FOL, FORBES, GEGENBAUR, GEMELLARO, JErFREvS, Leuckart, Macrı, MICHAUD, OBERWIMMER, PANETH, PAYRAUDEAU, PETIT, PnıLıpps, PoLr, REEvE, REQUIEN, Rısso, TARGIONI-TOZZETTI, VAYSSIERE, VERANY. Atl. Oz. (38°N., 28° W.): VAvSSIERE.

16 2a. Carinaria lamarcki var. oceanica \Vayssiere.

Diese neuerdings von VAYsSIERE abgetrennte Varietät unterscheidet sich durch eine vier- eckige Schwimmflosse und längere Tentakeln. Die Radula ist etwas abweichend gebaut, die drei Dornen an der Mittelplatte haben eine schlankere Gestalt, der Kamm an der Innenseite der Zwischenplatte ist etwas weniger kräftig entwickelt. Das Tier wurde nicht abgebildet. Länge mm.

Verbreitung: Östl. Atl. Oz. (42°N., 14° W.): Vayssıkre. Zweimal wurde ein Exemplar, jedesmal im Magen eines Thunfisches, gefunden, sodass aus den Fundorten, wie mir scheint,

nichts Genaues ersehen werden kann.

3. Carinaria fragilis Bory de Saint-Vincent. (Taf. II, Fig. 59).

Die Schale ist deshalb merkwürdig, weil Bory DE SAInT-VIncENT ihr, statt Querrippen, radiale Linien zuschreibt, die also sämtlich nach der Spitze verlaufen. Eine solche Structur ist niemals bei Carinaria beobachtet worden. SOWERBY sprach neuerdings die Vermutung aus, dass der Forscher sich mit durchschimmernden Kiemen getäuscht haben könnte.

Wie dem auch sei, die Abbildung zeigt so grosse Ähnlichkeit mit C. /amarcki, dass wir wohl die beiden Arten für identisch halten können.

Verbreitung: Süd-Afrikanische Küste: BORY DE SAINT-VINCENT.

4. Carinaria depressa Rang. (Taf. Il, Fig. 60—61).

Diese früher von Rang ungenügend angedeutete Art, wurde neuerdings von SOWERBY wieder beschrieben. Ein ausgezeichnetes Exemplar findet sich im „British Museum’. Die ganze Schale ist äusserst flach, die ventrale Kante ist kaum ausgebildet, sehr kurz, die dorsale aber deutlich convex, und ziemlich lang. Von oben gesehen, sind die Querrippen auf der Schale sichtbar, von dem medianen, kaum hervorragenden Kiel ausgehend. Die sehr kleine Spira ist stark nach rechts gebogen.

Länge des Tieres (nach Rang) ııo mm.; Länge der Schale 10 mm. (RanG), 5—1o mm. (SOWERBY).

Die hier gegebene Abbildung ist nach einer Skizze von mir, nach dem Londoner Exemplar, angefertigt worden.

Verbreitung: Madagascar: RaxG. Ind. Oz.: SowErey. Die von mir studierte Schale

stammte ebenfalls aus dem Indischen Ozean.

5. Carinaria australis Quoy et Gaimard. (Taf. Il, Fig. 62—63).

Diese Art zeichnet sich durch folgende Merkmale aus: der Körper ist ganz glatt und langgestrekt, vorn in einen ziemlich dünnen und kurzen Rüssel, hinten in einen hohen Schwanz übergehend, der, wie es scheint, in zwei horizontale Flossen endet, zwischen welchen ein Schwanz- faden sich anheftet, ganz wie bei Pferotrachea. Ein Kamm auf der Dorsalseite des Schwanzes, ganz nah am Nucleus anfangend, scheint deutlich vorhanden zu sein. Die Flosse ist scharf viereckig, mit einem Saugnapfe an der hinteren, freien Ecke. Die Schale is niedrig, fast ganz wie bei C. /amarckt.

Copie (Fıg. 62) nach Ovov und GAIMARD.

-

17

Die Beschreibung in der Voyage de l’Astrolabe wurde in neuester Zeit von VAvssIErk ergänzt; wenn er aber, wie er vermutet, die Originalexemplare vor sich hatte, so zeigen doch die verschiedenen Abbildungen gar nicht denselben Habitus (vergl. Fig. 62 u. 63). In der Abbildung Vavssıere's (Fig. 63) sind die Tentakel länger, der Rüssel ist bei weitem nicht so dünn, an der Dorsalseite des Schwanzes ist gar kein deutlicher Kamm entwickelt, der Schwanz endet einfach spitz, ohne horizontale Flossen. Der Eingeweidenucleus ist mit einem langen Stiele der Schwimmflosse gegenüber angeheftet. Letztere ist zwar deutlich viereckig, zeigt aber nicht zwei, sondern drei freie Ecken. Die Radula hat eine Mittelplatte mit drei ungleich langen, sehr schmalen Dornen. Der ganze Körper ist glatt, ohne Tuberkel, zeigt aber, überall zerstreut, die kleinen, runden Hautflecken, wie sie überall bei Carinaria vorzukommen scheinen. Länge des Tieres 32—35 mm., Höhe der Schale 6—7 mm.

Ob die zwei hier gegebenen Beschreibungen sich auf dieselben Exemplare beziehen, steht dahin.

Verbreitung: Süd-Pazif. Oz. (zwischen Australien und Neu-Seeland): Ovoy und GaIMmaRD.

6. Carinaria cithara Benson. (Taf. II, Fig. 64).

„lesta dextra, ultimo anfractu recto, compresso-conico, versus spiram gradatim et eleganter attenuato, spiram terminalem fere amplectente, rugis obliquis ornato; apertura obliqua, oblongo- ovata, versus carinam coarctata, carına mediocri, striis sub-rectis signata’.

Aus der undeutlichen Beschreibung Bexson’s geht so viel hervor, dass die Schale ganz gerade ist, ohne jegliche Krümmung, unten schräg abgestutzt, mit niedrigem Kiele. Neuerdings wurde diese Art wieder von SowErky beschrieben und zum ersten Male auch abgebildet. Ein ganz tadelloses Exemplar findet sich im „British Museum’, und die hier gegebene Abbildung ist nach dieser Schale gemacht worden. Die Schale ist gerade, die kleine, elegante Spira oben aufgesetzt; die Hinterseite ist länger als die Vorderseite, weil die Schale unten wie schräg abgestutzt erscheint. Ouerrippen laufen parallel dem Mundrande und setzen sich in derselben Richtung auf den niedrigen Kiel fort. Höhe der Schale 9—ı0o mm.

Verbreitung: Trop. Ind. Oz.: BENSoNn, SOWERBY. Das von mir untersuchte Exemplar

stammte ebenfalls dorther.

7. Carinaria galea Benson. (Taf. II, Fig. 65).

„lesta dextra, ultimo anfractu incurvo, compresso-conico, spiram terminalem fere am- plectente, rugis transversis ornato, late carinato, carinae rugis perobliquis recurvatis; apertura transversa, ovata, versus carinam coarctata'.

Die Schale ist an der Spitze gekrümmt, und hier heftet sich die kleine Spira an.

Es wurde auch diese Art von SowErgy wieder beschrieben, und eine Abbildung beige- geben. Da auch ein ganz schönes Exemplar sich im „British Museum’ fand, so habe ich die nach dieser Schale angefertigte Skizze hier wiedergegeben. Die Schale ist ganz gerade, nur an der Spitze leicht gebogen, und hier findet sich die elegante Spira. Auch fängt schon dort der

Kiel an, der weiter der ganzen Vorderseite der Schale entlang zieht, ziemlich hoch und mit

SIBOGA-EXPEDITIE LI. 3

18

Ouerstreifen versehen ist, die mit den Querrippen auf der Schale einen bestimmten Winkel. bilden. Der Mund ist nicht schräg abgestutzt, wie bei der vorhergehenden Art.

Nähere Besprechung im zweiten Abschnitt.

Verbreitung: Trop. Ind. Oz.: Benson, SowErBY. Auch das von mir gesehene Exemplar

stammte dorther. Östl. Pazif. Oz. (bei den Galapagos-Inseln): Bexsox.

3. Carinaria punctata d’Orbigny. (Taf. III, Fig. 66—66a, 2).

„Corps allonge, subfusiforme, acumine A ses extremites, diaphane, gelatineux, couvert partout de petits points @leves, qui rendent toute sa superficie rugueuse, excepte la trompe qui est lisse”’. Die Flosse ist viereckig mit grossem Saugnapfe. Schwanz spitz zulaufend ohne laterale Flossen, ohne Kamm an der Rückenseite. Schale der von C. /amarcki sehr ähnlich, nur, wie es scheint, etwas mehr zusammengedrückt (Fig. 686) und mit grösserer Spira. Wie D’ÖRBIGNY hervorhebt, ist diese Art durch die überall auf dem Körper zerstreuten kleinen Dornen von C. australis verschieden. Ich möchte noch hinzufügen, dass auch die Form des Schwanzes und der Schwimmflosse die Art D'’Orsıcnv's von.C. australis trennen. Länge des Tieres 9o— 100 mm.

Copie nach D’ÖRBIGNY.

Verbreitung: Östl. Pazif. Oz. (bei Juan-Fernandez): D’ORBIGNY.

9. Carinaria atlantica Adams et Reeve. (Taf. III, Fig. 67).

Die Beschreibung und Abbildung dieser Art ist so eigentümlich, dass, vorausgesetzt dass die Angaben richtig sind, die Aufstellung eines neuen Genus gerechtfertigt wäre. Erstens sind Eingeweidenucleus und Flosse einander nicht gegenübergestellt, wie sonst ganz allgemein bei Carinaria vorkommt, sondern die Flosse ist noch dazu „sharply triangular'', was sonst nie bei Heteropoden überhaupt der Fall ist. Am ehesten wäre aber ungenaue Beobachtung anzunehmen. Der Körper ist langgereckt und schlank, mit stumpfem Schwanze; eine deutliche Einschnürung, gleich vor den spitzen Tentakeln, trennt den kurzen Rüssel vom übrigen Körper. Schale klein, zusammengedrückt, mit hohem Kiele. Grösse des Tieres wird nicht angegeben.

Copie nach Avans. Nord-Atl. Oz.: Apans.

10. Carinaria gaudichaudi Souleyet. (Taf. Ill, Fig. 68—69).

„La coquille est tres elevee, en forme de bonnet phrygien, comprimee lateralement et marqude de sillons transverses comme dans les autres especes, tres fragile et d'une grande transparence; son sommet represente une petite coquille discoide, munie de trois tours, faisant une legere saillie A droite et ombiliquee du cöt€e gauche; le dernier tour, qui forme presque toute la coquille, est munie anterieurement d’une tres large carene qui se retr&cit progressive- ment vers sa partie superieure et qui se termine au sommet. L’animal se rapproche beaucoup des Carinaroides par la disposition du pedoncule nucleal qui est situe plus en arriere que dans

les autres especes, et par le developpement moins considerable de son extremite posterieure ou

19

caudale; sa surface est recouverte, dans toute l’Etendue du corps, de petites dminences ou asperites, comme dans les autres Carinaires’.

Die hier gegebene Beschreibung wurde später von MacDonaLD in so weit ergänzt, dass er nachwies, dass die kleinen Tuberkel auf dem Körper in Wirklichkeit subcutane Hautflecken vorstellten, wie sie allgemein bei Carinaria vorkommen. Die Abbildung Macponarp’s (Fig. 69) zeigt merkwürdigerweise den Saugnapf nahe an der Basis der Schwimmflosse. Der Schwanz ist etwas stumpfer.

Trotzdem wird es leicht sein, in C. gaudichaudi dieselbe Art zu erblicken wie C. galea. Die Schalen, mit der leicht gebogenen Spitze und dem breiten Kiele, kommen ganz überein. Die Priorität gehört also dem Namen Benson’s. Auch SowErgY sprach sich für die Identität der beiden Arten aus.

Länge des Tieres 25 mm.; Höhe der Schale 6 mm. (SouLEvEr).

Copie nach SouULEYET (Fig. 68) und Macponarn (Fig. 69).

Verbreitung: Philippinen: SouLeEvET. Trop. Pazif. und Atl. Oz.: Macnonauo.

11. Cerinaria cornucopia Gould.

„lesta parva, hyalina, elongata, subtriangularis, compressa, plicis angulatis reclivibus ad cristam retrorsum inclinatis ornata; apice spirali anfractus 4 dextrorsum, unicum sinistrorsum volventes monstrante; crista elevata, lunata, spiram haud attingente. Apertura angusta, ovata.

The unusual length of the shell, the very elevated crest, equalling half the major diameter, and the waved, almost plicate surface make this a strongly marked species’.

Trotz der letzten Bemerkung möchte ich an den Schluss der Beschreibung, durch keine Abbildung verdeutlicht, ein Fragezeichen stellen. SOwErBYy vermutet, dass ebenfalls C. cornzcopia mit C. galea identisch sei.

Höhe der Schale 10 mm.

Verbreitung: Süd-Rarolinen-Inseln : GouLD.

122 @4%1n1920, 593 Smith. (Taf III, Fıg. 70).

Der Körper ist überall mit kleinen Hautflecken bedeckt, auch am Schwanze und auf dem Rüssel; dazwischen kommen Höcker vor. An die Rückenseite des Schwanzes heftet sich, eine bestimmte Strecke hinter dem Eingeweidenucleus anfangend, ein Kamm an, der bis zur Spitze reicht. Die Flosse ist abgerundet; der Nucleus niedrig, mit Kiemen am freien Rande, besonders an der linken Seite.

Nach meiner Überzeugung muss diese Form zu C. /amarcki gestellt werden, besonders mit Rücksicht auf den Schwanz, die Flosse und den Nucleus. Ich hatte im „British Museum’ Gelegenheit das Originalexemplar zu studieren, und fand meine Vermutung nur bestätigt. Die kleinen Hautflecken und Tuberkel sind, ganz wie bei der Art des Mittelmeers, überall zerstreut. Als ich die Radula untersuchte, fand sich, dass die Zwischen- und Seitenzähne ganz mit denen von C. /amarcki übereinstimmten, in der Mittelplatte zeigten sich aber die drei Dornen viel

schlanker und langgestreckt, während sie bei C. /amarcki dicker und kürzer sind.

20

Höchstens kann man es hier mit einer Varietät der mediterranen Art zu tun haben lediglich mit Rücksicht auf die Radula. Die Varietät oceanzca ist jedenfalls eine andere.

Von Sımirn und SowErBy wurde vermutet, dass diese Form mit C. Zunctata identisch sein könnte.

Länge des Tieres 35 mm.

Copie nach SMITH.

Verbreitung: Westl. Ausgang der Strasse von Gibraltar: SmirH.

13. Carinarıa elata Sowerby. (Taf. III, Fig. 71).

Die Schale ist sehr hoch, höher noch als bei C. cztkara, zugleich auch schlanker, unten schräg abgestutzt, stark zusammengedrückt. Die Spira war abgebrochen, aber sehr wahrscheinlich der Spitze der Schale aufgesetzt, ganz wie bei C. crthara. Auch der Verlauf der Querrippen auf der Schale und der Streifen auf dem niedrigen Kiel ist in beiden Arten ähnlich.

Höhe der Schale 16 mm.; Breite 6 mm.; Querdurehmesser der Mundöffnung 3 mm.

Copie nach SOWERBY.

Verbreitung: West-Pazif. Oz.: SOWERBY.

14. Carinaria grimaldı Vayssiere. (Taf. III, Fig. 72).

Körper langgestreckt und überall. mit kleinen Stacheln besäet, welche das Tier, wie mit einem sammetähnlichen Rleide, überziehen. Rüssel mächtig entwickelt, fast ebenso dick wie der Rumpf; Augen sehr gross; Tentakeln klein, kaum sichtbar. Flösse klein, fast viereckig, mit einem Saugnapfe in der hinteren, freien Ecke. Die Schale fehlte, ist aber, nach der Form des Eingeweidenucleus zu urteilen, sehr niedrig; die Spira ganz dem Körper des Tieres anliegend, mit nur zwei Windungen, die aber schon zusammen einen beträchtlichen Teil der ganzen Schale bilden. Schwanz einfach, in eine Spitze auslaufend. Radula der von C. /amarcki sehr ähnlich; der Kamm an der Innenseite des Zwischenzahnes ist aber etwas abweichend gebaut. Wie sonst bei Carinaria kommen auch hier kleine, rundliche Hautflecken vor, subcutan gelegen; sie sind aber meist gänzlich verdeckt unter den vielen kleinen Stacheln an der Oberfläche des Körpers.

Wenn auch das Vorkommen von Stacheln von vorne herein zugegeben werden muss, so möchte ich doch die Vermutung äussern, dass es sich hier um ein Artefact handeln kann. Bei der Fixierung mit Pikrin-Schwefelsäure wird die Kalkschale aufgelöst und es kann nachher, in Alkohol, ein Niederschlag von ganz kleinen Gypskrystallen entstehen, welche sich überall festheften, und so ein stachliges Kleid vortauschen. Wie das Tier conserviert wurde, ist aber nicht angegeben worden.

Wenn immerhin die kleinen Nadeln sich auch beim lebenden Tiere zeigten, würden wir darin ein ganz schönes Merkmal dieser Art zu erblicken haben.

Länge des Tieres 12 mm.

Copie nach VAYSSIERE.

Verbreitung: Azoren: VAVSSIERE.

2

15. Carinaria pseudo-rugosa Vayssiere. (Taf. III, Fig. 73).

Diese kleine Art erinnert in ihrem Habitus sehr an C. /amarcki; der ganze Körper scheint mit kleinen Tuberkeln übersäet zu sein, aber bei genauer Betrachtung erweisen sich die vermeintlichen Tuberkel als von drüsiger Natur; sie sind einfach rundliche, subeutane Haut- flecken, und echte Höcker kommen gar nicht vor. Der Körper ist schwach rötlich angehaucht. Augen sehr gross, hervorragend; Rüssel in der Mitte stark eingeschnürt. Der Schwanz ist klein und entbehrt ganz irgendwelcher vertikalen oder horizontalen Kämme, nur an der Oberseite, da wo der Schwanz in einen langen Faden endet, ist eine schwarzpigmentierte Stelle. Die Schwimmflosse ist verhaltnissmässig sehr klein, abgerundet, mit kleinem Saugnapfe am Unter- rande, etwas nach hinten verschoben. Der Eingeweidenucleus mitsamt der Schale fehlten gänzlich. In der Radula sind die drei Dornen der Mittelplatte gleich lang, die Äusseren sehr leicht nach aussen gekrümmt an der Spitze, und alle von schlanker Gestalt.

Länge des Tieres 14 mm.

Copie nach VAvSsSIERE.

Verbreitung: Azoren: VAVvSSIERE.

16. Carinarıia sp. Warlomont. (Taf. III, Fig. 74).

Diese Form zeichnet sich aus durch ihren ausserordentlich kräftigen Rüssel, und über- haupt durch die mächtige Entwicklung des vorderen Rumpfabschnittes. Die Augen sind sehr gross. Der Nucleus und der Schwanz sind nur ganz unbestimmt angegeben worden, der letzte endet in zwei sehr grosse laterale, horizontale Ausbreitungen; die Flosse ist rundlich und trägt einen Saugnapf am Hinterrande. Möglich ist es allerdings, dass wir in dieser Form nur ein Jugendstadium irgendeiner schon bekannten Carinaria zu erblicken haben.

Die Länge des Tieres beträgt nur 7 mm.

Copie nach WARLOMONT.

Verbreitung: Villefranche: WARLomoNT.

Pterosoma Lesson 1830.

Die Gattung Pierosoma wurde zuerst von Lessox errichtet, freilich ohne irgendwelche Andeutung, wo ihr systematischer Platz wäre; sie wurde, man möchte sagen, zufällig, in die Nähe von Pferotrachea gestellt. Ihre systematische Stellung blieb lange Zeit zweifelhaft; Fischer hielt sie für eine pelagische Nemertine. Erst in neuerer Zeit gelang es Moszrev, namentlich aber Heprey den Nachweis zu liefern, dass die Gattung Pierosoma zu den Heteropoden zu stellen wäre. Von Cross wurde diese Behauptung näher begründet. Das Originalexemplar Lesson’s war offenbar verstümmelt, sonst wäre ihm die Ähnlichkeit mit Carizaria wohl nicht entgangen. Eine nähere, freilich nur kurze, Diagnose verdanken wir Heprev.

Ich selbst hatte das Glück, ein /ierosoma untersuchen zu können, und zwar aus der

Sammlung der Challenger. In seinem Rapport über die Heteropoden des Challenger werden

22

von Sumıtn drei sehr kleine Exemplare erwähnt, die von ihm zu €. crzsiata gestellt wurden. Als ich jüngst diese drei kleinen Formen untersuchte, stellte es sich heraus, dass zwei derselben wirklich zu Carinarıa gehören, die dritte aber ein Vertreter der Gattung Plerosoma ist.

Man kann Pferosoma auffassen als eine Carinarıa, deren Flanken, am Rumpfe wie am Schwanze, sich stark horizontal ausgebreitet haben, so dass das ganze Tier eine flache Scheibe darstellt, welche vorn eingekerbt ist, und an dieser Stelle den Rüssel frei herabhängen lässt, hinten aber sich allmählich verschmälert und in einen langen, dünnen Schwanzfaden endet. Der Nucleus ist etwas weiter nach vorn verschoben, und nicht der Flosse gegenüber, wie bei Carınarıa.

Eine Skizze, von mir, während meines Aufenthaltes zu London, angefertigt, ist auf Taf. III, Fig. 75 wiedergegeben. Man sieht, dass der ganze Körper sich zu einer dünnen, flachen Scheibe abgeflacht hat, die überall mit kleinen Hautflecken bedeckt ist. Heprey erwähnt ausser- dem noch kleine Höcker. Die Scheibe ist ganz durchsichtig, ganz wie die Cutis bei Carzinaria, am Rande nicht dünner, oder doch nur sehr wenig, als in der Mitte, und im Ganzen gestreckt- herzförmig, also vorn, zwischen den Augen, eingekerbt, hinten sich verjüngend, hier mit deut- lichen schwach convergierenden Muskelbündeln versehen, und in einen langen Faden auslaufend. Der cylindrische, kräftige Rüssel, mit grosser Buccalmasse, hängt frei herab; da, wo er sich an die Scheibe heftet, finden sich die Tentakel (von welchen ich nur den linke sah) und die Augen, welche ganz wie die Sehorgane von Carinarıa gebaut sind, und ebenfalls eine breite Basis und eine im Ganzen dreieckige Gestalt besitzen. Mitten auf der Scheibe ruht ein sehr flacher Nucleus, der allerdings stark beschädigt war, und dessen Schale fehlte. Kiemen sind am Vorderrande und an der linken Seite entwickelt; sie sind sämtlich von gleicher Gestalt und sehr kurz. Heprey beschreibt einen viel höheren Nucleus, der, gerade der Flosse gegenüber, in der Mitte der Scheibe gelagert war; von der Schale sagt er noch: „the shell is carried with its spiral end posteriorly; it is 4,5 mm. long, ı,5 mm. broad and high, apically consisting of a spiral, smooth, purple shell of 2'/, whorls, at right angles to which extends the adult, boat-shaped shell, white, glassy, shining, most brittle, ornamented by a double, lamellar keel running from the embryonic shell along its periphery; from keel to margin curved growth-lines undulate the side of the shell”. Es geht daraus hervor, dass die Schale im Ganzen der von Carinarıa ähnlich ist.

Etwas weiter nach hinten verschoben, also nicht dem Nucleus gegenüber, findet sich die grosse, dünne Flosse, deren Basis eingeschnürt ist und welche am Hinterrande einen deutlichen Saugnapf trägt. Zwei deutlich gesonderte Muskelsysteme, wie sie auch bei Carznaria vorkommen, und die sich fast rechtwinklig kreuzen, geben der Flosse ein gegittertes Aussehen, lassen aber den sehr dünnen, membranösen Unterrand fast gänzlich frei.

Die Radula ist fast ganz wie bei Carinarıa gebildet. Die Mittelplatte trägt drei fast gleich lange, schlanke Dornen; der Zwischenzahn hat an der Innenseite einen deutlichen Kamm, ganz Carinaria-ähnlich, und die beiden Seitenzähne sind stark gekrümmt. F

In der phylogenetischen Reihe erscheint also Pferosoma als einseitig entwickelter Zweig des Carinaria-Stammes, der sich besonders dadurch kennzeichnet, dass der Rumpf sich zu einer

Scheibe abgeflacht hat.

EB

Da die Ehre des Wiederauffindens dieser Gattung der Challenger-Expedition gehört, so schlage ich für die hier beschriebene Form den Namen Pferosoma challengeri') vor.

Lesson giebt als Länge des Tieres So mm. an, Heprey fand nur 30 mm. (von den Augen bis zum Schwanze), der Rumpf selbst war 13 mm. lang, 13 mm. breit. Das von mir untersuchte Exemplar war kleiner, die Scheibe hatte eine Länge von 9 mm.

Verbreitung: Zwischen den Molukken und Neu-Guinea: Lxssox. Zwischen Australien und Neu-Seeland: Hrprev. Das Exemplar der Challenger-Expedition wurde auf dem Traject Admira-

litäts-Inseln-Japan erbeutet. Die Siboga-Expedition hat keinen Vertreter der Gattung gefunden.

Cardiapoda d’Orbigny 1336.

Eine zu dieser Gattung gehörige Art wurde zwar 1830 von Lesson aufgefunden, ihr abweichender Habitus aber nicht erkannt, weshalb sie einfach zu Pierotrachea gezogen wurde. D’ORBIGNY aber wies nach, welche grosse Unterschiede zwischen Pierotrachea und der betreffen- den Form von Lxsson tatsächlich bestehen, und stellte deshalb die Gattung Cardiapoda auf, welchen Namen Sourzryer dann wieder in Carznarorda umzutauschen versuchte. Zwar wurde unsre Kenntniss der Gruppe durch die Beschreibungen D’OÖrBısnv's, Sourever's und MAcDonaLp's wesentlich erweitert, aber doch ist noch jetzt von den verschiedenen Gattungen der Heteropoden, Pterosoma ausgenommen, das Genus Cardiapoda am wenigsten bekannt. Es rührt dies wohl daher, dass Cardiapoda im Mittelmeer gar nicht vorkommt, und deshalb auch nur sehr selten zur Untersuchung gelangte.

Ich werde im zweiten Abschnitt noch Gelegenheit haben, auf viele Eigentümlichkeiten der Gattung zurückzukommen; da es sich hier nur um rein systematische Interessen handelt, so genügt eine Diagnose von Cardiapoda mit ihren bis jetzt bekannten Arten.

Der allgemeine Habitus ist wie bei Carinarıa, die Cutis ist etwas weniger dick auf dem Rumpfe, der Rüssel ist kräftig ausgebildet, vorn rechtwinklig abgestutzt; eine Einschnürung, die den Kopf vom übrigen Körper trennt, kommt nicht vor. Die Augen sind sehr gross, ganz wie bei Carinaria ausgebildet, Tentakel kommen ebenfalls vor und zwar bei beiden Geschlechtern. Der Nucleus ist nach hinten verschoben und wird auf einem mehr oder weniger langen Stiele getragen; die Schale ist sehr klein, spiralig aufgewunden, und bedeckt nur einen verschwindend kleinen Teil der Leber, sonst ist der Nucleus ganz nackt, und entweder auf dem ganzen freien Rande, oder nur an der Vorderseite mit Kiemen versehen. Der Stelle gegenüber, wo der Stiel des Nucleus aus dem Körper entspringt, heftet sich die sehr grosse Flosse an; bisweilen ist sie aber etwas nach vorn verschoben. Die Muskelbündel in der Flosse sind hier weniger deutlich als bei Carinaria, der Saugnapf ist entweder an der Unterseite oder aber am Hinterrande befestigt, ist für gewohnlich ziemlich klein und kommt beiden Geschlechtern zu. Der wenig entwickelte Schwanz, ohne deutlichen Kamm, verjüngt sich allmählich (wenigstens oft) in einen Schwanzfaden und trägt bisweilen an der Unterseite ein ovales, sehr dünnwandiges, becher- föormiges Gebilde; da wo der Schwanzfaden sich am Schwanze festheftet, findet sich bei einigen

Arten eine kleine, horizontale Ausbreitung der Spitze, mit eingebuchteten Rändern.

1) Diese unterscheidet sich also von der Art HEDLEY’s dadurch, dass der Nucleus niedriger ist und nicht der Flosse gegenüber steht r) - o’-

24

Die Arten von Cardiapoda sind sehr ungenügend beschrieben worden; MacponarD glaubte sogar, die beschriebenen Formen wären alle in einer Art zu vereinigen, und SmitnH hält diese Ansicht für gerechtfertigt. Der letztgenannte Autor war der Meinung, dass die Geschlechter nur durch die Kiemen angedeutet würden, so dass Arten wie C. /lacenta das Weibchen, C. carinata das Männchen einer und derselben Art vorstellten. Die Untersuchung des Siboga- Materiales und auch der Sammlung des „British Museums’, hat mich aber gelehrt, dass diese Auffassung aufgegeben werden muss. VavssıErE schreibt nur den Männchen einen Saugnapf zu, aber auch diese Behauptung betrachte ich als einen Irrtum.

Am bequemsten wird es wohl sein, die Arten in zwei Gruppen zu verteilen, 4: mit Kiemen am ganzen freien Rande des Nucleus, 5: mit Kiemen nur am Vorderrande.

Zus gehören: ı. Cardiapoda placenta (Lesson).

2. Cardiapoda placenta (Souleyet). 3. Cardiapoda placenta Smith. 4. Cardiapoda pedunculata d’Orbigny. 5. Cardiapoda sp. Gray. Zu BD gehören: 6. Cardiapoda carıinata d’Orbigny. 7. Cardıapoda caudına Rang. 3. Cardiapoda caudına (Souleyet). 9. Cardiapoda sp. Macdonald. oO

Cardiapoda richardi N ayssiere.

1. Cardiapoda placent« (Lesson). (Taf. III, Fig. 76).

Die sehr unvollständige Beschreibung Lessox’s giebt nur wenig Aufschluss; der Körper ' ist cylindrisch, vorn in einen ziemlich langen Rüssel, hinten in einen spitzen Schwanz übergehend, der, wie es scheint, keine Anhänge trägt. Mit dem Schwanze von gleicher Länge ist der Stiel, an dessen Ende sich der Eingeweidenucleus findet, der am ganzen Hinterrande mit Kiemen besetzt ist. Gerade dem Stiele gegenüber heftet sich an der Unterseite die Flosse an, die von abgerundeter Gestalt ist und an der Wurzel sich nur wenig verschmälert. Ein Saugnapf, sowie Augen und Tentakel, sind nicht angegeben, aber sehr wahrscheinlich übersehen worden.

