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\ der Münchner Entomologischen Gesellschaft, e.V, N

\ 10. Jahrgang 1920. München, 30. April 1920. Nummer 1-4. \ SE ee ee ee ee

Ausgegeben April 1920.

Jahresbericht für 1919

der Münchner Entomologischen Gesellschaft e.V.

Der Waiienstillstand vom November 1918 ermöglichte einer großen Anzahl von Mitgliedern die Rückkehr in die Heimat und brachte dadurch im Berichtsjahre ein merkliches Aufleben der Vereins- und Sammeltätigkeit mit sich. Beide hatten jedoch unter den betrüblichen politischen Verhältnissen in München im Frühjahre 1919 und unter den Verkehrsschwierigkeiten wie der ungünstigen Witterung während des ganzen Jahres noch sehr zu leiden.

Da uns die regelmäßige Benützung des Vereinslokales in den Wintermonaten auch heuer noch nicht möglich war, mußten wir uns mit drei ordentlichen Versammlungen begnügen, die jedoch erireulicherweise einen weit regeren Besuch wie in den Vorjahren aufzuweisen hatten. Zwei dieser Abende wurden mit der Fortsetzung des Dr.Kaiserschen Vortrages über Papilioniden ausgefüllt, wozu abermals hervorragende und markante Schau- stücke vorlagen. Die übrigen, ebenfalls stets gut besuchten Vereins- abende waren wieder nur der Geselligkeit gewidmet und boten den Mitgliedern willkommene Gelegenheit zu Tausch und Kauf.

Der Mitgliederstand hat sich auch ein Zeichen des neu erwachenden entomologischen Interesses im abgelaufenen Jahre um vier hiesige Mitglieder, die Herren K. Kotzbauer, O. Müller, E. Pfeiffer und M. Pleßmann, und um vier- zehn auswärtige Mitglieder, die Herren Professor F. Anger, Wien; J. Berger, Safferstetten; H. Fieber, Kantrzin; Dr. K. Fiedler, Suhl; Dr. E. Fischer, Zürich; K. Gadolla, Graz; E.Hofimann, Kleinmünchen; Professor Looß, Gießen;

ENDE

G. Schaller, Münchberg; M. Sindersberger, Kelheim; G. Warnecke, Altona; K. Waschke, Berlin; X. Wenger- mayr, Kelheim undEntomologischerVereinMatronula, Augsburg, vermehrt, während von den hiesigen Mitgliedern Herr W. Blume, wohnhaft Altfrauenhofen, ausgetreten ist.

Gleichfalls im stärkerem Maße wie in den Vorjahren haben sich verschiedene Mitglieder zu gemeinsamen Sammelausflügen und Köderabenden zusammengefunden; auch hat sich. die stets dankbare Züchtertätigkeit wieder gehoben, über deren haupt- sächlichste Ergebnisse in einer der kommenden Nummern unserer Mitteilungen berichtet werden soli; um recht rege Beteiligung hieran insbesondere auch von seiten unserer auswärtigen Mit- glieder wird an dieser Stelle nochmals herzlichst gebeten.*)

Im abgelaufenen Vereinsjahr wurde auch der 8. Jahrgang 1917/18 der Mitteilungen abgeschlossen, der aus den seinerzeit bekannt gegebenen Gründen zwei Jahrgänge umfaßt. Sein reich- haltiger Inhalt wurde noch durch die Beigabe von vier Tafeln in Schwarzdruck wertvoller gemacht. Die in seiner letzten Nummer 11/12 zum Ausdruck gebrachte Hoffnung, daß es uns nunmehr wieder möglich sein wird, die Mitteilungen regel- mäßiger erscheinen zu lassen, hat sich erfreulicherweise erfüllt; doch muß auch hier an eine freudigere Mitarbeit sämtlicher Mit- glieder appelliert werden, um uns in den Stand zu setzen, recht zahlreiche und vielseitige Beiträge, insbesondere auch lepidop- terologischen Inhalts zu bringen.

Zu erwähnen ist ferner, daß unsere Gesellschaft am 19, De- zember 1919 auf ein l5jähriges Bestehen zurückblicken konnte; selbstredend wurde mit Rücksicht auf die Zeitumstände von einer Feier abgesehen.

Die Kassenbewegung für 1919 weist folgende Zahlen aus:

A Abrechnung für 1919,

Kinnahmen: M | Ausgaben: AM

dami.Jan. 1918 5.94 | Zeitschrift... .. 1 841.41

beiträge... , 945.— 32 | „Porto... eek 13.33

e 649.— Bücher 5,3%, 2 Sealossn nstigg Be 339.80 Sonstige Ausgaben . 196.80

a 23 en’... u... 220,— |. Kassenbestand........08473

|

2159.74 | 2 159.74

Manuskriptsendungen sind zu richten an den 1. Vorsitzenden, errn Direktor Rudolf Waltz, München, Kaulbachstraße 24/o.

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Hervorzuheben ist dabei die Steigerung der Mitglieder- beiträge, die teils auf die im Vorjahre beschlossene Erhöhung des Beitrages für auswärtige Mitglieder, teils auf den Eingang rückständiger Beiträge aus den Kriegsjahren zurückzuführen ist. Der Posten Stiftungen setzt sich aus den einmaligen frei- willigen Beiträgen zusammen, welche die Münchner Mitglied- schaft sich im Vorjahre einstimmig zu leisten bereit erklärt hat. Den hochherzigen Spendern, deren Hilfe allein das finanzielle Durchhalten und das wieder regelmäßige Erscheinen der Zeit- schrift zu verdanken ist, sei hier nochmals der wärmste Dank zum Ausdruck gebracht. Auf der Gegenseite fällt natürlich die ungeheuere Ausgabe für den Druck der Mitteilungen auf, die jedoch neben den gestiegenen Kosten hauptsächlich auf das häufigere Erscheinen zurückzuführen ist.

Neuwahlen des Vorstandes.

Nach Prüfung und Genehmigung der Abrechnung und des Voranschlages wurde in der Hauptversammlung dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt und ihm der Dank aller Mitglieder zum Ausdruck gebracht. Die Neuwahl der Vorstandschaft für 1920 ergab die gleiche Zusammensetzung wie im vergangenen Jahre (siehe 9. Jahrg. 1919, Nummer 1/4, Seite 3).

Satzungsänderungen.

In’ der 16. Hauptversammlung vom 26. Januar 1920 stand ein Antrag der Vorstandschaft auf Verdopplung sämtlicher Mit- gliedbeiträge, d. h. der auswärtigen von 6 Mark auf 12 Mark und der Münchner von 10 Mark auf 20 Mark zur Debatte. Begründet wurde diese Erhöhung mit dem ständigen Anwachsen der Herstellungskosten unserer Zeitschrift, sowie damit, daß sich eine gesunde Finanzlage des Vereins auf die Dauer nur durch die Erhöhung der laufenden Beiträge und nicht durch freiwillige Stiftungen u. ä. erzielen läßt. Sollte nicht das all- seitig begrüßte regelmäßige Erscheinen der Mitteilungen und ihre Ausstattung durch Abbildungen usw. darunter leiden, so war diese Maßnahme gar nicht zu umgehen. In Erkenntnis der zwingenden Notwendigkeit wurde deshalb dem Antrag auch von sämtlichen anwesenden 29 Herren zugestimmt und die Er- wartung ausgesprochen, daß insbesondere auch die auswärtigen Mitglieder diese Belastung auf sich nehmen werden. em.

Einige Bemerkungen über die Seidenspinner

Antheraea pernyi Guer. und yamamai Guer, und

über die geographische Verbreitung beider Arten. Von Georg Warnecke, Altona (Elbe).

Während schon Swinhoe und Kirby in ihren Katalogen so- wohl pernyi wie yamamai als verschiedene Arten aufführen, wird im Staudinger - Rebel - Katalog 1901 yamamai als zweifelhafte Varietät von pernyi angegeben. Die Angaben in letzterem Ka- talog lauten:

Nr. 1025: Pernyi Guer... #1! 2. Amtr, Ussur, (Chma

*), var. Yamamai Guer. . . . = 22.5 Japan. (al. obtusioribus, post. ocello een ae tius nigrocincto; an species diversa?)

Der Stern vor dem Namen yamamai soll anzeigen, daß die Form in einem Gebiet vorkommt, das nicht zu dem paläarkti- schen Gebiet gehört, wie es der Staudingersche Katalog auffaßt.

Die Zweifel über die Artrechte sind indessen unbegründet. Jedem Züchter der beiden Formen ist bekannt, daß hier zwei verschiedene Arten vorliegen, deren Biologie ganz verschieden ist: Pernyi ist zweibrütig, während yamamai einbrütig ist; von pernyi überwintert normalerweise die Puppe, von yamamai das Ei. Der Kokon von pernyi ist braun, der von yamamai grün oder grünlichgelb gefärbt. Die Raupen sind miteinander nicht zu verwechseln. Ich erwähne hier nur das am stärksten in die Augen fallende Merkmal: der Kopf der erwachsenen yamamai- Raupe ist einfarbig grün ohne jede Zeichnung, der der pernyi- Raupe braun mit schwärzlichen Flecken.

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Figur I (vergrößert) yamamai. Figur 2 (vergrößert) pernyi.

Wie die Biologie der beiden Arten verschieden ist, so sind auch die fertigen Insekten deutlich voneinander unterschieden. Wegen der morphologischen Unterschiede (Flügelgeäder, Fühler! usw.) verweise ich auf unseren einzigartigen „Seitz“, wo im II. Band auf Seite 215—16 eine übersichtliche Darstellung ge- geben ist. Auf die Verschiedenheit der männlichen Fühler zwi-

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schen yamamai und pernyi hat übrigens schon Voelschow 1902 („Die Zucht der Seidenspinner“) hingewiesen.

Was die Zeichnungsanlage betrifft, so ist auf folgende Unter- schiede aufmerksam zu machen: Auf der Oberseite der Flügel ist es das Auge der Hinterflügel, das bei beiden Arten ganz verschieden ist. Während bei pernyi der schwarze Halbring, der das Auge umzieht, gleichmäßig schmal ist und sich nur manch- mal nach vorne ganz unbedeutend verbreitert, verdickt er sich bei yamamai ganz aulfallend, so daß ein breiter schwarzer Tropfen entsteht.

Ich habe bisher eine Ausnahme von dieser Regel noch nicht gefunden; es scheint mir hier eines der sichersten Merkmale für die Unterscheidung beider Falter vorzuliegen. Nur bei einem pernyi-Q meiner Sammlung findet sich eine tropfenartige Ver- breiterung eines Augenringes, aber dieser Tropfen ist braun, der schwarze Ring umzieht ihn ohne die geringste Verdickung. Auch Guerin weist in seiner Erstbeschreibung von yamamai in der Revue et Mag. de Zoologie 1861, die ich besitze, ausdrücklich auf den tropfenartigen schwarzen Ring bei yamamai hin und erwähnt, daß er einen analogen Fleck, aber von brauner Farbe, bei einem 59 von pernyi beobachtet habe.

Ganz unbeständig ist dagegen ein oft angeführtes Unter- scheidungsmerkmal, die Ausdehnung des Glasfeldes der Augen auf Vorder- und Hinterflügeln. Bei pernyi ist es stets sehr groß, bei yamamai soll es ganz verengt sein. Unter meinen yamamai- Exemplaren (domestizierten und Wildiingen) finde ich aber zwei Pärchen, deren Augenfenster nicht kleiner sind als bei pernyi.

Ein charakteristisches Unterscheidungsmerkmal bietet aber noch, worauf schon Voelschow (siehe oben) aufmerksam ge- macht hat, die Unterseite. Bei pernyi ist sie einfarbig, nur matter als die Oberseite, bei yamamai dagegen viel dunkler, besonders die Zeichnungen aber dunkler und schärfer. „Die bei pernyi vor dem Saum liegende Fleckenbinde ist bei yamamai zu vollständigen, meist zusammenhängenden Halbmonden aus- gebildet.“

Ein wesentlicher Unterschied besteht endlich zwischen beiden Arten darin, daß yamamai ganz außerordentlich variiert, wäh- rend pernyi wenig zu Farbenabänderungen neigt. Ich besitze von yamamai Stücke, die rein ockergelb sind, wie das 9, das Guerin als Type abbildet, andere, die rostrot angehaucht sind, auch ein ganz rostrotes 9, ferner veilgraue Stücke. Am präch-

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tigsten stellt sich ein von Wildlingen abstammendes © dar: es ist rein ockergelb gefärbt mit den üblichen Augenzeichnungen und Binden, aber das ganze Saumfeld der Vorderfilügel, in schwächerem Maße auch das der Hinterflügel, ist schön ziegel- rot. Irgendwelche Beständigkeit und Vererblichkeit der verschie- denen Farben ist nicht festzustellen, auch handelt es sich nicht um Lokalfiormen. Zwischen domestizierten Stücken und Wild- lingen besteht in dem Maße und der Art der Variabilität nicht der geringste Unterschied. Meine Wildlingsstücke weisen die- ‚selben Farbenunterschiede auf wie die domestizierten Falter, auch die Falter europäischer Inzuchten.

Unklar ist aber bis heute eins geblieben, das ist die geo- graphische Verbreitung der beiden Arten! Dieser sollen in der Hauptsache meine Ausführungen gelten.

Nehmen wir das neueste Werk; Dr. Jordan im Seitz II Seite 216 schreibt: „Yamamai ist auf Japan beschränkt, in den letzten 40 Jahren sind aber in verschiedenen Ländern Versuche gemacht, denFalter zu akklimatisieren, so daß man in den Samm- lungen Exemplare mit den Fundorten China, Ceylon, Nord- Indien, Spanien usw. trifit.“ Von pernyi schreibt er: „Die Art findet sich vom Amur bis Süd-China und ist in Indien durch roylei Moore ersetzt. Die aus China ausgeführte Seide (chine- sische Tusser) stammt größtenteils von dieser Art. Der Falter wird an verschiedenen Plätzen in Spanien, Frankreich, auf den Balearen usw. gezüchtet.“

Dazu ist zunächst zu bemerken, daß über die Nomenklatur der in Betracht kommenden Arten selbst keine Zweifel obwalten können. Der chinesische Seidenspinner ist pernyi Guerin, den die Franzosen damals von „7se-Chuen“ erhielten. Der japa- nische Seidenspinner ist yamamai Guerin,; Guerins Überschrift der Erstbeschreibung lautet: „Description d’un nouveau ver ä soie du chene (Bombyx yamamai) provenant du Japon.“

Die dritte verwandte Art, die hier aber nicht in Frage kommt, st mylitta F. aus Indien; auch die nach der mir zugänglichen Literatur ganz unvollkommen bekannte harti Moore aus der Mandschurei bleibt hier außer Betracht. Auch bezüglich der beiden hier zu besprechenden Arten sollen die Gegenden fort- bleiben, in denen lediglich die domestizierten Falter eingeführt sind.

Wie Jordan, so führt auch der Katalog von Staudinger- Rebel yamamai nur von Japan, pernyi vom Amur, Ussuri und

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China an. Aber diese Angaben stimmen nicht. Vielmehr fehlt pernyi am Amur und Ussuri, statt ihrer kommt dort yamamai vor.

Mir stiegen seinerzeit die ersten Zweifel beim Lesen von Staudingers Bemerkungen in seinen Makrolepidopteren des Amurgebietes (Mem. Roman. V/), Sonderdruck S. 246 ff. auf; Staudinger führt dort vom Amur und Ussuri pernyi Guer. auf, bemerkt aber dazu, daß er Gu£erins Beschreibung nicht habe nachlesen können; seine Amurstücke habe er bisher als yamamai stecken gehabt, aber er wisse garnicht, ob dieser letztere Name jemals beschrieben sei. Er bespricht sodann das Vorkommen seiner vermeintlichen perzyi im Amurgebiet, die Christoph Ende Juli bei Raddeika gefangen habe, Jankowsky bei Sidemi, Rück- beil bei Blagowestschensk in Menge. Aber seine Angabe, daß die Stücke in der Färbung stark abänderten, violettgrau, hell- gelb, rötlichbraun vorkämen, beweisen, daß er yamamai vor sich hatte, zumal er noch hinzufügt, daß er aus Japan direkt Stücke erzogen habe, die denen vom Amur teilweise ganz gleich kämen, teilweise noch stärkere Abweichungen zeigten.

Aus der Sammlung Dörries aus Hamburg, die sich zum großen Teil jetzt in meinem Besitz befindet, habe ich eine Reihe Antheraea-Falter vom Ussuri: es sind zweifellose yamamai. Um indessen ganz sicher zu gehen, bat ich die beiden hervor- ragendsten noch lebenden Kenner der Amurfauna selbst um Auskunit, die mir bereitwilligst erteilt wurde und für die ich auch an dieser Stelle noch einmal verbindlichst danke. Herr Korb schrieb mir: „Bezüglich pernyi und yamamai kann ich Ihnen bestimmt mitteilen, daß ich am Amur und Ussuri nur yamamai ölters nachts an der Lampe fing, auch im Walde einigemal von Eichen klopite“.

Herr Fritz Dörries, jetzt der Leiter des schönen Insekten- hauses im Tierpark Hagenbeck in Hamburg - Stellingen, machte mir die folgenden Mitteilungen, die ich wegen der darin ent- haltenen verschiedenen Beobachtungen ebenfalls wörtlich mit- teilen möchte; er schreibt: „Bei meiner ganzen 22 jährigen Tätigkeit des Sammelns im Amur- und Ussurigebiet, auch in der Küstengegend am Flusse Sutschan bis fast zur Grenze Koreas sind uns Falter von pernyi, die wir sicher bei unseren Nacht- fängen gefangen hätten, nicht vorgekommen.

Yamamai, die ich sicher für gute Art halte, fanden wir nur am Bikienfluß und dessen Umgebung. Nirgendwo sonst kamen uns yamamai zu Gesicht. Ich will nicht unerwähnt lassen, daß

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wir im Winter beim Jagen an kahlen Zweigen hier und dort durch die Witterung vergilbte, geschlüpite Kokons von yamamai gesehen haben; doch bezieht sich auch dies nur auf die nähere Umgebung des Bikien.

In Kassakewitsch, 40 Werst von der Mündung des Ussuri in den Amur, kamen uns yamamai, trotzdem Eichenwald vor- handen, nicht zu Gesicht. Ich nehme an, daß yamamai eine geringe Verbreitung hat, sonst hätte auch Gräser diesen Falter am Amur oder bei Wladiwostok gefunden.

Die Raupen von yamamai klopiten wir ganz klein Ende Mai von kaum sich entwickelnden Eichenknospen. Wenn die Blätter der Eichen ausgewachsen sind, ist auch die Raupe spinnreif. Der Falter fliegt am Bikien Mitte Juni bis Juli. Die Eier werden einzeln oder zu zweien abgelegt; so fanden wir sie geschlüpit in den Astwinkeln der Eichen.

Da pernyi zwei Generationen hat, wie wir ja alle wissen, kann sie meiner Meinung nach auch nicht in kalten Gegenden vorkommen; am Amur und Ussuri, wo 40° Kälte herrscht, wür- den die an den kahlen Zweigen hängenden, überwinternden Puppen von pernyi sicher erfrieren.“

Soweit die Ausführungen des Herrn Dörries; Herr Dörries teilte mir weiter noch mit, daß yamamai-Kokons, die er im Jahre 1919 von auswärts erhielt, aus Korea stammen sollten.

Ich will nur ganz kurz noch bemerken, daß das Vorkommen einer japanischen Art auf dem Festlande keineswegs merkwürdig ist. Vielmehr wissen wir, daß eine ganze Reihe japanischer Arten auch im Amurgebiet vorkommen und starke Beziehungen dieser Festlandfauna zu den japanischen Inseln bestehen. Am überraschendsten in dieser Hinsicht, das sei flüchtig gestreift, ist das erst neuerdings festgestellte Vorkommen einer Rasse von Luehdorfia puziloi Ersch. in Japan, der inerpecta Shelj.

Als Ergebnis der vorstehenden Ausführungen haben wir demnach hinsichtlich der beiden Antheraea-Arten pernyi und yamamai (abgesehen vom Vorkommen im domestizierten Zu- stand) folgendes festzustellen:

a) pernyi: China,

b) yamamai: Japan, Ussuri, Amur, ?Corea.

Henarrhenodes Roseni,

eine neue Brenthide (Col.) aus der Zool. Staatssammlung zu München.

R. Kleine, Stettin.

Die Gattung ist vor allen Dingen durch die eigenartige, an Arrhenodes erinnernde Kopfiform ausgezeichnet. Es gibt unter den Belopherini keine Gattung mit ohrenartiger Erweiterung der Kopiseiten. Die einzige bisher bekannte Art, Macgregori, stammt von den Philippinen. Im Münchner Material fand ich eine weitere Art auf, die ich nur zu /lenarrhenodes bringen kann; sie stimmt mit allen wichtigen Merkmalen der Gattung überein.

Henarrhenodes Roseni n. sp.

co. Einfarbig violettbraun, auf dem Prothorax stellenweise etwas hellere Schattierung, auch Fühler und Beine heller, Schmuck- lecken chromgelb, mittelstark glänzend.

Kopf ohrenartig erweitert, oberseits lang-dreieckig aufgewölbt, daneben je eine bis zur Hinterkante reichende schmälere, platte Partie, dann nach den Augen schräg abfallend, Skulptur aus einzelnen nadelstichigen Punkten bestehend, Kopiseite und Unter- seite ohne nennenswerte Skulptur, Gulareindruck lang-dreieckig.

Metarostrum breit gefurcht. Die Furche beginnt am Kopf flach und länglichrund, Kanten schmal und flach, vertieft und verschmälert sich dann gegen das Mesorostrum, Kanten also breiter und höher; nur auf den Kanten einige zerstreute Punkte. An den Augen deutliche, aber nicht getrennte Apophysen (die auch bei Macgregori, wenn auch in geringem Umfang vor- handen sind). In Seitenaufsicht heben sich dieselben vom glatten Rüssel knötchenförmig, abgeplattet ab. Unterseite glatt, nach dem Mesorostrum zu schwach gekielt. Mesorostrum flügelartig erweitert, die vom Metarostrum kommenden Seitenkanten gehen über das Mesorostrum hinweg und auf das Prorostrum hinüber, die Mittelfurche verflacht sich kurz vor der Mesorostrummitte, um sich sofort wieder zu erweitern, die flügelartigen Seiten sind also ganz getrennt. Prorostrum keilförmig erweitert, an der Basis noch gefurcht und scharfkantig, dann verbreitert und ver- flacht und einzeln schwach warzig skulptiert. Nach der Unter-

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seite schräg erweitert; Vorderrand eingebogen;; Unterseite mit zartem aber spitzem Mittelkiel. Mandibeln einen freien Raum zwischen sich lassend, zweispitzig.

Fühler im wesentlichen gleich der Gattungsdiagnose, das dritte Glied aber etwas kürzer als das zweite und das zehnte mindestens so lang wie das vierte.

Prothorax fast ohne Skulptur, die einzelnen, nadelstichigen Punkte sind nur bei sehr starker Vergrößerung sichtbar.

Elytren gleich Macgregori, die Rippen und Furchen, nament- lich aber die Gitterung ganz allgemein schärfer und allgemeiner. Lage der Schmuckflecken siehe Abb. Fig. I: 3. Rippe langer Basalstreifen, kurzer vor und hinter der Mitte, langer auf dem Absturz, 4. postbasal und ein kräftiger antemedian neben 3, und ein sehr kleiner postmedian neben 3., 6. antemedian kleiner Fleck, vor dem auf 4 gelegenen, 7. postmedian, 8. und 9. je ein posthumeraler Streifen.

Beine gleich Macgregori. Mittel- und Hinterhüften behaart.

Metasternum vor den Hinterhüften lang-dreieckig gefurcht, neben der Furche im basalen Teil behaart. Erstes und zweites Abdominalsegment schwach gefurcht, Quernaht zwischen den Segmenten nur an den Seiten erkennbar, Skulptur äußerst gering, auf dem ersten Segment einige Härchen, drittes länger als das vierte, letzteres am Hinterrande etwas konkav, drittes bis fünites sehr dicht, seidig, filzig behaart.

Parameren messerartig, Lamellen tief gespalten, parallel, an der Spitze und vereinzelt auch innenseits einzeln behaart, Taille wenig geschwungen. Penis vorn stumpf, breit, dann etwas nach innen verengt. Alles Nähere siehe Abb. Fig. 2—3.

Länge (total): 13 mm. Breite (Thorax): 2 mm.

Heimat: Teping Tingi, Sumatra, Coll. Dr. Paster.

Typus in der Zoologischen Staatssammlung zu München. Ich widme diese schöne Art Herrn Dr. von Rosen zu München, dem ich soviel Unterstützung meiner Studien verdanke.

Die neue Art ist dadurch wichtig, als sie beweist, daß Henarrhenodes nicht allein auf den Philippinnen vorkommt, sondern viel weiter verbreitet ist. Daß es sich um einen echten Henarrhenodes handelt, ist ganz ohne Frage, denn alle grund- legenden diagnostischen Momente sind auch bei Roseni zu finden, so z. B. auch die eigentümliche Behaarung am Grunde des Metasternums. Die Abweichungen von der Gattungsdiagnose sind

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ganz unbedeutend und es kann nicht ausbleiben, daß bei Ver- mehrung der Arten die Gattungsdiagnose gewissen Modifikationen unterworfen werden muß. Hauptsache ist, daß der Grund- charakter streng gewahrt bleibt. Das ist aber hier der Fall.

Fig. 2.

Fig. 1. N Fig. 3. [64 Il. ul, || j m. tl ib

Über einige bemerkenswerte Schmetterlinge in den südbayerischen Torfimooren. Von Ludwig Osthelder, Kelheim. Die südbayerischen Torfmoore sind für den Naturireund überhaupt wie für den Schmetterlingssammler eine Quelle reich- sten Genusses. Mit diesen Zeilen will ich einige Arten be-

sprechen, die wegen ihres Vorkommens in diesen Mooren ganz besonders bemerkenswert sind.

l. Agrotis cuprea Hb.

Diese Eule galt bisher wenigstens für Mitteleuropa als echtes Gebirgstier, in seinem Vorkommen beschränkt auf die Alpen und einige Mittelgebirge. Nach Speyer, „Geographische Verbreitung der Schmetterlinge“ (1858), ist sie über die ganze Alpenkette verbreitet, außerdem, aber selten, am Jura, im Schwarz- wald, in Schwaben (Stuttgart und Reutlingen) und der Ober- lausitz, ferner in Skandinavien, Rußland (St. Petersburg, Nord- und Mittelrußland, Provinzen an der Wolga, Orenburg und süd- licher Ural) und Siebenbürgen. Staudinger-Rebel (1901) fügen noch Armenien und Kamtschatka bei, erwähnen aber die südwestdeutschen Fundorte nicht. Dagegen führt Rebel in der

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neuesten Auflage von Berges Schmetterlingsbuch (1910) wieder die südwestdeutschen Gebirge als Fundort an. Für das Vor- kommen in Schlesien verweise ich auch auf die Ausführungen von Warnecke in der Internationalen Entomologischen Zeit- schrift, Jahrg. 13 Nr. 24 S. 189. Nach dem Il. Teil von Rebels Studien über die Lepidopterenfauna der Balkanländer (Annalen Naturhist. Hofmuseum Wien Bd. 19, 1904, S. 97) wurde Agrotis cuprea auch in Bosnien aufgefunden, wo sie die Südgrenze ihres Verbreitungsgebietes erreichen dürfte.

Außerhalb der Mittel- und Hochgebirge wurde sie in Mittel- europa bisher nur in einem abgeflogenen 9 in den Leiser Bergen in Niederösterreich aufgefunden (Zool.-Bot. Verh. Wien 1914 S. 52). Der Sammler Fritz Preißecker bemerkt hiezu folgen- des: „Das auifallende Auftreten dieser nur in höheren Gebirgs- zügen heimischen Art in den nicht einmal 500 m erreichenden, allerdings die höchste Erhebung im Viertel unter dem Manharts- berge darstellenden Leiser Bergen dürfte wohl nur ein zufäl- liges und vielleicht so zu erklären sein, daß das Tier auf der Wanderschaft begriffen war und hier einen Ruhepunkt suchte.“

Eine sichere Heimstätte besitzt Agrotis cuprea mitten in der bayerischen Hochebene im Dachauer Moos nördlich München in der Nähe von Schleißheim, gut 60 km von den nächsten Flugplätzen in den bayerischen Alpen entiernt. Sowohl ich als verschiedene meiner Sammelfreunde fanden die Art hier eine Reihe von Jahren hindurch alljährlich, wenn auch nicht häufig, so doch immer in mehreren Stücken, von denen die meisten tadellos rein waren. Ich selbst traf sie stets nur beim Leuchten auf Blüten, vorzugsweise auf Sonchus oleracea, seltener auf Eupatorium cannabinum. M. Best (vgl. diese Mitteilungen Bd.4, 1913, S. 20) erwähnt auch, daß er sie am Köder gefangen habe. Die Art kommt übrigens auch in dem dem Dachauer Moos be- nachbarten Erdinger Moose vor, wo Hans Huber unweit Is- maning eine Raupe fand und daraus den Falter erzog.

Die Stücke aus dem Schleißheimer Moor sind durchschnitt- lich etwas größer und dunkler als alpine Stücke, namentlich im Wurzel- und Saumfeld gegenüber dem Mittelfeld nicht so auf- gehellt wie diese. Auch die Hinterflügel sind dunkler. Die Art scheint im Moor um einige Wochen später zu erscheinen als in den Alpen; als frühestes Fangdatum im Schleißheimer Moor habe ich den 10. August aufgezeichnet, während die Art in den bayerischen Alpen schon etwa von Mitte Juli ab zu fliegen beginnt.

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2. Agrotis recussa Hb.

Diese Eule stimmt in der Verbreitung mit Agrotis cuprea ziemlich überein, auch sie galt bisher für Mitteleuropa als aus- schließliches Gebirgstier.

Speyer führt als Verbreitungsgebiet an die südliche Region der Alpen Südtirols und der Schweiz, in Skandinavien Lapp- land vom 64. Grad bis zum 67. Grad; er erwähnt ferner die von den späteren Autoren zu recussa gezogene florigera Ev., die Evers- mann als sicher von recussa verschiedene Art erkläre, von den Uralvorbergen der Provinz Orenburg und von Menselinsk.