Länge des Tieres 50 mm.

Copie nach Lesson.

Verbreitung: Neu-Guinea: Lexssox.

2. Cardiapoda placenta (Souleyet). (Taf. Ill, Fig. 77).

Diese von SOULEYET mit der vorhergehenden Art identifizierte Form unterscheidet sich namentlich dadurch, dass der Nucleusstiel viel kürzer ist als der Schwanz. Weiter ist der Nucleus selbst viel umfangreicher, mit Kiemen am ganzen freien Rande. Der Schwanz endet in ein schwarzpigmentiertes, lappenförmiges Gebilde; die Flosse ist etwas mehr nach vorn gelegen als

der Nucleusstiel, sehr gross, abgerundet, an der Basis eingeschnürt, mit sehr kleinem Saugnapfe

25 an der Unterseite, etwas nach hinten verschoben. Der Rüssel ist kräftig, ebenso wie bei Carinaria, Augen und Tentakeln (diese sehr lang) sind vorhanden. Länge des Tieres 35 mm. Copie nach SOULEYET. Verbreitung: Sandwich-Inseln u. trop. Atl. Oz.: SovLkver.

3. Cardiapoda placenta Smith. (Taf. Ill, Fig. 78).

Die von der Challenger-Expedition gefundene Form hat wirklich mit der Art SourkveEr's die grösste Ähnlichkeit, jedoch möchte ich sie lieber getrennt beschreiben, da immerhin gewisse Unterschiede bestehen. Der Rüssel ist kürzer, ziemlich spitz zulaufend, der Rumpf dagegen mächtig entwickelt und in einen kleinen Schwanz übergehend, der an den Seiten deutliche, longitudinale Muskeln zeigt und, nach einer geringen Einschnürung, bandförmig wird, um schliesslich in ein sehr kleines eingekerbtes Gebilde zu enden. Letzteres, sowie der Nucleusstiel, der Nucleus selbst mit den Kiemen und die grosse, breit angeheftete Flosse, stimmen mit den entsprechenden Teilen der vorhergehenden Art fast ganz überein. Ein kleiner Saugnapf kommt auch hier vor und zwar ebenfalls ein wenig nach hinten gerückt.

Ich hatte im „Britisch Museum” die Gelegenheit, das Originalexemplar zu studiren, und damit die Angaben Smit#'s zu bestätigen. Nur muss ich noch hinzufügen, dass die Mittelplatte der Radula drei gleich lange, ziemlich weit von einander abstehende Dornen trägt.

Länge des Tieres 77 mm.

Copie nach SMITH.

Verbreitung: Aru-Inseln: SımitH.

4. Cardiapoda pedunculata d’Orbigny. (Taf. III, Fig. 79).

Rüssel kurz, wahrscheinlich stark zusammengezogen; Rumpf nur wenig dicker, Tentakeln lang, Schwanz schlank, allmählich sich verdünnend, ohne membranöse Ausbreitungen. Nucleus- stiel sehr lang und dünn; Nucleus selbst sehr umfangreich mit einer Reihe Kiemen am ganzen Hinterrande. Die Flosse ist nicht gerade der Ansatzstelle des Stieles gegenüber gestellt, sondern etwas nach vorn gerückt, klein, an der Wurzel stark eingeschnürt, mit grossem Saugnapfe, gerade in der Mitte der Unterseite.

Nach SouL£evEr wäre diese Art dieselbe wie seine C. Z/acenta, der Nucleus ist aber grösser, der Stiel länger, der Schwanz einfach und ohne flossenartige Bildungen, und besonders die Flosse ist kleiner, deutlich eingeschnürt, indem der Saugnapf nicht am Hinterrande liegt, sondern nach vorn gerückt ist.

Länge des Tieres 30—4o mm.

Copie nach D’ÖRBIGNY.

Verbreitung: Trop. Atl. Oz.: D’ORBIGNY.

5. Cardiapoda sp. Gray. (Taf. III, Fig. 80).

Die Abbildung, von Grav nach einer Zeichnung von HookER angefertigt, zeigt nur

SIBOGA-EXPEDITIE LI. 4

26

Weniges deutlich, wenn auch der allgemeine Typus von C. Slacenta, im weiteren Sinne, unver- kennbar ist. Der Schwanz geht hier merkwürdigerweise in ein langes, plattes Band über.

Die Länge des Tieres wird nicht angegeben.

Copie nach Grav.

Verbreitung: Unbekannt: Gray.

Die Arten, welche die Kiemen nur am Vorderrande des Nucleus tragen, nähern sich dadurch im äusseren Habitus sehr dem Carznaria-Typus, und diese Ähnlichkeit wird noch erhöht

durch die Beschreibungen der Schale, wenigstens in einigen Fällen.

6. Cardiapoda carinata d’Orbigny. (Taf. III, Fig. 8ı—81a).

Rüssel kräftig, ohne Einschnürung vor den Augen, Tentakeln sehr lang; Rumpf cylin- drisch, mit einem ganz kurzen Stiele, der den kleinen Nucleus trägt. Dieser Nucleus ist von einer membranösen Hülle umgeben (vom Verfasser als Schale betrachtet, da er die kleine, spiralige Kalkschale noch nicht kannte) „de la forme d'une nacelle, et car&nee en dessous comme la Carinaire’. Am Vorderrande dieser Hülle ragen die Kiemen hervor. Wahrscheinlich ist hier eine mantelähnliche Hautduplicatur gemeint. Der Schwanz läuft allmählich spitz zu und hat an der Unterseite zwei schwarze Linien. Die grosse Flosse ist deutlich nach vorn gerückt, abge- rundet, an der Basis stark eingeschnürt, am Hinterrande mit einem grossen (im Texte klein genannten) Saugnapfe.

Länge des Tieres 25 mm.

Copie nach D’ÖRBIGNY.

Verbreitung: Süd-Atl. Oz.: D’ÖRBIGNY.

7. Cardıiapoda caudina (Rang). (Taf. III, Fig. 82).

Diese Art zeigt im Allgemeinen denselben Habitus, aber die Flosse ist noch weiter nach vorn verschoben, und gerade in der Mitte zwischen dem kurzen Nucleusstiele und den Augen gelagert; an der breiten Basis finden sich kleine rötliche Flecke, die auch am Schwanze vorkommen. Der Nucleus ist klein, wird auf kurzem Stiele getragen, und ist an der Oberseite mit Kiemen versehen. Die Flosse besitzt noch einen winzigen, etwas hinterwärts verschobenen Saugnapf.

Länge des Tieres So mm.

Copie nach Ranc.

Verbreitung: Trop. Atl. Oz.: Ranc.

3. Cardiapoda caudina (Souleyet). (Taf. III, Fig. 83—84).

Trotz unleugbarer Ähnlichkeit mit der vorhergehenden Form, hat doch die Art SouLkvEr's gewisse Merkmale, welche nach meiner Meinung, eine gesonderte Besprechung rechtfertigen. Der Nucleus ist verhältnissmässig viel umfangreicher, die Flosse ist hinterwärts gerückt, mit grossem Saugnapfe am freien Hinterrande. Der Schwanz endet in ein sternförmiges, eingekerbtes

Gebilde und trägt an der Unterseite einen ovalen, dünnwandigen, schwarz pigmentirten Becher.

27

Ein junges Exemplar von Cardiapoda, von Sourkyer zu der hier besprochenen Art gerechnet, unterscheidet sich nur durch den spitz zulaufenden Schwanz und einen grossen, schwarzen Fleck, statt des Bechers, an dessen Unterseite.

Das Originalexemplar war im „British Museum”, leider aber ganz eingetrocknet, weshalb ich keine weiteren Untersuchungen anstellen konnte.

Nach SouLEvET wäre diese Art dieselbe wie C. carinata:; letztere unterscheidet sich aber, abgesehen von der Schale, durch die Form der Flosse, und durch den grösseren, zudem noch anders gestalteten Schwanz. Eine Identität wäre freilich möglich.

Länge des (erwachsenen) Tieres 35 mm.

Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Atl. und Pazif. Oz.: SOULEYET.

9. Cardiapoda sp. Macdonald. (Taf. III, Fig. 85).

Diese Art zeigt im Allgemeinen denselben Habitus wie die vorhergenannte, aber doch sind deutliche Unterschiede vorhanden. Die breit angeheftete, niedrige Flosse, ist dem Nucleus- stiele gegenüber gelegen, und besitzt, ganz hoch am Hinterrande, einen grossen Saugnapf, der sich sogar von dem übrigen Teil der Flosse deutlich abhebt. Der Schwanz trägt einen ovalen Becher an der Unterseite, setzt sich hinter diesen, mit ziemlich plötzlichem Übergang in ein schmales Band fort, ohne eingekerbtes. Gebilde an der Spitze. Die Schale ist, nach der Beschreibung, sehr merkwürdig. MacponaLD sagt wörtlich: „numerous branches, with a plain external surface and a zig-zag internal fold, protruded from beneath the dorsal lip of the shell which was semi- cartilaginous, shallow, or scoop-shaped, with an involute nucleus, and a deep but very thin and delicate keel’’. Man möchte hier fast an Carinarıa denken, wenn nicht die Radula, deren Mittelplatte drei ungleiche Dornen besitzt, und deren Zwischenzahn an der Innenseite einen distal nicht zugespitzten Kamm trägt, ganz Cardiapoda-ähnlich wäre. Erwähnenswert ist weiter noch der stark entwickelte Penis, der sonst bei Cardiapoda klein bleibt.

Länge des Tieres 18 mm.

Copie nach MAcDoNALD.

Verbreitung: S.W. Pazif. Oz.: Macponarn.

10. Cardiapoda richardi Vayssiere. (Taf. Ill, Fig. 86).

Rüssel sehr gross, mit dem Rumpfe ohne Einschnürung verbunden, zusammen einen eylindrischen Körper darstellend, an dessen Ende sich der Nucleusstiel und der Schwanz finden. Der Nucleus wird auf kurzem Stiele getragen, ist sehr umfangreich, und besitzt am Vorderrande acht lange, dünne Kiemen. (Was der merkwürdige, konische Zapfen an der rechten Seite des Nucleus bedeutet, wird nicht angegeben. Ein Penis wäre an anderer Stelle zu suchen). Der Schwanz ist anfangs sehr hoch, verschmälert sich dann plötzlich, in ein langes Band übergehend; an der Übergangsstelle findet sich, was der Verfasser nennt: „une grande expansion membra- neuse ä bords sinueux et noirätres’”’ von schwerlich definirbarer Gestalt. Die sehr grosse, breit

angeheftete, rundliche Flosse, die deutliche Muskelbündel zeigen soll, ist dem Nucleusstiele

28

gegenüber gestellt, und entbehrt merkwürdigerweise des Saugnapfes; wenigstens wird seine Existenz geleugnet; mehr wahrscheinlich aber ist er, seiner Kleinheit wegen, übersehen worden. Die Augen sind weit auseinander, lateralwärts, gerückt, und jedes trägt einen starken Tentakel an der Vorderseite. Der ganze Körper ist allseitig mit kleinen, ovalen, länglichen oder birn- förmigen Hautflecken bedeckt. Die Mittelplatte der Radula zeigt drei Dornen, von denen der mittlere länger ist als die beiden anderen; der Kamm auf der Innenseite des Zwischenzahns ist distal nicht so scharf zugespitzt wie bei Carınarıa.

Länge des Tieres 17 mm.

Copie nach VAavssIEre.

Verbreitung: Westl. von den Azoren: VAvSSIERE.

Am Schlusse der systematischen Besprechung der Carinariidae, möchte ich noch einige Formen ganz kurz erwähnen, deren Beschreibungen und Abbildungen entweder nach verstümmelten Exemplaren angefertigt wurden oder welche doch auf anderer Weise ganz unkenntlich sind. Von älteren Autoren sind hier CuviEer, und Qvoy und GAIMARD zu erwähnen. Die „Pterotrachea von Cuvier (Taf. III, Fig. 87) ist eine verstümmelte Carzinaria. Ebenso sind Monophora cylindracea und Timorienna firoloides, beide von Quvoy und GaImarD beschrieben, nur abgerissene Schwanzteile irgendeiner Carınarza. Später wurden noch von Rarrray einige Formen beschrieben. Erstens eine Carzinarıa (Taf. IV, Fig. 88) deren Nucleus abgerissen war, mit auffallend langem Schwanze. Weiter noch zwei zu Cardiapoda gehörige Formen, von denen die erste (Taf. IV, Fig. 89) mit ziemlich langem Nucleusstiele. Kiemen am Vorderrande des Nucleus, breit angehefteter Flosse, mit etwas nach hinten gerücktem Saugnapf, zu C. Pedunculat« gerechnet wurde (wie mir vorkommt, aber mit Unrecht), indem die zweite (Taf. IV, Fig. 90) deren Schwanzteil an den von C. cristata erinnert, einfach als „Carinaroides' bezeichnet wird. Die hier gegebenen Copien stellen die natürliche Grösse dar. Alle stammen aus dem östl. Pazif. Ozean. Im zweiten Abschnitt werden die folgenden Arten noch ausführlicher besprochen werden: Carinaria lamarcki Peron et Lesueur. Carinaria cristata Linne. Carınaria galea Benson.

Ich habe dort noch eine neue Art hinzufügen müssen.

Die zu Cardiapoda gehörigen Tiere habe ich als drei neue Arten bezeichnet.

Familie III. PTEROTRACHEIDAE.

Solche Arten, bei welchen gar keine Schale nachweisbar ist, werden zu der Familie der Pterotracheidae vereinigt.

Die älteste Beschreibung einer zu dieser Gruppe gehörigen Art und einer Heteropode überhaupt, stammt von ForskÄr, der 1775 zum ersten Male kurze Diagnosen gab von vier

sogenannten „Arten. Diese Beschreibungen sind aber ausserordentlich mangelhaft, und dasselbe

29

gilt in mehr oder wenig hohem Grade von fast allen seinen Nachfolgern. Sehr oft wurden einfach die secundären Geschlechtscharactere (die natürlich noch nicht als solche erkannt waren) als Art- merkmale verwendet, in anderen Fällen hat man das Fehlen des Kopfes oder des Schwanz- fadens benutzt, um neue Arten oder sogar neue Gattungen aufzustellen. Die systematische Litteratur ist aber noch ganz besonders complizirt dadurch, dass viele Formen vier- oder fünfmal mit demselben Namen belegt wurden, ohne die Identität mit den ursprünglichen Beschreibungen genügend festzustellen. Die Verwirrung, welche in der Systematik der Heteropoden überhaupt herrscht, ist in dieser Gruppe am grössten und der Forscher, der sich die Aufgabe gestellt hat, die bisher beschriebenen Arten zu besprechen, findet hier gewiss die schwierigste Arbeit.

Es nützt nichts, hier wieder die Klagen zu wiederholen, welche schon öfter von ver- schiedenen Seiten angehoben wurden; wir haben nur die ganze Bürde der ungenügenden Beschreibungen hinzunehmen und zu versuchen, /an? sozt peu einige Lichtstrahlen in die Finsternis unsrer systematischen Kenntnis zu senden.

Wie ich nach eigenen Beobachtungen nur bestätigen kann, zeigt die ganze Familie eine höchst einförmige Gestalt. Mit grosser Zähigkeit behalten die Arten immer und immer wieder die Grundzüge ihres Baues bei. Überall derselbe cylindrische Körper, ganz durchsichtig und vollkommen an die pelagische Lebensweise angepasst; dieselbe Flosse, derselbe Schwanz, ja, sogar die vier Muskelstreifen, zu beiden Seiten des Schwanzes von /ferotrachea, wiederholen unveränderlich den gleichen Verlauf. Bei solcher Sachlage ist es begreiflich, dass nur bei ganz genauer Betrachtung Unterschiede gefunden werden können eine Aufgabe die offenbar den meisten Beschreibern, wenigstens hier, zu beschwerlich war.

Die Pterotracheidae wiederholen im Allgemeinen den Habitus, wie sie die vorhergehende Familie zeigt; der Körper ist aber schlanker, vollkommen durchsichtig, Tuberkeln kommen zwar vor, aber sie sind klein, und bleiben vereinzelt; Hautflecken sind grösser, rundlich, immer, wenn vorhanden, an der Ventralseite, besonders in der Nähe der Flosse, gelagert. Der Rumpf geht vorn ohne Einschnürung in den cylindrischen Rüssel über, hinten in einen Schwanz, in dessen Gestalt hauptsächlich die Unterschiede zwischen den beiden Gattungen gelegen sind. An der Grenze zwischen Rumpf und Schwanz findet sich der Eingeweidenucleus, von birn- förmiger Gestalt, eingebettet in die hyaline Körperbedeckung. Die rundliche Flosse, mit etwas eingeschnürter Basis, ist etwa auf halber Länge zwischen den Augen und dem Nucleus angebracht.

Die Familie zerfällt in zwei Gattungen, /Pierotrachea und Frrolorda.

Pterotrachea Forskäl 1775:

Die Gattung unterscheidet sich durch folgende Merkmale: der Rüssel ist kräftig, vor den Augen kommen keine Tentakeln vor, welche ganz fehlen, aber statt dieser, finden sich bisweilen, an ihrer Stelle, einige kleine, nach vorn gerichtete Dornen auf der Stirn. Die Cutis ist ganz hell und durchsichtig, die Flosse gross, rundlich, und fast genau in der Mitte des convexen Unterrandes mit einem Saugnapfe versehen, der nur den Männchen zukommt, bei den Weibchen aber ganz fehlt. Der Eingeweidenucleus ist fast ganz in der durchsichtigen Körper-

substanz eingebettet, nur der spitze, obere Teil ragt hervor, und ist hier am Vorderrande und

30

an der linken Seite mit Kiemen versehen, welche vorn sehr klein sind, nach links aber allmählich an Grösse zunehmen. Der Schwanz ist beiderseits zusammengedrückt und überall fast ganz hyalin, mit Ausnahme der schon oben erwähnten, ganz constanten, longitudinalen Muskelbündel, von denen das zweite, namentlich aber das dritte (von der Dorsalseite aus gerechnet) die grössten sind. Eine ausführliche Beschreibung dieser Bündel und ihrer schliesslichen Verschmelzung ist hier nicht am Platze. Sie ist ausserdem schon von Anderen (LeuckArT, KALıpE u. A.) gegeben worden; es genügt hier zu constatiren, dass die Muskelstreifen zusammenstossen und schliesslich ganz am Ende des Schwanzes sich vereinen. Hier sind noch zwei, rechts und links gelegene, kleine horizontale Ausbreitungen der Cutis zu beachten, welche zusammen eine herzförmige nach hinten also eingekerbte Figur bilden; in der Einkerbung ist der lange, bewegliche, sehr zarte, perlschnürförmige Schwanzfaden angebracht („/aenza” Forskäl).

Die Schlundmasse ist im Grossen und Ganzen nach dem allgemeinen Typus bei den Heteropoden gebaut und besitzt eine kräftige Reibeplatte; was aber diese Gattung von den übrigen noch unterscheidet, sind die merkwürdigen Chitinzähne am Dache der Mundhöhle. Sie wurden zuerst von MuacponALD beschrieben, dann in neuerer Zeit wieder von VAvSSIERE. Es handelt sich um zwei longitudinale Reihen, jederseits von der Medianlinie gelegen, am Rande einer dorsalen Grube in der Mundhöhle, und von vorn nach hinten an Grösse zunehmend. Die Zähne sind zäpfenförmig, leicht nach hinten gerichtet; ihre Zahl ist in beiden Reihen nicht immer die gleiche, gewöhnlich sind deren sechs oder sieben vorhanden. Zudem kommen noch nach VAvSSIERE, wenigstens bei einigen Arten, Peribuccalzähne vor, welche im Kreise den Eingang der Mundöffnung an der Innenseite umgeben. Es sind kleine, stark gekrümmte Häkchen, welche sämtlich nach innen gerichtet sind. Alles dies weist auf die äusserst räuberische Lebens- weise der Pferotrachea-Arten hin.

Wenn man die verschiedenen, bereits sehr zahlreichen, Abbildungen betrachtet, die sich auf Pierotrachea beziehen, kommt man leicht zu der Vermutung, dass Fehler in der Beobachtung sich oft eingeschlichen haben müssen. Besonders die Lage der Kiemen um dem Nucleus herum, und auch der Schwanz, sind in den Figuren oft abenteuerlich gestaltet, und man möchte meinen, dass in dieser Hinsicht eine grosse Mannigfaltigkeit besteht. Dem ist aber nicht so. Wie schon oben gesagt wurde, ist der Körper bei /lerotrachea immer nach demselben Typus gebaut. Wer genügendes Vergleichsmaterial zu seiner Verfügung hat, wird sich von dieser Tatsache leicht überzeugen können. Ich habe, während fünf Monaten, an der zoologischen Station zu Neapel, eine grosse Menge Exemplare zu studiren Gelegenheit gehabt, aber bei diesen, ebenso wie bei dem reichen Material der Siboga-Expedition, habe ich immer nur bestätigt gefunden, dass die Kiemen, der Schwanz, überhaupt der ganze Körper höchst einförmig sich gestaltet. W orin, meiner Ansicht nach, eigentlich die (freilich geringen) Unterschiede bestehen, hoffe ich im zweiten Abschnitt noch ausführlich zu erörtern, hier habe ich nur die Einförmigkeit constatiren wollen, um es von vorn- herein verständlich zu machen, dass ich die eigentümlichen Gestaltungen in den Abbildungen auf Beobachtungsfehler zurückführen muss und nicht als spezifische Merkmale berücksichtigen kann.

Es ist aus der Litteratur die stattliche Zahl von 37 Arten zu verzeichnen, von denen ıo gänzlich unkenntlich sind, die übrigen aber, wie ich glaube, auf fünf oder sechs Formen zu

reduziren wären.

Diese Arten sind:

1. Pterotrachea coronalta Forskäl. 20. Pterotrachea edwardsi (Deshayes).

2. Pterotrachea cuviera (Lesueur). ı 21. Plerotrachea umbilicata delle Chiaje.

3. Pterotrachea peronia (Lesueur). 22. Pterotrachea keraudreni Souleyet.

4. Pterotrachea gibbosa (Lesueur). 23. Pterotrachea scutata Gegenbaur.

5. Pterotrachea frederica (Lesueur). 24. Pterotrachea sp. Smith.

6. Pterotrachea frederici (Blainville). 25. Pterotrachea souleyeti (V ayssiere).

7. Pterotrachea friderici(ana) delle Chiaje. 26. Pierotrachea gegenbauri (N ayssiere).

8. Pterotrachea fredericia Cantraine, Gegen- 27. Pterotrachea talismani (Vayssiere). baur, Carus. ı 28. Pterotrachea hyalına Forskäl.

9 Pterotrachea forskalia (Lesueur). | 29. Pterotrachea hyalina (cristallina) delle

10. Pterotrachea mutica (Lesueur). | Chiaje.

11. Pterotrachea mutica Cantraine, Gegenbaur, | 30. Pterotrachea aculeata Forskäl. Keferstein, Carus. | 31. Pterotrachea pulmonata Forskäl.

12. Plerotrachea mutica (Vayssiere). 32. Plerotrachea (Anops) peroni d'Orbigny.

13. Pterotrachea rufa Quoy et Gaimard. | 33. Pterotrachea (Anops) sp. Rattray.

14. Pterotrachea lesueuri Risso. ı 34. Pterotrachea keraudreni Rattray.

15. Pterotrachea lesueur! (Macdonald). | 35. Pferotrachea sp. Gray.

16. Pterotrachea adamastor Lesson. 36. Aypterus appendiculatus Rafınesque-

17. Pterotrachea hippocampus Philippi. Schmaltz.

18. Pterotrachea hippocampus (NV ayssiere). 37. Aypterus erythrogaster Rafınesque-

19. Plerotrachea guoyana (d’ Orbigny). | Schmaltz.

1. Pterotrachea coronata Forskäl. (Taf. IV, Fig. 91).

Diese sehr oft beschriebene Art ist leider bis jetzt nur mangelhaft bekannt. Dass sie von späteren Forschern, trotz der rohen Abbildung Forskär's erkannt werden konnte, liegt eigentlich nur daran, dass die Art auffallend gross werden kann, sogar bis 250 mm. Hinter solchen Dimensionen bleiben die übrigen Pierotrachea-Arten weit zurück.

Der kräftige Rüssel zeigt vor den Augen 6—8 starke, nach vorn gerichtete Dornen, gewöhnlich in zwei distal divergirenden Reihen gestellt. Die Cutis ist glatt, fast ganz ohne Dornen, an der Bauchseite finden sich, wie bei ?ierofrachea überhaupt, grosse, rundliche Haut- flecken, wie sie schon zu wiederholten Malen, so von GEGENBAUR und VAYvSsSIERE, besprochen wurden. Die Flosse ist sehr gross, rundlich, etwas mehr dem Nucleus als den Augen genähert. Der Nucleus selbst zeigt eine langgestreckte Gestalt, die Kiemen wechseln stark in Zahl; der Schwanz zeigt nichts besonderes.

Panern machte die merkwürdige Entdeckung, dass bei dieser Art Saugnapf und Penis, sonst nur Zeichen des männlichen Geschlechtes, gelegentlich auch beim Weibchen vorkommen. Besonders ist der Saugnapf an der Flosse des Weibchens sogar ziemlich häufig '). Pan£rH meinte, dass die secundären Geschlechtsunterschiede des Männchen gelegentlich auch auf das Weibchen

1) CANTRAINE sagt von dieser Art: „disco pedis nullo aut subnullo”; wahrscheinlich hat er dann nur normale Weibchen, oder solche mit männlichen Merkmalen gesehen, denn der Saugnapf ist beim Männchen sehr gross.

32

übertragen werden konnten; GROBBEN aber, und, wie ich meine, mit Recht, vermutet, dass bei Pt. coronata das secundäre Geschlechtsmerkmal, der Saugnapf, noch nicht in dem Masse nur dem Männchen eigentümlich sei wie sonst bei P/erotrachea, dass also die hier besprochene Art eine Anfangsstufe sei, wo sich das betreffende Merkmal noch in statu nascendi befinde. Diese freilich anregende Tatsache sei hier nur kurz erwähnt.

Wenngleich die Art öfter als irgend eine andere abgebildet wurde, hat noch kein Forscher auf die wesentlichen spezifischen Merkmale hingewiesen. Keinem scheint es aufgefallen zu sein, dass die Augen (wenn auch oft, von LEUCKART, GEGENBAUR, GRENACHER, HESSE beschrieben) sich in ganz besonderer Weise von denen der anderen mediterranen Arten unterscheiden. Das Auge ist nämlich mehr oder weniger cylindrisch, weil die schmale Retina nur kurz ist, nicht lang ausgezogen, wie sonst. Zwar ist diese Tatsache vielen Forschern nicht entgangen, nie aber, wie es scheint, als Artmerkmal hervorgehoben worden. Ich betrachte diese Form der Augen als einen wesentlichen Unterschied von den übrigen Arten des Mittelmeeres; ja, diese Eigen- schaft kommt, nach meiner Erfahrung, immer combinirt vor mit einer schlanken, langgestreckten Gestalt des Nucleus, weshalb in der Gattung zwei distincte Gruppen unterschieden werden können. Im zweiten Abschnitt werde ich alles dies ausführlicher begründen.

Am Dache der Mundhöhle stehen jederseits 7—8 Buccalzähne, von denen die drei vorderen sehr klein sind, distal aber an Grösse zunehmen. Die Mittelplatte der Radula ist deshalb merkwürdig weil in der Mitte drei Dornen auf gemeinschaftlicher Basis angebracht sind. -

Die hier gegebene Copie ist nach VAYSSIERE.

Verbreitung: Mittelmeer: Lo Bianco, CANTRAINE, DELLE CHIAJE, FOL, FORBES, GEGENBAUR, KROHN, LEUCKART, ÖBERWIMMER, PANETH, Rısso, VAYSSIERE, VERANY.

2. Pterotrachea cuviera (Lesueur). (Taf. IV, Fig. 92).

„Body destitute of the vermiform organ ') and cup. Tail with an appendage.

Body subequal, larger and transversely wrinkled before, with a dorsal groove °). Colour pale violaceous, tubercles rosaceous, irregularly disposed; one on each side of the dorsal fin larger and transverse, with two longitudinal ones placed upon the tail. Gelatinous points °) eight, four in a transverse line, surmounted by four others in two transverse lines”.

Copie nach LesvEur.

Verbreitung: Mittelmeer: LEsUEUR.

3. Pterotrachea peronia (Lesueur). (Taf. IV, Fig. 93).

„A vermiform organ, cup on the dorsal fin, and caudal appendage. Gelatinous points none. Body cylindrical, diaphanous, spotted with white at the base of the dorsal fin, tubercles none’. Copie nach LEsuEuURr.

Verbreitung: Mittelmeer: LESUEUR.

ı) Es ist damit der Penis gemeint.

2) In den Beschreibungen LESUEUR’s wird stets die beim Schwimmen nach oben gekehrte Seite (also in Wirklichkeit die ventrale) als dorsale bezeichnet.

3) Dornen vor den Augen.

jo 20}

4. Pterotrachea gibbosa (Lesueur). (Taf. IV, Fig. 94).

oO

„Body furnished with a vermiform organ, no cup!) or caudal appendage.

Body gibbose above the nucleus, narrowed behind the eyes, and emarginate at the base of the dorsal fin. Gelatinous points disposed in a single semi-circular row. Colour pale blue, with two lateral fillets of rosaceous tubercles, base of the dorsal fin yellow".

Diese Art wäre, nach VAvSSIERE, dieselbe wie seine „/zrola mutica”.

Copie nach LEsuEur.

Verbreitung: Mittelmeer: LEsvEur.

5. Pterotrachea frederica (Lesueur). (Taf. IV, Fig. 95).

„A cup on the dorsal fin, a caudal appendage. Vermiform organ none’ ’). Die Form wurde von VAYSSIERE mit seiner „Zzrola hippocampus' identifiziert. Copie nach LESUEUR.

Verbreitung: Mittelmeer: LESUEUR.

6. Pterotrachea frederici Blainville. (Taf. IV, Fig. 96).

Über die hier gegebene Form lässt sich nichts mit Sicherheit entscheiden. Es finden sich deutliche Dornen vor den Augen, der Schwanz ist gross, die Horizontalflossen sind wahrscheinlich übersehen worden.