Staudinger-Rebel fügen zu diesen Fundorten noch die schlesischen und mit einem Fragezeichen die ungarischen Ge- birge (Form franssylvanica F.S.), Nordrußland und verschiedene Gebiete Nordasiens.

Rebel in der neuesten Auflage von Berges Schmetter- lingsbuch führt als ihre Heimat in Mitteleuropa die Alpen und die schlesischen Gebirge auf; für die kurzflügeligere ver. frans- sylvanica H.S. Siebenbürgen und Rumänien.

Von den neueren Lokalfaunen erwähnt Vorbrodt („Die Schmetterlinge der Schweiz“, 1911) die Art in weiter Verbrei- tung aus den Schweizer Alpen und einmal aus dem Jura. Für Tirol führt Hellweger („Die Großschmetterlinge Nordtirols“, 1914) sie von Oberleutasch, Innsbruck, dem Brenner und dem Ahrntal an. Aus den bayerischen Alpen erwähnt sie Kolb („Die Großschmetterlinge der Umgebung Kemptens und des Allgäus“, 1890) als bei Oberstdorf geködert.

Auch Agrotis recussa hat im Schleißheimer Moor in der- selben Gegend wie Agrotis cuprea eine sichere Heimat. Wir fanden sie dort wie diese alljährlich regelmäßig, doch seltener als cuprea, beim Leuchten auf den gleichen Blüten vom letzten Julidrittel ab den ganzen August hindurch. M. Best (s. diese Mitteilungen Bd. 6, 1915, S. 42) erwähnt, daß er auch diese Art hier am Köder gefangen habe.

Zum Vergleich liegen mir von anderen Fundorten lediglich einige Stücke aus dem Wallis und ein aus der Sammlung Bo- hatsch stammender 5' der var. transsylvanica H.S. mit dem Fundzettel „Ofen“ vor. Erstere unterscheiden sich von den Schleißheimer Stücken durch etwas buntere Zeichnung, sie sind mehr rötlich und die hellen Zeichnungen sind lichter und schärfer. Im Flügelschnitt stimmen beide überein und unterscheiden sich dadurch von der wesentlich kurzflügeligeren var. franssylvanica.

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Dagegen haben die Schleißheimer Stücke zum Teil licht aus- gefüllte Zapfenmakel, was Rebel in Berges Schmetterlingsbuch als Merkmal der var. Zranssylvanica anführt und sich auch bei meinem Stück findet.

3. Larentia alaudaria Fır.

Von dieser Art, als deren Verbreitungsgebiet bisher die Ost- alpen, die Karpathen und Südwestrußland bekannt sind, fing Kunstmaler Hans Huber im Juni 1910 ein tadelloses Stück bei Schleißheim in der Nähe des Bahndammes. Das Tier lag mir zur Bestimmung vor.

4. Crambus alienellus Zk.

Diese Art war bisher aus Süddeutschland nicht bekannt. Sie findet sich nach Staudinger-Rebel in der Schweiz, dem Harz, Norddeutschland, dem nördlichen Europa und Östsibirien, nach Millieres als fraglich bezeichneter Angabe auch in Südost- frankreich. Für die Schweiz insbesondere führt sie Müller- Rutz in der erwähnten Lokalfauna als selten von drei Flug- plätzen auf.

In Südbayern fand ich die Art nicht selten Ende Mai und in der ersten Hälfte Juni im Rohrseemoos bei Kochel und im Bernauer Moor am Chiemsee.

Was die Herkunit der vier vorerwähnten Arten anlangt, so sind Agrotis cuprea, recussa und Crambus alienellus zweilellos Reliktiormen aus der Eiszeit, wofür ihr Vorkommen in den süd- bayerischen Torfmooren eine interessante Bestätigung bildet. Larentia alaudaria stellt vielleicht einen noch älteren prä- glazialen Bestandteil unserer Fauna dar, der zur Eiszeit in ge- schützte Täler der Ostalpen zurückgedrängt wurde und sich dort sowie an seinen anderen beschränkten Flugplätzen erhalten hat. In den bayerischen Alpen, wo Larentia alaudaria in weiter Ver- breitung vorkommt, ist sie wenigstens eine ausgesprochene Bewohnerin der Talsohlen und der unteren Bergwälder an den 'Talilanken, wo man das hübsche Tierchen auf Waldwegen und in Straßengräben in der Abenddämmerung fliegend antrifit. Der Fund im Schleißheimer Moor ist trotz der eifrigen Sammel- tätigkeit, die dort geübt wird, ein Unikum geblieben. Ich möchte daher die Frage offen lassen, ob es sich nicht nur um ein zufällig eingeschlepptes Tier handelt, wofür mir allerdings die Wahrscheinlichkeit nicht groß erscheint.

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Aberrative Stücke aus Münchner Sammlungen. Melanotische Formen von Argynnis selene, lathonia und amathusia.

Beschrieben von Eugen Arnold.

Die Neigung zum Melanismus ist wohl in der großen Fa- milie der Perlmutterfalter am ausgeprägtesten. Am häufigsten scheint eine mehr oder minder verbreiterte Verdunkelung des Mittelfeldes der Vorderilügel aufzutreten.

l. und 2. selene 92.

Von den vorliegenden zwei se/ene Q2 stammt das erste aus Tittmoning (5. Juli 1917), das zweite aus Beuerberg (24. Mai 1917). Bei beiden Stücken ist die Verdunkelung rechtsseitig etwas umfas- sender als linksseitig. Bei ersterem Exemplar tritt das gelbe Band hinter der Fleckenreihe noch deutlich abgegrenzt hervor, während es bei dem Stück aus Beuerberg bereits stark reduziert erscheint.

Stellenweise ist die Randfleckenreihe besonders rechtsseitig verwischt oder zusammengeflossen. Die Flügelunterseite beider Falter zeigt die Schwarzfleckung normaler Stücke in kräftiger Verbreiterung. Die beiden Hinterrandsilecke sind bei Exemplar 2 zusammengeflossen. Das bei gewöhnlichen se/ene-Stücken mit Ausnahme des silbernen Mittelflecks grünlichgelbe Mittelband der Hinterflügelrückseite ist hier seiner ganzen Ausdehnung nach von silberweißer Farbe; ebenso zeigen die starkverbreiterten Randbögen lebhaften Silberschein. Zwischen den Randbögen und der Mittelbinde zeigt der Raum zwischen Rippe 3 und 4, 6b und 8 prächtig violettbraune Retusche. Auch die silberne Mittelbinde ist innen und außen kräftig violettbraun gesäumt.

Oben: Argynnis selene O9 Vorderseite

Unten: : Rückseite

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3. lJathonia 9.

Das gleichfalls aus Tittmoning stammende /athonia 5 zeigt Koniluenz der Kostalflecke, sowie der 5 Innenflecke der Vorder- flügel. Der Zusammenfluß der letzteren ist auch auf der Vorder- flügelrückseite noch deutlich erkennbar. Die drei Formen befin- den sich in der Kollektion Max Korb.

Argynnis lathonia 5%',-links Vorderseite, rechts Rückseite

4. amathusia 9'.

Beinahe einer großen Zhore ähnelt auf den ersten Blick das von Frau Korb im Juni 1917 in der Spielmannsau erbeutete amathusia 9. Es zeigt eine prachtvolle braunsamtene Verdun- kelung des ganzen Flügeluntergrundes. Nur noch schmale, an die Fleckenreihe der Vorder- und Hinterflügel anschließende Bögen und die Partien zwischen den Kostalflecken leuchten in hellem Braun aus dem dunklen Grunde hervor. Der helle Flügel- saum tritt bei dem melanotischen Stück besonders wirksam in Erscheinung. Auf der Vorderilügelrückseite zeigt sich starke Ver- breiterung der Schwarzilecken und ein Zusammenfluß der beiden gegeneinander gekehrten Pieilfllecken des Flügelhinterrandes.

Die Rückseite der Hinterflügel läßt die Zeichenelemente normaler Stücke eben noch deutlich erkennen. Ein wunder- voller, tiefdunkel purpurvioletter Farbenton, nur an der Vorder- randszelle und in der Mitte merklich aufgehellt, gereicht dem aparten Falter zur besonderen Zierde. (Schluß folgt.)

Argynnis amathusia 5’, links Vorderseite, rechts Rückseite

Schriftleitung: Max Korb, München, Akademiestraße 23, Druck der G. Franz’schen Buchdruckerei (G. Emil Mayer), München.

BrTzT ana an ea ae ee

Ir 7 r MITTEILUNGEN + + Fl (der Münchner Entomologischen Gesalischaft, e.V.

(J1.ahrgang1s20 München, 31. August 1920. Nummer 5-4.) SE: >>] ee ee

Ausgegeben August 1920.

Anregungen zu weiteren Feststellungen der Lokalfauna in allen Bezirken.

Die Werke über die Lepidopteren sind durch Seitz, Palae- arkten, zu einem gewissen vorläufigen Abschluß gebracht. Ist Seitz doch durch den Reichtum seiner Diagnosen wohl für alle Lepidopterensammler tionangebend geworden.

Wir wünschen indes ein bislang fehlendes Werk über spe- ziiisch deutsche Lepidopteren, welches alle in Deutschland beobachteten Typen, Rassen und Aberrationen möglichst lücken- los behandeln soll.

Der fortgeschrittene deutsche Sammler wird eben auch durch Berge-Rebel oder Spuler trotz der Vorzüglichkeit dieser Arbeiten nicht auf seine Rechnung kommen können.

Wir sind uns der Schwierigkeit einer derartigen Zusammen- stellung wohl bewußt. Der Weg zur Erreichung des angeregten Zieles kann aber nur durch eine unermüdliche, gewissenhaite Durchforschung der Lokalfaunen auf dem Wege der Arbeits- teilung erfolgen.

Viele Sammler glauben, wenn sie in einem Bezirk schon lange gesammelt haben, dann gäbe es fast nichts mehr darin zu tun. Wir sind der gegenteiligen Ansicht; nicht aufhören und immer wieder die Gegend absuchen! Ändert sich doch in jedem Jahr die Flugzeit, hervorgerufen durch die Witterungsverhält- nisse usw., und erscheinen doch dann die Falter häufig in einem veränderten Kleide. In einem Jahr ist die Individuenzahl der

EI

gleichen Spezies verschwindend gering; oder gewisse Arten, welche man früher nicht gefunden hat, treten plötzlich auf und manches Wertvolle, was man sich nie erhofft hätte, kann noch erbeutet werden. Besonders in der Zusammenstellung von Über- gangsformen von einer Aberration zur anderen ist noch vieles nachzuholen; denn wenn man einmal ein ganz abnormes Stück erbeutet hat, so müssen, wenn auch nach jahrelangem Suchen, die Zwischenformen zu finden sein. Nur auf einige ganz ein- fache Fälle möge hingewiesen werden.

Nehmen wir z.B. Erebia medusa F., eine wohl allgemein verbreitete Form. Welche Fülle von Zwischenformen, angefangen bei den Stücken, bei welchen sämtliche Zellen mit Augen aus- gefüllt sind (ad. psodea Hbn.) bis zu solchen Tieren, bei denen die Augen auf allen Flügeln nach und nach verschwinden (ab. astigmatica Schultz).

Auch bei allen Argynnis- und Melitaeen-Arten sind schon ganz verdunkelte Stücke gefunden worden; das weist ebenfalls auf entsprechende Zwischenformen hin.

Ähnlich liegt der Fall bei Noctuen, z. B. bei P. rucea F. oder P. monoglyha Hingl. oder zahlreichen anderen Arten; hier kann der Wissenschaft durch systematische Zusammenstellung vieles vorgearbeitet werden, wenn man Serien von den hellsten bis zu ganz verdunkelten Tieren mit allen Zwischenformen zu- sammenstellt. Genau dasselbe gilt für Geometriden und alle anderen Gattungen.

Gemeint sind hier natürlich nur solche Tiere, welche die Natur selbst hervorgebracht hat und keine Kunstprodukte. Vieles, was durch Experimente schon erzielt wurde, wird wohl auch stetig von der Natur selbst erzeugt. Zusammenstellungen im oben erwähnten Sinne, welche allerdings jahrelange unermüd- liche Arbeit eriordern, werden deshalb zweifellos von unschätz- barem Werte sein.

Schon aus diesen kurzen Andeutungen ist zu ersehen, daß diejenigen Sammler, welche nicht in der Lage sind, durch Aus- landsreisen ihre Sammlung zu bereichern, in ihrem eigenen Bezirk noch genug Arbeit finden, welche genau so anregend wirkt, als etwaige Sammelreisen in entiernte Länder, und die für uns besonders wertvoll ist, wenn es sich darum handelt, am Ausbau der typisch deutschen Fauna mitzuwirken.

Das erstrebte Ideal würde sein, eine möglichst lückenlose Reihe von Speziesserien mit ihren Zwischenformen bildlich mit

N

begleitendem Texte niederzulegen. Das kann nur erreicht wer- den, wenn Lust und Liebe gerade an der Weiterbearbeitung der deutschen Fauna nicht erlöschen. Es möge das die zielbewußte Aufgabe werden nicht nur einzelner Sammler, sondern aller deutscher Sammlervereinigungen.

Eine solche peinlichst ausgearbeitete, zu einem großen Werke vereinigte Zusammenstellung würde nicht nur späteren Samm- lern ein Dokument des Forscherfleißes ihrer Vorgänger sein, sie würde auch aufs neue beweisen, daß deutscher Fleiß und deutsche Gründlichkeit nimmer aufhören werden zu bestehen.

Das Zustandekommen eines derartigen Werkes bleibt viel- leicht einer späteren Zeit vorbehalten; aber an uns ist es, durch grundlegende Vorarbeiten die Herausgabe des genannten Sammel- werkes fördern und beschleunigen zu helien.

Zu den vorgebrachten Anregungen möchte ich als Schreiber dieser Zeilen bemerken, daß ich z.B. bereits zwölf Jahre auf einem Arbeitsfeld von ca. 40 qkm tätig bin. Schon manchesmal war ich daran, dieses Feld aufzugeben; aber immer wieder zieht es mich hinaus und wie freue ich mich, wenn ich am Ende jedes Sammeljahres sagen kann, ich habe aus dem alten Be- zirke wieder einige für unsere Fauna neue Arten beigebracht. Und ich bin fest davon überzeugt, daß noch vieles bislang nicht Bekanntes in dieser Gegend auffindbar sein wird.

Mein Arbeitsgebiet ist eine Moorlandschaft und als solche einem starken Temperaturwechsel unterworfen. Selbst im Sommer (Juni) wechselt große Hitze bisweilen mit starken Nachtfrösten; ein günstiges Feld also für Aberrationserscheinungen.

Zieht man die Tatsache einer fortschreitenden Kultivierung des Moores in Betracht, so ergibt sich, daß Falter von ihren Futterplätzen vertrieben werden und genötigt sind, neue Siedel- plätze zu suchen, daß also ein Zusammendrängen der faunisti- schen Verhältnisse stattfindet. Wir Sammler sehen freilich nicht ohne lebhafte Besorgnis hier und dort Teile des Moores mit all ihren floristischen und faunistischen Reizen verschwinden.