Copie nach DE BLAINVILLE.

Verbreitung: Mittelmeer: DE BLAINVILLE.

7. Pterotrachea fridericifana) delle Chiaje°). (Taf. IV, Fig. 97).

Nach der Abbildung wäre diese Art, wenigstens auf der vorderen Hälfte des Rumpfes, ganz regelmässig mit Tuberkeln bedeckt. Die Flosse ist dem Nucleus ganz nahe gerückt und besitzt einen Saugnapf in einer leichten Einbuchtung des Randes. Der Penis ist klein.

Copie nach DELLE CHIAJE.

Verbreitung: Mittelmeer: DELLE CHIAJE.

8. Pterotrachea fredericia Cantraine, Gegenbaur, Carus.

„Corpore hyalino, verrucoso, dilute violaceo-purpureo ‘), tuberculis frontalibus usque ad sex’ (CANTRAINE, GEGENBAUR).

Länge des Tieres bis zu 95 mm.

Verbreitung: Mittelmeer: CAnTRAINE, FORBES, GEGENBAUR, LEUCKART, ÖBERWIMMER, Rısso, VERANY.

ı) Da ein Penis vorhanden ist, scheint das Fehlen des Saugnapfes bemerkenswert. 2) Hier scheint wieder ein Saugnapf, aber kein Penis vorzukommen.

3) Von PHıLıppr, auch von SMITH, ganz unrichtig zu ?/. hippocampus Ph. gestellt. 4) Dies bildet einen kleinen Unterschied mit der Art CHIAJE’s.

SIBOGA-EXPEDITIE LI.

in

34 9. Pterotrachea forskalia (Lesueur). (Taf. IV, Fig. 98).

„Body with a vermiform organ, and a cup on the dorsal fin. No caudal appendage.

Body cylindrical, subequal, with a dorsal groove. Colour pale violaceous, a lateral row of rosaceous tubercles, double before. Cup resembling a small basket, with four radical threads, passing between the muscles of the fin. Fin somewhat elongated behind. Gelatinous points six, disposed by opposite pairs in two longitudinal rows’.

Diese Art wäre nach VavssıErE identisch mit der soeben besprochenen Form ?/. gibbosa. Diese aber besitzt einen Penis, aber keinen Saugnapf, während letzteres Organ gerade bei Pt. forskalia sehr gross ist.

Copie nach LesuEur.

Verbreitung: Mittelmeer: LESUEUR.

10. Pterotrachea mutica (Lesueur). (Taf. IV, Fig. 99).

„No vermiform organ, no cup on the dorsal fin, no caudal appendage.

Substance firm, diaphanous, tuberculated, rosaceous; tubercles irregularly placed, and of a deeper colour. Dorsal fin nearer the nucleus, placed in a groove. Trunk wrinkled, and with the region of the dorsal fin spotted with white. Gelatinous point six, disposed as in the fore- going species”.

Copie nach LEsvEur.

Verbreitung: Mittelmeer: LEsvEUR.

ı1. Plerotrachea mutica Cantraine, Gegenbaur, Keferstein, Carus. (Taf. IV, Fig. 100).

„Corpore laevi, hyalino, purpureo-maculato, fronte laevigata’”’ (CANTRAINE, GEGENBAUR).

Diese Art zeichnet sich also von der vorhergehenden dadurch aus, dass, abgesehen von den purpurnen Flecken, der Stirn glatt, ohne Dornen, ist. Sie ist also nicht mit der gleich- namigen Art Lesurur’s identisch. Es besteht, beim Fehlen der Dornen vor den Augen, ein gewisser Anklang mit ?/. deronia.

Länge des Tieres 90 mm.

Copie nach KErErsTein.

Verbreitung: Mittelmeer: CANTRAINE, CHUN, GEGENBAUR, KROHN, LEUCKART, PANETH, VERANY.

12. Pterotrachea mutica (Vayssiere). (Taf. IV, Fig. 101).

An der Rückenseite des Körpers hat das Tier etwa zwölf rötliche Ouerbänder, seitlich und ventral finden sich grosse Flecken von derselben Farbe; grössere und kleinere Dornen sind namentlich an den Flanken und am Rüssel zerstreut; vor den Augen sind deren 4 oder 6 vorhanden; der Nucleus hat etwa ein Dutzend Kiemen; Schwanz wie gewöhnlich gestaltet, also mit Horizontalflosse und Schwanzfaden versehen.

Die Querbänder auf dem Rücken würden schon ausreichen, diese Art vor den anderen

auszuzeichnen. Soviel ich weiss, hat man eine derartige, regelmässige Zeichnung noch nie bei

33

Pterotrachea, und bei Heteropoden überhaupt, beobachtet. Die Farbe hatte sich, trotz mehr- jähriger Aufbewahrung in Formol, nur wenig verwischt, beim lebenden Tiere würde sie also ganz besonders deutlich sein. Trotzdem ist sie von den vielen Forschern, welche Pterotrachea lebend studiren konnten, nie erwähnt worden.

Nach VavssıErE wäre die Art identisch mit den beiden Arten Lesurur’s ?/. gibbosa und Pt. forskalia. Diese sind aber nicht nur unter einander verschieden (man vergl. Fig. 94 und 98), sondern zeigen auch keineswegs irgendwelche Ähnlichkeit mit dem hier besprochenen Tiere.

Länge des Tieres bis zu go mm.

Copie nach VAYSSIERE.

Verbreitung: Mittelmeer (Monaco): VAYSSIERE.

13. Pierotrachea rufa Quoy et Gaimard. (Taf. IV, Fig. 102)

Die sehr unvollständig beschriebene Form zeigt einen ausserordentlich langen Schwanz, die Flosse ist den Augen ganz nahe gerückt. Ein Nucleus ist nicht einmal angegeben worden, oder ist der kleine Körper in der Mitte des Schwanzes als ein solches Organ zu betrachten? In diesem Falle würde allerdings die von Ovoy und GAImarD beschriebene Form einen höchst aberranten Typus darstellen. Gewiss aber handelt es sich um einen Beobachtungsfehler.

Copie nach Quoy und GAIMARD.

Verbreitung: Ind. Oz.: Ovoy und GAIMARD.

14. Pterotrachea lesueuri Risso. (Taf. IV, Fig. 103).

Auch von dieser Form lässt sich nichts mit Gewissheit sagen. Flosse und Schwanz sind freilich abenteuerlich genug gestaltet, die Abbildung zeigt aber so deutlich die Folgen unge- nauer Beobachtung, dass weitere Besprechung ganz nutzlos ist.

Copie nach Rısso.

Verbreitung: Mittelmeer: Rısso.

15. Pterotrachea lesueur! Macdonald. (Taf. IV, Fig. 104).

Macponarp hat sich nur zweifelnd über die Identität seiner Art geäussert. Die Flosse ist in der Mitte zwischen Augen und Nucleus gestellt und trägt einen sehr grossen Saugnapf, ganz an der Unterseite. Der Nucleus ist rundlich, der Schwanz endet in eine Spitze; möglich ist es freilich, dass keine Horizontalflosse vorhanden war; einem so guten Beobachter wie MACDONALD würde sie sonst wohl schwerlich entgangen sein.

Länge des Tieres etwa 100 mm.

Copie nach MAcDoNALD.

Verbreitung:

16. Pterotrachea adamastor Lesson. (Taf. V, Fig. 105).

Der Rumpf dieser Art ist massig, der Rüssel dagegen nur schwach entwickelt und, nach

36

der Abbildung, dorsal mit kleinen Dornen besetzt, welche sich auch in stärkerer Ausbildung vor den Augen finden. Die Flosse, dem Nucleus gegenüber, ist niedrig, breit angeheftet. Der Schwanz ist mit einer Horizontalflosse ausgestattet. Wahrscheinlich ist die Art mit ?Z. coronata identisch, wie Lessox selbst zugibt.

Länge des Tieres etwa 200 mm.

Copie nach Lesson.

Verbreitung: Kap der Guten Hoffnung: Lessox.

17. Pterotrachea hippocampus Philippi. (Taf. V, Fig. 106.

„Pt. capite elongato, porrecto, pinnula centrali, ventre et cauda seriebus duabus tuber- culorum, coronula frontis aculeis sex, asperis’’. Es geht daraus hervor, dass zwei Reihen Haut- flecken (denn als solche sind die „Tuberkel”’ wohl zu betrachten) existiren an der Ventralseite des Tieres; wenn Phiırıprı, und in gleicher Weise SımitH, die Art mit ?Z. friderici delle Chiaje identifiziren, so ist, meiner Meinung nach, der Unterschied darin gelegen, dass die letztgenannte Art über den ganzen Rumpf mit Dornen bedeckt ist.

Länge des Tieres etwa go mm.

Copie nach PniLıpp1.

Verbreitung: Mittelmeer: PniLıppi.

18. Pterotrachea hippocampus Vayssiere. (Taf. V, Fig. 107).

Diese Art besitzt vor den Augen 6—8 Dornen, in zwei Reihen gestellt; an beiden Seiten finden sich 4 oder 5 Reihen rundlicher „Tuberkel”’, besonders in der Nähe der Flossen- insertion; letztere ist deutlich etwas mehr den Augen als dem Nucleus genähert; der Nucleus trägt 12— 14 ziemlich lange Kiemen; der Schwanz ist niedrig, mit sehr grossen Horizontalflossen, zwischen welchen ein langes, segmentirtes Filament anfängt. Jeder der Knoten dieses Fadens zeigt distal eine schleierartige Verlängerung. Der Penis (natürlich nur bei den Männchen) ist ceylindrisch, an seiner Basis inseriren sich drei Hautlappen.

Nach der Ansicht VavssıErE's ist diese Art dieselbe wie 7. lesueuri Risso und Pf. frederica Lesueur, ohne aber irgendwelchen Grund für seine Meinung anzuführen.

Länge des Tieres 120 mm.

Copie nach VAvSSIERE.

Verbreitung: Mittelmeer (Monaco): VAYSSIERE.

19. Pterotrachea quoyana d’Orbigny. (Taf. V, Fig. 108— 109).

Vor den Augen ragt bei dieser Art, wenigstens nach der Abbildung, ein ganzes Bündel dichtgedrängter Dornen hervor. Die Flosse ist stark eingeschnürt und der Saugnapf nach hinten gerückt, was sonst nicht bei P/erotrachea der Fall zu sein pflegt. Merkwürdig ist noch der

Nucleus, welche ziemlich frei aus der Cutis hervorragt, mit Kiemen an der Vorderseite, als wäre

4

nn

u

hier eine Annäherung an Cardiapoda gegeben. Der Schwanz endet spitz. In wie weit wir hier wirklich eine aberrante Form vor uns haben, lassen Beschreibung und Abbildung D’Orsıcnv's ganz unentschieden. Ungenaue Beobachtung möchte auch in diesem Falle ihren Einfluss geübt haben.

Länge des Tieres 50—60 mm.

Copie nach D’ÖRBIGNY.

Verbreitung: Süd-Atl. Oz.: D’Orsıcnv. Mittelmeer: ÖBERWIMMER.

20. Pterotrachea edwardsi (Deshayes). (Taf. V, Fig. 110).

Die Abbildung zeigt offenbar viele Ungenauigkeiten, und eine Beschreibung wurde nicht beigegeben. Der allgemeine Habitus, besonders die Dornen vor den Augen, und der lang- gestreckte Nucleus, auch die Grösse des Tieres, weisen auf die im Mittelmeere gar nicht seltene Pt. coronata hin.

Länge des Tieres etwa 200 mm.

Copie nach DesHaves.

Verbreitung: Mittelmeer: DEsHavEs.

21. Pterotrachea umbilicata delle Chiaje. (Taf. V, Fig. ıı1).

Diese Form zeigt, schon der Grösse wegen, grosse Ähnlichkeit mit ?/. coronata. Besonders aber fällt die sehr grosse Flosse auf, die einen kräftigen Saugnapf besitzt. An der ventralen Seite sind hier und da rundliche Hautdrüsen zerstreut. Bemerkenswert ist die sehr regelmässige Reihenfolge der Kiemen, welche ganz symmetrisch gelagert zu sein scheinen, auf einem gemein- schaftlichen Stiele getragen, einer Kiemenvene, die das Blut zum Herzen leitet. Ob eine derartige Symmetrie der Kiemen wirklich bei P/erotrachea möglich wäre, lasse ich dahingestellt; von vornherein scheint es mir, auf Grund eigener Wahrnehmung sehr unwahrscheinlich. Der Schwanz endet in zwei Horizontalflossen. Nach DELLE CruajJE ist der ganze Körper schwach violett angehaucht „come la ulva porfiria’”.

Länge des Tieres etwa 350 mm.

Copie nach DELLE CHIAJE.

Verbreitung: Mittelmeer: DELLE CHIAJE.

22. Pterotrachea keraudreni (Souleyet). (Taf. V, Fig. 112).

In mancher Hinsicht zeichnet sich diese Form vor anderen aus. Die ganze Oberfläche ist rauh, die Cutis ist auf dem Rumpfe und dem Rüssel stark entwickelt, so dass das Tier wie in einer Gallertmasse eingehüllt erscheint. Der Rüssel selbst ist kurz und gerade gestreckt, die Stelle vor den Augen ist ganz glatt. Flosse sehr gross, rundlich, dem Nucleus nahe gerückt. Der zur Hälfte frei hervorragende Nucleus trägt etwa 14 Kiemen, sämtlich, wie es scheint, von gleicher Länge. Am merkwürdigsten ist der Schwanz gestaltet, der eine derartige Abweichung vom gewöhnlichen Typus aufweist, dass man, wenn es sich nicht um einen sehr sorgfältigen Wahrnehmer handelte, wie SOULEYET, fast an die Wahrheit seiner Angaben zweifeln möchte.

38

Der Körperteil hinter dem Nucleus zeigt eine deutliche Cutis, die sich von der unterliegenden Körpermuskulatur scharf abhebt. Die subcutane Muskelwand ist dorsal und ventral fein quer- gestreift. Eine Horizontalflosse oder ähnliche Bildung besteht nicht; der Schwanz geht mit deutlicher Übergangsstelle in ein plattes Band über.

Nach MacpvonarD wäre die Art das Männchen von /7roloida desmaresti Lesueur. Erstens aber ist sie gar keine /7rolorda, des deutlichen Schwanzes wegen, zweitens ist sie ein unzweifel- haftes Weibchen, weil weder Penis noch Saugnapf zu bemerken sind.

Länge des Tieres 50 mm.

Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Trop. Atl. Oz.: SOULEYET.

23. Pterotrachea scutata Gegenbaur. (Taf. V, Fig. 113— 114).

„Pt. hyalina, parte anteriore scutiformi tuberculis serialibus asperis; fronte laevigata’’.

Die Abbildung lässt leider an Genauigkeit viel zu wünschen übrig. Die örtliche Ver- dickung der ganz durchsichtigen Cutis, welche besonders bei Ventralansicht des Tieres auf dem vorderen Drittel des Rumpfes mächtig entwickelt ist, scheint nach hintenzu plötzlich aufzuhören ; es sind distal gar keine Details eingezeichnet worden. Nur so viel geht hervor, dass der Nucleus ganz in der Cutis eingebettet ist und etwa acht sehr lange Kiemen trägt. Penis und Saugnapf sind beide verhältnismässig klein. Der Schwanz endet in Horizontalflossen.

Länge des Tieres 105— 120 mm.

Copie nach GEGENBAUR.

Verbreitung: Mittelmeer: Chun, GEGENBAUR, ÖBERWIMMER

24. Pterotrachea sp. Smith. (Taf. V, Fig. 115—ıı;a, d).

r

Körper langgestreckt, glatt, an der Basis der Flosse einige rundliche Drüsenkörper. Die Flosse ist dem Nucleus mehr genähert als den Augen, klein, und ganz von der gewöhnlichen Form, mit einem Saugnapfe in der Mitte der Unterseite. Nucleus nach den Angaben Sumitm's langgestreckt, mit etwa zwölf Kiemen. Der Schwanz zeigt hier nichts besonderes. Rüssel ziemlich lang; vor den Augen nur zwei symmetrisch gelagerte Dornen. Was Smith sonst noch von dieser Form beschreibt, ist ganz allgemein für alle Pierotrachea-Arten zutreffend. Als ich das Originalexemplar im „Britisch Museum’ untersuchte, stellte sich noch heraus, dass die Augen ganz wie diejenige von //. coronata gestaltet sind, dass nur sechs Kiemen, an der linken Seite des Nucleus, ziemlich lang sind, dass weiter ein Penis vorhanden ist, der von SmitH weder beschrieben noch abgebildet wurde. Die Conservirung war übrigens ziemlich schlecht. Der Mittel- dorn in der Mittelplatte der Radula hatte eine breite Basis. Mit diesen verschiedenen Angaben als Stütze, habe ich mit der von Smith beschriebene Form eine andere der Siboga-Expedition identifiziren können, ich werde daher darüber noch im zweiten Abschnitt zu sprechen haben.

Länge des Tieres etwa 170 mm.

Copie nach SaitH.

Verbreitung: Banda: SmitH.

39 25. Pterotrachea souleyeti (Vayssiere). (Taf. V, Fig. 116).

Körper langgestreckt, Rüssel ziemlich lang, kleine Dornen, nicht nur an der Unterseite des Rüssels, sondern auch an der vorderen Rumpfhälfte, meist ventral gelagert, einzelne Hautflecken nahe der Basis der Flosse, Cutis vor dem Nucleus verdickt, und hier einige Kiemen tragend, meist sehr kurz und etwa 6 oder 7 an der Zahl. Nucleus aufgeschwollen, kurz. Schwanz mit sehr grossen Horizontalflossen, zwischen welchen sich ein Schwanzfaden inserirt, der nur als Fragment erhalten war und eine längliche, manchettenartig den Faden umfassende Anschwellung zeigte. Dornen vor den Augen sind nicht vorhanden. Saugnapf (selbstverständlich nur beim Männchen) sehr gross. Penis distal gerichtet, mit lappenförmigen Gebilden an der Basis, in einen Knopf (wahrscheinlich umgekrempelte Ränder) endend. Am Dache der Mundhöhle kommen links 6, rechts 4 Buccalzähne vor. Die Radula wiederholt im Allgemeinen den gewöhnlichen Typus bei Pierotrachea.

Länge des Tieres 49 mm.

Copie nach VAvSSIERE.

Verbreitung: Zwischen Madeira und den Azoren: VAYSSIERE.

26. Pterotrachea gegenbaur! Vayssiere. (Taf. V, Fig. 117).

Diese Art scheint deshalb merkwürdig, weil sie sehr reichlich mit Dornen besetzt ist. Diese sind über den ganzen Rumpf zerstreut, kleiner und zahlreicher sind sie auf den jederseits herabhängenden Falten der Cutis, welche sich ventral an der vorderen Rumpfhälfte, also zwischen Rüssel und Flosse vorfinden. Wenn VavssıkrE diese Falten als Artmerkmal gelten lassen will, so muss ich doch bemerken, dass ein solcher Kehlsack schon von ForskÄL („gzla”) erwähnt wurde, und dass ein derartiges Gebilde ganz allgemein bei P/erotrachea vorkommt, ja, nach meiner Erfahrung, bei keiner Art vollständig fehlt. Wirkliche Stirndornen sind nicht vorhanden. Vor dem Nucleus bildet die Cutis dorsal zwei longitudinale, fein gezähnelte Kämme. Der Nucleus ragt nicht hervor, die Zahl der Kiemen beträgt mehr als 20, sämtlich klein und sehr kurz. Die Horizontalflossen des Schwanzes sind sehr klein, ein Schwanzfaden war nicht mehr nachweisbar. Die Flosse ist ganz klein, beim Männchen mit einem deutlichen Saugnapf ausgestattet, der noch vor der Medianlinie der Unterseite gerückt ist. Es bestehen jederseits in der Mundhöhle 5 Buccalzähne, ausserdem kommen noch um die Mundöffnung herum zwei oder drei unregel- mässige Kränze von kleinen Zähnchen vor, welche besonders lateral und dorsal zahlreich sind. In der Radula ist noch erwähnenswert, dass die Mittelplatte, jederseits vom Mitteldorne, nur zwei oder drei kleinere Dornen trägt; sonst ist diese Zahl bei Plerotrachea fast immer grösser.

Länge des Tieres etwa 100 mm.

Copie nach VavssıEre.

Verbreitung: Östl. Atl. Oz.: Vavssıkre.

27. Pterotrachea talismani \Vayssiere.

Körper mit Dornen besetzt, etwa ı5 Kiemen in der Nähe des Nucleus, Flosse ziemlich gross, rundlich. Wie bei der vorhergehenden Art bestehen hier zahlreiche Peribuccalzähne, am

40

Eingang der Mundhöhle, sämtlich nach innen gerichtet und an der Spitze gekrümmt. Eine Horizontalflosse konnte am Schwanze nicht aufgefunden werden; möglich scheint es allerdings, da keine Spur von Verstümmelung sichtbar war, dass dieses Gebilde wirklich fehlt.

Länge des Tieres mm.

Die jetzt folgenden, noch in der Litteratur erwähnten Formen sind nur wenig bekannt, und es wird wohl niemals gelingen ihre Selbstständigkeit oder Zugehörigkeit zu anderen Arten zu begründen. Mehrere sind allerdings nach verstümmelten Exemplaren beschrieben wurden. Nur der Vollständigkeit halber sollen sie hier noch erwähnt werden.

Erstens eine Art ?7. hyalina Forskal (Taf. V, Fig. 118), die nach der Abbildung, wie schon von SMITH vermutet wurde, eine kleine /7rolorda darstellt, wenngleich auch die Stelle des Nucleus nicht angegeben ist. Zweitens ?/. hyalina (cristallina) (delle Chiaje) (Taf. V, Fig. 119), welche vor den Augen „con coppia di sottili tentacoli’'(?) ausgestattet ist und dadurch wieder an Frroloida erinnert, durch die unterständige Lage des Saugnapfes, die deutlichen Kiemen, und den Schwanz, übrigens den Typus von Perotrachea zeigt. Pt. pulmonata Forskaäl (Taf. V, Fig. 120) weicht besonders dadurch ab, dass der Rüssel ganz kurz, nicht cylindrisch, sondern von stumpf- kegelförmiger Gestalt ist. /7. deroni (d’Orbigny) (Taf. VI, Fig. 121—ı22) entbehrt der Augen und des ganzen Rüssels und wurde, weil das Tier beim Fange sich lebhaft bewegte, von D’Orgıcny als Vertreter einer besonderen Untergattung Azops betrachtet. Offenbar handelt es sich hier um eine verstümmelte /ferotrachea, über die sich sicheres nicht sagen lässt. Auch Pt. sp. Rattray (Taf. VI, Fig. 123), als eine Form von Axops bezeichnet, ist nur der Rumpfteil irgendeiner grossen Pierotrachea, welche Augen und Rüssel, auch Nucleus und Schwanz, verloren hat. Jeder, der Perotrachea lebend beobachten konnte, weiss, dass derartige verstümmelte Tiere trotzdem sich lebhaft bewegen können, und durchaus den Eindruck lebensfähiger Wesen machen. Mir sind solche Exemplare in Neapel ziemlich oft vorgekommen. Pf. aculeata Forskäl ist ebenfalls nur ein abgerissenes Schwanzstück einer /’/erotrachea, wahrscheinlich der grossen Pt. coronata. „Firoloides keraudren!' Rattray (Taf. VI, Fig. 124) hat einen walzenförmigen Körper, Tentakeln vor den Augen, einen sehr kurzen Schwanz; wenn dadurch Anklänge an Firoloida bestehen, weisen die deutlichen Kiemen wieder auf Pferotrachea hin, während die Lage des Saugnapfes, am Hinterrande der Flosse, Cardiapoda-ähnlich ist. Die „/zrola sp.” von GRAY (Taf. VI, Fig. 125) ist eine verunstaltete /rrolorda, ebenso die „/rrola sp. jun.’ Quoy und Gaimard (Taf. VI, Fig. 126). Schliesslich sind noch zwei Arten zu erwähnen:

ı" Hypterus appendiculatus Rafınesque-Schmaltz, nach DELLE CHIAJE mit seiner Pf. friderici,

nach VAvSSIERE mit seiner /f. hippocampus synonym;

D

" Hypterus erythrogaster desselben Autors, welche von DELLE CHIAJE und VAYvSSIERE als iden-

tisch mit Pf. coronata betrachtet wird.

Firoloida Lesueur 1817.

Die hierher gehörigen Arten wurden unter verschiedenen Gattungsnamen, namentlich Firoloida, Cerophora und Fürolella beschrieben. Die Ursache des Irrtums liegt darin, dass die secundären Geschlechtsmerkmale, die Tentakeln, Lesurur unbekannt blieben; und, als D’ORBIGNY

41

später Formen mit Tentakeln fand, glaubte er zu der Aufstellung einer Untergattung Cerophora berechtigt zu sein. Später übersah Troscher wieder die ursprüngliche Diagnose Lesurur’s und errichtete für zwei tentakellose Formen das Genus Zrrolella.

Firolorda unterscheidet sich von Plerotrachea hauptsächlich darin, dass der Schwanz sehr klein bleibt, der Rumpf sich also, distal vom Nucleus, nur eine ganz kleine Strecke fortsetzt und dann in einen Schwanzfaden übergeht (der allerdings sehr oft abgerissen und also ver- schwunden ist). Der Rumpf ist langgestreckt und cylindrisch, ganz glatt, nach vorn allmählich ohne Einschnürung in den schwachen, ziemlich kurzen Rüssel übergehend. Die Flosse ist rundlich. Am Ende des Rumpfes findet sich der kurze Nucleus.

Nur dem Männchen kommen Tentakeln und Saugnapf zu, und begreiflicherweise hat man lange Zeit solche Tiere, welche mit Tentakeln ausgestattet waren, für besondere Arten gehalten. Eine Erörterung dieser Verhältnisse wurde von Suırm gegeben, der, nach sorgfältiger Studirung der in der Litteratur bestehenden Abbildungen zu dem Resultat kam, dass die Anwesenheit von Tentakeln ein secundäres Geschlechtsmerkmal der Männchen darstelle und nicht als Art- unterschied verwendet werden könne. Das gleiche gilt von dem Saugnapf, der lange Zeit unbekannt blieb, erst von MacponaLp entdeckt (nach der Abbildung wäre er bei seiner Art ausserordentlich gross), dann noch mehrere Male erwähnt wurde; merkwürdig ist aber, dass der wirkliche Sitz des Saugnapfes an der Flosse sogar einem Beobachter wie GEGENBAUR nicht auffiel '). Dieser Forscher sagt: „disco suctorio pinnae marium ad marginem posteriorem''. Erst RarTTray zeichnete den Saugnapf, freilich nur als dünne Linie, an richtiger Stelle, am Vorder- rande der Flosse.

Tentakeln, ebenso wie Saugnapf, sind also, um es noch einmal hervorzuheben, secundäre Geschlechtscharactere des Männchens; sie gehen also dem Weibchen ab. Freilich ist von FEwkes angegeben worden, dass bei den Weibchen von Zrroloida lesueuri ein Saugnapf vorkommt. Diese Behauptung scheint mir näherer Begründung zu bedürfen. Die oben erwähnte, schon von SMITH ausgesprochene, Meinung habe ich bei meinen eigenen Untersuchungen immer, ohne Ausnahme, bestätigt gefunden. Ich habe aus dem Material der Siboga-Expedition mehr als hundert Exemplare studiren können, auch im „British Museum’ untersuchte ich eine Menge Tiere, zu /rroloıda gehörig; stets aber fand sich die Behauptung Smıth’s bestätigt.

Kiemen sind von einigen Forschern angegeben worden; so haben LEsUEUR, D’ÖRBIGNY und SouLEYET sogar sehr grosse Kiemen abgebildet, kaum kleiner als die nämlichen Gebilde bei Pierotrachea. Diese Angabe ist aber gänzlich verfehlt; Forscher wie GEGENBAUR und Huxrev haben, trotz ihrer genauen Untersuchung, besondere Respirationsorgane bei FZrolorda gar nicht wahrnehmen können; nur MacvonarD giebt, vor dem Nucleus, eigentümliche, winzige Läppchen an, welche als Kiemen gedeutet werden können; und in neuerer Zeit sagt VAYSSIERE in seiner Diagnose der Gattung: „des digitations branchiales tres petites, peu visibles”, ohne indessen dies durch irgendwelche Tatsache näher zu begründen. Ich werde über die Atmungsorgane von Firoloida noch im zweiten Abschnitt zu sprechen haben, und constatire hier nur, dass Kiemen,

sehr klein und wenig zahlreich, wirklich bisweilen vorkommen.

ı) In seinen Untersuchungen über Pteropoden und Heteropoden behauptet GEGENBAUR aber (S. 156), der Saugnapf bei Firoloida finde sich am Vorderrande der Flosse.

SIBOGA-EXPEDITIE LI, 6

42

Die Unterscheidung der bisher bekannten Arten ist ausserordentlich schwierig, und in den meisten Fällen wird wohl die Frage nach der Existenzberechtigung irgendwelcher Form unentschieden bleiben. Männchen und Weibchen sind als verschiedene Arten beschrieben worden, wie schon oben erörtert wurde, und mit den undeutlichen Beschreibungen ist meist nur wenig anzufangen. So weit meine Erfahrung reicht, sind die zu der Gattung /rroloida gehörigen Tiere sehr einförmig gebaut, und gruppiren sich, ebenso wie in der Gattung Pferotrachea, mit unbe- deutenden Abweichungen alle um denselben Typus herum. Mit Smitn möchte ich annehmen, dass nur zwei oder drei etwas variirende Formen bestehen; hier aber wird es meine Aufgabe sein, das uns bisher bekannt gewordene zusammenzufassen.

Wir können dann unterscheiden :

1. Firoloida demarestia Lesueur. 8. Frroloida gaimardı (d’Orbigny). 2. Firoloida desmarestia Souleyet. 9. Frrolorda lesueuri (Souleyet).

3. Firoloida desmarestili Huxley. 10. /rroloida gracilis (Troschel).

4. Firoloida desmaresti \ ayssiere. 11. Frroloida vigilans Troschel.

5. Flroloida blainvilleana Lesueur. 12. Frroloida sp. Macdonald.

6. Firoloida aculeata Lesueur. ı 13. Frroloida kowalewskyi \ayssiere. 7. Firoloida lesueuri (d’Orbigny).

1. Frroloida demarestia Lesueur. (Taf. VI, Fig. 127).

„Body long, glabrous, hyaline, acuminated at each extremity; no gelatinous points’.

Die langgestreckte Form des ganzen Tieres fällt besonders auf. Wie LesvEur selbst erwähnt, ist noch beachtenswert, dass die nach vorn verlängerte Flosse den Augen viel näher gerückt ist, als in Pferotrachea, wo der Abstand zwischen Flossenbasis und Nucleus immer kleiner als der zwischen Flossenbasis und Augen ist, oder doch die beiden Abstände höchstens einander nahezu gleich sind. Das abgebildete Exemplar ist ein Weibchen, also ohne Saugnapf und Tentakeln, mit einer sehr langen Eierschnur; wie aber der kurze Schwanz gestaltet ist, wird nicht angegeben. Die von LEsuEuUR angegebenen Kiemen müssen wohl nur in seiner Fantasie bestanden haben.

Länge des Tieres 50 mm.

Copie nach LEsuEUR.

Verbreitung: Martinique: LESUVEUR. Mittelmeer: Chun, FOL, GEGENBAUR, LEUCKART, Rısso, TROSCHEL, VERANY.

2. Firoloida desmarestia Souleyet. (Taf. VI, Fig. 128).

„Cette Firoloide a le corps fusiforme, lisse dans toute son Etendue, termine posterieurement, en dessous du nucl&eus, par un petit prolongement, qui se retrecit en un appendice filiforme plus ou moins long. La tete n’offre aucune trace de tentacules en avant des yeux, ni de pointes cartilagineuses entre ces organes. La nageoire est plac&ee au milieu du corps, a egale distance de ses deux extremites’”,

Ein grosser Unterschied mit der vorhergehenden Art besteht in der viel gedrungeneren

45

Körpergestalt; der Rumpf geht nach vorn in den kurzen Rüssel über und ist mit diesem ganz in der dicken, gallertigen Cutis eingehüllt. Wichtig ist noch der Umstand, dass die sehr grosse, rundliche Flosse sich in der Mitte zwischen Augen und Nucleus inserirt. Der Schwanz ist in seiner Form deutlich angegeben worden. Eine lange Eierschnur hängt aus dem Nucleus des abgebildeten Tieres (selbstverständlich ein Weibchen) hervor. Nur des Fehlens der Tentakel wegen hat SouL£vEr seine Art mit der Lesuvrur’s identifizirt; eine Ähnlichkeit besteht sonst nicht.

Länge des Tieres 30 mm.

Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Sandwich-Inseln und trop. Atl. Oz.: Sourever.

3. Firoloida desmarestii Huxley. (Taf. VI, Fig. 129).

Die von Huxrev mit diesem Namen belegte Form hat Tentakeln und gehört also gewiss nicht hierher. Der Körper ist cylindrisch, die Flosse zeigt eine stark eingeschnürte Basis und ist sehr gross, ganz symmetrisch gestaltet, der Abstand zu den Augen ist kleiner als zu dem Nucleus. Letzterer hat keine Kiemen; unter dem Nucleus ragt ein dünner Schwanz hervor, der nach kurzem Verlauf in ein plattes Band, ohne Knoten oder Einschnürungen, übergeht. Ein Penis ist vorhanden; dies, zusammen mit dem Besitz von Tentakeln weist auf ein Männchen hin.

Länge des Tieres 25 mm.

Copie nach Huxre£v.

Verbreitung: ?: HuxLey.

4. Firoloida desmaresti Vayssiere. (Taf. VI, Fig. 130—130«).

Körper langgestreckt, cylindrisch, ganz glatt; Flosse nahezu in der Mitte zwischen Augen und Nucleus, aber ein wenig nach hinten gerückt, mit eingeschnürter Basis; Nucleus klein, am Ende des Rumpfes; Rüssel kurz, gerade gestreckt, in der Axe des Körpers. Weiter werden die Tentakeln beim Männchen beschrieben, im weiblichen Geschlecht sind sie: „a peu pres atrophies’”; ich muss bekennen, dass ich niemals bei /Zrolorda-Weibchen Tentakeln, auch nicht eine Spur derselben, habe beobachten können. Ein kleiner Saugnapf findet sich am Vorderrande der männlichen Flosse. Der Schwanz soll bei den Männchen einen kleinen stumpfen Fortsatz bilden, der in einen von Abstand zu Abstand verdickten Faden übergeht. Im weiblichen Geschlecht dagegen bestehen sehr eigentümliche Verhältnisse. Der Schwanz setzt sich hier nur aus zwei kleinen, lanzettförmigen Läppchen zusammen, der Schwanzfaden dagegen heftet sich direkt, proximal von diesem Schwanze, dem Nucleus an und ist deutlich gegliedert, ganz wie die Tarsalglieder eines Insektes. Ein derartiges Verhalten scheint mir dem Körperbau bei Zr7rolorda ganz zuwider; abgesehen von der Gliederung des Anhanges, ist die Trennnng von Schwanz- anhang und Schwanz selbst, und die Teilung dieses letzteren Organes in zwei isolirte Stückchen so etwas abweichendes, dass man wirklich die Richtigkeit der Beobachtung anzweifeln möchte. Bemerkenswert ist noch der Umstand, dass Schwanz und Faden sich nicht wie sonst an der Hinterseite, sondern am proximalen Rande des Nucleus inseriren, und beide nach vorn gerichtet

sind. Die Mittelplatte der Radula hat grosse, schwach nach innen gekrümmte Seitenhörner und

44

trägt 6—7 symmetrisch gestellte Dornen am distalen Rande. Einen ernsten Fehler macht VAvssıEr£, wenn er in seiner Abbildung den Herzventrikel (oder vielleicht die Niere?) als Anhang des männlichen Genitalapparates bezeichnet.

Länge des Tieres bis zu ı5 mm.

Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Azoren: VAYSSIERE.

5. Firoloida blainvilleana Lesueur. (Taf. VI, Fig. ı3r).

„Body short, glabrous, posterior extremity thicker and truncated; dorsal') fin equidistant between the eyes and the nucleus”.

Das Tier unterscheidet sich von / demarestia desselben Autors durch mehr gedrungene Gestalt; der Rüssel ist dünn, der Schwanz ist als kleiner Fortsatz distal vom Nucleus bemerklich, eine. Eierschnur ist vorhanden. Kleine Kiemen sind auch hier angegeben worden.

Länge des Tieres 35 mm.

Copie nach LEsuEur.

Verbreitung: Martinique: LESUEUR.

6. Firoloida aculeata Lesueur. (Taf. VI, Fig. 132).

„Body subequal, glabrous, hyaline, wrinkled above the eyes. Dorsal fin equidistant from the extremities, longer behind..... One elongated, gelatinous point beneath the eyes, and another, much shorter, before them’.

Offenbar hatte Lesveur ein männliches Tier vor sich; denn der Fortsatz vor den Augen ist ohne Zweifel ein Tentakel; freilich spricht er von zwei Hervorragungen in der Nähe jedes Auges, auch sind männliche Geschlechtsorgane nicht abgebildet worden. Dagegen kommen hier wieder ziemlich grosse Kiemen vor, aber, wie schon gesagt, scheint mir ihre wirkliche Existenz sehr zweifelhaft.

Die Länge des Tieres wird nicht angegeben; wenn aber die Figur die natürliche Grösse darstellt, so erreicht die Art eine Grösse, wie sie sonst bei /zrolorda nicht vorkommt.

Copie nach LEsuEUR.

Verbreitung: Martinique: LESUEUR.

7: Firoloida lesueuri (d’Orbigny). (Taf. VI, Fig. 133—133«).

ER: deux tentacules coniques, contractiles, aigus, en avant des yeux, sur les cötes du corps; trompe buccale tres mince, diminuant tout-ä-coup en partant de la tete; nucleus presque terminal, de forme acuminee, munie en avant de nombreux lobes branchiaux; en arriere du nucleus, pour toute queue, une partie &largie, A deux lobes arrondis, au milieu desquels est une saillie aigu@ tres courte; aile petite, sans aucune ventouse apparente; intestins A peine visibles par la transparence de l’animal’.

I) LESUEUR war der Meinung, dass die beim Schwimmen nach oben gekehrte Seite die dorsale vorstellte, weshalb er auch in sämmtlichen Figuren das Tier mit nach oben gekehrter Flosse abbildete,

4

nn

Die Form des Schwanzes, wie sie hier beschrieben worden, und wie sie besonders deutlich in Fig. 133@ zu sehen ist, ist diejenige, welche wirklich ganz allgemein bei Frroloida vorkommt, nur sind die Verhältnisse der Teile unter einander etwas anders. Zu beachten ist noch der dünne, schmächtige Rüssel; wenn Sour£vEr dies auf Zusammenschrumpfung in Alkohol zurückführt, so scheint mir doch, nach der Beschreibung d’Orsıcnv's, die Beobachtung an lebenden, frisch gefangenen Tieren gemacht worden zu sein. Das Vorkommen von Tentakeln weist auf männ- liche Merkmale hin. Auch bei dieser Art sollen Kiemen vorhanden sein.

Länge des Tieres 25—30 mm.

Copie nach d’ÖRBIGNY.

Verbreitung: Süd-östl. Pazif. Oz.: D’ÖRrBIGNY.

8. Firoloida gaimardi d’Orbigny. (Taf. VI, Fig. 134—134a).

partie cephalique un peu moins large que le milieu du corps, munie d’yeux non saillans, et, de chaque cöte en avant de ces derniers, d’un tentacule conique et aigu; trompe buccale presque conique, tres mince a son extremite, fortement contractile; nucl&us presque terminal, sessile, ovale; et, en arriere du nucleus, il n’y a, pour queue proprement dite, qu’une partie conique, £troite, aigue, sans lobes, ni appendices; l’aile est me&diocre, pedonculee, sans ventouse apparente; l’intestin est tres visible, se renfle un peu en arriere des yeux, se retreeit ensuite pour se renfler de nouveau en arriere de l’aile, avant de se diriger vers le nucleus”.

Der Schwanz ist also etwas einfacher gestaltet als bei der vorhergehenden Art, und nicht lappig ausgebildet, sondern nur einen kleinen, konischen Zapfen darstellend. Merkwürdiger- weise wird hier von Kiemen nichts erwähnt. Sonst ist die Übereinstimmung der beiden Arten D’OrBIGNY's sehr gross. Die Meinung SouLevEr’s dass wir in / garimardı das Weibchen von F. lesueuri zu erblicken hätten, muss, der deutlichen Tentakeln wegen, bestritten werden.

Länge des. Tieres 25—30 mm.

Copie nach D’ÖRBIGNY.

Verbreitung: Trop. Atl. Oz.: D’OrBıcnv.

9. Flroloida lesueuri Souleyet. (Taf. VI, Fig. 135).

Der Körper dieser Art zeigt dieselbe gedrungene Gestalt wie /. desmarestia desselben Autors. Die Flosse ist sehr gross, rundlich, ohne Saugnapf; zwei lange Tentakeln stehen vor den Augen, dieser von SOULEYET als Artmerkmal benutzte Umstand ist natürlich nur ein Zeichen des Männchens. Äussere primäre Sexualcharactere sind ausserdem angegeben worden. Der Schwanz geht in einen gegliederten Faden über, der einige Ähnlichkeit besitzt mit dem gleich- namigen Organe des Weibchens von /. desmaresti, wie oben geschildert wurde. Auch hier sollen wieder ziemlich deutliche Kiemen vorkommen. SourEvEr hat die hier beschriebene Art mit den beiden Formen p’Orsısny’s identifizirt; ob mit Recht, lässt sich nicht entscheiden.

Länge des Tieres 20 mm.

Copie nach SOULEYET.

Verbreitung: Süd-Atl, und Süd-Ind. Oz.: SouLEYvET.

46 10. Firoloida gracilis Troschel. (Taf. VI, Fig. 136).

Rüssel kurz, vorn abgestumpft, gerade gestreckt, Augen nicht hervorragend; Flosse ein wenig vor der Körpermitte, klein und, wie es scheint, mit ziemlich gerader Unterseite. Rumpf cylindrisch, nicht lang ausgezogen, sondern ziemlich gedrungen. Schwanz nicht angegeben. Eine lange Eierschnur, als Zeichen des weiblichen Geschlechtes, hängt aus dem Nucleus heraus.

Diese kleine Art zeigt nichts besonderes, was zur näheren Beschreibung dienlich sein könnte. Namentlich wird die Form des Schwanzes leider nicht beschrieben. Vielleicht könnte die nach vorn gerückte Lage der Flosse, so wie die eckige Gestalt derselben, als Merkmal dienen.

Länge des Tieres 16 mm.

Copie nach TROSCHEL.

Verbreitung: Messina: TTROSCHEL.

ı1. Firoloida vigilans Troschel. (Taf. VI, Fig. 137).

Bei dieser Form fallen in erster Linie die grossen Augen auf, welche wie auf kurzen Stielen getragen, aus dem Körper hervorragen; es scheint mir aber dieses Merkmal auf Schrumpfung der gallertigen Cutis zu schieben zu sein. Der Rüssel ist kurz, vorn abgestumpft, gerade gestreckt. Die Flosse, in der Rumpfmitte gelegen, ist verhältnissmässig gross. Der Rumpf selbst ist etwas bauchig, distal dünner werdend. Unter dem Nucleus ragt der männliche Begattungsapparat hervor; Tentakeln, welche man im männlichen Tiere erwarten sollte, sind aber nicht verzeichnet worden; es ist dies wohl der Jugend des Tieres zuzuschreiben. Weiter sagt TroscHeL noch: „vorn und über dem Nucleus liegt ein einfacher, flacher, abgerundeter, ganzrandiger Lappen, welcher flimmert. Er muss wohl, da er ganz dieselbe Lage hat, wie die Kiemen bei /ferotrachea, gleichfalls als eine solche betrachtet werden. Eine solche einzelne Kieme steht freilich in der Familie der Firolaceen ganz ohne Beispiel da. Ob vielleicht, da Firolella gracilis kiemenlos zu sein scheint, dieser einzelne Kiemenlappen später bei vortschrei- tendem Wachstum verkümmert, oder ob er eine Eigentümlichkeit dieser Species bildet, muss vorläufig unentschieden bleiben”. Die erste Vermutung scheint mir wahrscheinlicher.

Das Tier misst nur 3,5 mm.

Copie nach TROSCHEL.

Verbreitung: Messina: 'TROSCHEL.

ı2. Firoloida sp. Macdonald. (Taf. VI, Fig. 133).

Rüssel schwach gekrümmt; Tentakeln vor den Augen; Flosse gross, den Augen genähert, mit convexer Unterseite; Saugnapf am Vorderrande, sehr gross (im Texte aber klein genannt); Rumpf cylindrisch; Penis auf langem Stiele; Schwanz allmählich in einen langen, fadenförmigen Anhang übergehend, welcher von Abstand zu Abstand Verdickungen zeigt.

Länge des Tieres etwa 100 mm.

Copie nach MacponarD.

Verbreitung: Ind. Oz.: MAcDoNALD.

47 13. Flroloida kowalewskyi Vayssiere. (Taf. VI, Fig. 139—139a).

Körper ziemlich gedrungen, nach vorn in einen dünnen Rüssel übergehend; Flosse in der Mitte des Rumpfes, der immer schwach nach unten gekrümmt erscheint. Schwanz aus drei Lappen bestehend (Fig. 1390), von denen der mediane länger ist als die beiden seitlichen ; diese letzteren inseriren sich ein wenig dorsal am Schwanze und sind mit ihren spitzigen Enden nach hinten gerichtet. Aus der Unterseite des Nucleus tritt eine Eierschnur hervor, die, am Anfang zart und dünn, sich allmählich erweitert, und eine grosse Menge Eier birgt. Die Oberfläche der Schnur zeigt eine schwache Ringelung. Weiter erwähnt Vavssıkre noch (beim weiblichen Tiere!) Tentakeln, welche allerdings undeutlich sind. Dies würde ein höchst wichtiges Merkmal sein, wenn wirklich Tentakeln bei beiden Geschiechtern dieser Art vorkommen '). Die Form des Schwanzes ist sehr characteristisch, und ich werde darüber im zweiten Abschnitt noch näher zu sprechen haben.

Länge des Tieres 22 mm.

Copie nach VAYsSSIERE.

Verbreitung: Westl. Canar. Inseln: VAvsSIERE.

Zum Schlusse möchte ich noch ganz kurz eine Form erwähnen (Fig. 140), welche von RaTTRAY verzeichnet wurde. Das Fehlen des Schwanzes weist allerdings auf /T7roloida hin; die Flosse zeigt aber eine abenteuerliche Gestalt, wie sie nie bei Heteropoden vorkommt; sie ist äusserst stark eingeschnürt an der Basis, und zeigt einen Saugnapf auf besonderem Stiele!

Ungenaue Beobachtung wäre hier wohl am ehesten anzunehmen.

Beim Rückblick am Ende dieser systematischen Übersicht, zeigt sich die Untersuchung der Litteratur über die Pterotracheiden bei weitem am unfruchtbarsten. Irgendwelchen festen Anhaltspunkt bieten nur die wenigsten Abbildungen. Mit einiger Gewissheit habe ich nur die Pterotrachea sp. Smith unter den Heteropoden der Siboga-Expedition wiederzuerkennen geglaubt, während Zrroloıda kowalewskyi Vayssiere, wenigstens in einigen Punkten, mit den zu dieser Gattung gehörigen Tiere meines Untersuchungsmateriales übereinstimmte. Sonst aber habe ich bei der systematischen Bearbeitung der Pterotracheidae fast nie in der früheren einschlägigen

Litteratur einen Lichtpunkt finden können.

ı) Leider ist diese Beobachtung nur mit grösster Reserve aufzunehmen; ich habe bei den Weibchen derselben Art (s. den zweiten Abschnitt) nie Tentakeln gesehen.

ABSCHNITT

DIE HETEROPODEN DER SIBOGA-EXPEDITION.

Das von der Siboga gesammelte Heteropodenmaterial umfasst die drei Familien, welche innerhalb dieser Molluskengruppe sich begrenzen lassen. Mit Ausnahme der sehr seltenen Gattung Pierosoma sind sämtliche Genera in der Sammlung vertreten, also: Oxygyrus, Atlanta, Carinaria, Cardiapoda, Pterotrachea und Ftrolorda.

Familie I. ATLANTIDAE.

Die Untersuchung der kleinen, zu dieser Gattung gehörigen Arten gab mir Gelegenheit hier eine Bemerkung zu machen über eine Angabe VavssıEre's, der neuerdings den Atlantiden „mächoires lamelleuses laterales et rudimentaires’’ zuschreibt. Eine solche Entdeckung hätte allerdings mehr verdient als eine nur flüchtige Constatirung der Tatsache; denn weder von LEUCKART, noch von HUXLEv, GEGENBAUR, SOULEYET oder TROSCHEL sind je Kiefer bei Hetero- poden beobachtet worden. Die Abbildung der Kiefer von Oxygyras, welche VAvsSIERE seiner Beschreibung zufügt, lässt aber stark vermuten, dass der Zungenknorpel, wie er sehr allgemein bei Prosobranchiern vorkommt, mit Kiefern verwechselt wurde. Der Knorpel unterhalb der Reibplatte kommt in ähnlicher Ausbildung auch bei Afanta vor (Taf. VI, Fig. ı). Es handelt sich um zwei birnförmige, distal sich etwas erweiternde Gebilde, die zu beiden Seiten der Radula gelagert sind, und sich aus einem Gewebe von blasigen Bindegewebszellen zusammensetzen, die wie Pflanzenparenchym aussehen. An der Unterseite jedes Stückes setzt sich eine Muskel an mit einer langen, schmalen, longitudinalen Insertion; diese Muskeln sind nach vorn und nach der Medianlinie gerichtet und in der Nähe dieser letzteren finden sie an der Leibeswand ihr Ende. Offenbar dienen sie der Retraction des Rüssels.

Kiefer muss ich also den Atlantiden entschieden absprechen. Das Vorhandensein von Zungenknorpel wurde von TROSCHEL bei Carinaria, von Huxırv bei Fzrolorda constatirt.

Die Radula der Atlantidae ist besonders kräftig entwickelt, mehr als in den anderen Familien, man zählt bisweilen 70 und mehr OQuerreihen. Die Gestaltung der einzelnen Glieder einer Querreihe ist nicht nur in den beiden Gattungen Oxygyras und Atlanta verschieden, sondern zwischen den einzelnen Arten bestehen in dieser Hinsicht oft noch erhebliche Differenzen,

weshalb solche auch vorteilhaft systematisch verwertet werden können.

49

Oxygyrus Benson 1835. Die unzweifelhaft ursprünglichste Gattung der Heteropoden ist in der Sammlung der Siboga durch eine einzige Art vertreten. Oxygyrus rangi (Souleyet). (Taf. VII, Fig. 2—4, 6 B). Stat. 98—99. 6°7.5 N., 120° 260. ı Ex.

Stat. 136. Ternate. DIES Stat. 138. Insel Kajoa. ex Stat. 144. Insel Damar. Tax Stat. 215%. Insel Kabia. 2 Ex Stat22172 0240.05, 1232 74%7.02 1 Ex. Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. 3. Ex Ste21R 130.215. 272042540) ) Ids:< Sta@r8292. 82750235, 127218.4 0-17 Ex.

Die Schale besitzt einen hohen Kiel, der nur bei den grössten Exemplaren (4 mm.) sich auch bis auf die erste Hälfte der letzten Windung erstrekt. Die sehr kleine Schale von Stat. 243 hat noch gar keinen Kiel. Dieser Kiel und die zweite Hälfte des letzten Umganges sind hornig, die übrigen Windungen aber kalkig, und mit sehr eigentümlichen, spiraligen Wel-

lenlinien versehen. Die ganze Schale ist fast farblos, ganz durchsichtig,

im kalkigen Teile schwach bräunlich angehaucht. Mundöffnung ein gleichseitiges Dreieck bildend, wie bei O. keraudreni, mit einem kleinen Schlitz, der sich in den Kiel hinein erstrekt.

Operculum mehr abgerundet als bei O. keraudreni (Fig. 6A u. 6B), mit breiterer Rachis.

Radula stark entwickelt, mehr als 70 OQuerreihen. Die Mittelplatte (Fig. 3) hat drei, fast gleich lange Dornen; an der convexen Aussenseite des Zwischenzahnes findet sich ein wohl ausgebildeter Kamm, der sich mit einem Dorne gegen die Hauptspitze des Zwischen- zahnes abgrenzt; ein Aussendorn an dem concaven Innenrande der intermediären Platte, wie er oft bei Atlanta sichtbar ist, kommt bei Oxygyrus nicht vor. Die Seitenzähne sind schwert- förmig gestaltet, fast gleich lang, besonders an der Spitze gekrümmt.

Wenn wir nun Fig. 3 mit Fig. 5 (die Radula von O. keraudreni) vergleichen, so fällt gleich der Unterschied in den Mittelplatten auf. Während die seitlichen Dornen der Mittelplatte

bei der letzten Art kurz bleiben und an der Spitze durch eine kleine Einkerbung gespalten

erscheinen), sind alle drei Dornen bei O. rang? gleich gross. Durchmesser der Schale 1’; —4 mm. Ich hatte im „British Museum’ Gelegenheit die Originalexemplare SOULEYET's zu unter- suchen. Auch hier zeigten sich die spiraligen Wellenlinien auf der Schale, und die Radula stimmte ebenfalls ganz im Bau mit der der Siboga-Exemplare überein. Die Art ist durch die beiden hier erwähnten Merkmale ‚scharf von ©. keraudreni unterscheiden. Es wurde von Macpvonarn eine Art Oxygyrus beschrieben, die, wie schon im ersten

Abschnitt erwähnt wurde, mit der hier genannten identisch ist. Auch hier findet man die

1) Die Abbildung der Radula von O. keraudreni durch VAYSSIERE, weicht in einigen Punkten, namentlich im Bau der seitlichen Dornen der Mittelplatte, und des Kammes am medianen Rande der Zwischenplatte, von. der meinigen ab, welche mehr der Darstellung TROSCHEL’s entspricht. Die Beschreibung, welche LovEn von der Reibplatte von „Aflanta lesueuri” gab, bezieht sich ganz gewiss auf Atlanta, nicht auf Oxygyrus, wie von TROSCHEL und SMITH vermutet wurde.

I

SIBOGA-EXPEDITIE LI.

50

spiraligen Wellenlinien auf der Schale (vergl. Fig. 5 im ersten Abschnitt), der Kiel ist hoch, setzt sich auf der letzten Windung eine kleine Strecke fort und hört dann ziemlich plötzlich auf. Mit dieser Abbildung stimmt das kleine Exemplar der Siboga fast ganz überein, nur ist hier kein Kiel vorhanden. Bekanntlich kommt aber bei Oxygyrus ein Bellerophina-Stadium vor. In der Jugend haben wir dann: eine in ihrer ganzen Ausdehnung kalkige Schale, mit Wellen- linien, ohne Kiel (Ex. von Stat. 243); später tritt ein Kiel auf, zuerst ganz nahe der Mündung; es bildet sich zugleich der hornige Teil, der beim ausgewachsenen Tiere die zweite Hälfte des letzten Umganges ausmacht (Stadium von MacponarLp beobachtet). Zuletzt wird dann der Zustand erreicht, wie er auf Taf. VII, Fig. 2 abgebildet worden ist: eine teils kalkige, teils hornige Schale, mit einem hornigen Kiele, der sich allmählich auf die erste Hälfte des letzten Umganges ausdehnt. Die Abbildung der Radula, welche MacponaLn gab und welche ebenfalls drei fast gleich lange Dornen an der Mittelplatte zeigt, schliesst jeden Zweifel über die Identität seiner

Art und ©. rangi aus.

Anhang: Unter dem Namen „Zeltcophlegma candeı’ wurde von D’OrzIGcNnY eine kleine, nautiloide Schale beschrieben, die zu der hier besprochenen Gattung gehören sollte. Die Schale zeigte aber einige Eigentümlichkeiten, welche D’OrzIGny dazu veranlassten, ein Genus Drownia für die Aufnahme dieser Form vorzustellen.

In der Siboga-Sammlung sind einige Schalen vorhanden, welche in den meisten Punkten mit der Beschreibung p’OrsısGnY's übereinstimmen. Die Schale ist in einer Ebene aufgerollt, involut, und in ihrer ganzen Ausdehnung hornig, biegsam und weich, ohne die geringste Spur kalkiger Substanz. Die Mundöffnung ist niedrig aber breit, viereckig; auf der Aussenseite, wie auf den Flanken sind drei Doppelreihen vorspringender, gezähnelter Leisten sichtbar. In dieser Schale steckt ein sehr kleines Tier, das gar nicht an der Wandung befestigt ist; man kann einen quergefalteten Fuss unterscheiden, distal in einen lang ausgezogenen Schwanz übergehend, einen Kopf mit kurzem Rüssel, zwei kleine Tentakeln, an deren Basis sich die winzigen Augen finden, weiter eine dorsale Mantelhöhle mit Ctenidium. Auf dem Kopfe sieht man ganz deutlich ein in vier Lappen geteiltes, tief eingeschnittenes Velum.

Wir haben hier offenbar eine Embryonalschale vor uns, welche wahrscheinlich zu der von Kronun beschriebenen Zechinospira gehört. Diese Form scheidet innerhalb ihres hornigen (Gehäuses eine definitive Kalkschale ab, und die ursprüngliche Umhüllung wird dann abgestreift.

Echinospira wurde übrigens neuerdings von Lo Branco aus dem Mittelmeer verzeichnet.

Atlanta Lesueur 1817.

Zu der im ersten Abschnitt gegebene Diagnose fügen sich noch einige Merkmale hinzu, welche dem Tiere eigentümlich sind. Im Unterschiede mit Oxygyrus, ist der Saugnapf verhält- nissmässig klein, und ist bedeutend reducirt, zu Gunsten der, übrigens ebenso wie bei Oxygyrus vom Saugnapf gesonderten Flosse. In dieser Ausbildung macht sich also schon ein Fortschritt kenntlich in der Richtung, wie sie die höheren, mehr specialisirten Heteropoden eingeschlagen haben. Aber noch in anderer Hinsicht bestehen Unterschiede. Der Rüssel ist schwächer entwickelt,

51

und oft kürzer, als bei Oxygyras, die Tentakeln dagegen sind länger, die Augen sind, abgesehen von ihrer allgemeinen Gestalt, noch dadurch merkwürdig, dass sich an ihrem medianen Rande, vorn an der Cornea, eine kurze, tentakelförmige Papille findet (Fig. 7), deren Bedeutung unbekannt ist, und welche sonst an den Augen der Heteropoden gar nicht vorkommt. Von den die Augenkapsel umspinnenden Muskelfasern, treten einige in den konischen Fortsatz ein, sodass er wahrscheinlich contractil ist und als innerer Tentakel aufgefasst werden könnte, den morphologischen Wert eines wirklichen Tentakels hat er aber gewiss nicht. Die hier erwähnte Papille ist schon von Rang beschrieben, später auch von SOULEYET, GEGENBAUR und MACDONALD angezeigt worden, von den beiden letzteren Autoren wurde sie auch abgebildet, eine Meinung über ihre mögliche phylogenetische Bedeutung aber nicht ausgesprochen.

Die Radula hat mit dem gleichnamigen Organ von Oxygyras die sehr hohe Zahl der Querreihen gemein (es kommen bis zu 75—8o Reihen vor), sonst aber zeigt sie deutliche Unterschiede. Während bei Oxygyrus die Grösse der einzelnen Glieder in der Transversalreihe, von vorn nach hinten, allmählich beträchtlich zunimmt, ist eine solche Differenz bei Allanta viel weniger bemerkbar, die ganze Radula hat die Gestalt eines langen, platten Bandes, welches sich nach hinten zu kaum wahrnehmbar verbreitert. Die Mittelplatte der Radula besitzt nicht drei Dornen, sondern immer nur einen einzigen, die Seitenhörner der Platte, welche bei Oxygyras stark nach innen gekrümmt sind, sind hier fast gerade, und viel schwächer entwickelt; der Kamm am convexen, medianen Rande der Zwischenplatte endet nicht mit einer distal gerichteten Spitze.