Jedes Gebiet hat zweiiellos seine charakteristischen Be- sonderheiten, wenn man sich auch im allgemeinen im Moore günstigere Ausbeuten versprechen dari. Überall werden indes auch die Jahrestemperaturen beobachtet und ihr Zusammenhang mit dem Phänomen der Neigung der Tiere zum Albinismus oder Melanismus innerhalb gewisser Zeiträume studiert werden müssen. Wird dazu noch den Gründen von Lokalitätsveränderungen for-

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schend nachgegangen und zur vergleichenden Abwägung dieser und vieler anderer in Betracht kommenden Faktoren geschritten, dann sehen wir uns vor Aufgaben gestellt, welche zur Klärung der Frage der Entstehung der Rassen und der Aberrationen wesentlich beitragen können.

Martin Best.

Eine neue Form von Cymatophora octogesima Hb. Von Franz Boegl, München.

Am 14. Juli 1916 erbeutete bei Valenciennes (Nordirankreich) unser Mitglied Herr W. Frank eine interessante Aberration von Cymatophora octogesima Hb., die meines Wissens bis jetzt noch nicht bekannt war; wenigstens konnte ich in der mir zu Gebote stehenden Literatur nichts darüber finden. Das Tier bildet das ausgesprochene Gegenstück zur or-Form albingensis Warn.; es ist genau in derselben Weise verdunkelt, nur sind die beiden Querlinien auf den Vorderflügeln noch erhalten. Aber gerade das Vorhandensein dieser Querlinien läßt nach Anlage und Ver- lauf der letzteren das Tier unzweifelhaft als zu oc/ogesima ge- hörig erkennen. Außerdem spricht, abgesehen von der bedeu- tenderen Größe, auch noch der Umstand dafür, daß die das Saumfeld der Hinterilügel von innen her begrenzende helle Binde, welche bei oc/ogesima stets, bei or aber niemals vor- handen ist, sich noch sehr gut erkennen läßt, wenn sie auch naturgemäß nicht so scharf und deutlich hervortritt wie bei normalen Stücken. Die für ocfogesima sonst noch charakte- ristische Aufhellung des Basalieldes tritt allerdings nicht mehr in die Erscheinung, dasselbe ist vielmehr, wie das Saumield, schwärzlich verdunkelt. (Auf der untenstehenden Abbildung erscheinen die Hinterflügel allerdings viel zu hell.) Zu bemerken wäre noch, daß die grünlichweißen, schwarzbraun ausgefüllten Makeln keine gleichartige Ausbildung zeigen. Während sie näm- lich auf dem rechten Vorderilügel voneinander getrennt'erscheinen, sind sie auf dem linken Vorderfilügel zusammengeflossen. Wie mir Herr Frank mitteilte, beobachtete er noch drei solche Stücke, konnte ihrer aber leider nicht habhait werden. Es handelt sich also offenbar

Be

nicht um ein einzelnes monströses Tier, sondern um eine Aberration, die ähnlich wie aldingensis an bestimmten Lokali- täten in beschränkter Anzahl unter der Stammform auizu- treten scheint.

Ich benenne diese neue Form nach ihrem Entdecker Cyma- tophora octogesima ab. Frankii. (1 % Kollektion Frank.)

Cymatophora octogesima «ab. Frankiü \%.

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Aberrative Stücke aus Münchner Sammlungen,

Beschrieben von Eugen Arnold.

5. Melitaea aetherie 5. (Schluß.)

Ein sehr stark aufgehelltes und in der Zeichnung redu- ziertes Stück von aetherie fing Herr Max Korb in Chiclana (Andalusien). Die bei normalen Stücken deutlich ausgeprägten zwei Submarginalbinden fehlen vollständig. Mit Ausnahme ganz schwach angedeuteter Spuren ist auch die Fleckenbinde der Flügelmitte verschwunden. Die Rückseite der Vorderilügel er- scheint mit ihrem helleren Kolorit noch zeichnungsloser. Nur die Kostalfleckenzeichnung und eine ganz dünne, kaum gebuch- tete schwarze Saumlinie sind geblieben. Die Unterflügelrück- seite zeigt die Zeichnung normaler Stücke in starker Aufhellung mit einer kräftig schwarz umsäumten Zelle in der Mitte des Analrandes.

Melitaea aetherie &', links Vorderseite, rechts Rückseite.

le Set 6. Erebia stygne 9.

Untenstehend abgebildetes © von siygne fing Herr Max Korb im Juni 1916 in Bad Oberdorf im Allgäu. Aus der be- sonders schön entwickelten Reihe der Augenflecke der Vorder- flügel tritt Ocelle 2 und 3 durch elliptische Form des Schwarz- ringes markant hervor. Die Weißkernung ist tropfenförmig in die Ringe eingefügt.

Erebia siygne ”, links Vorderseite, rechts Rückseite.

7. Chrysophanus virgaureae v. sermattensis.

Der in Kollektion Max Korb steckende Falter stammt aus dem Wallis. Er zeichnet sich durch strahlige Erweiterung der Fleckenbinde der Vorderfilügel aus. Auf der Rückseite entspricht der strichförmig ausgezogene Fleck 5 und 6 den Zeichen- elementen der Vorderseite. |

Chrysophanus virgaureaev.zermattensis, links Vorderseite, rechts Rückseite.

8. Melitaea athalia 9.

Auf den Vorder- und Hinterflügeln des untenstehend ab- gebildeten Stückes von athalia ist auf geschwärztem Unter- grunde nur noch die zweite submarginale Fleckenreihe und zwar in einem hell schmutziggelblichen Ton erhalten geblieben. Die Rückseite zeigt strahlige Fleckenerweiterung auf den Vorder- flügeln und weißsilberige Beschuppung der bei normalen Stücken

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hellockeriarbigen Mittelbinde. Der Falter wurde von Herrn Direktor Schätz im Juni 1917 auf der Zipfelalpe bei Hinter- stein gelangen und befindet sich gleichfalls in der Kollek- tion Korb.

Melitaea athalia , links Vorderseite, rechts Rückseite.

9. Epinephele jurtina 2

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Vermutlich durch einseitiges Feuchtliegen der Puppe ent- steht das nicht eben seltene Phänomen einer fleckigen Aufhel- lung der betroffenen Flügelpartien. In ausgeprägter Weise zeigt diesen partiellen Albinismus ein Stück von Zp. jurtina 9, wel- ches in Liegnitz (Schlesien) im Sommer 1917 erbeutet wurde. Es ist ebenfalls ein Stück aus der Sammlung des Herrn Max Korb.

Epinephele jurtina 2, links Vorderseite, rechts Rückseite.

10. Meliteae aurinia ”.

Sehr merkwürdig mutet das in Allmannshausen am I1.Juni 1914 von Herrn Daniel erbeutete aurinia © an, welches kolossal ver- breiterte hellockerfarbige Mittelbinden der Vorderflügel aufweist. Diesen Binden schließt sich nach außen hin eine stark schwarz umränderte Fleckenreihe und weiterhin die Reihe der gleichfalls hellgelben Randilecken an.

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Die Kostalilecken der Vorderflügel, sowie die ganze Zeich- nung der Hinterflügel zeigen in Farbe und Zeichnung völlig männlichen Charakter. Erstere sind breit angelegt und ver- wischt dunkel gerändert. Die Innenpartien der Hinterflügel zeigen, namentlich im unteren Teile, hellgelbliche Fleckung mit dunkel verwischten Konturen. Auf der Rückseite endlich zeigen

Oben links: Melitaea aurinia 9, rechts: Melitaea aurinia 5', Vorderseite

Unten links: Argynnis dia 5', rechts Argynnis euphrosyne 5', Vorderseite

die Hinterflügel merkwürdigerweise eine Schwarzausfüllung der fünf Wurzelfeldilecken, welche bei normalen 55 und 99 Stücken immer hellockerfarbig zu sein pflegen.

ll. Melitaea aurinia 9.

Das kleinere, in Holzkirchen am 6. Juni 1912 von Herrn Daniel gelangene aurinia 5 zeigt mit Ausnahme der eben noch in lichtbrauner Farbe erhaltenen Flügelspitzen und der bogigen Randstreifen auf den Vorderflügeln ausgebreitete Weißbeschup- pung. Unter dem Mikroskop erscheinen unregelmäßige, schuppen- lose Stellen auf den Flügeln, welche den Eindruck machen, als ob beim Schlüpfen des Tieres Schuppen abgestreiit worden wären. Das Geäder besitzt noch Braunaullage, während von

der Zeichnung nur noch äußerst spärliche Reste angedeutet sind. Der Albinismus dehnt sich auch auf die Vorderhälite der Hinter- flügel bis in das Diskoidalfeld hinein aus. Neben dem Rand- streifen ist die braune Binde mit der Punktreihe von Ast 2 ab links ganz, rechts zur Hälfte in Braun erhalten geblieben. Die Rückseite gibt auf dem Vorderflügelpaar die Bindenzeichnung

Oben links: Melitaea aurinia ”, rechts: Melitaea aurinia &', Rückseite.

Unten links: Argynnis dia 5', rechts: Argynnis euphrosyne 5', Rückseite.

nur in ganz verwischter Weise wieder. Auf den Hinterilügeln erscheint die Zeichnung der Mittelbinde in schwachen Umrissen erst im zweiten Flügeldrittel.

12. Argynnis dia 5.

Am 19. Mai 1912 wurde von Herrn Daniel in Baierbrunn ein auf der Vorder- und Rückseite der Oberflügel weißbeschupptes dia 5 gelangen. Oberseits zeigen auch die Hinterflügel in der Analhälite Weißbeschuppung.

Die gesamte Flügelunterseite erscheint in allen schattierten Partien in veilgrauer Färbung. Eigentümlich kalt kontrastiert das Weiß der Mittelbinde und der Randbögen mit der veilgrauen Umgebung.

2 ae 13. Argynnis euphrosyne Z.

Kaum mehr als euphrosyne anzusprechen ist ein am 2. Juni 1914 ebenfalls von Herrn Daniel bei Deining erbeutetes melanoti- sches 5, welches die Punkte der Vorderftlügel strichförmig, die Zackenbinde stark verbreitert und dunkel verwischt, das Wurzel- feld nahezu völlig schwarz aufweist. Auf den beinahe total verdunkelten Hinterflügeln erscheinen nur einige unregelmäßige Pieilflecke der Flügelränder und ein 1,5 mm breiter Streifen des Analrandes orangefarbig. Die merkwürdigste Veränderung be- obachten wir indes auf der Flügelunterseite. Die Fleckenbildung der Vorderfilügel ist durchgehend verbreitert. Auf den Hinter- tlügeln ist der silberige Zellileck der Mittelbinde, dessen Querast fehlt, spitz gegen den Rand zu ausgezogen. Da, wo bei nor- malen Stücken die Punktreihe sich befindet, beginnt den ganzen Saum entlang zwischen den Rippen eine strahlige Silberstrich- zeichnung, welche auf dem verwischten, drachenblutiarbigem Grunde besonders schön zur Geltung kommt. Das zeichnungs- lose Wurzelield ist von grünlichgelber Farbe. .

Parn. apollo nov. ab. nigrodivisa.” Von Emil Riemel, München.

Diese neue Aberration stelle ich nach drei in meiner Samm- lung befindlichen Männern jest, einem 5 vom Petersberg im Inntal (1918) und zwei Jo bartholomaeus vom Königsee (1918 und 1919). Die Aberration zeigt sich darin, daß die durch die unteren Ocellen der Hinterflügel gehende Radialader, die z. B. bei graphica Stich. rot ist, hier deutlich schwarze Beschuppung aufweist, so daß der überwiegend rote Kern der Hinterflügel- Ocellen durch einen schwarzen Strich in zwei Teile getrennt ist. Bisher wurde diese Abart von mir nur bei den oben bezeich- neten bayerischen Gebirgsrassen und nur im männlichen Ge- schlecht gefunden.

* Nigrodivisa schwarz geteilt.

Er

Meine großen Serien Apollos von anderen Fluggebieten Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz enthalten nur einige schwache Uebergänge zu dieser Aberration. Während die zwei JS vom Königsee typische bartholomaeus darstellen, zeigt der 5 vom Petersberg auch sonst auffallende Abweichungen.

Die Submarginale ist vom Glassaum breit getrennt, sehr dunkel und kräftig entwickelt und scheint mehr nach der Flügel- mitte gerückt; sie reicht bis zum Hinterrand. Die Umrahmung der Hinterflügel-Ocellen ist sehr breit schwarz, das Rot matt dunkel und stark reduziert. Basalfärbung und Analilecken sind tief schwarz.

P.S. Anfang Mai dieses Jahres schlüpfte auch ein prächtiges nigro- divisa & der Karwendelform c/audius Bell. Es war der erste Ankömm- ling aus einer von G. Hansum, München, mit gutem Erfolg durch- geführten Eizucht.

F. Boegl. Spannerartige Nachtfalter aus dem Schleißheimer-Dachauer Moos. Von Martin Best.

Brephos parthenias L. Mai häufig, Birkenschlag

5 notha Hb. R vereinzelt, Birkenschlag Alsophila aescularia

Schiff. x vereinzelt, Birkenschlag Odezia atrata L. Juni-Juli häufig Hipparchus papilio-

naria L. Juli-August vereinzelt, Birkenschlag Jodis lactearia L. Juni vereinzelt, Birkenschlag Timandra amata L. August vereinzelt, Birkenschlag Acidalia immorata L. Juni häufig

nemoraria Hbn. Juni-Juli häufig

„. ’ornata Scop. Y vereinzelt, Birkenschlag

Ptychopoda serpentata Hufn. Juni nicht häufig

Ptychopoda humiliata

Hufn. Juli

emarginalta L. ke

muricata Hufn. R Cosymbia pendularia

BR N wpünetare L: Juni Ortholitha moeniata

Scop. Juli Mesotype virgata Hufn. Mai Nothopteryx carpinata

Bkh. April-Mai Operophlera brumataL. Oktober Oporinia autumnala

Bkh. 5 Triphosa dubitata L. August Calocalpe undulata L. September Lygris testata 1. August Cidaria ocellata L. Juli

»„ variata Schiff.

truncata Hufn. Juni-Juli

-futtuota‘L. i%

. [errugata Ci. a

ab unidentaria Haw. „. quadrifasciata @% Juli

u „belineala. L. i

corylata Thnbg. Mai

„Eshastela:L: Mai-Juni

ab.laxata Krulik

„N tristote E. R

= alternata Mill. n:

..coerulata,. R. Juli Pelurga comitata L. f Hydrelia flammeolaria

Hufn. Mai-Juni

Abraxas sylvata Scop. 3

nicht häufig nicht häufig einzeln

häufig, Birkenschlag nicht häufig

häufig häufig

nicht häufig häufig

häufig, Birkenschlag (wurde mit vielen ad. ge- fangen, welche später noch bekannt gegeben werden) einzeln

einzeln, Birkenschlag nicht häufig

nicht häufig

nicht häufig, Schwarzhölzl Birkenschlag

häufig, Birkenschlag häufig, Birkenschlag

nicht häufig nicht häufig nicht häufig häufig, Birkenschlag

häufig häufig nicht häufig, Birkenschlag nicht häufig, Birkenschlag

nicht häufig nicht häufig, Birkenschlag

Lomaspilis marginata E: ab.nigro fasciata Schöyen ab. pollutaria Hobn. ferner eine ab. wie pollutaria, hat aber auch ein schwarzes Saumband, die V.-Flügel bin- denartig geteilt. Bapta bimaculata F. Ellopia fasciaria L. Ennomos aultumnaria Wrnbg. erosaria Schiff. Selenia tetralunaria Hufn. Colotois pennaria L. Epione repandaria Hufn. Cepphis advenaria Hbn. Macaria notata L. „. .alternaria Hbn. „. signaria Hobn. Erannis marginaria F. ab. denigraria Uffeln Bridefoliaria CI. Phigalia pedaria F. Biston strataria Hufn. we betularia. IL. Boarmia cinctaria Schiff. repandata L. „. roboraria Schiff. ab infuscata Stigr. crepuscularia Hon.