Beachtenswert ist weiter ein vorderes Paar Speicheldrüsen, welche, wie es scheint, nur der Gattung Allanta zukommen, und ganz vorn in der Mundhöhle ausmünden (Fig. 8). Ich habe diese Speicheldrüsen, oder vielleicht besser: Lippendrüsen, wenigstens bei A. Zeron? auf- gefunden. Bei Betrachtung des Rüssels von der ventralen Seite fallen hier zwei lange, cylindrische Schläuche auf, die sich proximal mittels eines dünnen Ausführungsganges in die Mundhöhle öffnen ; die Wandung der Drüsen ist aus sehr kleinen Zellen zusammengesetzt, welche sich mit Carmalaun sehr tief färben; einen besonderen Inhalt konnte ich freilich in den Schläuchen nicht nachweisen. Die Drüsen sind auch hier schon von RanG beschrieben worden, seitdem wurden sie aber nie wieder erwähnt, und SOULEYET sprach die Meinung aus, dass RanG sich mit den Buccalganglien geirrt haben möchte.

Die eigentlichen Speicheldrüsen, wie sie allen Heteropoden zukommen, liegen ganz hinten, und münden, etwa auf der Höhe der Radulascheide, aber ein wenig dorsal von dieser, also an der nämlichen Stelle wie bei Prosobranchiern überhaupt, in die Buccalhöhle aus. Sie haben keulenförmige Gestalt, so dass der Ausführungsgang (der bei Aflanta etwas kürzer ist als bei Oxygyrus) ziemlich deutlich vom eigentlichen Drüsenkörper gesondert ist. Die Zellen, welche die Wandung der Drüsen bilden, sind hier etwas grösser als bei dem vorderen, oben erwähnten Paare.

Näheres ist hier, wo hauptsächlich die systematischen Zwecke im Vordergrunde stehen, nicht am Platze.

Bei der Bestimmung der Afanta-Schalen, welche in namhafter Zahl von der Siboga heimgebracht wurden, war ich in der Gelegenheit, die Sammlung SouL£vEr's im „British Museum” untersuchen zu können, und seine Originalexemplare mit den meinigen zu vergleichen. Freilich

sind nicht alle von SoutevEr beschriebene Arten im „British Museum’ vorhanden eine grosse

52

Zahl findet sich, wie mir Prof. L. Jousın freundlichst mitteilte, in Paris; aber doch war es mir möglich fast alle Arten der Siboga-Expedition mit Hilfe der genannten Sammlung zu bestimmen. Hier fühle ich mich also auf sicherem Boden. Die von SOULEYET vor fast 70 Jahren gesammelten Schalen waren trocken aufbewahrt und aufgeklebt worden; etwaige Färbung war allerdings nirgends mehr vorhanden, und viele Exemplare zeigten sich stark zerstückelt. Jedoch habe ich 8 Arten des Siboga-Materiales wieder erkannt; es blieben nur zwei Arten übrig, welche sich in keiner Hinsicht mit denjenigen SouLEvET's vereinigen liessen und auch mit den sonst aus der Litteratur bekannten Formen keine Ähnlichkeit zeigten.

Die Sammlung im „British Museum’ umfasste:

A. souleyeti Smith. A. lesueuri Souleyet. A. peroni Lesueur. | A. helicinoides Souleyet. A. rosea Souleyet. | A. inclinata 'Souleyet. A. inflata Souleyet. | A. turriculata d’Orbigny. A. gaudichaudi Souleyet. A. fusca Souleyet.

Im Siboga-Material fanden sich: A. peroni Lesueur. A. inclinata Souleyet. A. rosea Souleyet. A. turriculata d’Orbigny. A. inflata Souleyet. A. fusca Souleyet. A. gaudichaudi! Souleyet. A. gibbosa Souleyet.

Ausserdem als neue Arten: A. afhınıs n. sp. A

1. oligogyra n. sp.

Atlanta peroni Lesueur. (Taf. VII, Fig. ı, 7, 8).

Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. ı Ex. Stat. 136. Ternate. 3 1855 Stat. TAT. 1.0.4.8, 1272257.310) 1 dx Stat. 144. Insel Damar. 105% Stat. 169. Atjatuning, Neu-Guinea. I Jese Stat. 172. Zwischen Gisser und Ceram-Laut. ale Stat. 184. Kampong Kelang, Insel Manipa. 4 Ex. Stat. 185. Manipa-Strasse. no) 18% Stat. 205. Lohio-Bai, Buton-Strasse. TaBx? Stat 22m2052010%725.,1720245..5,®. ID. IESE Stat. 215°. Insel Kabia. SB Stat. 220. Pasir-Pandjang, Binongka. SE: Stat.s227.109244S,112423940: I Ex. (leere Schale). Stat.W224.0 523125 PE12 0: U da Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. 2DaE=:

Über diese allbekannte Art ist nichts Besonderes zu erwähnen; sie ist durch das tiefe Eindringen des Kieles zwischen die Umgänge und durch die kleine, flache Spira kenntlich genug. Die leere Schale zeigt kaum sichtbare Querstreifung auf der letzten Windung; diese ist

aber, wie auch VayssıErE hervorhebt, nie, wie bei A. lZesueuri, wellig.

SR)

Die Schalen sind sämtlich klein, nur wenige erreichen die Grösse von 5 mm.; D’ÖRBIGNY machte übrigens schon die Bemerkung, dass die Art im Atlantischen Ozean zu bedeutenderer Grösse heranzuwachsen scheint. Exemplare im Utrechter Museum, welche aus dem Atlantischen Ozean stammen, erreichen die für Atlanta ganz ansehnliche Dimension von 10 mm.

Die Art ist im ostindischen Gebiet überall häufig, ob sie aber, wie andere von der Siboga erbeutete Arten, in Schwärmen auftreten kann, würde man aus obiger Liste nicht

schliessen können.

Atlanta afinis n. sp: (Taf. VII, Fig. o—-ı0).

Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. ı Ex.

State 13 12.4%.5,9.,,1272521.010: SB Stat 1789224085, 1282275 0! 3 Ex. (leere Schalen). Sim 202 3255 So, 12a a5 (0% 8 Ex. Star 2107-052 100.254.1202415.5,0: ı Ex. (leere Schale).

Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. aRxs

Die hier beschriebene neue Art zeigt grosse Ähnlichkeit mit A. Zeroni; auch hier findet man einen Kiel, der bis zum Schlitz in der Aussenlippe reicht und vor der Mundöffnung also verstreicht; ebenso wie bei der vorhergehenden Art, dringt der Kiel hier zwischen die Windungen ein, und zwar ziemlich tief, sodass mehr als die Hälfte der vorletzten Windung von der letzten geschieden ist. Die Schale ist ganz flach und besteht aus 6 Windungen, von denen die letzte weitaus die grösste ist; die Spira zeigt dieselbe Form wie bei A. Zeroni, steht aber nicht aufrecht, sondern ist stark nach vorn geneigt; hierin liegt das wesentliche Merkmal der hier besprochenen Art. Weiter zeigt der letzte Umgang, besonders deutlich bei den leeren Schalen, regelmässige Querstreifen, welche bisweilen den Eindruck von Furchen machen, wenn sie in Wirklichkeit auch dünnere Stellen der Schale vorstellen, zwischen denen breite, undurch- sichtige Streifen gelegen sind. Die Mundöffnung ist niedrig, eiförmig, ganz wie bei A. Zeroni, mit tiefem Schlitz in der Aussenlippe, dessen Ränder nach aussen zu nicht divergiren.

Die Art stellt gewissermassen ein Bindeglied dar zwischen A. Zeroni, mit der sie die flache Schale und den tief zwischen die Windungen hineinreichenden Kiel gemein hat, und A. lesueuri, deren Ouerstreifen auf der Schale (man vergleiche besonders Fig. 16 im ersten Abschnitt) in derselben Weise auftreten, allerdings sich auch auf die Spira selbst fortsetzen. Von beiden Arten ist sie aber genügend verschieden.

Die Radula (Fig. ı0) zeigt im Ganzen die grösste Ähnlichkeit mit der von A. feroni. In der Form der Mittelplatten ist kein wesentlicher Unterschied zu bemerken. Auch die Zwischenplatten sind ganz ähnlich gestaltet, nur kommt der Aussendorn, wie er sich bei A. deroni an der concaven Aussenseite der Platte findet, bei A. afinis nicht vor. Die Seitenzähne, welche in Grösse untereinander gleich sind, erreichen gar nicht die Länge der Zwischenplatte; ein derartiges Verhalten ist allerdings in der Gattung Afanta ganz allgemein.

Der grösste Durchmesser der Schale betrug bei einem Exemplare (leere Schale) 7 mm.; in den meisten Fällen aber wird 2—4 mm. erreicht.

Die Art scheint, etwa in gleicher Zahl wie A. Zeroni, überall im Archipel vorzukommen.

54 Atlanta gaudichaudi Souleyet. (Taf. VII, Fig. 11— 13).

Stat. 37. Sailus ketjil, Paternoster-Inseln. 43 Ex. Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. ı8 Ex. Stat. 7ı. Makassar. 2 185 Stat. 89. Pulu Kaniungan ketjil. I 1 Stat. 96. Sulu-Archipel. 5 Ex. Stat. 98—99. Nord-Ubian. DI Erxe Stat. 106. Insel Kapul, Sulu-Archipel. Au Stat. 109. Pulu Tongkil, Sulu-Archipel. 24 Ex. (darunter sind 17 leere Schalen). Stat. 136. Ternate. a BR Stat. 138. Kajoa-Insel. TorEx.

Sen, zit, EOS Stats 173 45.55 1278 Stat. 144. Insel Damar. I Stat“ 148% 02117.:0.5,8129,14%5,.0:

Stat. 169. Atjatuning, Neu-Guinea.

Stat. 172. Zwischen Gisser und Ceram-Laut.

Stat. 185. Manipa-Strasse. Stat-189-92222557112044630.

Stat. 194— 197. Zwischen Sula Besi und Obi Major. Stat22032 323225 5, 27275510:

Stat. 205. Lohio-Bai, Buton-Strasse.

Stat. 215°. Insel Kabia.

Stat. 282. Zwischen Nusa Besi und Timor.

Stat. 315. Sailus Besar, Paternoster-Inseln.

> HB HW HN H Pu OD ey) r

-

Die Form der Schale entspricht fast ganz der von A. Zeroni, nur schliessen die Win- dungen in den meisten Fällen fest aneinander; bei den grössten Schalen (4,5 mm.) aber ist die Innenlippe ein wenig abgehoben und dringt der Kiel in den Zwischenraum zwischen Innen- lippe und Schale ein. Die Windungen sind 4'/; an der Zahl und bilden zusammen eine sehr flache Schale, mit rundlicher Mundöffnung (Fig. 12), tiefem Schlitz in der Aussenlippe und einer braunen Linie an der Ansatzstelle des Kieles; diese Linie setzt sich noch ein wenig weiter nach innen auf die Sutur fort, ist also, bei Betrachtung der Schale von der Mundöffnung aus, durch die dünne Innenlippe hindurch, sichtbar. Diese Linie, welche ich nirgends vermisste, war schon SouLEvET aufgefallen.

Das Tier besitzt einen langen Rüssel; demgemäss ist auch die Radula ziemlich stark entwickelt. Die Mittelplatte ist fast ganz wie bei Ä. Zeroni gestaltet, nur ist der Dorn etwas kleiner, und etwa von gleicher Länge wie die seitlichen Fortsätze der Platte. Die Zwischenplatte zeichnet sich noch durch das Fehlen des kleinen Aussendorns aus; die Seitenplatten sind stark gekrümmt, die zweite steht der andere ein wenig an Grösse nach.

Diese Art scheint ganz häufig im Inselreich vorzukommen, und wurde an einigen Stationen

sogar in grosser Menge gefunden. Bisher war sie nur aus dem Pazifischen Ozean bekannt.

Atlanta oligogyra n. sp. (Taf. VIII, Fig. 14—18).

Stat. 37. Sailus ketjil, Paternoster-Inseln. 44 Ex. Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. 2 Ex. Stat. 96. Sulu-Archipel. N De

oa a

Stat. 106. Insel Kapul, Sulu-Archipel.

IBx Stat. 136. Ternate. 3. Ex. Stat. 138. Insel Kajoa. Ex: Stat. 144. Insel Damar. 6 Ex Stat. 165. Insel Daram. 4 Ex Stat. 169. Atjatuning, Neu-Guinea. 2 Ex Stat. 172. Zwischen Gisser und Ceram-Laut. 7 Ex. Sta 205.83, 322508,8124215,.5.0. 2 BD Stat. 205. Lohio-Bai, Buton-Strasse. 3, Ex. Stat 224 02.34. 5, 12724. 0. Au Rx: Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. it ldsg Stat. 282. Zwischen Nusa Besi und Timor. 3 Ex

Die meistens sehr kleine Schale ist durch eine sehr kleine Spira ausgezeichnet: es sind im Ganzen nur 3',; Windungen vorhanden, die letzte ist weitaus die grösste und bildet allein schon fast die ganze Schale; diese ist ganz flach, mit ovaler Mundöffnung, in deren Aussenlippe sich ein Schlitz findet, der zwar untief ist, aber nach aussen zu stark divergirende Ränder hat. Der ziemlich hohe Kiel dringt, je nach dem Alter der Schale, mehr oder weniger tief zwischen den Umgängen ein (man vergleiche Fig. 14 und Fig. ı7, welche bei derselben Vergrösserung gezeichnet sind). Die Ansatzstelle des Kieles ist auch hier durch eine braune Linie markirt, weniger deutlich aber als bei 4. gaudichaud!.

Die Schale ist gänzlich ohne Skulptur, sehr feine Zuwachsstreifen sind auf dem letzten Umgange sichtbar. Ebensowenig ist irgend eine Farbe zu bemerken, das Ganze ist glashell und durchsichtig. Grösster Durchmesser der Schale 2 mm., die meisten Exemplare sind aber kleiner.

Das Tier, mit kräftigem Rüssel und wohlausgebildeten Tentakeln ausgerüstet, besitzt eine lange, bandförmige Radula, an der ich 65 Querreihen zählen konnte. Der Dorn der Mittelplatte (Fig. 16) ist sehr kurz, kleiner als die seitlichen Fortsätze dieser Platte; dem Zwischenzahn fehlt der Aussendorn, die Seitenzähne von nahezu gleicher Grösse sind an der Spitze haken- förmig gekrümmt.

Ich habe mich wohl entschliessen müssen, hier eine neue Art aufzustellen, da ich weder mit den im „British Museum’ aufbewahrten Typen SoureveEr’s, noch mit anderen in der Litteratur beschriebenen Formen genügende Übereinstimmung fand. Nur mit der von SouLEvET als Varietät seiner A. lesueur! (Fig. ı5 im ersten Abschnitt) bezeichneten Form besteht eine gewisse Ähnlichkeit, aber, abgesehen von den bei letztgenannter Art sehr deutlichen Ouerstreifen, ist hier die letzte Windung, mit den übrigen verglichen, verhältnissmässig noch grösser als bei A. oligogyra. Auch in der Grösse bestehen beträchtliche Unterschiede, da A. /esweuri einen Durchmesser von 6 mm. erreicht.

Die Art ist im ganzen Gebiet häufig und tritt bisweilen (wohl passiv von Seeströmungen

verschleppt) schwarmweise auf.

Atlanta inflata Souleyet. (Taf. VIII, Fig. 19—21).

Stat. 37. Sailus ketjil, Paternoster-Inseln. 6 Ex. Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. ı Ex. Stat. 98—99. Nord-Ubian, Sulu-Archipel. 200 Bx-

56

Stat. 136. Ternate. Zu Be Stat. 138. Insel Kajoa. ABS: Stat. 148. 02172.0,9,, 129, 14-5,0. 2 Stat. 165. Insel Daram. TaBz: Stat. 1180.9222205,4126246.0. IE: Stat. 194— 197. Zwischen Sula Besi und Obi-Major. ı Ex Sfate203395232#5,,5, 124.115..5.0: er Stat. 215°. Insel Kabia. 4 Ex StabW2238 E244.7S., 1262.27%3,0: dx Stat209 5234. 5, 1272 4080! au Ex. Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. AS StAR2462 42. 30.2 S., 1200250: 7 102 Statg24r. 4°. 16.5 S., 150215480. 4 Ex. Stat. 282. Zwischen Nusa Besi und Timor. 5.Ex.

Mit dieser Art verlassen wir den Formenkreis der A. Zeroni, d.h. die ganz niedrigen, flachen Schalen, bei denen die Spira gar nicht hervorragt, und der Kiel mehr oder weniger weit zwischen den Umgängen eindringen kann. Zwar ist damit nicht eine deutliche Gruppe bezeichnet, welche etwa als Untergattung aufzufassen wäre; denn in dieser Hinsicht zeigen sich die Zungenbewaffnungen der Ailanta-Arten unter einander so sehr verschieden, dass z.B. bei so nahe verwandten Formen wie A. Zeroni! und A. gaudichaudi! an der Zwischenplatte der Radula der Aussendorn vorkommen kann oder fehlen.

Die Schale der A. inflata zeigt zunächst nicht die Disproportion zwischen Spira und letzter Windung; die Umgänge nehmen von der Spitze nach abwärts ganz regelmässig an Grösse zu; es sind im Ganzen 5 Umgänge vorhanden; die ersten vier sind gewöhnlich durch eine dunkelbraune oder violette Farbe unterschieden, was als deutliches Artmerkmal gelten könnte, wenn nicht bei einigen Schalen diese Farbe ausnahmsweise fehlte. Von der Seite betrachtet, zeigt sich die rundliche Mundöffnung, in deren Aussenlippe sich ein Schlitz findet mit stark auseinander weichenden Rändern; die Innenlippe, welche nie von der Schale abgehoben ist, da ein Eindringen des niedrigen Kieles zwischen die Windungen nicht vorkommt, ist bräunlich angehaucht. Ein sehr schönes Merkmal der Art, das sie freilich mit anderen gemein hat, ist in den feinen Spirallinien gegeben, welche bei starker Vergrösserung parallel der Sutur auf den ersten Windungen sichtbar sind (in Fig. ı9 sind sie nicht abgebildet worden). Auf der letzten Windung kommt eine solche Skulptur nicht vor, ebenso wenig an der Nabelseite der Schale. Die bei Seitenansicht ziemlich stumpf erscheinende Spira ist schwach nach hinten geneigt.

Als ich die Originalexemplare SovurevEr's im „British Museum’ untersuchte, konnte ich auch hier die oben erwähnte Skulptur feststellen.

Grösster Durchmesser der Schale kaum ı'/); mm.

Das Tier besitzt einen ziemlich langen Rüssel, aber bei der Kleinheit dieser Art sind die einzelnen Glieder der Radula schwierig zu sehen. Ich habe einige Querreihen der Reibplatte herauspräparirt, hierbei erwies sich dann (Fig. 21) die Mittelplatte als ganz klein, mit kleinem Dorn und kaum entwickelten seitlichen Fortsätzen. Die Zwischenplatte weist hier merkwürdigerweise wieder den allerdings kaum sichtbaren Aussendorn auf, wie er bei A. eroni vorkommt; die hakenförmig gebogenen Seitenzähne sind deutlich kürzer als die Zwischenplatte.

Erwähnenswert ist weiter der Umstand, dass der männliche Begattungsapparat mit

54 seinem Anhang ganz dunkel, fast schwarz pigmentirt ist, wie durch die dünne, durchsichtige Schale hindurch direct sichtbar ist. Diese Eigrentümlichkeit war übrigens auch schon SouLEvET nicht entgangen. A. inflata gehört im ost-indischen Inselreich gewiss zu den häufigsten Arten. Namentlich im Norden des Gebietes, in dem Sulu-Archipel, wurde sie, gemeinschaftlich mit A. rosea, in

grosser Menge erbeutet.

Atlanta rosea Souleyet. (Taf. VIII, Fig. 22—.24).

Stat. 37. Sailus ketjil, Paternoster-Inseln.

Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. Stat. 98—99. Nord-Ubian.

Stat. 136. Ternate.

Stat. 138. Insel Kajoa.

Stat. 144. Insel Damar.

Stat. 194—197. Zwischen Sula Besi und Obi-Major. Stat. 215%. Insel Kabia.

Sy

- HH HW@N na HH ww al 169) Dr

Stats223 52447153 12068.274:3. 0: Ex Stat2224 52344, 9.,1272.41 0. 15x Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. Ex. Stat-s2A,2 4106659. 13 0215.80. Ex Stat-9282.382 25.215 127418.4,0. Ex.

Bei erster Betrachtung ist die Ähnlichkeit der Schale mit der von A. inflata eine ausser- ordentlich grosse (vergl. Fig. 19 und 22); jedoch sind einige Unterschiede zu verzeichnen, welche A. rosea als gesonderte Art abtrennen. Die Grössenzunahme der verschiedenen Windungen (3";) ist nicht ganz regelmässig; die vorletzte und die drittletzte Windung zeigen in dieser Hinsicht einige Eigentümlichkeiten, welche am besten aus der Abbildung selbst zu ersehen sind. Besser noch als von oben betrachtet, tritt der Unterschied hervor bei Seitenansicht der Schale (vergl. Fig. 20 und 23). Die Spira der A. rosea ist etwas dünner und schlanker und ragt nur ganz wenig hervor. Das ganze Gehäuse ist farblos, und ein Farbenunterschied wie bei A. inflata, wo die Spira dunkler gefärbt ist als der letzte Umgang, kommt hier nicht vor. Die Mundöffnung ist etwas mehr niedergedrückt, die Innenlippe ist glashell, wie die ganze Schale, die Aussenlippe ist tief eingeschlitzt, mehr noch als bei A. inflata. Der Kiel ist sehr niedrig; ein Eindringen zwischen den Umgängen wurde nirgends beobachtet. Ein schönes Merkmal, allerdings auch bei A. inflata vorkommend, sind die äusserst feinen Spirallinien, welche auf den ersten drei Win- dungen sichtbar sind, ganz in derselben Weise, wie. es oben für A. inflata erwähnt wurde. Auch bei A. rosea ist von diesen Linien an der Nabelseite der Schale nichts zu erblicken,

Grösster Durchmesser der Schale kaum 1'), mm. Nach Sovr£ver erreicht diese Art eine Grösse von 4—5 mm.

Da der Rüssel des Tieres sehr kurz ist, ist die Radula ausserordentlich winzig, und nur bei sehr starker Vergrösserung sind-an den Platten (Fig. 24) Einzelheiten wahrzunehmen. Die Mittelplatte ist wie bei A. znflata gebildet, also auch hier mit einem kurzen Dorn ausgestattet,

der nur etwa ebenso lang ist als die beiden seitlichen Fortsätze der Platte. Die Zwischenplatte

SIBOGA-EXPEDITIE LI. 8

58

trägt einen kleinen Aussendorn an der convexen Seite. Die beiden säbelartig gekrümmten Seitenzähne stehen an Grösse ziemlich weit hinter der Zwischenplatte zurück. Wie schon bei der Besprechung von A. inflata erwähnt wurde, ist A. zosea im ganzen

von der Siboga durchforschten Gebiete eine überaus häufige Erscheinung.

Atlanta turriculata d’Orbigny. (Taf. VIII, Fig. 25).

Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. ı Ex. Stat. 89. Pulu Kaniungan ketjil. 1 102< Stat. 96. Sulu-Archipel. 105 Stat. 98—99. Nord-Ubian. IDEE Stat. 136. Ternate. Sex Stat. 144. Insel Damar. 2 185% Stat. 215°. Insel Kabia. u Tore Stat. 220. Pasir Pandjang. 108 Stat. 243. 4230.25, 91292250! ı Ex. Stat. 245. 242105059513 02158840: 2AESE Stat. 304. Lamararap, Insel Lomblen. j I 10

A. turriculata ist sehr leicht kenntlich an der eigentümlichen Spira, welche sehr schlank und hoch ist und sich besonders deutlich von der letzten Windung abhebt, nicht nur durch die Farbe, da die Spira dunkelgelb oder braun gefärbt ist, sondern auch dadurch, dass der letzte Umgang, während die vorhergehenden Windungen schraubenförmig abwärts steigen, sich fast in einer Ebene aufrollt, so dass die Spira wie ein Kegel aus einem niedrigen Talkessel hervorragt. Aus den Abbildungen p’Orsıcnv’s, besser aber noch aus denjenigen SOULEYET'S (Fig. 11—ı2 im ersten Abschnitt), ist die Art ohne Weiteres zu erkennen und gehört, mit den hier folgenden A. grbbosa, A. inchnata und A. fusca zu den am besten characterisirten Formen der Gattung; ich habe deshalb eine nochmalige Abbildung der Schale hier unterlassen. Der Beschreibung SOULEvETs möchte ich nur hinzufügen, dass die Spira nicht ganz aufrecht steht, sondern sehr schwach nach hinten geneigt ist, weiter, dass die Aussenlippe der Schale tief gespalten ist.

Das Tier besitzt einen sehr kurzen Rüssel und dementsprechend ist, bei der Kleinheit des ganzen Tieres (der grösste Durchmesser der Schale beträgt kaum ı'/, mm.), die Radula ausserordentlich schwierig zu untersuchen. Nur so viel lässt sich sehen dass die Zwischenplatte (Fig. 25) einen bedeutenden Aussendorn trägt, der fast dieselbe Länge erreicht wie die Haupt- spitze der Platte; in so weit besteht ein Unterschied mit allen von mir untersuchten Arten. Von den beiden Seitenzähnen ist die erste grösser als die zweite.

Diese Art scheint zwar im ganzen Archipel vorzukommen, ist aber nirgends in solcher Menge erbeutet worden, wie z.B. A. inflata oder A. rosea. Vielmehr tritt sie zwar überall, fast immer aber nur vereinzelt auf.

Atlanta inclinata Souleyet. (Taf. VIII, Fig. 26). 37. Sailus ketjil, Paternoster-Inseln. ı Stat. 138. Insel Kajoa. 0 85322045712, 22.010: 2

Stat. 220. Pasir Pandjang. ES Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. DaR® Stat. 304. Lamararap, Insel Lomblen. 11 10

Die Schale hat eine kreiselförmige Spira, welche sehr deutlich nach hinten geneigt ist, von schwach rötlicher Farbe, während die letzte Windung farblos ist. Die characteristische Form der Spira, deren Windungen allmählich an Grösse zunehmen, ist dieser Art eigentümlich, weshalb sie unmöglich mit anderen verwechselt werden kann. Die mir vorliegenden Schalen zeigen genau das Bild wie es von SOULEYET gegeben wurde (Fig. 25—26 im ersten Abschnitt). Die Innenlippe der Schale ist bräunlich angehaucht, die Aussenlippe zeigt einen tiefen Schlitz: dementsprechend verstreicht der Kiel schon in ziemlicher Entfernung vor dem Mundrande. Die Innenlippe ist infolge des Eindringens des Kieles zwischen den Umgängen, von der Schale ein wenig abgehoben.

Im ersten Abschnitt wurde schon auseinandergesetzt, weshalb ich die von VavssıErE mit dem Namen 4. zxclinata bezeichnete Art nicht als dieselbe Form wie die von SovLEYET halten kann. Ausserdem habe ich die von der Siboga-Expedition gesammelten Schalen mit den Originalexemplaren SouLEvET's vergleichen können.

Wenn auch keine Skulptur der Schale bemerkbar ist, so ist doch die Art durch die umfangreiche, auf den letzten Umgang nach hinten zurückgeschlagene Spira kenntlich genug.

Der grösste Durchmesser der von mir untersuchten Schalen war 3 mm., während SouLEvEr eine Grösse bis 6 mm. angibt.

Im sehr kleinen, schwachen Rüssel, der von den langen Tentakeln von oben ganz bedeckt ist, ist die Radula verborgen, welche sich von den bis jetzt Beschriebenen nicht wesentlich unterscheidet. Am meisten gleicht sie der Reibplatte von A. oligogyra (vergl. Fig. 26 und 16). Die Seitenhörner der Mittelplatte sind ziemlich stark entwickelt und schwach nach innen gekrümmt; der einzige Dorn der Mittelplatte steht hinter den beiden seitlichen Fortsätzen an Grösse nicht zurück. Einen Aussendorn an der hohlen Seite der Zwischenplatte kommt hier nicht vor. Die Lateralzähne haben die allgemein bei Afanta vorkommende Gestalt; ein Unter- schied in der Grösse besteht zwischen ihnen kaum.

A. inchinata ist zwar an verschiedenen Stationen erbeutet worden, tritt aber nur vereinzelt auf, und von solchen Scharen, wie sie z.B. A. oligogyra, A. inflata und A. rosea bisweilen aufweisen, ist hier gar nicht die Rede. Dies gilt übrigens noch mehr von den beiden nach-

folgenden Arten.

Atlanta gibbosa Souleyet. (Taf. VIII, Fig. 27).

Stat. 220. Pasir Pandjang. Bu Sta-8245.27210).59:,,1302 15.8.0. 7 Ex.

Diese Art steht in gewissem Gegensatz zu den anderen, weil die Spira sehr dick und kreiselförmig ist und diese nicht, wie sonst, im Vergleich mit der letzten Windung, einen ver- schwindend kleinen Teil der Schale ausmacht, sondern sämtliche Umgänge ganz regelmässig an Grösse zunehmen. Man vergleiche übrigens Fig. 21 und 22 im ersten Abschnitt. Die Spira

ist stark nach vorn geneigt, und ganz farblos; die Schale ist glashell, durchsichtig, und besteht

60

aus 7 Umgängen, welche sämtlich fest aneinander schliessen. Der Kiel ist ziemlich hoch; ein deutlicher Spalt ist in der Aussenlippe des Mundrandes vorhanden.

Grösster Durchmesser der Schale ı'/, mm.

SouLEYET hat gezweifelt, ob er unter dem Namen A. gzöbosa wirklich eine existenz- berechtigte Form beschrieb; denn er nennt die Schale „presque mieroscopique, und dazu kommt, dass bekanntlich die Aanta-Arten in der ersten Jugend eine regelmässig aufgewundene, turm- förmige Schale besitzen, welche erst später jenen fast allgemeinen Gegensatz zwischen Spira und letzter Windung aufweist. Allein die Art besitzt einen ausgebildeten Penis, und zudem ist die Schale nicht ganz regelmässig kreiselförmig, sondern die Spira ist ein wenig auf die letzte Windung herabgebogen.

Die Radula gleicht fast ganz der von A. inclinata. Nur ist die Mittelplatte (Fig. 27) insoweit verschieden, dass ihr Dorn kürzer und breiter ist, auch sind die seitlichen Fortsätze der Platte kleiner und nicht gekrümmt. Die Zwischenplatte weist einen kleinen Aussendorn auf, während die Seitenzähne von etwa gleicher Grösse sind.

A. gibbosa war bis jetzt nur aus dem Atlantischen Ozean bekannt. Im ost-indischen

Inselreich kommt sie zwar vor, scheint aber sehr selten zu sein.

Atlanta fusca Souleyet. (Taf. VIII, Fig. 23—30). Stat. 215°. Insel Kabia. 2 Ex.

Die Art hat einige Ähnlichkeit mit A. giöbosa, die Spira ist aber sehr viel dünner und kleiner, im Vergleich mit der letzten Windung, und auch gar nicht so stark nach vorn gebogen. Dies ist auch bei Betrachtung der Schale von oben ganz deutlich sichtbar (Fig. 28). Der Kiel ist niedrig und setzt sich, den sehr engen Spalt in der Aussenlippe des Mundrandes zwischen die beiden niedrigen Lamellen fassend aus welchen er sich hier zusammensetzt, bis zur Mund- öffnung fort. Die Schale ist ganz farblos und durchsichtig. Sehr characteristisch sind die feinen, der Sutur parallel gehenden Spirallinien auf der Spira, welche sich auf die letzte Windung nicht fortsetzen; hier aber zeigt die Schale mehr oder weniger deutliche Querbänder. Eine solche Skulptur kommt, wie oben erwähnt, auch bei A. inflata und A. rosea vor; ein Unterschied mit der hier besprochenen Art besteht aber darin, dass bei A. fzsca diese Linien auch an der Nabelseite der Schale sichtbar sind. Es wurde diese Schalenzeichnung schon von SımIitH erwähnt, und ich hatte im „British Museum” nur Gelegenheit seine Angaben zu bestätigen.

Als Varietät deutete SOULEYET ein Exemplar, (Fig. 30 und im ersten Abschnitt), an welchem der Kiel eine Strecke weit zwischen den Umgängen eingedrungen ist, und wo der Spalt in der Aussenlippe etwas weniger tief erscheint. Die von der Siboga-Expedition gesammelten Schalen nehmen beide eine Mittelstellung ein, weil die Windungen alle fest aneinander schliessen, und der betreffende Spalt sehr seicht ist.

Grösster Durchmesser der Schale kaum ı!/, mm.

SOULEYET fand die Art in allen Meeren und bezeichnet sie als häufig, auch wurde sie von der Challenger-Expedition in ziemlicher Menge erbeutet. Dagegen scheint sie nach den

Befunden der Siboga-Expedition im ost-indischen Archipel sehr selten zu sein.

61

Da von den beiden mir zur Verfügung stehenden Exemplaren, nur eines ganz gut erhalten war, das andere aber deutliche Spuren von früherer Eintrocknung zeigte, habe ich

die Radula nicht untersuchen können.

Notizen über Lebensweise und Verbreitung der ATLanTipar.

Die‘ Heteropoden bieten in ihrer phylogenetischen Anfangsstufe: den Atlantiden, den ersten Beginn der Entwicklung dar, welche allmählich auf die vollkommene Anpassung an das durchweg pelagische Leben hinausläuft, wie sie sich besonders bei den Pterotracheiden kundsgiebt. Sowie Oxygyrus und Atlanta in ihrem Körperbau, besonders hinsichtlich der hohen Ausbildung des Saugnapfes, im Vergleich mit der Flosse, nur wenig specializirt erscheinen, so zeigen auch ihre Bewegungen noch nicht die ganze Erfüllung der Bedingungen, welche das treibende Leben auf hohem Meere, ohne irgendwelchen Anhalt, den pelagischen Wesen stellt. Eine lebende Atlanta, in einem Gefässe beobachtet, schwimmt ziemlich schnell, die Schale nach unten gekehrt, mit kurzen, stossweisen Bewegungen, und macht durch das lebhafte Hin- und Herschlagen ihrer Flosse einen bei Mollusken sonst ungewöhnlichen Eindruck. Bei dem Vorwärtskommen zeigt sie aber wenig Ausdauer. Bald werden die Bewegungen eingestellt, das Tier zieht sich ganz in die Schale zurück, schliesst die Öffnung mit dem Deckel, und sinkt zu Boden. Hier bleibt es oft lang unbeweglich, um sich dann wieder hervorzustrecken und die Bewegungen von neuem anzufangen. Im Freien scheint den Tieren eine gewisse Ruhe dadurch ermöglicht zu sein, dass sie sich mittels ihres Saugnapfes an Fremdkörpern anheften können, ja, sie sind sogar im Stande eine gewisse Strecke fortzukriechen, nach Art der Platypoden, wie es von SoULEYET beobachtet wurde. Ich selbst konnte (in Neapel) etwas derartiges nie wahrnehmen.

Die Atlantidae scheinen von den Heteropoden nicht nur am weitesten verbreitet zu sein, sondern auch dann und wann scharenweise aufzutreten; letzteres geht nicht nur aus den Angaben SouLevEr's und den Erfahrungen in Neapel, sondern auch aus den Befunden der Siboga-Expedition hervor. Die Heteropoden sind durchaus Bewohner der wärmeren Meereszonen, und können, durch Strömungen in kühlere Gewässer verschleppt, wahrscheinlich ihr Leben nicht lange fristen. Doch wurde Afanta von M'Intosu noch aus den englischen Meeren verzeichnet.

Wie überall, so nimmt auch im ost-indischen Gebiet, die Gattung Atlanta, sowohl an Arten- wie an Individuenzahl den ersten Rang ein. Oxygyrus kommt zwar an vielen Stellen, fast immer aber nur vereinzelt vor. Im Mittelmeer dagegen halten beide Gattungen einander ziemlich das Gleichgewicht, und hier kann, wenigstens an einigen Stellen, Oxygyrus, wie Atlanta,

in grossen Schwärmen angetroffen werden.

Familie Il. CARINARIDAE.

Da die Carinariidae eine Mittelstellung zwischen den beiden anderen Familien der Heteropoden einnehmen, bieten sie ein besonderes Interesse. Angesichts der Tatsache, dass die

Vertreter der hier genannten Gruppen, im Vergleich mit anderen Heteropoden, weitaus seltener

62

sind, kann man die Ausbeute der Siboga-Expedition auch in dieser Hinsicht als ein befriedi- gendes Resultat betrachten. Allerdings wurde die nur wenig bekannte Gattung Perosoma nicht gefangen, wenngleich sie auch im ost-indischen Gebiet wohl vorkommen mag, Carinaria aber und Cardiapoda sind beide vorhanden, und ihre vorzügliche Erhaltung gestattete eine eingehende

Untersuchung, welche hier freilich hauptsächlich systematischen Zwecken diente.

Carinaria Lamarck 1801. N

Die Diagnose der Gattung ist schon öfter gegeben worden, nur möchte ich einige anatomische Befunde, welche teils mit denjenigen meiner Vorgänger nicht übereinstimmen, teils auch neu sind, hier wenigstens kurz erwähnen.

Carinaria unterscheidet sich durch die beträchtliche Entwicklung, welche die gallertige Bindesubstanzmasse genommen hat; namentlich der Rumpf erscheint deshalb wie aufgequollen, aber auch der Kopfteil ist von einer Gallerthülle umgeben, welche sich durch eine tief ein- schneidende Furche von der des Rumpfes trennt. Der Schwanz ist, besonders am Anfang, rundlich im Durchschnitt, und läuft nach hinten spitz zu. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die durchsichtige Hülle überall mit grossen Höckern besetzt ist, die hauptsächlich durch eine örtliche Emporhebung der Haut entstehen, da wo sich die Gallertmasse reichlicher entwickelt hat. Die Haut selbst, welche aus kleinen, zackig in einander greifenden Zellen besteht, deren Grenzen sehr undeutlich sind, ist an der Spitze der Höcker etwas dicker und die Zellen stehen mehr gedrängt (Taf. IX, Fig. 31). Die Tuberkeln ragen, wie bei Seitenansicht deutlich ist, oft wie Vulkankegel hervor; der Gipfel ist sehr stumpf. Dass die Höcker gewissermassen als Tast- organe betrachtet werden können, dürfte ein sehr zarter Nervenfaden erweisen, der in jeden von ihnen eintritt und von einem der grossen Nerven abstammt, welche den Körper namentlich in der Längsrichtung durchziehen.

Bei anderer Einstellung erblickt man unterhalb der Haut die Elemente des Bindegewebes: kleine, sternförmige Zellen, mit oft enorm langen Ausläufern, welche zwischen sich die glashelle, durchsichtige Bindegewebsmasse ausscheiden, wie sie bei so vielen pelagischen Tieren vorkommt.

Zwei Gebilde sind in der Grundsubstanz noch bemerkenswert. Erstens Anhäufungen von Pigment, die, bald kleiner, bald grösser, allerlei fremdartige Gestalt annehmen können, mehr oder weniger tief unter der Haut liegen, und sich aus kleinen, dunkeln Körnchen und helleren Bläschen zusammensetzen. Sie sind besonders am Schwanze verbreitet. Beim lebenden Tiere ist das Pigment meist leicht rosa-rot, beim Tode aber schwächen sich die Farben ab und verschwinden bei längerer Aufbewahrung des Tieres meist ganz. Zweitens kommen in überaus grosser Menge Zellagglomerate vor, ein Zusammendrängen äusserst kleiner Zellen, die einen deutlichen Kern erblicken lassen. Solche Flecken sind überall am ganzen Körper zerstreut (Fig. 32), sie sind viel zahlreicher als die Höcker; meist rundlich und regelmässig, zeigen einige eckige oder langgestreckte Gestalt.

Unterhalb des gallertigen Bindegewebes findet sich die Körpermusculatur. Diese wurde schon früher von LEUCKART, GEGENBAUR und namentlich KarıpE eingehend beschrieben. Ohne mich hier auf eine ausführliche Besprechung meiner Befunde, mit Berücksichtigung des schon bekannten, einzulassen, muss ich mich auf einige kurze Angaben beschränken, welche sich

besonders auf die Behauptungen KarıpeE's beziehen.

63

Kurz zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Körpermusculatur bei Carinaria aus einzelnen Muskelbändern besteht. Ringsum der Buccalmasse verlaufen platte Muskelstreifen in der Längsrichtung; die dorsal gelegenen weichen distalwärts bald auseinander, um sich bei den Augen wieder zu nähern und hier '), einen schmalen Rückenstreifen zwischen sich frei lassend, im Zwischenraum der Augen nach hinten zu ziehen, wo sie sich von Abstand zu Abstand in platte Bänder auflösen, welche im flachen Bogen nach hinten und nach der Bauchseite gerichtet sind, wobei sie häufig Anastomosen bilden. Die Muskelstreifen an den Seiten des Rüssels und an der Unterseite treten zwar oft mit den dorsalen in Verbindung, nehmen aber einen anderen Verlauf wie diese. An der Ventralseite des Rüssels lassen sie eine longitudinale Linie frei, die aber distalwärts bald aufhört. Die Muskeln selbst setzen sich teils an der Unterseite des Rumpfes fort, geben aber in regelmässigen Abständen Bänder ab, die schräg aufsteigen und nach oben und nach hinten gerichtet sind; diese Bänder, welche häufig mit einander anastomosiren, verlaufen unterhalb der Muskelschicht, die, wie oben erwähnt, von der Rückenmusculatur abstammt und schräg nach hinten und nach unten gerichtet ist. So ergiebt sich das Bild zwei einander kreuzender Systeme auf dem Rumpfe, von denen das untere weitaus stärker und dicker ist. Auf der Höhe des Nucleus und der Flosse, also dort wo der Schwanz anfängt, vereinigen sich die isolirten Muskelbündel zu einer einheitlichen Schicht, welche nach hinten zu längsverlaufende Lücken zwischen sich lässt und dann in gesonderten Muskelstreifen auf den Schwanz übergeht, die häufig mit einander in Verbindung treten durch schräge Anastomosen und in einzelnen zarten Fäden enden; da, wo der Schwanz nach hinten zu mehr seitlich zusammengedrückt ist, ver- einigen sich die Muskeln der rechten und linken Seite allmählich. Vom dorsalen Muskel im Schwanze spalten sich zarte Fäden ab, welche, häufig sich verästelnd und sich verbindend, erst fast senkrecht, später in immer mehr geneigtem Verlauf in die Schwanzflosse emporsteigen.

Mit der Erwähnung, dass dem männlichen Begattungsapparat ein Teil der Längsmusculatur zugeteilt ist, und dass diese Musculatur sich auch auf dem Nucleusstiel bis in den Eingeweidesack hinein fortsetzt, wäre die längsverlaufende Musculatur bei Carinaria genügend besprochen, in deren Schilderung ich mich Karıpe anschliesse. Anders verhält es sich freilich mit den Ring- muskeln. Ich fand solche als einen kräftigen Sphinceter um der Mundöffnung herum ausgebildet, die Längsmuskeln bedeckend, und sich noch eine kleine Strecke nach hinten fortsetzend. Die eirculären Muskelbänder, von KarıpEe ausdrücklich beschrieben und abgebildet, und nach ihm den ganzen Körper in regelmässigen Abständen, wie die Reifen ein Fass, umspannend, habe ich aber, trotz aller Bemühung, an ausgezeichnet erhaltenen Exemplaren von Carinaria, nicht auffinden können. Sie wurden übrigens weder von Lruckart noch von GEGENBAUR erwähnt. Eine merkwürdige Quermusculatur besteht im Schwanze. .Hier spannen sich zwischen den Längs- muskeln diagonal sich kreuzende Muskelfasern ?) aus (Fig. 33). Nach der Spitze des Schwanzes bleiben nur die Muskelchen, welche die Richtung von oben schräg nach unten und nach hinten

innehalten, bewahrt, stehen hier aber meist senkrecht; auf der Horizontalausbreitung an der

ı) Es ist an dieser Stelle, dass die Muskeln einzelne Fasern hineintreten lassen in die vor den Augen an ihrer medianen Seite gelagerten Tentakel. Es konnte diese Muskulatur von KALIDE nicht untersucht werden.

2) Es wurde diese diagonale Felderung von LEUCKART erwähnt, von GEGENBAUR leider übersehen. Die Schilderung KALIDE's ist mir in dieser Hinsicht nicht deutlich; nach ihm sollen einzelne Querfasern auftreten, welche nach hinten zu sich verdicken und zu

Bändern werden.

64

Unterseite des Schwanzes von Carinaria sind sie in besonderer Zahl vorhanden. Der hier erwähnte Becher, wie er im ersten Abschnitt besprochen, früher auch von GEGENBAUR und Kae beschrieben wurde, erhält übrigens auch einzelne Streifen der an der Unterseite des Schwanzes nach hinten ziehenden Muskelbänder.

Sehr bemerkenswert ist der Umstand, dass die aus dem Nucleusstiele hinabsteigenden Muskeln, sich nur in die Flosse hinein fortsetzen, deren ganze Musculatur sie ausmachen. Diese ist also ein Derivat des Spindelmuskels und ist von der Körpermusculatur streng geschieden, eine Tatsache die auch von Karıpe mit Frucht verwertet wurde zur Stütze seiner Behauptung, die Heteropoden-Flosse sei ein Organ sui generis und habe mit dem Kriechfuss der Gastro- poden nichts zu schaffen. Ich kann darauf aber hier nicht näher eingehen ').

Der Penis ist an der rechten Seite des Körpers gelegen, unterhalb des Nucleusstieles; wie schon von MıLnE EDWARDS, DELLE CHIAJE und namentlich GEGENBAUR, hervorgehoben wurde, besteht sie aus zwei Teilen, welche frei hervorragen, von einem gemeinschaftlichen Stamme. Dorsal findet sich der eigentliche Begattungsapparat (Fig. 34), der an der Oberseite eine Samen- rinne zeigt, die Fortsetzung der beinahe geschlossenen Furche, welche aus dem Hoden heraus- kommend an der rechten Seite des Nucleusstieles und dann auf den Körper sich fortsetzt; in ihrer Nähe ist die gallertige Bindesubstanz beträchtlich verdünnt und zu einer dünnen Beklei- dung reduzirt, welche der Körpermusculatur aufliegt. Die Furche (Sf) setzt sich also auf den Penis in die Samenrinne fort, die auf ihrem Boden einen Längswulst besitzt. Die Rinne ist an den Wänden rot-violett pigmentirt und zeigt hier Längsfalten; am Ende teilt sie den knopfförmig verdickten Kopf des Penis in zwei Hälften. Der untere Abschnitt des Begattungsapparates ist länger, meist etwas gekrümmt, schwillt erst langsam an, um dann wieder dünner zu werden (7a) und am Ende wieder knopfförmig anzuschwellen. Hier ist eine kleine Öffnung, welche in einen Blindsack hineinführt, dessen Wandungen von grossen Follikelzellen gebildet werden; diese scheiden ein klebriges Sekret ab, das durch die Öffnung am Ende des Organes nach aussen entleert wird. Die Ränder dieser Öffnung fand ich leicht umgestülpt. Das schlauchförmige Organ ist mit grosser Wahrscheinlichkeit, mit GEGENBAUR, als ein Haftapparat zu bezeichnen, der bei der Copulation der Geschlechter mit in die weiblichen Genitalien hineingeführt wird.

Der Schlundkopf bei Carinaria ist sehr umfangreich und wird, wie erwähnt, aussen durch einen kräftigen Sphincter, wenigstens an den Lippen, umgeben, während unterhalb desselben die Längsmuskelbänder anfangen, welche sich teils zwischen den Augen hindurch nach hinten richten, teils, wie die lateralen und ventralen Muskeln, namentlich schräg nach oben und nach hinten aufsteigen. Die eigentliche Schlundkopfmusculatur ist von den Längsmuskeln bedeckt. Die Mund- höhle selbst ist sehr geräumig und ganz von einem schwarz-violetten Pigmentepithel ausgekleidet. Am Dache der Mundhöhle findet sich eine tiefe Furche, welche sich nach aussen zu allmählich erweitert. Eine derartige Bildung kommt auch bei //erotrachea vor, trägt aber hier kleine Zähne auf dem Rande, was bei Carzinaria nicht der Fall ist; denn hier ist die Radula die einzige Bewaffnung in der Mundhöhle; Kiefer kommen hier also ebenso wenig vor wie bei den Atlantiden.

Der Zungenknorpel ist sehr gross, die Form sowie der Bau dieser Stücke wurde schon von

ı) Man vergleiche hierzu den dritten Abschnitt.

6

on

Troscner beschrieben. Die Radula auf deren Schilderung ich hier nicht näher eingehe, ist zwar gut entwickelt, die Zahl der Ouerreihen ist aber bei weitem nicht so gross wie bei den Atlantiden. Es sind deren etwa 40 vorhanden.

Carinarıa besitzt nur ein einziges Paar Speicheldrüsen, von cylindrischer Gestalt, am Hinterende immer ein wenig nach unten gebogen, vorn sich verdünnend und mit einem kurzem Ausführungsgang in die Mundhöhle, und zwar dorso-lateral, einmündend. In gleicher Ausbildung kommen diese Speicheldrüsen bei Pterotracheiden vor; sie sind mit dem hinteren Paar bei den Atlantiden homolog, obwohl sie hier dicker sind und einen längeren, scharf vom Drüsenkörper

gesonderten Ausführungsgang aufweisen.

Die vorstehende Beschreibung bezieht sich ausschliesslich auf Carinaria lamarckı des Mittelmeeres. Wenn vieles nur fragmentarisch erscheint, so will ich bemerken, dass ich nur das- jenige erwähnt habe, was mir für C. /amarcki von systematischem Wert erschien, also dasjenige was dieser Art eigentümlich ist; wie wir gleich sehen werden, können die obigen Bemerkungen bei Besprechung der Formen der Siboga-Expedition ihren Nutzen haben.

Was von der Siboga gesammelt wurde, bestand fast nur aus Fragmenten : zerbrochenen Schalen, zerrissenen Schwanzstücken, oder verstümmelten Tieren. Trotzdem bietet die Untersuchung zahlreiche Aufschlüsse, die eine deutliche Begrenzung verschiedener Arten ermöglichen. Es wurde die früher so hoch geschätzte C. crzstata wiedergefunden, und zwar in Schalen ebenso wie in Tieren selbst, ausserdem die kleinere C. galca, und eine neue, ganz kleine Art, die allerdings

nur durch ein einziges Exemplar vertreten war.

Carinaria cristata (Linne). (Taf. IX, Fig. 35—42. Taf. X, Fig. 43).

Leere Schalen: Stars208. 52,309, Stats 21080020)

[i

Tiere, ohne Schalen:

SER 227 IS Re Or Stats200%85270:5,9511322477,. 027, Ex Sat 271 59467 8, na oe Od StE78298210250.5.5,,123210, O2 aRx.

Ich fange mit der Beschreibung der Schale an.

Das Exemplar von Stat. 208 war 45 mm. hoch, an der Basis 52 mm. breit, (in sagittaler Richtung). Die Spitze war leider abgebrochen und der Kiel nur in Resten vorhanden.

Das zweite Exemplar von Stat. 210% war 32 mm. hoch, und die sagittale Breite an der Basis betrug 35 mm. Die Schale war gut erhalten (Fig. 39), nur der Mundrand zeigte sich zerstückelt, und auch hier war der Kiel nicht ganz intact erhalten.

Es fand sich. im Leydener Museum eine grosse Schale, zu dieser Art gehörig; von Dr. Horst wurde mir eine nach diesem Exemplare angefertigte Photographie freundlichst geschickt, und in Fig. 38 wiedergegeben. Die Breite an der Basis betrug 70 mm.; da die Spitze abgebrochen war, konnte als grösste Höhe nur 55 mm. gemessen werden.

SIBOGA-EXPEDITIE LI. 9

66

Wie man aus den Abbildungen (Fig. 33—40) ersieht (siehe auch Taf. II, Fig. 52a, 53—54), ist die Schale hoch aufgerichtet, und zeigt sich dadurch scharf von der von €. /Zamarcki unterschieden. Die vordere Kante ist oben schwach convex, die Hinterseite etwas concav, nach unten aber ist die Schale vorn fast gerade und langgestreckt, weshalb auch die Mundöffnung, allmählich schmaler werdend sich weit nach vorn erstreckt. Das Gehäuse ist, wie überall bei Carınaria, mit deutlichen Querrippen versehen, welche oben, an der Spitze, sehr wenig tief sind, nach unten aber allmählich an Tiefe zunehmen, einen etwas welligen Lauf haben, und weiter auseinander liegen (in Fig. 38 scheint die Zahl der Querrippen, infolge von Lichtreflexen, höher als deren in Wirklichkeit vorhanden sind). Auf dem Kiele finden sich ebenfalls, besonders an der Basis, kurze, regelmässig einander folgende Querrippen, die einen schrägen Verlauf haben, und mit denen der Schale einen Winkel von etwa 60° bilden.

Die Schale ist an der oberen Spitze leicht nach hinten gebogen, und hier setzt sich die sehr kleine, zarte Spira an, von der Schale selbst scharf geschieden. Die Spira ist ohne jegliche Zeichnung, besteht aus 4 Umgängen, die sämtlich fast in einer Ebene aufgerollt sind, und diese Ebene fällt mit der Symmetrie Ebene der Schale zusammen Angder Unterseite der Spira, also von links betrachtet, ist ein deutlicher Nabel sichtbar. Dort wo die Spira sich an der Schale anhängt, ist wie gesagt die letztere scharf geschieden, und zwar nicht nur dadurch, dass die Rippen, wenn auch ganz undeutlich, hier schon anfangen, sondern auch durch einen deutlichen Übergang auf die hier scharf gebogene Oberseite der Schale. An dieser Oberseite, welche sich nach unten zu in die Vorderkante umwandelt, erhebt sich, eine gewisse Strecke weiter, der Kiel, der, erst niedrig, nach unten zu höher wird; nach dem Exemplar von Stat. 210% zu urteilen (Fig. 39), wo der Kiel fast nicht zerbröckelt ist, erreicht er keine beträchtliche Höhe.

Sämtliche Schalen zeigen am meisten Ähnlichkeit mit der Varietät graczlis (siehe den

ersten Abschnitt); die Unterschiede mit der Hauptform sind aber unbedeutend.

Wenn ich jetzt zur Beschreibung des Tieres schreite, so muss ich eine kurze Bemerkung vorangehen lassen. Die oben beschriebenen Schalen gehören zwar gewiss zu C. crisiata, da aber Tiere mitsammt Schale auf der Expedition nicht gefangen wurden, vielmehr mir nur Fragmente vorlagen, so konnte ich nur durch einen glücklichen Zufall die Zusammengehörigkeit von Schale und Tier ermitteln; denn das Tier von C. cristata war, abgesehen von einer kurzen Angabe Smıru's (Taf. II, Fig. 532) gänzlich unbekannt. Es wurde mir nämlich von Prof. WEBER freundlichst eine alte Abbildung zur Hand gestellt, welche hier Taf. IX, Fig. 37 reproduzirt ist, und, laut der sich darauf beziehenden schriftlichen Erörterung '), nach einem lebenden Tiere von „C. vitrea” in den natürlichen Farben angefertigt wurde. Diese Farben scheinen zwar etwas

phantastisch, von grossem Nutzen war mir die Abbildung aber deshalb, weil ich mit der Schale,

ı) Die Handschrift lautete, in's Deutsche übersetzt, folgendermassen:

Ein Exemplar Carinaria vitrea oder der Mönchshut, mit dem Tiere, auf Liquor.

Diese Schale, in der Bai von Amboina gefunden, ist eine grosse Seltenheit, und es wird das Tier auf Liquor besonders dadurch für die Wissenschaft von hohem Interesse sein, weil es, so weit bekannt, in keiner der wissenschaftlichen Arbeiten über Conchylien und Schalen beschrieben und abgebildet worden ist.

Eine Zeichnung des Tieres und der Schale, nach dem Leben, wird hierbei angeboten an die Königl. Zool. Gesellschaft Natura Artis Magistra zu Amsterdam, von D. S. HOEDT, Secretär des Districtes der Molukken. Amboina, 26 Oktober 1860.

67

auch das Tier in seinem Habitus kennen lernte, und ich so die Carinaria-Fragmente der Siboga als C. cristata bezeichnen konnte. Später wurde mir noch das Originalexemplar, das sich in Amsterdam fand, geschickt, und die nähere Untersuchung ergab eine Bestätigung meiner Vermutung.

Was nun die Exemplare der Siboga betrifft, so muss ich allererst das riesenhafte Tier erwähnen (Taf. IX, Fig. 35) das auf Stat. 227 erbeutet wurde. Die ganze Länge betrug 420 mm. Der Eingeweidenucleus, mitsammt der Schale, war leider abgerissen, schon als das Tier pelagisch, an der Oberfläche, gefangen wurde. Weiter zwei Schwanzstücke von Stat. 271 und Stat. 298. Das erste mass 130 mm., und gehört sehr wahrscheinlich zu einem Tiere von etwa 400 mm., die Länge des zweiten Fragmentes betrug ıgo mm., und das dazu gehörige Tier schätze ich auf 500 mm.

Die häufige Verstümmelung bei Carinaria war schon bekannt; sie scheint oft die Tiere, bis zu gewissen Grenzen, nicht am Leben zu hindern, wenn auch ein Tier, dem der Eingeweide- nucleus fehlt, wohl schwerlich lange sein Dasein fristen kann. Der abgerissene Kopf von Stat. 266, dessen Länge 70 mm. betrug, übertrifft aber alles, was man sich von der Zählebigkeit dieser Tiere vorstellen kann. Diesem Kopfe, oder vielmehr diesem Fragmente, (Taf. IX, Fig. 36) fehlte der vordere Teil, also die vordere Hälfte des Rüssels, ebenso war der ganze Körper etwa auf halber Höhe des Rumpfes abgetrennt worden. Doch zeigte das aufgefischte Überbleibsel des Tieres nirgends eine Öffnung. Vorn war die ganze Buccalmasse verschwunden aber nicht nur die Muskelschicht des Körpers, sondern auch die darauf gelagerte Gallertbekleidung, hatte die vordere Verwundung continuirlich abgeschlossen. Distal setzte sich die Cutis einfach in eine nach vorn und ventral eingekrümmte Spitze fort, und die Körpermusculatur setzte sich als ein geschlossener Sack, am Ende spitz auslaufend, eine Strecke weit darin fort. Das Tier bestand also: aussen aus der beträchtlichen Gallertmasse, allseitig geschlossen, dann aus der Körper- muskelschicht, ebenfalls eine zusammenhängende Wandung darstellend. Im Innern fanden sich gar keine Organe der Verdauung, der Darm war ganz verschwunden; nur waren noch die Augen sichtbar, mit Tentakeln, und die zwischen den Augen gelagerten, kleinen Cerebralganglien, mit abgerissenen Connectiven.

Es fragt sich nun, wie ein solches Tier hätte leben können, dem alle Gemeinschaft mit der Aussenwelt abgeschlossen ist, und dem auch der Darmkanal fehlt! Und trotzdem muss das Tier nach der starken Verletzung, welche es zerriss, doch einige Zeit gelebt haben, um die oben beschriebenen, höchst eigenartigen Verhältnisse ausbilden zu können!

Wenden wir uns jetzt zu der Betrachtung des grossen Exemplares von Stat. 227 (Taf. IX, Fig. 35), so können wir den allgemeinen Habitus folgendermassen beschreiben: Kopf stumpf, vorn wie abgestutzt, durch eine Einschnürung vor den Augen vom Rumpfe getrennt. Rumpf sehr dick, nach hinten noch etwas an Grösse zunehmend, dann an der Rückenseite niedriger werdend. Am Ende des Rumpfes, gerade der Flosse gegenüber, setzt sich der Nucleusstiel an. Da der Nucleus samt dem Stiele abgerissen war, kann ich weiter darüber nichts sagen !). Die Flosse ist sehr gross, rundlich, mit kräftigen Muskeln; ein grosser Saugnapf findet sich am Hinterrande.

Der Körperteil zwischen Nucleus und Flosse ist seitlich zusammengedrückt, und dieses Verhalten

ı) Nzch der Form der Schale wäre der Nucleus hoch aufgerichtet, ziemlich umfangreich, an der Spitze leicht umgebogen.

68

geht auch auf den Schwanz über. Gleich hinter der Ansatzstelle des Nucleus steigt die dorsale Kante des Schwanzes ziemlich steil empor, um dann, nach einem Höhepunkt, der etwa auf gleichem Niveau mit der Höhe des Rumpfes liegt, in sanft gebogener Linie nach hinten auszulaufen. Der Durchschnitt des Schwanzes ist vorn dreieckig; der dorsale Teil ist zwar dünn, geht aber ohne Übergang in die Flanken des Schwanzes über, und es kommt hier nicht zu einer scharfen Trennung einer Rückenflosse vom Schwanze, wie bei C. /amarcki. Der Schwanz wird, nach hinten zu, allmählich niedriger, und behält dann die gleiche Höhe bei; der Querschnitt ist hier ein fast gleichseitiges Dreieck, am Ende fast rund.