29

Mai-Juni

Juli

September Oktober

Juli Sept.-Okt.

August Juni Juni

April

Oktober April Mai Juli Juni

”„

Juni-Juli

Kanal, häufig

vereinzelt, Birkenschlag

nicht häufig,

nicht häufig, Birkenschlag

Schwarzhölzl

Birkenschlag

vereinzelt, Birkenschlag

nicht häufig,

nicht nicht nicht nicht nicht nicht

häufig, häufig, häufig, häufig, häufig, häufig,

nicht nicht nicht nicht

häufig, häufig, häufig, häufig,

nicht nicht nicht

häufig, häufig, häufig, nicht häufig,

häufig

Birkenschlag

Birkenschlag Birkenschlag Birkenschlag Birkenschlag Birkenschlag Birkenschlag

Birkenschlag Birkenschlag Birkenschlag Birkenschlag

Birkenschlag Birkenschlag Birkenschlag

Birkenschlag

Pe ye

Ematurga atomaria L. Juni-Juli häufig Bupalus piniaria L. Mai häufig, Schwarzhölzl ab: 1 Zwilter. Diastictis artesiaria Schiff. Juli nicht häufig, Birkenschlag Chiasma clathrata L. Juni häufig

Antheraea episcopalis Kaiser.

Berichtigung.

Die von mir im 8. Jahrgange 1917 dieser Mitteilungen als Antheraea episcopalis beschriebene Safurniide gehört dem Genus Salassa an, worauf ich schon bald nach dem Erscheinen meiner Mitteilung von Niepelt aufmerksam gemacht wurde. Erst neuer- dings, nachdem der internationale Verkehr wieder auflebt, wurde mir durch Jordan bekannt gegeben, daß die Salassa episcopalis identisch sei mit der von ihm bereits im Jahre 1910 benannten Salassa mesosa. Eine ähnliche Art ist die gleichfalls von ihm benannte $. iris.

Infolgedessen erkenne ich gern an, daß das Recht der Priorität Jordan gebührt. Es ist demnach die beschriebene Art als Sa- lassa mesosa Jordan (1910) zu bezeichnen.

Gleichzeitig spreche ich Herrn K. Jordan meinen besten Dank für die Aufklärung aus.

Dr. Otto: Kaiser.

Schriftleitung: Max Korb, München, Akademiestraße 23. Druck der G. Franz’schen Buchdruckerei (G. Emil Mayer), München,

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Ir r r MITTEILUNGEN + Frl \ der Münchner Entomologischen Gesellschaft, e.V, \

\ 10. Jahrgang 1920. München, 31. Dezember 1920. Nummer 9-12. \ See ei ei ei ee ee

Ausgegeben Januar 1921.

Über Baptria tibiale Esp. und eine neue Form. Von Dr. Karl Schawerda, Wien.

Prout hat mit Recht Odezia atrata L. und fibiale E. weit auseinandergezogen. Siehe seine Ausführungen im Seitz. Bereits im Jahre 1913 (Jahresbericht des Wiener entom. V. Seite 143) habe ich darauf hingewiesen, daß schon im Fluge beider Arten ein gewaltiger Unterschied ist. Afrata taumelt über die Wiesen und ist überall zahlreich, wo sie fliegt; Zibiale fliegt im Sonnen- schein hoch in die Luft (immer wieder in die Nähe zurück- kehrend) und ist bei uns sehr selten. Die reinen Exemplare des scheuen Tieres fing ich nur morgens, mit ausgebreiteten Flügeln auf taufrischen Blättern sitzend. Tibdiale hat auf den Vorderflügeln eine weiße Binde, auf den Hinterilügeln ist sie oben ganz schwarz, unten ist sie auch oft ganz schwarz oder hat meistens eine schmale weiße Querlinie. Freyers var. moeraria hat auf den Vorderflügeln eine sehr schmale weiße Binde, die Hinterflügel sind oben und unten ganz schwarz. Sie fliegt im Ural, Altai und Issyk-Kul-Gebiete. Das Gegenstück davon ist die var. oder ab. eversmannaria HS. Oben und unten haben die Vorderilügel und Hinterflügel eine breite weiße Binde. Sie fliegt in Skandinavien, Finnland, Rußland (St. Petersburg), Sajan, nördl. Amurland und Japan. Prout erwähnt eine ab. decisata Walker. Er nennt sie eine „leichte Modifikation der eversmannaria, bei der das Vorderflügelband ziemlich schmal bleibt, während das der Hinterflügel gleichfalls vorhanden ist“. Die Original- beschreibung (Walker) List Part. XXV. p. 1295 (1862), welche Herr Professor Dr. Rebel mir gütigst verschaffte, lautet: „Mas. atra, antennae subserratae, sat robustae;; abdominis segmenta

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subtus albo marginata; alae anticae fascia obliqua alba postica truncata, fimbria albo binotata; posticae striga discali obliqua fusiformi fimbriaque albis Hind wings with a white fusiiorm discal streak, which is oblique in a contrary direction to the band of the fore wings“.

Prout sagt: Die Lokalität von Walkers Type ist unbekannt, aber ähnliche Stücke finden sich ab und zu in Japan. Walkers decisata ist sehr kurz nach eversmannaria beschrieben worden und dürfte synonym mit ihr sein. Walker wird eversmannaria nicht gekannt haben, sonst hätte er auch eine Parallele gezogen. Vor allem kann Walker nicht die von mir in folgendem benannte Zwischenform albofalcata gemeint haben Der Unterschied

222 2. Oberseite. Unterseite. I. Eversmannaria l. Eversmannaria 2. albofalcata 2. albofalcata

zwischen den Hinterflügeln von albofalcata und eversmannarıa ist viel zu groß und stimmt die Notiz „striga discali obliqua fusiformi“ viel eher mit eversmannaria selbst als mit der schwachen weißen Sichel von albofalcata. Die Zwischenform zwischen Zibiale und eversmannaria, die ich in der Umgebung von Lunz (N.-Ö.) von Ende Mai bis Anfang Juli erbeutete (Helmelberg bei Lunz, Filzmoos bei Gaming, Lechnergraben am Dürrnstein und Königs- graben am Hochkahr) steht Zidiale weit näher als der evers- mannaria und ist sicher nicht mit decisata identisch. Die weiße Binde auf den Vorderflügeln ist bei meinen Zwischenstücken etwas schmäler als bei eversmannaria und reicht nicht ganz an den Innenrand, wie es bei eversmannaria der Fall ist. Aber vor allem reicht die auf der Hinterflügel-Ober- und Unterseite auftretende weiße Binde lange nicht an die oben und unten viel

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breitere von eversmannaria heran. Es ist bei meinen Zwischen- stücken auf den Hinterflügeln oben und unten nur eine weiße, kleine 4 mm lange und I mm breite schmale Mondsichel vor- handen. In der Vucijabara in der Herzegowina, dem südlichsten bisher bekannten Punkte und dem einzigen Fundorte auf dem Balkan, entdeckte ich am 8. Juli 1908 eine Zidiale im Sonnen- schein herabkommend. Mein Freund Ernst Fitz fing sie. Sie ist das größte Exemplar, das ich habe und hat auf der Oberseite der Hinterilügel oben nur mehr einen weißen Fleck, unten eine weiße schmale Binde. Tidiale wurde in Niederösterreich vor mir von Erber in Frankenfels, Kempny in Gutenstein, Habich am Traisenberg, Mann am Schneeberg (Alpeleck) und in der letzten Zeit in der Zwischeniorm bei Kaltenleutgeben gefangen.

Weitere Angaben stammen aus Deutschland, der Schweiz (Vorbrodt), Piemont, Oberösterreich, Salzburg, Tirol (Hell- weger), Steiermark (Hoffmann), Krain, Ungarn, Galizien, Sieben- bürgen, Ural, Norwegen, Finnland, Sibirien bis nach Japan. Tibiale ist eine sibirische Art. Staudinger berichtet in der Iris (X. Seite 71), daß in Sibirien (Radeiika, Wladiwostok, Askold, Suifun und Sutschan) Zibiale, eversmannaria und Übergänge fliegen. Die Futterpilanze Actaea spicata ist in unseren feuchten Voralpen- wäldern viel häufiger als der seltene Falter. Die Raupe hat Habich entdeckt und beschrieben. Über Ei, Raupe und Puppe siehe Berge-Rebel und Vorbrodt.

Calamia lutosa Hb. und Larentia autumnata Bkh. Lichtfang im Schleißheimer-Dachauer-Moor. Von Martin Best.

Nicht allein der Köder, sondern auch der Lichtiang übt in diesem Moor eine besondere Anziehungskrait aus. In den alten hohen Birkenbeständen findet sich außer verschiedenen Unter- hölzern auch ein oit 2 bis 3 m hohes Schilf, das an manchen Stellen so dicht ist, daß man sich in den reinsten Urwald ver- setzt glaubt. Durch diesen Wald sich dann nachts mit einer Karbidlampe suchend hindurchzuarbeiten, ist wirklich ein Genuß; bietet sich doch schon durch die Beleuchtung manches schöne Bild, besonders wenn bereits Schnee gefallen ist. Ein kleiner Sturz dann und wann in einen Graben oder ein Stolpern über Wurzeln wird dabei gern in Kauf genommen.

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Lutosa fing ich vor einigen Jahren erstmals im Fluge in wenigen Exemplaren. Auf das Vorkommen aufmerksam gemacht, ging ich der Sache näher und fand die Eule dann abends gleich nach der Dämmerung am Schilistengel sitzend, meistens in Halbmeterhöhe vom Boden entiernt, hie und da auch am Schilfblatt, seltener auf Unterholz. Hat man sie entdeckt, läßt sie sich ruhig in das Giftglas nehmen, doch ist der Falter auch lichtscheu, denn beim Näherkommen mit dem Licht sucht er sofort die Schattenseite auf. Die 5 fangen gegen 10 Uhr an zu fliegen, während die © ruhig sitzen bleiben. Die Art ist an dieser Stelle nicht selten und das Fangergebnis beträgt an manchen Abenden 40—50 Stück. Die Flugzeit beginnt meistens Anfang Oktober und dauert bis Mitte November (auch bei Schnee).

Der Falter ist in der Stammform und folgenden Abarten zu erbeuten: ab. crassicornis Haw., ab. rufescens Tutt., ab. rufescens- suffusa Tutt.

Autumnata kommt in derselben Zeit wie /ufosa vor und läßt sich am Abend in der gleichen Weise finden. Auch diese Art ist lichtscheu und verschwindet sofort auf die Schattenseite, sobald man mit dem Licht erscheint. Mit einer guten weit- leuchtenden Lampe sieht man den Falter schon von weiten sitzen, denn seine silberglänzenden Unterflügel leuchten herrlich in der Nacht.

Der 5 sitzt gleich nach der Dämmerung meistens in Meter- höhe am Schilf, während das % tiefer sitzt, hie und da auch am Unterholz. Bei kaltem Wetter ist der Flug des 5 abends nach 9 Uhr nur vereinzelt, bei wärmerer Witterung stärker. Wenn bei günstigem Wetter der Flug des 5’ einsetzt, so kann man ihm ruhig folgen, denn sein Flug bewegt sich meistens am Boden hin auf der Suche nach einem 9. Ich habe in einem dichten Schilfbestand tief unten sitzend ein 2 beobachtet, um das nicht weniger als 7. 5 herumflogen. Es scheint also fast genau so wie bei A. /au das 9 die JS von weitem anzuziehen. Auch in Kopula ist aufumnata recht häufig zu finden.

Bei Tag sitzt der Falter an Birkenstämmen und ist da schwerer zu entdecken als bei Nacht, weil er mit ausgebreiteten Flügeln sitzt und bei seiner variablen Färbung der mit Moos bedeckten Birkenrinde fast gleicht. Der Falter erscheint von Mitte Oktober bis November und ist sehr aberrativ; Serien von den hellsten bis zu fast ganz verdunkelten Stücken lassen sich erbeuten. Hierüber wird später eingehend berichtet werden.

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Weiter ist noch um diese Zeit dem blühenden Schilf besondere Achtung zu schenken, denn an den Blüten sitzt X. /ufea Ström., X. fulvago L., O. circellaris Hufn., O. lota Cl., O. vaccinii L., und dieses Jahr fand ich sogar ein Stück Z. vitellina Hb. Um diese Tiere zu erlangen, biegt man das Schilf ruhig herunter und schüttelt die Blüte auf das Netz, von wo dann die Falter leicht in das Tötungsglas gebracht werden können.

Sammelergebnis am Moserboden und im Glocknergebiet. E. Pieiffer und Fr. Daniel,

Unsere gemeinsame Sammeltour hatte ihren Ausgangspunkt in Zell a. S. am 15. Juli vergangenen Jahres und führte auf den Moserboden (16., 17., 18. Juli), über den Karlingergletscher zum Oberwalderhaus (20./21. Juli). Von hier aus erfolgte ein Abstieg in größeren Etappen zum Glocknerhaus und nach Heiligenblut (26. Juli). Die Rückreise wurde über die Goldbergtauern Rau- risertal nach Taxenbach durchgeführt. Die Reise hatte unter denkbar ungünstigsten Witterungsverhältnissen zu leiden und die Ausbeute blieb deshalb beschränkt. Für den Fang günstige Tage hatten wir nur am Moserboden und am Oberwalder- haus (bis 21. Juli), aber auch hier wurde der Lepidopteren- flug durch dauernd starken Wind ungünstig beeinflußt. Ab 23. Juli änderte sich die Witterungslage. Schneefälle wechselten mit starken Regengüssen ab und am 28. Juli waren die Berge bis auf 1700 m Höhe in Schnee und Nebel gehüllt, so daß an ein Sammeln in höheren Lagen nicht mehr zu denken war. Die Temperatur näherte sich in diesen Tagen selbst in dem tiefer gelegenen Heiligenblut nachts dem Nullpunkt. Wenn trotzdem eine verhältnismäßig reiche Ausbeute an Tagfaltern eingebracht werden konnte, so ist dies vor allem dem Umstande zu ver- danken, daß die dortige Hochgebirgsiauna außerordentlich arten- wie individuenreich ist. Hingegen brachte der Lichtfang, der an 13 Abenden in allen Höhenlagen mittels Karbidlampe (Syst. Koenig) versucht wurde, ein schlechtes Resultat. Dabei konnten wir dennoch die Wahrnehmung machen, daß der Anflug erst eine gute Stunde nach vollem Eintritt der Dunkelheit einsetzte und bis gegen 12 Uhr dauerte.- Unseres Erachtens dürften jedoch

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die Nachtialter ebenso zahlreich wie die Tagfalter vertreten sein. Der Mißerfolg des Nachtiangs wird vor allem hierin seine Gründe haben, daß wir reichlich zehn Tage zu früh für diese Höhenlagen sammelten die Ausbeute erbrachte fast ausschließ- lich frisch geschlüpfite Männchen und außerdem ein ständiger starker Nachtwind bei tieier Temperatur den Flug der Tiere gewaltig beeinträchtigte. In den tieferen Lagen um Heiligenblut war ein reiches Nachtialterleben, doch benahmen sich die Tiere äußerst lichtscheu.