Wenn die Schilderung der allgemeinen Leibesform in vieler Hinsicht einen deutlichen Unterschied von C. /amarcki ermöglicht, so weisen auch die Einzelheiten des Körpers manche Abweichungen auf.

Es finden sich überall kleine Höcker, kleiner als bei C. /amarckt; sie sind namentlich an der Dorsalseite häufig, vereinzelt kommen sie an den Flanken vor, sind aber auf dem Schwanze zahlreicher, an der Unterseite sieht man sie fast gar nicht. Wenn man die Höcker mit starker Vergrösserung betrachtet, zeigt sich das Folgende (Taf. IX, Fig. 38). Wie überall, deckt den Körper ein einschichtiges Plattenepithel von kleinen, polygonalen Zellen, die an der Oberfläche der Höcker selbst ein wenig dicker und mehrschichtig erscheinen. Hier finden sich, unterhalb der Epithelschicht, eigentümliche sehr grosse, bräunliche Protoplasma-Schollen, welche einen helleren Kern durchscheinen lassen, und in einer mehr durchsichtigen Grundsubstanz eingebettet sind. Sie haben meist abgerundete Gestalt, oft liegen deren zwei aneinander, als ob sie aus einer Zelle durch Teilung hervorgegangen wären. Ob es sich hier um Knorpelzellen handelt, vermag ich nicht zu sagen. Weiter kann ich erwähnen, dass man, unterhalb des oberflächlichen Epithels, stark verästelte, dann und wann örtlich verdickte Fäden (Nerven) wahrnehmen kann, von denen einer immer in den Höcker eintritt. Eine mehr eingehende Untersuchung habe ich nicht vor- nehmen können. Unterhalb des Epithels lassen sich überall die Formelemente der Gallertmasse erkennen: mehrfach verästelte, oft spindelförmig gestaltete Zellen, welche mittels ihrer Ausläufer in Verbindung treten; in der Nähe der Höcker sah ich aber auch andersartige, rundliche Gebilde (Fig. 35, @), Bläschen mit dunkleren Körpern im Innern, von rätselhafter Bedeutung. Ob sie durch Conservierung entstandene Kunstproducte oder irgendwie degenerirte Zellen, oder vielleicht auch einzellige Hautdrüsen darstellen, weiss ich leider nicht '); einen Ausführungsgang habe ich jedenfalls nicht wahrnehmen können.

Wenn auch das hier Gesagte einen fragmentarischen Character trägt, so geht doch so viel daraus hervor, um es noch einmal hervorzuheben: dass die Höcker beträchtlich kleiner sind als bei C. /amarcki und zahlreich nur an der Rückenseite des Tieres sich finden. Auch haben sie eine andere Gestalt; sind namentlich nicht kegelförmig (siehe Taf. IX, Fig. 3r), sondern erheben sich auf dem Körper als rundliche Hervorwölbungen. Die Anhäufungen kleiner Zellen, wie sie bei C. /amarcki in Form grosser Tüpfel auftreten, sah ich bei C. eristata gar nicht. Noch ein anderer Unterschied ist erwähnenswert. Das Pigment kommt bei C. cristata

nämlich nicht in der gallertigen Bindesubstanz vor, sondern zerteilt sich in grosser Masse im

1) Am wahrscheinlichsten sind sie Knorpelelemente, von ähnlicher Natur wie die oben erwähnten bräunlichen Zellen im Innern der Höcker,

69

Plattenepithel der Haut, und zwar nur auf dem Schwanze, nicht am übrigen Körper. Der Schwanz ist (Fig. 35) an der Dorsalseite dunkelbraun, fast schwarz; diese Farbe setzt sich etwas abgeschwächt, in mehreren hintereinander gelegenen, fingerförmigen Fortsätzen, welche schräg nach unten und nach vorn gerichtet sind, fort; nach hinten zu wird der allmählich niedriger werdende Schwanz ganz durch die dunkelbraune Farbe eingenommen. Da das Flächen- epithel leicht abgerissen wird, so erklärt es sich, dass die Schwanzstücke von Stat. 271 und 298 fast farblos sind und eine durchsichtige, hyaline Beschaffenheit aufweisen.

Da, wie gesagt, die Höcker dorsal überaus zahlreich sind, so kommen sie auf dem Schwanze, innerhalb des Gebietes von Pigment, häufig vor. Dass die winzigen Höcker sich aber gerade hier scharf von der Umgebung abheben, ist dem Umstand zu verdanken, dass eine kreisförmige Stelle um den Höcker herum pigmentfrei und also hell bleibt. Innerhalb dieses Kreises, gerade in der Mitte, zeigt sich der Höcker dadurch besonders deutlich, dass er selbst wieder, der bräunlichen Masse wegen in dem Innern, dunkler erscheint. Die Höcker auf dem Rumpfe zeigen nur in einigen Fällen diese braune Anhäufung, meistens sind sie ganz farblos, und sind deshalb nur dann gut zu sehen (wie bei so vielen durchsichügen, pelagischen Tieren), wenn man den entsprechenden Körperteil aus der Flüssigkeit heraushebt.

Die Musculatur von C. cristata stimmt in ihren Lagerungsverhältnissen in den Haupt- punkten mit der von C. /amarcki überein, nur sind einige geringfügige Unterschiede zu erwähnen. Jenachdem die Muskeln im Rüssel, wo sie die Längsrichtung mehr oder weniger innehalten, entweder dorsal oder seitlich und ventral gelagert sind, ändern sie nach hinten zu ihren Lauf. Die dorsalen lassen ein breites Feld zu beiden Seiten der Rückenlinie des Rüssels frei, behalten aber, anders wie bei C. /amarcki, die gleiche Entfernung zwischen linken und rechten Muskeln, zwischen den Augen, und noch eine gewisse Strecke weiter rückwärts; hinter den Augen geben sie von Abstand zu Abstand ziemlich schmale, nur wenig miteinander in Verbindung tretende Muskel- bänder ab, welche schräg nach unten hinabsteigen. Die seitlichen und ventralen Muskeln aber steigen im Rumpfe in Gestalt breiter, vielfach anastomosirender Streifen, unterhalb der von oben kommenden Muskelschicht, schwach empor. Auf der Höhe des Nucleusstieles vereinigen sich die beiden Schichten; im Schwanze läuft die Musculatur, in einige sich distal zuspitzende Bänder aus, von denen der obere Streifen einzelne Verzweigungen in den dünnen, dorsalen Teil des Schwanzes abgiebt; diese Verästelungen richten sich distal immer mehr nach hinten. Das Ende des Schwanzes ist nicht seitlich comprimirt, sondern fast rundlich und jegliche Andeutung eines Schwanzfadens oder einer membranösen Ausbreitung der Flanken fehlt durchaus. Eine Ringmusculatur kommt im Rüssel vor und bildet hier einen kräftigen, unmittelbar der Buccal- masse aufgelagerten Sphincter; weiter zeigen sich im Schwanze einige querverlaufende Muskel- fasern (Fig. 39), welche die Längsmusculatur kreuzen und hauptsächlich in der Richtung von oben nach unten und nach hinten gehen, wenn auch einzelne Verzweigungen gerade einen entgegengesetzten Verlauf haben und, wie aus der Abbildung ersichtlich, mehrfache Anastomosen mit den erstgenannten Muskeln bilden. Man sieht diese Quermuskeln, wenn auch von oben betrachtet, von den longitudinalen Muskeln bedeckt, deutlich unterhalb dieser ihren Weg nehmen (die dunklen Stellen in der Abbildung rühren von Faltungen her).

Die Flossenmuskeln stehen mit denen im Innern des Nucleusstieles in directer Verbindung;

70

ebensowenig wie bei C. /amarcki ist ein directer Zusammenhang mit der Körpermusculatur nachzuweisen, und das Ganze weist von dem schon von KarıpE dargestellten Verhältniss bei der uns als Vorbild dienenden Art des Mittelmeeres keine besondere Abweichungen auf.

Da das Exemplar von Stat. 227 weiblich war, habe ich hier keinen Penis untersuchen können, das von Amboina stammende Tier, in Fig. 37 dargestellt, war zwar ein Männchen, die Erhaltung war aber sehr schlecht, und die genaue Form des Penis konnte ich nicht ermitteln. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass hier das nämliche wie bei C. /amarcki vorkommt, das männliche Begattungsorgan ist aber verhältnissmässig kleiner und besteht aus zwei Teilen; der obere ist der eigentliche Penis, mit einer Samenrinne versehen und am Ende ein wenig ange- schwollen,; der andere Teil ist der bei der Begattung dienende Haftapparat, dessen drüsenartig ausgebildeter Endabschnitt etwas dünner ist als die Wurzel des Organes, jedoch ohne Anschwel- lung, wie bei C. /amarcki; die Follikelzellen selbst schimmern schwärzlich hindurch.

Die Buccalmasse ist sehr umfangreich und zeigt die allgemeinen Charactere von Carinarra, nicht nur in den Speicheldrüsen und den Muskeln, welche zur Bewegung des Schlundkopfes dienen, sondern auch in der Furche am Dache der Mundhöhle. Auch die Radula entspricht, wenigstens in der allgemeinen Gestalt, der von C. /Zamarcki. Sie hatte bei dem Exemplar von Stat. 227 (420 mm. lang) eine Länge von 45 mm., während die Breite in den unteren Reihen >20 mm. betrug (Taf. X, Fig. 43); sie nimmt von vorn nach hinten allmählich an Grösse zu, um im letzten Drittel dieselbe Breite beizubehalten. Im Ganzen zählte ich 47 Transversalreihen. Die Mittelplatte (Fig. 43@) ist lang und schmal, leicht durchgebogen und trägt drei Dornen von annähernd gleicher Länge, ihr Basis ist breiter, und die Dornen selbst sind kürzer als bei C. lamarcki. Im Allgemeinen ist die mediane Seite der Seitendornen kürzer als die laterale; in den ersten Querreihen aber sind diese Seiten gleich. Die Zwischenplatte besitzt eine kräftige Spitze (Fig. 430), welche nach unten, d.h. nach der Radulamembran hingebogen ist, also mit dem Körper der Platte nicht in derselben Ebene liegt. Ein Kamm ist auch hier vorhanden ; er fängt oben (Fig. 436, a) mit einem kleinen Höcker an, nach unten zu ist er durch einen deutlichen Dorn (6) von der Spitze der Platte geschieden. So verhält es sich in den meisten Ouerreihen der Reibplatte, nach vorn aber (Fig. 43c) ist die Zwischenplatte, und namentlich der Kamm, andersartig gestaltet, die beiden Stellen @ und ö sind hier weniger scharf ausgeprägt. Die Seitenplatten endlich sind beide ebenso gross wie die von ihnen überlagerte Zwischenplatte; sie sind stark gebogen, aber nur etwa in der Mitte ihrer Länge. Erwähnenswert ist weiter noch, dass die verschiedenen Platten, jenachdem sie an einzelnen Stellen mehr oder weniger dick sind, eine dunklere oder hellere Farbe aufweisen. Die Basis ist überall schwarz, ausgenommen in der Mittelplatte; wie übrigens diese Farbe in horngelb übergeht und schliesslich verschwindet, ist in den Abbildungen (Taf. X, Fig. 43@—d) durch verschiedene Schattierungen angegeben worden. Die Dornen der Mittelplatte sind sehr dünn und deshalb farblos. Dasselbe kommt allerdings bei C. /amarcki vor.

Was nun die Verbreitung von C. cristata betrifft, so zeigt sich, dass sie in der Banda-See,

aus der sie auch schon früher bekannt war 'j, von der Siboga-Expedition, wenn auch ziemlich

ı) Exemplare, aus dem Leydener Museum, welche ich sah, stammten von Amboina her.

vereinzelt, gefunden wurde. Smitu erwähnt sie von den Aru-Inseln. Dass sie aber über weitere Strecken ihr Gebiet ausgedehnt hat, dürfte eine Angabe Ciux’s in der Beschreibung der Reise der Valdivia') erweisen, während welcher Expedition ein Riesenexemplar von Carinaria bei Ceylon gefangen wurde, das eine Länge von 530 mm. erreichte; wahrscheinlich wird sich das

Tier als C. crzstata herausstellen, und damit das grösste bekannte Exemplar dieser Art sein.

Carinarıa galea Benson. (Taf. X, Fig. 44—45).

Leere Schalen: STATE 107251202450 5102 226%: Stae2221.0224254 1242301 Or. Ex

Es wurden von dieser Art nur leere Schalen gefunden, leider alle mehr oder weniger zerbrochen. Die erste Schale von Stat. 2ıı mass an der Basis 6'/, mm., die Höhe war ı2 mm., der Kiel war 2'/;, mm. breit. Bei der zweiten Schale derselben Station waren die Dimensionen resp. 9’, ıı und 2 mm. Da das erste Exemplar im Allgemeinen besser erhalten war, und namentlich der Kiel offenbar nur wenig gelitten hatte, auch die Spira keine Schädigung zeigte, ist nur diese Schale abgebildet worden (Fig. 44—45).

Das Exemplar von Stat. 221 zeigte resp. die Dimensionen: 9, ı0o und ı mm.

Selbstverständlich haben diese Messungen nur deshalb relativen Wert, weil sie an ver- stümmelten Exemplaren vorgenommen wurden.

Wie Fig. 44 zeigt, ist die Schale hoch aufgerichtet, an der Spitze leicht nach hinten gebogen, wo die kleine, zierliche Spira aufgehängt ist. Dieselbe besteht aus 4 Windungen (Fig. 45) und besitzt keine Skulptur, nur auf dem vorletzten Umgange, sowie um dem Nabel herum, verlaufen einige deutliche Querstreifen. Da wo die Spira in die Schale übergeht, ist die Übergangsstelle ganz deutlich sichtbar durch eine plötzliche Erhöhung der dorsalen Kante (Fig. 45, a); auch fangen auf der Schale, erst noch unscheinbar, nach unten zu deutlicher, die Ouerrippen an, welche, ebenso wie bei der vorhergehenden Art, sanft gewellt sind und mit den deutlichen Ouerstreifen auf dem auffallend breiten Kiele, nicht in gleicher Richtung verlaufen.

Man möchte, bei erster Betrachtung, geneigt sein, die Unterschiede der hier besprochenen Art mit C. cristata nur darauf zurückzuführen, dass die Schale, wie sie in Fig. 44 dargestellt wurde, als das abgebrochene obere Fragment einer crzstata-Schale aufzufassen sei. Dem ist aber nicht so, wenn auch die Ähnlichkeit beider Arten sehr gross ist. Während bei C. cristata die Spira in derselben Ebene wie die Symmetrie-Ebene der Schale liegt, ist die Spira bei C. galea, stark nach links gebogen, weshalb das ganze Gehäuse eine merkwürdige Asymmetrie zeigt. Erwähnenswert ist weiter noch, dass bei letzterer Art der Kiel nicht nur viel höher ist, sondern auch ganz oben an der Vorderseite anfängt (Fig. 45), während die zackigen Vorsprünge des Kieles bei C. cristata erst viel weiter nach unten beobachtet werden. Der Kiel besteht übrigens, wie überall bei Carinaria, aus zwei feinen Lamellen; ist also doppeltblättrig.

Das Tier von C. galea habe ich zwar nicht zu sehen bekommen, aus den Beschreibungen

ı) Aus den Tiefen des Weltmeeres. Erste Auflage, S. 302.

72

Benson’s, SoULEvET's und Macponarp's (siehe den ersten Abschnitt, auch unter dem Namen C. gaudichaudi) geht aber hervor dass keine Tuberkeln vorkommen und die, Haut überall mit rundlichen Flecken überdeckt ist. Die Flosse besitzt eine abgerundete Gestalt.

Die kleine Art, die eine Länge von 40 mm. wohl kaum erreichen wird, tritt nur ganz

vereinzelt im ost-indischen Gebiete auf.

Carinarıa macrorhynchus n. sp. (Taf. X, Fig. 46—51). Sfa60202,3° 32.5 5., 1242776.5 O-2abr-

Diese kleine Art besitzt in ihrer ganzen Gestalt soviel Eigentümliches, dass sie von mir als neue Form aufgefasst wird.

Die Schale hat eine Höhe von 3'/; mm. und zeigt schwach angedeutete Querrippen, welche sich in derselben Richtung auf den Kiel fortsetzen. Dieser ist ziemlich hoch und zeichnet sich, wie aus Fig. 47 u. 48 ersichtlich, besonders dadurch aus, dass er nicht mit kleinen Erhebungen, wie sonst bei Carinaria, anfängt, sondern an der Stelle, wo die Spira sich an die Schale ansetzt, sich geradezu plötzlich, sogar mit scharf zurückgebogener Firste erhebt, und dann, annähernd die gleiche Höhe beibehaltend bis zur Mundöffnung verläuft, um hier mit abgerundeter Kante zu enden. Die Schale ist ganz gerade, Vorder- und Hinterseite also ohne jegliche Krümmung. Die Spira, welche im Verhältniss zur Schale ziemlich umfangreich ist, setzt sich oben an; der Übergang in die Schale ist auch hier scharf ausgeprägt. Man findet (Fig. 47, 48) 3"); Umgänge, und die Ebene in welcher sie sämtlich aufgerollt sind, kommt mit der Symmetrie-Ebene der Schale überein. Eine Sutur ist tief eingeschnitten. Von unten gesehen ist ein deutlicher Nabel sichtbar, von welchem einige Querlinien ausgehen.

Das ganze farblose, ausserordentlich zarte Gehäuse zeigt einige Ähnlichkeit mit der Sahae von C. cithara (Taf. II, Fig. 64). Auch hier ist die Schale ganz gerade, ohne irgendwelche ee der beiden Seiten, und die Spira ist oben aufgesetzt. Erstens aber ist die Spira hier verhältnissmässig kleiner, und zweitens ist die Mundöffnung schräg abgestutzt, sodass die Vorderseite der Hinterseite an Länge nachsteht, während etwas derartiges bei C. macrorhynchus nicht vorkommt.

Wenn ich jetzt zur Beschreibung des Tieres übergehe, so fällt zunächst die ausser- ordentlich starke Entwicklung des Rüssels auf. Während das ganze Tier ıı mm. misst, kommen davon etwas mehr als 4 mm. auf den Rüssel. Die Augen erreichen ebenfalls eine beträchtliche Grösse. Hinter ihnen setzt sich die cylindrische Gestalt des Rumpfes ziemlich gleichmässig bis zum Nucleus fort. Der Eingeweidesack ist natürlich ganz in der Schale eingeschlossen, lässt aber nach vorn zu Platz für die Mantelhöhle mit den dazu gehörigen Organen. Vom Mantel- rande hängen fünf oder sechs kleine Kiemen herab. Der ganze Nucleus wird auf kurzem Stiele getragen, diesem gegenüber findet sich die grosse viereckige Flosse; die Vorderecke ist abgerundet, die hintere aber deutlich ausgeprägt. Der Unterrand richtet sich von vorn nach hinten stark nach oben und trägt in der Mitte einen deutlichen Saugnapf. Der Schwanz endlich ist sehr kurz und entbehrt vollkommen der Anhänge; er ist stark seitlich comprimirt und spitzt

sich am Ende scharf zu.

os

7

Nach dieser kurzen Beschreibung der allgemeinen Leibesform, kann noch das Folgende hinzugefügt werden. Zunächst ist bemerkenswert, dass die gallertige Cutis, welche oft bei Carinaria zu beträchtlicher Entwickelung kommt, hier sehr dünn bleibt. Die Haut liegt auf dem Rüssel fast unmittelbar der Musculatur auf. Höcker oder sonstige Unebenheiten kommen gar nicht vor, wohl aber finden sich, überall auf dem ganzen Körper zerstreut, die kleinen rundlichen oder länglichen Flecken, welche in dieser Gattung oft beobachtet werden (Fig. 49). Sie liegen auch hier unterhalb der Haut in der Bindegewebsmasse, und man kann in dem optischen COuerschnitt die zierlich verästelten Nervenzellen wahrnehmen, welche auch bei den vorigen Arten gesehen wurden. Die Flecken finden sich, wie gesagt, auf dem ganzen Körper; auch am Rüssel sind sie, wenn auch ganz schwach, sichtbar. Der geringen Dicke der Cutis wegen, bedingt diese nicht, wie bei C. /amarcki und C. cristata die Körpergestalt, sondern das ganze Tier sieht schmächtig und schlank aus, und scheint dadurch einer rascheren Wendung fähig als die plumperen Arten. Der mächtige Rüssel und die grossen Augen weisen deutlich auf die räuberische Lebensweise hin.

Die Museulatur zeigt in so weit einen abweichenden Character, als hier keine Auflösung in einzelne, gesonderte Bänder stattfindet, sondern sämtliche Muskeln eine zusammenhängende Schicht bilden. Auf den Seiten des Rüssels ist schon der kreuzweise Verlauf der Muskeln sichtbar, und zwar unter Winkeln von fast 90°, während auf dem Rumpfe die Kreuzung der Muskeln (übrigens viel deutlicher sichtbar) unter scharfen Winkeln vor sich geht. Zu beiden Seiten der dorsalen Mittellinie verlaufen auf dem Rüssel starke longitudinale Muskeln: ein Mittelstreifen bleibt also frei, erweitert sich zwischen den Augen und hört dann bald auf. Erwähnenswert ist noch der Umstand, dass ich keine Spur des rechten Tentakels finden konnte, und ebenso wenig eine Verwundung, welche durch Zerreissung und Abtrennung des ÖOrganes entstanden wäre. Übrigens ist es mir mehrere Male, auch bei der folgenden Gattung, aufgefallen, dass der rechte Tentakel erheblich kürzer ist als der andere, ob dies immer nur auf stärkere Zusammenziehung zurückzuführen wäre, vermag ich nicht zu sagen. Auf der Höhe der Flosse geht die gekreuzte Musculatur in die Längsrichtung über und steigt einerseits am Nucleusstiele empor, andererseits zerfällt sie im Schwanze in einige sehr schwache Längsstreifen. Ringmuskeln habe ich nur am Rüssel beobachtet, und hier, abgesehen von der unmittelbaren Nähe der Mundöffnung, nur in isolirten, ganz kleinen Fibrillen, mit Ausnahme einer Stelle gerade vor den Augen, wo sie eine zusammenhängende Schicht darstellen. Die Muskeln der Flosse sind wie bei Carınaria überhaupt angeordnet, und auch hier treten sie in gesonderten Bändern auf. Die untere Schicht ist aber nur durch einige wenige, dafür wieder um so deutlichere, Streifen vertreten. Ein muskel- freier, membranöser Abschnitt am Unterrande kommt nicht vor. Die Flossenmuskeln durchsetzen die Körpermuseulatur und treten, von dieser scharf getrennt, in den Eingeweidesack ein.

Das mir vorliegende Exemplar war ein Männchen, sodass ich auch den Penis untersuchen konnte. Dieser (Fig. 50) ist klein, und besteht aus den zwei üblichen Teilen: vorn ein kurzer, cylindrischer, hier stark zusammengezogener Abschnitt, der wohl als Haftapparat bei der Begattung aufzufassen wäre; und hinten der eigentliche Penis, auf welchem die rechts auf dem Nucleusstiele herabsteigende Samenfurche (sf) sich als tiefe Rinne fortsetzt.

An der Buccalmasse fallen die zwei cylindrischen Speicheldrüsen auf. Innerhalb der geräu-

migen Mundhöhle findet sich auch hier am Dache eine distal sich keilförmig zuspitzende Vertiefung.

SIBOGA-EXPEDITIE LI. 10

74

Die Radula (Fig. 51) besteht aus 35 Querreihen und zeigt die gewöhnliche Ausbildung. Die nicht in der Mitte durchgebogene Mittelplatte besitzt drei Dornen, welche von ungleicher Länge sind. In allen Querreihen überragt nämlich der Mitteldorn die beiden seitlichen, von denen wieder der rechte um ein Geringes länger ist als der linke; die Spitzen dieser Dornen sind etwas nach aussen gerichtet. Der Kamm der Zwischenplatte ist sehr deutlich und schliesst nach der Spitze der langgestreckten Platte zu mit einem starken Dorne ab. Die beiden lateralen Platten endlich sind beide fast ebenso gross wie die Zwischenplatte; sie sind am Anfang gerade, dann aber stark gebogen. Im Unterschiede mit C. cristata ist die ganze Radula farblos.

Mit Rücksicht auf die Angaben Warromont's (Taf. III, Fig. 74) ist die Möglichkeit dass wir hier nur eine Jugendform irgendeiner Carzzaria vor uns haben, nicht ausgeschlossen. Vorläufig aber muss die hier besprochene Form als neu betrachtet werden.

Die Länge des Tieres ist mm. (Rüssel 4'/;

>

mm.), die Höhe der Schale 3'/, mm. Da nur ein einziges Exemplar gefunden wurde, scheint die Art im ost-indischen Gebiete

selten zu sein. Cardiapoda d’Orbigny 1836.

Solche Formen wie die letztbeschriebene C. macrorhynchus leiten allmählich zu dem Typus Cardiapoda hinüber. Die Gallertschicht hat hier bedeutend abgenommen, das ganze Tier sieht also schlanker aus; der Stiel des Nucleus hat sich verlängert, und die Ausbildung der bei Carinaria noch beträchtlichen Schale ist hier so weit zurückgeblieben, dass das kleine, spiralige Gehäuse nur einen sehr kleinen Teil des Eingeweidesackes bedeckt. Die Körpermusculatur ist nicht in Bänder aufgelöst, sondern stellt überall eine lückenlose Schicht dar.

Wenn auch bezüglich der constanten Unterschiede, welche die hier besprochene Gattung Carinaria gegenüber besitzt, kein Zweifel bestehen, und somit eine Wiederholung der Diagnose unterbleiben kann, so sind wir doch, in Hinsicht auf die Anatomie von Cardiapoda, auf die älteren Angaben SourLEvEr’s und D’Orgısny’s beschränkt. Da von der Siboga-Expedition mehrere Exemplare von Cardiapoda erbeutet wurden und mir in trefflicher Erhaltung vorlagen, war aller- dings die Verführung gross, eine mehr ausführliche Beschreibung zu geben. Eine eingehende anatomische Darstellung von Cardiapoda und der Heteropoden überhaupt, mir an anderer Stelle vorbehaltend, ist es hier wohl am Platze, einige Angaben zu machen, welche ein ungefähres Bild der Gattung zu geben vermögen.

Die Musculatur des Körpers tritt, wie gesagt, nicht in isolirten Streifen auf. Auf dem starken, cylindrischen, annähernd überall die gleiche Dicke beibehaltenden Rüssel verlaufen die Muskeln der Hauptsache nach in der Längsrichtung, um sich erst in der Höhe der Augen, und dann weiter auf dem Rumpfe, in der bekannten Weise, wie bei Carınarza, zu kreuzen. Eine Einschnürung vor den Augen habe ich nirgends beobachtet. Die Rückenlinie des Rüssels bleibt muskelfrei, verengt sich nur sehr wenig zwischen den Augen und ist noch eine gewisse Strecke distal sichtbar. Am Ende des Rumpfes, also der Flosse und dem Nucleusstiele gegen- über, und an der Stelle wo (selbstverständlich nur beim Männchen) der Penis liegt, teilen sich die sich kreuzenden Körpermuskeln. Ein Teil behält den gleichen Lauf bei und setzt sich auf

den Nucleusstiel, der somit nur als eine Verlängerung des Rumpfes erscheint, fort; der andere I fo) fe} P $) )

2:3

Teil aber wird ganz longitudinal und bildet die Schwanzmuskeln, welche sich nach hinten in die üblichen, hier wenig deutlichen Streifen auflösen.

Die Musculatur der Flosse weicht in so weit von der bei Carinaria ab, dass einzelne Bänder nicht vorkommen '), sondern das Ganze einheitlich erscheint: nur am Unterrande zeigen sich einzelne Strecken muskelfrei. Die ganze Flosse besitzt übrigens die grösste Ähnlichkeit mit der von /’erofrachea, nicht nur in der Musculatur, sondern auch in der allgemeinen Gestalt. Kennzeichnend für Cardıapoda, wenigstens nach meinen jetzigen Erfahrungen, ist ihre sehr breite Basis. Ein kleiner, bisweilen kaum wahrnehmbarer Saugnapf findet sich am abgerundeten Unterrande, ein wenig nach hinten gerückt.

Der Schwanz ist zwar ziemlich langgestreckt, tritt aber, dem Rumpfteil gegenüber, an Mächtigkeit sehr zurück. An der Spitze findet sich bei einigen Arten eine membranöse, oft schwarz pigmentirte Erweiterung mit eingekerbten Rändern. Im Bau des Schwanzes ergeben sich übrigens, ebenso wie bei Carznarra, wichtige systematische Merkmale, welche ausführlich bei den einzelnen Arten besprochen werden sollen. An das Ende eines mehr oder weniger langen Stieles setzt sich der Eingeweidenucleus an, der eine eiförmige, mit dem zugespitzten Pole nach unten gekehrte Gestalt zeigt und seitlich zusammengedrückt ist. Von der Mündung der Schale ausgehend, schlägt sich der Mantel über den Eingeweidesack hin, geht an den Seiten continuirlich in die allgemeine Körperbedeckung über und lässt nur vorn eine ziemlich weite Öffnung frei, welche .in die geräumige Mantelhöhle hineinführt. Im rechten Rande dieser Öffnung mündet der Anus, links liegt ein merkwürdiges, langgestrecktes, schwach S-förmig gekrümmtes Organ, in vertikaler Lage, das wohl als Hypobranchialdrüse aufzufassen wäre, da es bei näherer Betrach- tung sich als ein Complex grosser, einzelliger Drüsenzellen, mit ölartigem Inhalte, darstellt. In der Mantelhöhle liegt, links vom Nucleus, das Herz, dessen Atrium nach oben gerichtet ist. Die Kiemen sind Ausstülpungen des Mantels nach aussen; sie fangen an der Schalenmündung an, und sind hier sehr klein, um allmählich nach oben an Grösse zuzunehmen; an der Mantelöffnung werden sie wieder kleiner und steigen hier am linken Rande hinab. Es handelt sich um dreieckige Läppchen, welche alle median gelegen sind und wie die Meridionalreihen eines Ctenophors aufeinander folgen. Ohne auf den feineren Bau der Respirationsorgane hier näher einzugehen, bemerke ich nur, dass in jedem der Läppchen, an den Seiten ein zuführendes und ein abführendes Kiemengefäss bemerkbar ist. Das erste steht in directer Verbindung mit einem grossen Venen- sinus, der der Basis der Kiemen entlang zieht und das aus dem Körper zufliessende Blut aufnimmt. In der Kieme wird das Blut durch quere Anastomosen in die Kiemenvene hinüber- geführt, dann in einem grossen, langgestreckten Raum gesammelt, der dem Venensinus parallel liegt und allmählich in den Vorhof des Herzens übergeht.