Zu dem nun folgenden Verzeichnis der Ausbeute sind nach- stehende Abkürzungen für die Fundorte angewandt:

M.B. Moserboden 1700 m (Aujstieg) bis 2300 m (Einstieg

ins Kaprunertörl.)

P; S.W.Rand des Pasterzengletschers von 23 bis 2700 m.

GIl.H.— Glocknerhaus und Umgebung 19—2200 m.

H.B. Heiligenblut und Umgebung 14—1700 m.

R.T. - Raurisertal 900 m.

Zell a. S.-Moserboden-Raurisertal gehören zum Pinzgau (Salzburg) und sind Nordtäler, die übrigen erwähnten Fangplätze liegen auf der Südseite in Kärnten.

P. machaon L. Zell a.S. Ziemlich häufig.

P. mnemosyne hartmanni Stdfss. 1% 16. Juli. M.B. 1600.

P. delius Esp. M.B. 17—1800. GI.H. 20—2200. Der Falter war an den engbegrenzten Flugplätzen ziemlich häufig. Es ist eine große Rasse, deren Weiber sehr stark ge- zeichnet sind. Zwischen den Tieren der beiden Fang- plätze konnte kein Unterschied festgestellt werden.

ab. casta Stch. 80 °|, aller Männer.

ab. inornata Wh. Männer nicht selten, 1 Q@ GI.H.

ab. anna Stch. Auf beiden Flugplätzen.

ab. nigrescens Wh. 9 M.B.

ab. pseudonomioides Pgst. Auf beiden Flugplätzen.

ab. nigresc. + anna. 19 M.B.

ab. nigresc. + herrichi. 19 GI.H.

ab. anna + pseudonom. 9. Außerdem allseits vergrößertes

Rot, besonders sind die beiden Kostalflecke des Vorder- flügels nach innen wischartig verlängert und tief rot ausgefüllt, dieOzellen desHinterflügels stark vergrößert, tief rot ohne Pupillen, schwache Umrandung. Auf- fallend ist das Stück durch die geringe Entwicklung aller Schwarzzeichnungen. GI.H.

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Hermaphrodit. M.B. 1800. Das Stück ist rein geteilt, links / ab. casta, rechts 2. Ohne Legetasche.

P. apollo f. glocnerica Vriy. H.B. 14—1700,

ab. decora Sch. In beiden Geschlechtern.

P. apollo. R.T. Wohl zur drittingeri-Rasse gehörig. Pier. brassicae g. aest. lepidii Röb. Im ganzen Gebiet. rapae L. mit ab. impunctata Ckll. Wie vorige.

napi L. napaeae Esp. Wie vorige. napi bryoniae OÖ. 1 9 M.B. 1700.

Synchl. callidice Esp. P. 2700. Erwachs. Raupen unter Steinen daselbst. Die daraus erhaltenen Puppen liegen noch über. Futterpilanze Hutch. alpina (Alpen-Gemskresse).

Col. phicomone Esp. M.B. 2000. P. 2500. GI.H. 2000. Überall einzeln.

ab. salurata Aust. M.B. ab. gelbes © leicht gelb angeilogenes Exemplar GI.H. 1900. croceus Fourcr. \ g' Gl.H. 2100 beobachtet. Erebia epiphron v. cassiope F. M.B. 20-2300. P. 20—2700. Größtenteils in der ab. nelamus Boisd.

melampus Fuessl. M.B. 17—2000. Gl.H. 19—2000. I 5 mit normal entwickelter Binde, jedoch ohne Augen P. 2000.

eriphyle Frr. M.B. 17—2300. ab reducta Vbrdt. Unter der Art.

pharte Hbn. M.B. 17—2300. GI.H. 2200. ab. phartina Stgr. M.B. 2300.

manto pyrrhula Frey. Überall bis 2100. ab. caecilia Hbn. M.B. 1700. ab. impunctata Hffm. Häufig unter der Art. ab. 1 © ohne Basalileck der H.Fl.U., wie bei der

v. vogesiaca Christ. M.B. 1700.

medusa F. M.B. 1700.

nerine Frr. H.B. 1500. Sehr kleine Form oberseits tiefdunkel Binden und Augen auf beiden Flügeln in beiden Geschlechtern stark reduziert und dunkel rost- farben. Hilg.U. beim 5 einfarbig schwarzbraun, Aussen- binde kaum hervortretend, Augenzeichnung beim / dort stets fehlend Weib unterseits der Hil. mit keinem oder verschwindend kleinen Augen nahe dem Anal- winkel. Die Tiere stellen eine gut gesoriderte Rasse dar.

Frag

pronoe Esp. Gl.H. 19—2200. H.B. 1600. ab. pithonides Sch. G1l.H. 1900. gorge Esp. M.B. 2300. P. 23—2700. ab erynis Esp. P. 2700. ab. impunctala Hoffm. P. 2700. aethiops Esp. H.B. 1600. ab. leucothaenia Stgr. NH.B. 1600. euryale Esp. M.B. 15—1700. ab. 1 5 Das Tier weist verbreiterte Binden der Vdil. auf, welche durch die Adern breit schwarz durch- schnitten sind. Augen im Vdil. oberseits auf zwei kleine schwarze Pünktchen reduziert. i /roea:TL. 7.B.4500. lappona Esp. P. 2500. iyndarus Esp. In zwei verschiedenen Formen. P. 20—2700. M.B. 20—2300. H.Bl. 1500—1600. Die Tiere von diesem letzteren Fundplatz erscheinen im Vergleich zu den beiden anderen Fundorten größer, mit kräftigeren Ozellen, die Binden der Vdilg. stärker entwickelt. Die Hinterilügel-Unterseite im Gegen- satz zu den anderen Stücken mehr einfarbig grau und mit verloschener Zeichnung. ab. addenda-apicalis Rev. M.B. Epineph. Iycaon Rott. H.B. 1500. Coen. arcania v. satyrion Esp. M.B. 1600 2300. P. 2300. GI.H. 20— 2200. P. cardui L. GI.H. 2100. M.B. 1700 beobachtet. Van. io L. Allenthalben. urticae L. Überall. In Schneefeldern in einer Höhe von 3000 m noch fliegende Stücke beobachtet. polychloros L. Zell a.S. Melitaea cynthia Hbn. M.B. 2300—2400. P. 24—2700. ab. impunctata Hffm. Unter der Art. aurinia v. merope Prun. M.B. 2300. P. 2700. aurelia Nick. H.B. 1500. 'athalia Rott. H.B. 1500. asteria Frr. M.B. 1600—2300. P. 25—2700. Argynnis pales Schiff. M.B. 16—2300. P. bis 2700. Gl.H. 18— 2200. v. isis Hbn. mit ab. napaea Hbn. An denselben Fund- plätzen. amathusia Th. M.B. 1600. Ziemlich dunkel.

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aglaia L. H.B. 1500. niobe ab. eris Meig. H.B. 1500. Chrys. virgaureae L. H.B. 15—1700. ab. albopunctata Huene. Q Unter der Art. dorilis Hufn. Zell a. S. v. subalpina Spr. M.B. 1700. GIl.H 2000. Zizera minima Fuess!. H.B. 1500. Lyc. pheretes Hbn. M.B. 2300. GI.H. 19—2000. P. 23 2500. astrarche Bgstr. M.B. 17—2000. H.B. 1500. ab. allous Hbn. M.B. eros O0. M.B. 1700. GI.H. 19—2200. ab. impunctata Curv. GI.H. ab. punctlifera Curv. GI.H. icarus Roit. M.B. 1500. hylas Esp. H.Bl. 1500. corydon Poda. H.B. 1500. Die von Neustetter als f. altica für das Glocknergebiet abgegrenzte Unterart, die eine andere Blaufärbung haben soll, können wir an den erbeuteten Tieren nicht feststellen. semiargus Rott. M.B. 1700. P. 2300. (Nicht die /. montana.) arion ab. obscura Christ. H.B. 1500. Hep. alveus v. alticola Rbl. H.B. 1600. cacaliae Rmb. M.B. 2300. Adopaea lineola OÖ. H.B. 1500. Erynnis comma L. H.B. 1500. Ino geryon v. chrysocephala Nick. H.B. 1700. P. 2500. Zygaena purpuralis Br. R.T. v. nubigena Ld. M.B. 2000. lonicerae Schw. H.B. 1700. M.B. 2000. filipendulae L. H.B. 1700. MB. 1600. R.T. ab. medio-apicali-confluens Vbrdt. H.B. ab. medio-confluens Vbrdt. H.B. ab. apicali-confluens Vbrdt. H.B. fransalpina v. alpina Burg. H.B. 1700. exulans Hoh. M.B. 2000. P. 24—2700. Falter, Puppen und Raupen in verschiedenen Stadien gleichzeitig. (P. 2700 in Massen.) ab. pallida Tutt. Ein fast schuppenloses 9, das auf den Vorderilügeln nur mehr ganz schwache Spuren von Rot aufweist, Hinterflügel im Basalteil mit lleischfarbiger, hyaliner Beschuppung,. sonst

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schuppenlos, möchten wir als Extremtier dieser ab. bezeichnen. P. 2700. (Nicht abgeflogen.) ab. crassimaculata Vbrdt. P. 2700. ab. costali-elongata Vbrdt. P. 2700. ab. anali-confluens Vbrdt. P. 2700. ab. parvi-maculata Vbrdt. P. 2700. ab. apicali-elongata Vbrdt. P. 2700. meliloti v. charon Hbn. H.B. 1600. Philea irrorella v. nickerli Rbl. M.B. 1800. Gl.H. 2000. H.B. 1700. v. freyeri Nick. P. 2700. Die auf 2700 m gefangenen Stücke sind bedeutend dünner teils hyalin be- schuppt und etwas kleiner, oit von weißgelber Grund- farbe. Zwei geiangene © sind jedoch in Farbe und Zeichnung normal, aber ebenfalls sehr klein. Die Tiere, die an der äußersten Grenze der Falterverbreitung im Glocknergebiet der Heimat der freyeri gefangen sind, dürften hieher zu ziehen sein, obwohl eine wesent- lich stärkere radiäre Verlängerung der Punktreihen bei keinem Tier unserer großen Serie festzustellen ist. Ein 5 weist graubraune, verdüsterte Vorderilügel- grundfarbe auf, analog ad. fumata bei der irrorella. Lith. lurideola Zick. H.B. 1500. Par. plantaginis v. subalpina Schaw. M.B. 1600. Eriog. arbusculae Frr. GI.H. 2000. Raupen in Anzahl. Zucht mißlang. M. rubi L. H.B. Junge Raupen, Drep. falcataria L. Zell a. S. Maecr. stellatarım L. M.B. 1800. H.B. 1600. Raupe. Deil. euphorbiae L. H.B. 1700 bei Tag schwärmend. Raupen in großer Anzahl. Euxoa fatidica Hbn. P. 24—2700, GI.H. 2200 bei Tag an Blüten, nachts am Licht. I 9 melanistisch. grisescens F. M.B. 2000. P. 2400. Licht. decora Schiff. P. 2500. An Blüten. culminicola Stdgr. P. 2400. AmLicht für Kärnten neu. Eine sehr scharf gezeichnete, helle Form, die stark an wiskotti erinnert. Rhyacia pronuba L. Rifiltor 3100. Am Gletscher eriroren. cuprea Schiff. H.B. 1500. An Blüten. ocellina Schiff. P. 2500. Gl.H. 2000. Bei Tag und am Licht. alpestris Bsd. H.B. 1500. An Blüten.

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Polia nana Hufn. P. 2500. Licht. Harm. caesia Schiff. H.B. 1500. Bei Tag. Cr. adusta Esp. H.B. 1400. Bei Tag. Parast. monoglypha Hufn. H.B. 1500. Oligia bicoloria Vill. H.B. 1500. Crym. zeta v. pernix Hon. G. P. 2400. GI.H. 2000. Am Licht und bei Tag. Eriop. maillardi Guen.. H.B. 1400. Ap. nictitans ab. erythrostigma Haw. H.B. 1400. Caloplusia hochenwarthi FHich. GI.H. 2100. Bei Tag. Phytom. bractea F. H.B. 1700. Bei Tag. chrysitis ab. juncta Tutt. H.B. 1500. gamma L. Überall bis 3000 m, im Schnee eriroren. variabilis Pil. H.B. 1500. Parasc. fuliginaria ab. carbonaria Esp. H.B. 1500. Acid. ternata Schrank (fumata). M.B. 1700. incanata L. M.B. 1700. H.B. 1500. ornata Scop. H.B. 1500. Ptych. serpentata Hufn. H.B. 1500. Orth. chenopodiata L. H.B. 14—1700. bipunctaria Schiff. H.B. 14—1700. An. praeformata Hbn. M.B. 1800. H.B. 1600. Cid. fulvata Furst. H.B. 1500. bicolorata Hufn. Zell a. S. fruncata Hufn. M.B. 17—1800. immanata Haw. M.B. 1600. HB. 1700. munitata Hbn. M.B. 2300. P. 2300. GI.H. 20 —2200. fluctuata L. H.B. 1600. quadrifasciata Cl. Zell a. S. montanata Schiff. M.B. 1600. olivata Schiff. R.T. aptata ab. sublata Fir. H.B. 14—1600. In Anzahl nur in der Abart. aqueala Hbn. H.B. 1500. salicata Hbn. H.B. 1500. didymata-L. .H.B: 17007 @R.T. flavicinctata Hbn. M.B. 1700. GI.H. 1900. caesiata Schiff. M.B. 17—2000. GI.H. 1900. R.T. ab. annosata Zett. M.B. vespertaria Scop. H.B. 1500. M.B. 1600. tophaciata Schiff. H.B. 1600. R.T.

PIRE \r RBE

scripturata Hbn. M.B. 1700.

galiata Schiff. H.B. 1500.

hydrata Tr. H.B. 1700.

minorata Tr. M.B. 17—2000. H.B. 1700.

blandiata Schiff. M.B. 2300. H.B. 1600.

albulata Schiff. M.B. 17—2000. GI.H. 2000. H.B. 1500. Ven. cambrica Curt. Zell a. S.

Euch. nebulata Tr. (Cid. obliterata Hufn.). Zella. S. RT. Gnoph. ambiguata Dup. H.B. 1600.

glaucinaria v. falconaria Frr. H.B. 1600.

myrtillata Thnbg. H.B. 1600.

dilucidaria Schiff. M.B. 1700. H.B. 1600. P. 2500.

zelleraria Frr. Gl.H. 2300.

mendicaria F. Sch. H.B. 1600.

caelibaria H. Sch. Gl.H. 2300. P. 2700. 1 5’ stark verdunkelt. Dasydia tenebraria f. inuptaria H. S. M.B. 20—2300.