Die Niere fällt besonders durch den ausserordentlich stark verästelten Bau auf, den der Boden des Organes besitzt, und erinnert somit stark an das entsprechende Organ der Chitonen. Die Wände bilden überall kleine, sich oft noch teilende Aussackungen, deren dunkle Farbe an einzelnen Stellen wahrscheinlich durch Concretionen hervorgerufen wird. Das ganze Organ

ist langgestreckt und liegt mit dem Ende hinter dem Herzen, also links vom Eingeweidenucleus,

1) C. richardi besitzt aber in der Flosse, nach VAvsSIERE, eine deutliche Bänderung.

76

ganz nach hinten. Im weiteren Verlauf steigt die Niere in der Mantelhöhle empor, legt sich am dorsalen Rande des Nucleus über denselben hinüber, und kommt vorn an der rechten Seite zu liegen, wo sie mittels einer trichterförmigen Öffnung, am Mantelrande, dorsal vom Anus, nach aussen mündet; diese Stelle ist durch einen schwachen Sphincter angedeutet. Gleich dabei, aber etwas mehr zurück, liegt an der linken Nierenwandung, welche sich direct dem Pericard anschmiegt, die kleine, mit einem Ringmuskel versehene Renopericardialöffnung, mittels welcher also eine Verbindung von Excretionsorgan und Pericard hergestellt ist. Im Anschluss an die Niere möchte ich noch bemerken, dass das schon von DELLE CHIAJE und GEGENBAUR beschriebene Organ an der Flossenbasis, das später von FAHRINGER als „Speicherniere' eingehend besprochen wurde, fast in derselben Ausbildung wie bei Carznaria, auch hier zu finden ist. Man sieht zwischen den aus der Flosse in den Körper ausstrahlenden Muskellamellen, gleich an der Flossenwurzel, zwei längliche, der Längsachse des Körpers folgende Streifen, welche von der Aorta caudalis in ganzer Länge durchsetzt werden. Wenn ich auch die innere Structur dieser Speicherniere nicht untersuchte, so scheint sie mir doch die Entwickelung, welche das Organ bei Carinarıa besitzt, nicht zu erreichen; vielmehr ist hier nur ein dünner, wenn auch deutlicher Beleg von Drüsenzellen auf der Wandung des Blutgefässes nachweisbar.

Die Haut (Taf. X, Fig. 52) bei Cardiapoda zeigt das nämliche wie bei der vorigen Gattung, nur hat die gallertige Bindesubstanzmasse beträchtlich an Bedeutung abgenommen. Es kommen übrigens auch hier die rundlichen Flecke, bald mehr bald weniger an Zahl, vor, besonders auf dem Rumpfe, aber auch, und dies ist bemerkenswerth, an der Flosse. Höcker treten bisweilen auf, für gewöhnlich scheinen die Arten eine ganz flache Oberflächenbeschaffenheit der Haut zu besitzen.

Die Augen (Taf. XI, Fig. 53) haben den Carinaria-Typus, sind also an der Basis breit. Die Tentakeln, welche ihre Muskeln in ähnlicher Weise wie bei Carinaria beziehen, sah- ich immer nur stark zusammengeschrumpft und deshalb in viele Faltungen gelegt; ihre Wurzel ist breit und membranös.

Der Penis ist, ebenso wie bei Carinarıa'), aus zwei Teilen zusammengesetzt; die am meisten nach vorn gelegene Partie (Taf. XI, Fig. 54, @) ist der Haftapparat, in dem man den grossen Drüsenschlauch ganz deutlich durch die dünne Wandung hindurchschimmern sieht; hinten, und etwas nach oben, liegt der eigentliche Penis (2), der an der Hinterfläche (in der Zeichnung nicht sichtbar) die bis zur Spitze sich erstreckende Samenrinne zeigt, welche sich als sehr flache Furche (s/), der latero-ventralen rechten Seite des Nucleusstieles entlang ziehend, bis zum Nucleus selbst verfolgen lässt.

Am unteren Pole des Nucleus, der nicht vom Mantel bedeckt wird, findet sich die kleine gewundene Schale, welche leider in meinen Exemplaren entweder ganz verschwunden oder doch nur in Fragmenten vorhanden war. Ihre merkwürdigen dreieckigen Ausbreitungen am Mund- rande, wie sie SoULEvET beschreibt, habe ich also nicht auffinden können. Auch VavssıkrE hat die Schale nicht zu Gesicht bekommen können.

Die Buccalmasse besitzt die beiden länglichen, cylindrischen Speicheldrüsen, welche wie

bei Carinaria beschaffen sind. An der Oberseite fängt der Darmkanal an, der sich in der

ı) Nur ist sie bei Cardiapoda verhältnissmassig viel kleiner.

77

Höhe der Augen oder gleich nach hinten, zu einem spindelförmigen Gebilde erweitert (ebenso wie bei Carınaria und bei den Pterotracheidae), das als Magen aufzufassen wäre, wenn die Abwesenheit der nach dem Nucleus zuruckgedrängten Leber sich dieser Meinung nicht widersetzte. Der Darm verläuft dann weiter nach hinten, tritt, am Nucleus angelangt, linkerseits hinein, und zwar in der Höhe der Herzkammer, um schliesslich nach einer abermaligen, von der Leber umfassten Erweiterung im Nucleus, am rechten Rande der Mantelöffnung nach aussen zu münden; der Enddarm liegt frei.

In der Mundhöhle findet man die dorsale Rinne. Die Radula nimmt von vorn nach hinten ziemlich an Grösse zu. Es sind im Ganzen 37 Querreihen vorhanden (nach V avyssıkre 40), welche denen von Carznaria sehr ähnlich sind. |

Die drei Arten, welche von der Siboga-Expedition erbeutet wurden, sind sämtlich neu; ich

habe wenigstens keine derselben mit den früher beschriebenen genügend gleichstellen können.

Cardiapoda trachydermon n. sp. (Taf. X, Fig. 52. Taf. XI, Fig. 53—56). Stat a1 oSkernates 2a Bu (a0):

Es wurden zugleich zwei Exemplare gefangen, beide Männchen, welche nahezu dieselbe Grösse haben, (etwa 35 mm.).

Der Körper ist langgestreckt, cylindrisch, der kurze Rüssel geht ohne deutlichen Über- gang in den Rumpf über, und dieser setzt sich wieder in den Nucleusstiel fort, während der dünne Schwanz unten angesetzt erscheint.

Das wichtigste Merkmal dieser Art ist in den Tuberkeln gegeben, welche ebenso wie bei Carinaria zerstreut sind, besonders zahlreich aber nur dorsal zwischen Augen und Nucleus auftreten, und ventral unmittelbar vor der Flosse. Übrigens kommen auch hier die rundlichen Flecken vor (Fig. 52, 7f), welche aus Anhäufungen kleiner Zellen bestehen. Da wo die Gallert- substanz eine kleine Hervortreibung der Haut bedingt und einen Höcker bildet, finden sich rundliche Zellen, in verschiedener Weise zusammengedrängt, überdies kommen diese Agglomerate auch sonst häufig in den Körperbedeckungen vor (Fig. 52, a) als einzelne, zersprengte Zell- gruppen, meist nur aus 2—5 Zellen bestehend. Sie dienen als Knorpelgewebe.

Was oben von den Augen, den Tentakeln und dem Penis von Cardiapoda gesagt wurde (Fig. 53—54) trifft ganz bei der hier behandelten Art zu.

Die Flosse ist sehr gross, mit breiter Wurzel, mit Ausnahme des unteren Abschnittes ganz undurchsichtig (wenigstens im conservirten Zustande), und ist der von Perofrachea sehr ähnlich. Der kleine Saugnapf ist ein wenig nach hinten verschoben.

Am Ende des Nucleusstieles liegt der Eingeweidesack (an dessen unterem Pole die kleine Schale nur noch an den Windungen der Leber zu erkennen ist), der an der Oberseite den End- darm hervortreten lässt, welcher am rechten Mantelrande nach aussen mündet. Die Respirations- organe sind stark entwickelt, und folgen einander in einer einzigen, medianen Reihe auf, welche aber an der Mantelöffnung ein wenig nach links ausweicht. Der Stiel des Nucleus, mitsammt diesem selbst, ist ein wenig kürzer als der Schwanz. Dieser ist klein und trägt am Anfang

dorsal einen kleinen Kamm, der nach hinten zu allmählich verstreicht. Das Ende des Schwanzes

78

verbreitert sich in ein membranöses Gebilde von symmetrischer Gestalt, mit gezackten Rändern. Einiges Pigment ist hier abgelagert, weshalb sich die Ausbreitung durch dunklere Farbe unterscheidet. In einer tiefen Einbuchtung am Hinterende heftet sich ein kurzer Zapfen an, der vielleicht den vorderen Teil eines abgerissenen Schwanzfadens darstellt.

Bezüglich der Radula (Fig. 56) kann erwähnt werden, dass die Mittelplatte nicht wie es bei Carinaria oft der Fall zu sein pflegt, nach unten eingebogen, sondern ganz gerade ist; der Vorderrand zeigt eine leichte Erhebung. Von den drei Dornen dieser Platte sind die beiden seitlichen ein wenig kürzer als der Mitteldorn und leicht nach aussen gebogen. Der Kamm an der convexen, medianen Seite der Zwischenplatte ist nur wenig entwickelt und trägt da wo er in die Hauptspitze, die ganz gerade ist, übergeht, nie einen Dorn, wie bei Carinaria. Die beiden Seitenplatten sind fast in derselben Weise wie bei der vorigen Gattung gestaltet.

Die Art scheint nur selten im Archipel vorzukommen.

Cardiapoda sublaevis n. sp. (Taf. XI, Fig. 57—59).

Stats 54.102210 15, Tor Ole Stat. 165. Insel Daram. 2 Ex. (Z Stat. 2235 52494.718010.08277210 Bar

)k UO):

)

Diese Art ist durch 4 Exemplare vertreten, deren Länge ı2—25 mm. beträgt.

Es besteht die grösste Übereinstimmung mit der vorhergehenden Spezies; als entschei- dendes Merkmal möchte ich aber bemerken, dass Tuberkeln der Haut oder sonstige Erhebungen hier gar nicht vorkommen. Die Oberfläche des Tieres erscheint vielmehr volkommen glatt, nur die rundlichen oder länglichen Flecken kommen in derselben Weise vor wie bei C. fZrachydermon. Der Rüssel zeigt eine wechselnde Gestalt, bald lang ausgezogen (Fig. 58), wie bei dem Weibchen von Stat. 165, bald stark zusammengezogen (Fig. 57). Der Rumpf ist cylindrisch, auf der Höhe der Flosse aber ist der Umfang etwas grösser als nach vorn zu. Die stielartige Verlängerung, in welche der Rumpf sich fortsetzt, trägt am Ende den Nucleus, wo am unteren Pole die Windungen der Schale nur noch an der Leber zu erkennen sind. Kiemen sind hier in derselben Ausbildung und in gleicher Reihenfolge, wie bei der vorigen Art vorhanden. Der Schwanz hat ebenfalls eine kleine, dorsale Crista am Anfang, während er in eine membranöse Ausbreitung (Fig. 57@) endet, welche bei den Exemplaren von Stat. 54 und 223 tiefschwarz gefärbt ist, sonst aber kaum Pigment besitzt. Die sehr grosse, lappige Flosse mit ihrer breiten Basis und dem nach hinten verschobenen Saugnapfe zeigt nichts Besonderes. Bisweilen treten auf der Flosse auch die Hautflecken auf, welche sich sonst nur auf den Körper selbst beschränken.

Die Mittelplatte der Radula zeigt drei genau gleich lange Dornen, deren Spitzen ziemlich weit aus einander stehen. Die Form dieser Mittelplatte, sowie der übrigen Teile (Fig. 59) ist fast ganz wie bei der vorhergehenden Art.

Wenn auch die Unterschiede der beiden Arten nur unbeträchtlich erscheinen, so glaube ich doch zu der Aufstellung zweier gesonderter Formen berechtigt zu sein; denn nicht nur die glatte Beschaffenheit der Haut, sondern auch die Gleichheit der Dornen der Mittelplatte weisen, wie mir scheint, auf verschiedenartige Artmerkmale hin.

Auch €. szblaevis ist selten und wurde nur in 4 Exemplaren gefangen.

Cardiapoda acuta n. sp. (Taf. XI, Fig. 60—63).

Sr u Ee, (OL 1855 (DE NSET202,1.22 01 C

Die beiden zu dieser Art gehörigen Tiere waren Weibchen; das erste hatte eine Länge von 31 mm., das zweite von 17 mm.

Die Art zeichnet sich besonders dadurch aus, dass der Schwanz hier jeglichen Anhang entbehrt und einfach in eine Spitze endet. Auch fehlt jede Andeutung eines Fadens.

Der kurze Rüssel geht in der Höhe der Augen in den Rumpf über, der über der Flosse am höchsten ist, sich dann einerseits in den Stiel fortsetzt, der den Nucleus trägt, andererseits den stark comprimirten Schwanz aus sich hervortreten lässt. Hier kommen noch einige gering- fügige Unterschiede vor. Während bei dem Tiere von Stat. 35 (Fig. 60) der Schwanz auf eine gewisse Strecke hin die gleiche Höhe beibehält, sich dann aber zu einer Scheibe umgestaltet, um schliesslich in ein plattes Band zu enden, ist bei dem Exemplare von Stat. 103 (Fig. 61) das entsprechende Organ mehr gleichmässig gebaut, und die Höhe nimmt hier von vorn nach hinten allmählich ab, dorsal ist hier ein Kamm sichtbar mit grobgezacktem Rande.

Die Form der Flosse kommt, wie aus den Abbildungen ersichtlich, mit der der anderen Arten überein; auch die Stelle des Saugnapfes ist die nämliche. Die Kiemen sind zahlreich, und in derselben Weise angeordnet, wie oben beschrieben. Dass das Längenverhältniss des Nucleus- stieles und des Schwanzes bei den beiden Tieren nicht gleich ist, darf wohl auf die verschiedene Zusammenziehung der entsprechenden Teile zurückgeführt werden.

Nur beim kleinsten Tiere war der untere Pol des Nucleus vorhanden und zeigte hier zwei Umgänge; die nur in einzelnen Fragmenten sich hier anheftende Schale liess die Zahl ihrer Windungen nicht ermitteln.

Die Haut ist nicht glatt, sondern, besonders am dorsalen Rumpfteile mit zahlreichen, kleinen Höckern besetzt. Dass sie sich wenig bemerkbar machen, stammt daher, dass ihre Spitze nicht eine dunklere Farbe aufweist; das ganze Organ enthält (Fig. 62) kleine Zellgruppen (aus 2—8 Zellen zusammengesetzt), welche auch sonst überall auf dem Körper zerstreut sind. Bei C. frachydermon, wo derartige Gruppen ebenfalls vorkommen, finden sich in den Höckern Anhäufungen von 60 oder mehr solcher Zellen, weshalb eine derartige Stelle sich schärfer von der Umgebung abhebt. Einige Muskelbündel strahlen bei C. acata in die Höcker aus.

Die Radula hat 37 Querreihen. In der Mittelplatte (Fig. 63) sind die drei Dornen fast gleich gross, die beiden seitlichen sind ein wenig nach aussen gerichtet'). Der Kamm der Zwischenplatte ist nach oben zu nicht scharf abgeschieden, sondern geht ohne Grenze in die obere Kante der Platte über; die Hauptspitze ist in allen Reihen nach innen gekrümmt. Die beiden Seitenplatten besitzen keine Merkmale, welche systematisch verwendet werden können.

Diese Art wurde nur an zwei, allerdings weit auseinander liegenden Fundorten gefangen.

ı) In der Radula von Cardiapoda scheinen die Dornen der Mittelplatte oft verschiedene Verhältnisse aufzuweisen; wenigstens sind nach MACDONALD und VAYSSIERE die beiden seitlichen beträchtlich kürzer als der Mittelfortsatz.

80

Notizen über Verbreitung und Lebensweise der CARINARIIDAE.

Die Familie der Carinariidae ist aus den Atlantiden abzuleiten, wenn man sich den Körper der Allanta stark vergrössert vorstellt, sodass das Tier nicht mehr ganz in die Schale zurückgezogen werden kann, sondern nur der Eingeweidesack durch die dünne Schale bedeckt wird, deren letzter Teil sich nicht spiralig aufrollt, sondern mehr oder weniger gerade gestreckt ist, und dem gewundenen Teil gegenüber, fast allein das ganze Gehäuse bildet. So ist es wenigstens bei Carinaria und auch bei Plerosoma;, Cardiapoda dagegen, hat noch einen Fort- schritt gemacht, insofern als die Schale, welche ganz gewunden, ohne geraden Endteil, nach dem unteren Pole des Eingeweidesackes hinabgedrängt ist und nur einen kleinen Teil der Leber bedeckt. Die letztgenannte Gattung leitet dann zu den Pterotracheiden hinüber.

Bezüglich der Häufigkeit stehen die Carinariidae weit hinter den beiden anderen Familien zurück. Wenn auch, wie die übrigen Heteropoden in allen wärmeren Meeren verbreitet, gehören sie immer zu den Seltenheiten. Diese schon oft constatirte Tatsache wird auch durch die Befunde der Siboga-Expedition bestätigt; es wurden nur vereinzelte Exemplare gefangen, auch einige leere Schalen gefischt, von Schwärmen aber oder nur von kleineren Gruppen findet sich nie eine Spur. Pierosoma wurde gar nicht beobachtet.

Im Mittelmeer kommt nur die Gattung Cerinaria vor, welche überhaupt noch am weitesten verbreitet ist. Pierosoma und Cardiapoda scheinen auf die subtropischen und äquato- rialen Meere beschränkt zu sein.

Die Carinariidae erheischen unser besonderes Interesse, nicht nur durch ihre oft erheb- liche Grösse (es wurde schon eine Carinarıa von 53 cm. gefunden), sondern auch durch ihre Vielgestaltigkeit, welche sich sowohl in der Schale wie im Körper ausdrückt, und eine schärfere Umgrenzung der Arten ermöglicht als es sonst bei den ziemlich einförmigen, um bestimmte Typen herum gruppirten Heteropoden der Fall zu sein pflegt.

Die beträchtliche Zunahme der gallertigen Bindesubstanz, welche bisweilen als eine dicke Schicht, namentlich den Rumpf einhüllt, hat schnelle Bewegungen und Biegungen des Körpers fast unmöglich gemacht. Die schwimmende Carinaria bewegt sich langsam, fast bedächtig, durch das Wasser, wobei die grosse Flosse regelmässig hin- und herschwingt. Diese ist immer nach oben gewendet beim lebenden Tiere; nur Costa behauptet, dass Carinaria beim Schwimmen die Schale nach oben kehrt. Nach einer Angabe Rang's heftet sich Carinarra gelegentlich an andere Gegenstände (Zzcxs) mittels des Saugnapfes fest.

Die langsame Bewegung, und infolge dessen die Hilflosigkeit beim Angriffe irgend eines Feindes mag wohl die Ursache sein, dass Carznaria oft verstümmelt gefunden wird, und ganze Körperteile, wie der Schwanz, oder der Nucleus, der durch dunklere Farbe natürlich besonders die Aufmerksamkeit anderer Tiere erregt, fehlen können. Dass das so eingreifend verwundete Tier trotzdem eine grosse Lebenszähigkeit besitzt, dafür bieten die Funde der Siboga-Expedition

o-

einige Belege.

Familie III. Pr&roTRACcHEIDAE.

Die Pterotracheidae bilden die letzte und höchstentwickelte Familie innerhalb welcher die Anpassung an das pelagische Leben den Höhepunkt erreicht. Eine Schale fehlt dem ausgewachsenen Tiere ganz, und der ganze Körper ist so vollkommen durchsichtig, dass nur die Augen und der spindelförmige Eingeweidenucleus sichtbar sind, wenigstens wenn man von vereinzelten Pigmentflecken und Anflügen absieht.

Es lassen sich die beiden Gattungen Pierotrachea und Ztroloida unterscheiden.

Pterotrachea Forskäl 1775.

Bezüglich der allgemeinen Characteristik verweise ich nach dem ersten Abschnitt; es seien hier nur einige kurze Bemerkungen gemacht, welche z.T. systematisch wichtig sein dürften.

Die glashelle Körperbedeckung von Perotrachea setzt sich aus den nämlichen Binde- gewebszellen wie bei Carznarıa zusammen, nur hat sie die knorpelartige Beschaffenheit verloren, und liegt wie eine ausserordentlich weiche Substanz der Musculatur auf, nur am Rüssel ist sie derber und fester, zugleich aber auch viel dünner. An einigen Stellen erheben sich grössere oder kleinere Höcker (Taf. XI, Fig. 64), welche einen Haufen kugeliger Zellen, mit körnigem Inhalt, enthalten; diese Zellen verleihen dem Höcker die nötige Consistenz, kommen aber auch sonst in der Körperbedeckung zerstreut vor. Die Oberfläche bekleidet ein Plattenepithel, das sich fetzenweise ablösen kann, und das an einzelnen Stellen Pigment enthält. Die eben erwähnten Höcker kommen vereinzelt besonders auf dem vorderen Rumpfteile vor, häufig aber finden sich einzelne grössere Höcker vor den Augen. Dass sie den bei /erotrachea fehlenden ') Tentakeln morphologisch nicht gleichzustellen sind, wie man wohl vermutet hat, geht daraus hervor, dass sie erstens viel weiter nach vorn gelegen sind, dann aber auch einen ganz anderen Bau aufweisen, und ausserdem unregelmässig auftreten, weil sie nicht nur auf beiden Seiten in verschiedener Zahl auftreten, sondern sogar rechts oder links vollkommen fehlen können, während sie auf der anderen Seite erhalten geblieben sind. Weiter machen sich, besonders an der Bauchseite weiss- liche, ziemlich grosse Flecken bemerkbar, deren Bau schon von GEGENBAUR beschrieben wurde. Besonders fehlen sie nie in der Umgegend der Flossenbasis, weiter finden sie sich auch noch oft weiter nach vorn, bis an der Unterseite des Rüssels hinauf. Eine systematische Bedeutung ist ihnen, ihrer regellosen Zerstreuung zufolge, wohl schwerlich zuzumessen.

Der am Ende des Rumpfes gelegene Nucleus ist in die bindegewebige Körperbedeckung eingekeilt, und zwar derartig, dass unterhalb des Nucleus ein Raum bestehen bleibt, der hinter ihm, sich nach oben richtend, mit der Aussenwelt in Verbindung steht. Die Ränder dieser Ausmündung werden von dem dorsal crista-artig hervorragenden Schwanz gebildet (Taf. XI, Fig. 65); der rechte Rand ist höher als der linke, der zugleich einige Höcker tragen kann.

Ein Mantel kommt gar nicht vor; Niere’) und Herz sind in der gallertigen Bindesubstanz

vor dem Nucleus eingebettet. Die Niere, deren Bau schon in Hauptzügen von GEGENBAUR

ı) Doch wurde noch in der neuen Auflage von Lang’s Lehrbuch d. vergl. Anatomie der Wirbellosen Tiere (Mollusca von Dr. K. HESCHELER, S. 169) eine Pferotrackea mit Tentakeln abgebildet. 2) Eine „Speicherniere” geht den Pterotracheiden ab.

SIBOGA-EXPEDITIE LI, II

82

geschildert wurde, liegt oben und nach rechts gewendet; an ihrer rechten Seite liegt die mit einem Sphincter umgebene Öffnung, welche nach aussen mündet; die innere Öffnung nach dem Pericardialraum liegt weiter nach unten. Die Vorkammer des Herzens liegt oberhalb des Ven- trikels, mehr nach links gerichtet als die Niere, und weiter vom Nucleus entfernt. Die Kiemen, welche wie bei Cardiapoda beschaffen sind, sind Ausstülpungen der Leibeswand; gleich vor dem Nucleus, dorsal und median, steht ein kleines Bündel; an dem links vom Nucleus hinab- steigenden Kamm sind die Kiemen grösser und länger, unten aber werden sie wieder kleiner. Übrigens wechselt ihre Länge selbstverständlich nach dem Contractionszustande; bei den Indi- viduen derselben Art kann auch die Zahl der Respirationsorgane anders sein. Ein langgestrecktes Osphradium liegt vor dem Nucleus, median, oder ein wenig nach links.

Die Musculatur von /ferotrachea wurde von LEUCKART, GEGENBAUR und besonders KaLıDE genügend beschrieben. Nur will ich bemerken, dass die drei Paare kurzer Muskelfortsätze, mit denen die Flosse in den Rumpf hineinragt, nicht nur in topographischer Beziehung, sondern auch in ihrem Bau von LEucKART ganz richtig beschrieben wurden, und KaLıpE in dieser Hinsicht sich irrt. Das erste Paar liegt nämlich ein wenig vor der Mitte der Flossenbasis, das zweite gleich dahinter, und das letzte am Ende. Das erste Paar divergirt nach oben, und heftet sich an die Körpermuskeln an, das zweite aber bildet nur eine nach oben geschlossene Schlinge, deren Seitenteile nahezu parallel gehen, während das dritte Paar bei Seitenbetrachtung zwar, wie LEUucKART hervorhebt, eine kleine, viereckige Lamelle darstellt, bei genauer Untersuchung aber aus zwei Blättern zusammengesetzt erscheint, welche nicht in ihrer ganzen Ausdehnung sich an einander legen (Leuckarr), sondern stark convergiren, und sich nur an ihren oberen Enden vereinigen. Die Höhe dieser Stümpfe nimmt von vorn nach hinten ab. Einzelne, lang- gestreckte Bindegewebsfibrillen setzen die Muskelfortsätze mit den Rumpfmuskeln in Verbindung.

Von der Körpermusculatur sei hier nur erwähnt, dass überall die vier Paare von Längs- muskelbändern im Schwanze in grosser Einförmigkeit auftreten. Oben, dem dorsalen scharfen Rande des Schwanzes folgend, läuft ein sehr dünnes Paar (Taf. XI, Fig. 65, a), das vorn nicht mit der Rumpfmusculatur zusammenhängt, sondern frei endet. Die zwei Streifen, rechts und links, können in ihrem Verlaufe mit einander verschmelzen, nach hinten weichen sie aber wieder aus einander und vereinigen sich mit dem zweiten, stärkeren Paare (6), das (ebenso wie das dritte und vierte Paar) ganz dünn und schmal aus der unterhalb des Nucleus endenden Rumpf- musculatur seinen Ursprung nimmt, dann allmählich an Dicke zunimmt, sich mit dem ersten Paare vereinigt, und, nach der Vereinigung zu einem einzigen Strange zusammenfliessen, oder auch getrennt bleiben kann, um schliesslich in das dritte Paar (c) auszumünden, und zwar am Anfang der Horizontalflosse. Das dritte Paar ist überall das stärkste, bleibt in seinem ganzen Verlaufe getrennt, und vereinigt sich erst am Ende der Horizontalflosse, also dort wo sich der Schwanzfaden anheftet, mit dem vierten Paare (d), das meist überall gleichmässig dick bleibt und dem ventralen Rand des Schwanzes folgt.

In der Horizontalflosse kommt eine Quermusculatur vor (Taf. XI, Fig. 65@); es stehen hier nämlich einzelne Müskelchen, welche das dritte und vierte Längsmuskelpaar durchsetzen, senkrecht auf ihre Richtung. Die dorsale Musculatur stammt vom dritten, die ventrale vom vierten

der oben beschriebenen Längsbänderpaare ab; sie sind in ziemlich regelmässigen Abständen

5

3

angeordnet. Wie aus der Figur ersichtlich, teilt sich noch an der Basis der Horizontalflosse das vierte Längsmuskelband, rechts und links; der innere Zweig behält den gleichen Verlauf, der äussere zieht in einen flachen, etwas nach oben gekehrten Bogen nach der Anheftungsstelle des Schwanzfadens hin, wo sich alle noch bis dahin getrennt verlaufenden Längsmuskeln ver- einigen, und als zwei seitliche Bänder in den Faden eintreten.

In der hier gegebenen Beschreibung des Schwanzes habe ich mich nur auf eigene Beobach- tungen gestützt, welche allerdings nur in untergeordneten Punkten von den Angaben LEucKART's, GEGENBAUR'S und Karıpe's abweichen. Einige geringfügige Variationen können darin bestehen, dass bisweilen zwischen den Längsmuskelbändern verschiedenen Wertes Anastomosen auftreten können; solche Gebilde treten aber nur individuell auf und sind von keiner systematischen Bedeutung.

Dass der Schwanz, und überhaupt der ganze Körper, bei Pierotrachea sehr einförmige Gestalt zeigt, ist schon öfter hervorgehoben worden. Nach Angaben anderer Autoren, wie SouULEYET (bei Pierotrachea keraudren?) und VAYSSIERE (bei Zrrola talismani) endet aber, wenigstens bei einzelnen Arten der Schwanz nicht in eine Horizontalflosse, sondern in eine einfache Spitze.

Wenn auch die Auffindung der Artmerkmale bei den immer denselben Habitus wieder- holenden Pterotracheen, sich zu einer schwierigen Aufgabe gestaltet, so ist es immerhin möglich, zwei deutliche Gruppen innerhalb der Gattung anzuweisen, deren Unterschiede in einer Reihe constanter Merkmale angegeben werden kann.

Der erste Typus (Taf. XI, Fig. 66) ist der von Perotrachea coronata Forskäl. Hier zeigt nämlich das Auge eine ganz characteristische Gestalt, wie besonders aus den Figuren GRENACHER’s und Hesse's hervorgeht. Von oben oder von unten betrachtet, zeigt sich, dass linke und rechte Seite des Auges nahezu parallel verlaufen, der hintere Teil, wo sich die Schicht der Stäbchen- zellen findet, ist nur wenig breiter als das Übrige; zudem kommen in der Pigmentbekleidung des Auges, namentlich dorsal, zahlreiche Lücken vor.

Ein anderes, leicht kenntliches Merkmal bei diesem Typus ist darin gelegen, dass der Nucleus hier sehr lang und dünn ist, ja, bisweilen nur einen ganz schlanken, sich nach oben schwach zuspitzenden Stab darstellt.

Der zweite