Psodos trepidaria Hbn. M.B. 20—2300. P. 23—2700.

alticolaria Mn. P. 2700.

alpinata Sc. M.B. 18—2000. P. 2300.

coracina Esp. P. 2300.

quadrifaria Sulz. M.B. 17—2000. H.B. 1700. GI.H. 2000.

ab. stenotaenia Schwgss. P. 2700. Pygm. fusca Thnbg. M.B. 2300. P. 23—2500. ab. destrigata Strd. Unter der Art. ab. unistrigata Schk. Unter der Art. lt. wauaria L. H.B. 1600. Ch.velathrata 1. D.B. 1500:

Gesammelte Raupen und Puppen, vor allem aus der Gruppe der Geometriden, wurden infolge der Unsicherheit in der Bestim- mung nicht berücksichtigt. Erwähnung verdient noch ein be- obachteter Massenflug von Pieriden am Kaprunertörl in einer Höhe von 2500 m. In einzelnen, dichteren Partien, schätzungs- weise je 300—500 Stück, flogen die Tiere dicht am Boden mit Gegenwind das Nordtal herauf und trachteten über die Scharten dem Süden zu. Das Schauspiel vollzog sich siebenmal mit geringen Zeitunterbrechungen zwischen Il Uhr vorm. und 3 Uhr nachm. Die aus den einzelnen Zügen herausgefangenen Exem- plare ergaben ausschließlich drassicaee und rapae, erstere 60 bis 70 Prozent, und zwar überwiegend weibliche Individuen. Bei unserem Überstieg über den Karlingergletscher fanden wir eine große Anzahl Pieriden aut dem Eis erfroren. Die große

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Anzahl der ebenda eriroren aufgelundenen gamma läßt die Ver- mutung aufsteigen, daß sich diese in Anzahl den Pieriden an- geschlossen haben.

Das hiemit vorliegende Verzeichnis hoffen wir dieses Jahr durch eine abermalige Durchforschung des Gebietes ergänzen zu können und werden an dieser Stelle hierüber berichten.

Eine lepidopterologische Sammelreise ins Großgiocknergebiet. Von G. Warnecke, Altona (Elbe). l. Allgemeines.

Es gibt klassische Stätten der Entomologie, die, wenn es einen entomologischen Baedeker gäbe, mit zwei Sternen be- zeichnet werden würden; das sind Orte, die sich sowohl durch besondere, nur ihnen eigentümliche Arten oder Formen aus- zeichnen, als auch durch die Zahl der vorkommenden Arten auf verhältnismäßig kleinem Raum hervorragen, so daß sie geradezu einen lebendigen Katalog aller in jenen Gegenden auftretenden, aber sonst nur zerstreut beobachteten Arten bilden. Zu diesen klassischen Fundorten gehört auch Heiligenblut mit dem Großglocknergebiet in Kärnten. Gewiß, mit Digne dürfen wir das Gebiet nicht vergleichen, und auch vor den be- rühmten Fangplätzen der Südschweiz und Südtirols steht es zurück, aber in den Ostalpen ist es einer der hervorragendsten Fundorte, ein Gebiet, das durch die Gunst seiner Lage, einer- seits am Südhang der Zentralalpenkette, und anderseits bis zu den Höhen eisiger Gletscher reichend, auf engem Raume alles birgt, was in den übrigen Ostalpen zum Teil nur recht spärlich und zerstreut beobachtet ist. So sind hier allein in Kärnten gefunden Parnassius delius Esp. und Pieris callidice Esp., letztere Art nach Hofimann auch in Steiermark nur sehr selten vorkommend. Hier fliegen Melitaea cynthia Hb., merope Prun. und asieria Frr. 18 Erebienarten bevölkern das Gebiet, nur die begehrteste Art der Kärtner Berge, Erebia arete F., fehlt. Lycaena orbitulus Prun. und eros O. (beide nach Hofiimann 1909 bisher in ganz Steiermark noch nicht beobachtet) sind im Glocknergebiet häufig, ebenso die aus Steiermark nur von den Sölker Alpen bekannte Zycaena pheretes Hb. Nickerl fand am

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Großglockner zuerst und beschrieb von hier /no geryon Hb var. chrysocephala und Endrosa roscida Hb. var. melanomos. Und so könnte man noch zahlreiche Namen nennen.

Wegen seiner Vorzüge ist das Gebiet daher auch schon früh der Zielpunkt der Sammler gewesen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts haben es die Botaniker eifrig durchforscht und als wertvolle Fundgrube für seltene Pflanzen erkannt. Die Entomologen sind erst viel später gefolgt. Nickerl scheint der erste gewesen zu sein, der das Glocknergebiet als Schmetter- lingssammler erforscht hat. Jedenfalls hat seine Reise, deren Ergebnisse er in der Stettiner Entom. Zeitung, Band VI. 1845, veröffentlichte, den Anstoß zu den eingehenden Durchiorschungen des Gebietes von Staudinger und vor allem von Mann gegeben. Mann, der hervorragendste Sammler seiner Zeit, der in den verschiedensten Gegenden Europas und Vorderasiens gesammelt hat, ist nicht weniger als achtmal im Glocknergebiet gewesen ; sein in den Verhandlungen der zoolog.-botan. Gesellschaft in Wien 1868 veröffentlichtes Verzeichnis ist das vollständigste bisher über dies Gebiet erschienene. Sein der Jahreszeit nach frühester Besuch begann am 1. Juli 1856; er sammelte damals volle. sechs Wochen in Heiligenblut. Später als Mitte August scheint er nicht in dem Gebiet gewesen zu sein. Auch Staudinger weilte nur bis zum 12. August hier.

Als daher mein entomologischer Freund Rechtsanwalt Feuer- herdt in Altona, der Parnassierspezialist, und ich von Mitte August 1920 an einen mehrwöchigen Aufenthalt im Groß- glocknergebiet in Aussicht nahmen, waren wir uns darüber klar, daß unsere zu einer entomologisch anscheinend so wenig aussichtsreichen Zeit zu erwartenden Erfahrungen in jedem Fall, auch wenn sie nur spärlich sein würden, nicht lediglich All- tägliches bringen würden, und in froher Hoffnung machten wir uns auf die Reise. Wir sind dann, ich vom 19. August an, Feuerherdt vom 24. August an, beide bis zum 15. September im Glocknergebiet gewesen. Unsere Hoffnungen wurden über- troffen; wir sind reichbefriedigt von den entomologischen Er- gebnissen unserer Reise zurückgekehrt.

Und diese Ergebnisse man verlange allerdings vom Sep- tember nichts Unmögliches und nicht zu viel Neues ermutigen uns, trotz der vielen schon vorhandenen Beiträge zur Kenntnis der Makrolepidopterenfauna des Glocknergebiets noch einen weiteren Beitrag zu liefern. Wir können als für die Fauna neue,

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d.h. in der bisherigen Literatur noch nicht verzeichnete Arten, 18 von uns geiangene melden. Dazu kommen noch drei neue Arten, die wir in einer Heiligenbluter Sammlung fanden. Was uns aber wesentlich interessanter erscheint, das sind unsere biologischen Beobachtungen, selbst wenn es sich nicht um seltene, im Preiskatalog hoch ausgezeichnete Arten handelt. Wie wertvoll waren uns die Funde von Puppen der Pieris callidice Esp., die so täuschend ähnlich dem Graugrün ihrer Unterlage an den Steinen in der Gemsgrube saßen! An einer vor dem Schlüpfen abgestorbenen Puppe, die den fertig entwickelten Falter enthielt, stellten wir schon dort unten unzweifelhaft fest, daß es sich es konnte ja auch in der Gemsgrube nicht gut etwas anderes sein um Pieris callidice-Puppen handelte, die also in diesem Stadium und nicht, wie im Hofmann-Spuler und Berge- Rebel angegeben, als Raupen überwintern. Jetzt, von Anfang bis Mitte November 1920, schlüpfen die Falter im warmen Zimmer bei meinem Begleiter Feuerherdt. Heute, am 17. November, sind schon über ein Dutzend 5 und 9 geschlüpft.

Von Erebien haben wir die anscheinend seit Sandberg nicht wiedergefundene Raupe von Zrebia lappona entdeckt und konnten die Beschreibung richtigstellen. Die Mitte Oktober 1920 bei uns geschlüpiten Falter bestätigen die von unserem besten Zrebien- Kenner, Herrn Selzer in Hamburg, vermutete Zugehörigkeit der Raupe zu dieser Art.

Erebia pronoe- und £yndarus-Räupchen werden jetzt auf- gezogen, um die bisherigen Raupenbeschreibungen nachzuprüfen. Wir hatten die @9 dieser beiden Zredbien erst in den letzten Tagen vor unserer Abreise, Mitte September, in Anzahl erhalten; als wir aufbrachen, um in langsamen Fußmärschen durch das schöne Mölltal nach Winklern und von dort über den Iselsberg nach Dölsach zu wandern, hatten erst einige O9 abgelegt. Da mußten sie, weil wir ihnen nicht die Freiheit geben wollten, sämtlich mit einem Stück Grasboden in Bierkrüge und weit- halsige Gläser gestopft und in diesen in den Rucksäcken ver- packt werden. Wenn wir Aufenthalt machten, wurden die Gläser herausgenommen und in die Sonne gestellt. Der Transport gefiel den 29 anscheinend, denn sie fingen sofort an zu legen, und so konnten wir beim Essen in aller Ruhe die Eiablage be- obachten, der sich besonders die Z/yndarus-Q2 trotz der für ihre Statur sehr großen Eier mit wahrer Leidenschaft hingaben. Selbst- verständlich wurden die Tiere auch genährt, und nach jeder

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Mahlzeit unserseits wurde, ehe wir wieder aufbrachen, den Erebien Zuckerwasser gereicht.

Hoffentlich gelingt auch die Aufzucht von Melitaea cynthia- Raupen, die angeblich noch nicht vor der Überwinterung ge- lungen sein soll.

Was unser Sammelgebiet anlangt, so sammelten wir von Heiligenblut aufwärts die Glocknerstraße entlang bis zum Glockner- haus, dann am FranzJoseihaus und in der Gemsgrube. Die Gegend selbst ist ja so bekannt, daß ich mir Schilderungen und nähere Angaben über die einzelnen Lokalitäten wohl ersparen kann, zumal sich bei Nickerl eine ausführlichere Beschreibung findet. Nur über die Gemsgrube seien mir einige Worte gestattet. Sie ist der vorgeschobenste im Sommer schneefreie und Vege- tation tragende Erdileck gegen den oberen Pasterzenboden, d.. h. ‚den ‚oberen Teil des Glocknergletschers. "Es ist eine Mulde, die von drei Seiten von steilen Hängen und ewigem Schnee umrahmt ist, während sie auf der vierten Seite steil zum mittleren Teil des Pasterzengletschers abfällt. Tatsächlich ist sie daher fast ganz von Eis und Schnee auch im Sommer um- geben. Wir machten uns, nachdem wir Ende August nur bis an den Fuß des Abhanges gekommen waren und mit Rück- sicht auf die späte Nachmittagsstunde hatten umkehren müssen, noch einmal am 1. September vom Franz-Josei-Haus aus dort- hin auf. Zuerst kam ein dreiviertelstündiger Marsch über das Eis des Gletschers, dessen Spalten durch Neuschnee verdeckt waren. Vanessa urticae-Falter kreuzten öfter unseren Weg und einmal fanden wir auf dem Eise festgeiroren ein frisches 5 von Argynnis pales. Nachdem der Gletscher passiert war, ging es über Geröll den steilen Abhang zur Mulde hinauf und bald war über die Hoifmannshütte die eigentliche Gemsgrube erreicht. Sie war größtenteils schneefrei, nur hier und da zeigten sich ausgedehntere oder kleinere Schneeflecke. Es war schönstes Wetter der erste schöne Tag seit einer Woche und die Sonne brannte, da überall das Eis ihre Strahlen zurückwarf wie im Sommer, so daß wir auf Falter hofiten. Aber welche Enttäuschung! Nur Vanessa urticae ilog nicht selten in schnellem Fluge die Abhänge hinauf, sonst war auch nicht ein einziger Falter zu sehen, trotzdem wir uns den ganzen Tag in der Grube aufhielten. Während wir acht Tage später auf dem Brettboden, der nur 300 m tiefer gelegen ist, noch reiche Aus- beute machten und überall noch blühende Blumen fanden, war

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hier oben Falter- und Blumenleben erloschen; nicht einmal eine verspätete Skabiose war mehr zu sehen. Die Natur be- reitete sich schon zum Winterschlaf vor; der Kreislauf der jähr- lichen Entwicklung, der seinen Höhepunkt im Erscheinen des fertigen Insektes findet, war olienbar schon längere Zeit ab- geschlossen, da wir keine Falter mehr fanden. Nie ist mir so klar gewesen wie an diesem Tage, daß wir an solchen zwischen ewigem Eis liegenden Oasen auf einem Boden stehen, der uns längst vergangene erdgeschichtliche Epochen wieder erstehen läßt, daß wir hier eiszeitliche Verhältnisse vor uns haben, wie wir sie sonst nur in arktischen und antarktischen Gegenden finden. Etwa neun Monate des Jahres wird auch die Gems- grube mehr cder weniger von Schnee bedeckt sein, nur ein kurzer, allerdings heißer Sommer wärmt die Insektenwelt, die sich hier eine Zuflucht gesucht hat, und das Leben der Falter ist schon wieder erloschen, wenn nur einige 100 m tiefer, auf dem Brettboden, der doch auch 2000 m hoch liegt, zahlreich noch frische Falter erscheinen. Was hier oben in der Gems- grube fliegt, sind mit wenigen Ausnahmen eiszeitliche Relikt- formen; teilweise haben sie sich in freiwilliger Beschränkung in dieses Gebiet zurückgezogen, trotzdem ihre Biologie ein Vorkommen in tieferen Lagen wohl zuließe. So scheint mir der Fall insbesondere bei Pieris callidice Esp. zu liegen, die, wie unsere Erfahrungen beweisen, mühelos ohne Überwinterung aus der Puppe zu erziehen ist, daher oifenbar die Tendenz hat, die bei den Pieriden übliche zweite Generation zu bilden, was wohl nicht unmöglich wäre, wenn der Falter tiefer in die Talhänge hinabsteigen würde. Gegenüber diesem Verhalten der callidice- Puppen beachte man die Aussichtslosigkeit, die Puppen von Zuchloe cardamines L. vor dem Winter zum Schlüpfen zu bringen. Einige Angaben über das Wetter erscheinen mir nicht un- zweckmäßig. Es war in der ersten Hälite unseres Aufenthalts nicht besonders gut, zum Teil sogar ausgesprochen schlecht, wurde dann aber Anfang September allmählich besser und war vom 7. September an so wunderbar mit wärmender Sonne und strahlend blauem Himmel, wie man es sich nicht schöner wünschen konnte. Über einzelne Tage wäre folgendes zu be- richten. Nachdem ich am 19. August in Heiligenblut an- gekommen war, sammelte ich am 20. August gleich die Glockner- straße entlang bis zum Glocknerhaus; die Wiesen auf dem Brettboden waren fast alle noch nicht gemäht, und Zrebien,

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Argynnis pales und andere Arten flogen mehr oder minder reichlich umher. In den nächsten Tagen wechselte Regen mit einigen sonnigen Stunden; trotzdem wanderten wir beide am 26. August zur Franz-Josei-Höhe (2422 m) über dem Pasterzen- gletscher hinauf, da uns die kundigen Eingeborenen für die nächsten Tage todsicher gutes Wetter versprachen. Am 27. August schneite es dann den ganzen Tag, am 28. August an welchem morgens um 9 Uhr 0 Grad war artete der Schneefall teil- weise zu Schneegestöber aus und am 29. August bedeckte frostiger Nebel das ganze Gelände. Nur die gastliche Aufnahme im Franz-Josef-Haus ließ uns die Erschütterungen dieser Tage über- winden; in den etwas günstigeren Mittagsstunden wurde die nächste Umgebung abgestreiit und Steine gewendet, die uns auch Raupen und Käfer brachten. Dann aber wurde das Wetter schön, wenn auch ab und zu noch ein halber Nebel- und Regen- tag uns die Erinnerung an die ersten Tage im Franz-Josei-Haus zurückzuruien versuchte. Der Schnee, der bis zum Glocknerhaus herunter gelegen hatte, verschwand und frischeFalter, Zrebien, Argynnis pales und einige Spanner, erschienen wieder. Am I. September sammelten wir, wie oben schon erwähnt, in der Gemsgrube; aber nur Raupen und Käfer gab es unter Steinen; Falter waren außer urlficae nicht mehr zu finden, nur die Flügel- reste von Zygaena exulans, Psodos sp. und Frebia lappona fanden sich unter den Steinen. Auf dem Brettboden waren am nächsten Tage die Wiesen zum Teil noch nicht gemäht, Skabiosen, Disteln, Glockenblumen und viele andere blühten reichlich und überraschten uns beim Vergleich mit der nur 300 m höheren Gemsgrube, in der schon alles Blütenleben erstorben gewesen war. Bei leidlichem Wetter fingen wir an diesem 2. September nur einige Zrebien (pronoe, tyndarus, cassiope), Pyrameis cardui und einige Spanner, auch eine Raupe von Biston alpinus. Am 3. August kehrten wir nach Heiligenblut zurück, doch wurde bei dem wunderbaren Wetter der Brettboden von hier aus noch mehrere Male, besonders von Feuerherdt, aufgesucht. Am 8. September waren wir bei schönstem Wetter den ganzen Tag unterwegs und brachten vom vorderen Sattel, der Bricciuskapelle und dem Brettboden bis zum Pallik reiche Beute nach Hause; irische Zrebien, besonders weibliche, von pronoe und fyndarus jlogen zahlreich; auch Argynnis pales war in beiden Geschlech- tern frisch in großer Anzahl vorhanden, einzelne Agrotis saßen auf Disteln usw. usw.

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Die Höhen der bemerkenswertesten, im folgenden Verzeichnis erwähnten Fundorte sind folgende:

keihrenblat. AB 12 79m Brieeiuskapeller a ar 22784716125, Pallik (an der Glocknerstraße,

erster. Blick zur }Pasterze) ‘. .. 2.1950), Breitboden pi. Sltsr, 1700— 2100 „, Glaeknerhaus "Ser 2 12143, Eranz=josei-Haus | Dr 9=. 7.50.0.2152422),, Gemserubey.... Ware 2400— 2600 ‚,

Il. Verzeichnis der vom 19. August bis 15. September 1920 im Glocknergebiet gesammelten Makrolepidopteren.

Von G. Warnecke und R. Feuerherdt.

Vorbemerkung. Das nachfolgende Verzeichnis enthält außer den von uns gesammelten Arten auch einige Bemerkungen über Falter, die wir in der Sammlung der Frau Oberlehrers- witwe M. Sprenger in Heiligenblut fanden, und über die uns Frau Sprenger in liebenswürdigster Weise Auskunft erteilt hat.

Parnassius apollo L. Am 8. September beim Auistieg zum vorderen Sattel 2 verflogene 3 (F.), 1 @ am 13. September auf der Glocknerstraße bei etwa 1500 m (W.).

Parnassius delius Esp. Am Wege zum Glocknerhaus am 20. August in der Nähe des Pallik 2 5, eins davon noch gut erhalten; die Falter setzten sich mit ausgebreiteten Flügeln flach auf den Boden und blieben längere Zeit in dieser Stellung (W.). Am 2. September wiederum ein beschädigtes 5 am Pallik (W.). Am 9. September I 5 auf dem Brettboden, am 13. September Neitınter dem. Pallık‘ (F:):

Pieris brassicae Esp. Am 20. August ilog der Falter in abgefilogenen Stücken nicht selten bis zum Glocknerhaus, am 6. September bei Heiligenblut, am 8. September am Pallik noch 2 J..

Pieris rapae L.. Am 20. August in abgeilogenen Stücken bis zum Glocknerhaus (W.).

Pieris napi L. 1 Stück und I © dryoniae O. (Sammlung Sprenger.) 6. September frische Exemplare bei Heiligenblut (F.).

Pieris callidice Esp. Am 30. August fanden wir bei der Franz-Joseis-Höhe (hinter dem Franz-Josefs-Haus) eine erwachsene Raupe, die sich auf einem Stein sonnte. Ich konnte nur eine

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flüchtige Beschreibung aufnehmen, die ich folgen lasse (W.): Unterseite dunkel blaugrau, an den Seiten läuft eine orangegelbe Linie, dann folgt eine blauschwarze Nebenrückenlinie. Zwischen dieser und der ebenfalls blauschwarzen Rückenlinie ist die Färbung jeden Ringes im vorderen und hinteren Teil gelb, in der mittleren Hälfte hell blaugrau; in dieser hellblauen Mitte jeden Ringes stehen schwarze Warzen, zwei größere und mehrere kleinere. Kopf blaugrau, an jeder Seite ein orangegelber Fleck. Die drei ersten Fußpaare schwarz, die übrigen grünblau. Zeichnungsanlage und Färbung der Raupe erinnern an Pieris daplidice G., wie auch in der Literatur schon angegeben ist. Die Abbildung der Raupe bei Hofmann-Spuler Taf. I Fig. 10 ist verfehlt. |

Am 1. September fanden wir beide in der Gemsgrube nicht selten die Puppen, ebenso irisch‘ angesponnene Raupen an Steinen, ganz einzeln auch noch Raupen, die sich auf flachen Steinen sonnten. Eine halberwachsene Raupe fraß an einer Draba, deren nähere Bestimmung leider nicht sichergestellt werden konnte. Die Puppen sind dem Graugrün der Steine täuschend ähnlich. Rücken und Hinterleib ist graugrün und mit grauen Flecken zahlreich übersät. Kopf und Flügelscheiden mattgrün, die Adern durch dunkelgraue Punkte markiert. An den Seiten läuft eine unterbrochene orangegelbe Linie entlang, der Thorax ist helmartig erhöht, die scharfe Schneide dieser Erhöhung ist ebenfalls mit unterbrochenen gelben Flecken ver- sehen.

Wir haben etwa 50 Puppen und angesponnene Raupen gefunden, und es kann danach kein Zweifel bestehen, daß regel- mäßig von callidice die Puppe und nicht, wie im Hoimann- Spuler und Berge-Rebel steht, die Raupe überwintert. Übrigens ist diese Beobachtung auch schon früher gemacht und von Vorbrodt in seinem Werk über die Schmetterlinge der Schweiz angegeben.

Was uns das Interessanteste war, ist aber das leichte Schlüpfen der Puppen im warmen Zimmer, ohne daß sie vorher der Kälte ausgesetzt waren.

Ende August erscheinende Exemplare könnten daher sehr wohl eine unvollständige zweite Generation darstellen, die aus früh erwachsenen und verpuppten Raupen herrühren; denn die Tendenz zum frühzeitigen Schlüpfen ist offensichtlich vor- handen.

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Anthocharis cardamines L. Heiligenblut (Sammlung Sprenger).

Colias phicomone Esp. 2 5 am 20. August vor dem Glocknerhaus, 1 verilogenes 5 Brettboden 8. September (W.), 2 © 10. September Heiligenblut und Gibberalp (F.).

Colias hyale Esp. 6. September 1 Exemplar Heiligenblut, 7, September ebenda ein 5‘, 9. September 2 5 vor Heiligenblut im Mölltal.

Rhodocera rhamni L. | 5 19. August im Mölltal (W.). 1 frischer 5 im Mölltal, einige 100 m oberhalb Heiligenblut am li. September (F.).

Pyrameis atalanta L. Am 20. August 2 Stücke am Glockner- haus, I verilogenes % am 8. September bei Heiligenblut, auch in den folgenden Tagen hier mehrfach beobachtet.

Pyrameis cardui L. Am 20. September einzeln von Heiligen- blut bis zum Glocknerhaus beobachtet. Am 30. September ein Stück an der Pasterze (F.). Am 8. September fanden wir mehrere Exemplare bis zum Pallik hinauf, eine Raupe an einer Distel bei der Bricciuskapelle.

Vanessa io L. Das erste Stück am 6. September bei Heiligenblut (F.).. Am 9. und 10. September je ein Exemplar auf dem Weg zur Fleiß.

Vanessa urticae L. Einer der häufigsten Blter während unseres Aufenthalts. Am Pallik (1960 m hoch) fand ich am 20. August völlig abgeiressene Nesseln und junge Raupen, aber auch frische Falter. Am 1. September war urtficae der einzige Falter in. der Gemsgrube, wo er in eiligem Fluge und sehr flüchtig die Abhänge entlangflatterte. Auch auf dem Pasterzen- gletscher kreuzte er unseren Weg. Am 8. September war der Falter bei Heiligenblut sehr häufig, am 13. September wurden noch kleine Raupen auf der Glocknerstraße hinter dem Pallik beobachtet (W.).

Besonders aufgefallen ist uns, daß der Falter ganz bedeutend scheuer und flüchtiger ist als bei uns im Niederelbgebiet, wo er sich sorglos auf den Herbstblumen tummelt und den Sammler dicht an sich herankommen läßt.

Vanessa antiopa L. Bricciuskapelle ein Exemplar am 8. Sep- tember (W.), am 10. September ein Stück am Weg zur Fleiß (W.), am 11. September sahen wir ein Exemplar bei Heiligenblut, am 13. September eins auf der Glocknerstraße hinter Heiligen- blut.

N RO:

Polygonia c-album E. 8. September ein Stück am vorderen Sattel(W.), 9. September ein Stück am Brettboden oberhalb des Glocknerweges (F.).

Melitaea cynthia Hb. Halb- und dreiviertel erwachsene Raupen fanden wir einzeln unter Steinen an der Franz-Joseis- Höhe, ganz vereinzelt in der Gemsgrube am 1. September.

Wir haben die Raupen immer nur zerstreut und einzeln, jede für sich, gefunden, meist in einem dünnen Gespinst, an- scheinend schon zur Überwinterung bereit. Wir können daher die in den Lehrbüchern, z. B. im Berge-Rebel, enthaltene An- gabe, daß die Raupen in gemeinschaftlichem Gespinst über- wintern, nicht bestätigen; denn daß sich die zerstreuten Raupen wir fanden sie sehr zerstreut wieder sammeln sollten, kann wohl nicht angenommen werden. Indessen soll nicht aus- geschlossen werden, daß in ungünstigen Jahren, wenn die Raupen in einem früheren Stadium zur Überwinterung schreiten, diese Überwinterung gemeinschaftlich ist.

Argynnis pales Schiff. Der häufigste Tagfalter des Glockner- gebietes. Am 28. August am Brettboden häufig frische 5 und 9; am 23. August auf der Franz-Joseis-Höhe I 5, das auf Schnee saß und sich sonnte (W.). Am 8. September fingen wir frische ‘' und 9 von der Bricciuskapelle bis zum Brettboden und Pallik sehr zahlreich, beobachteten nachmittags auch mehrfach die Copula. Am 9. September 2 dunklere®, Übergänge zu napaea (F.). Auch am 13. September waren auf dem Brettboden 5 und © in verllogenen, aber auch in ganz frischen Stücken häufig, nachmittags fanden wir wieder die Pärchen auf Blüten sitzend in Copula.

Auf der Franz-Joseis-Höhe fanden wir unter Steinen nicht selten geschlüpfte Argynnis-Puppen, die nur pales angehören konnten; eine volle Puppe ergab leider nur eine Ichneumonide.

Argynnis lathonia L. Ein frisches, dunkles Exemplar am 7. September bei Heiligenblut (F.). Einige Exemplare am 10. Sep- tember am Weg zur Fleiß (W.).

Argynnis aglaja L. Ein 5 am 20. August oberhalb Hei- ligenblut, ein ganz verilogenes © am 6. September ebenda (W.). Am 9. September ein Stück auf dem Brettboden.

Argynnis paphia L. v. valesina Esp. Ein Stück in der Sammlung Sprenger. Valesina scheint in dieser Ecke Kärntens und im angrenzenden Tirol nicht selten zu sein. Ich beobachtete ein Exemplar am Iselsberg und ein weiteres bei Lienz (W.).

Aa MEI:

Erebia epiphron Knoch v. cassiope Hb. Auf dem Brett- boden. Das genaue Datum kann augenblicklich nicht angegeben werden, da die eingetüteten Falter verlegt sind.

Erebia melampus Fueßl. Mehrere verfilogene und frische o' und ein frisches © am 20. August in der Höhe des Pallik (W.). Im September einzeln auf dem Brettboden (W., F.). Die 9 legten nur sehr schwer und einzeln Eier ab. Das Ei ist tonnenförmig (ganz anders als die Eier von pronoe und Zyndarus), Jang, an den Enden rund abgestumpft, längsgerieit und von weißlicher Farbe.

Erebia pronoe Esp. Am 20. August am Glocknerhaus die o' frisch und abgeflogen nicht selten, die 9 frisch. Die Falter flogen auch auf der Glocknerstraße selbst. Am 23. August und 2. September, in den Tagen mit schlechter Witterung und Schnee- fall bis zum Glocknerhaus, fingen wir nur verilogene Stücke. Am 8. September waren wieder frische 9’ und © vom vorderen Sattel an über den Brettboden bis zum Pallik häufig, ebenso in den folgenden Tagen am Brettboden; noch am 13. September fanden wir an der Glocknerstraße guterhaltene 5 und 9.

Eiablage erzielten wir im Gegensatz zu den melampus-2 mit Leichtigkeit. Das Ei hat im großen und ganzen die Form eines Hühnereis, ähnlich dem Ei der Zrebia tyndarus. Doch ist es an beiden Enden, besonders an der Spitze, stumpfer und mehr abgeplattet. Mit Längsrieien ist es versehen. Die Farbe ist zu- nächst gelblichweiß, wird nach einigen Tagen gelblich und vor dem Schlipfen violett. Am 27. September schlüpiten in Ham- burg die ersten Räupchen. Sie befinden sich jetzt in der Über- winterung bei Herrn Selzer, unserem gewiegten Erebienzüchter. Die Zucht ist in der Literatur allerdings schon früher bekannt- gegeben.

Erebia gorge Esp. Ein % am 20. August auf der Glockner- straße am Pallik (W.).

Erebia ligea L. Ein Stück in der Sammlung Sprenger.

Erebia lappona Esp. Am 1. September fanden wir in der Gemsgrube 5 erwachsene Erebienraupen (Feuerherdt 3, War- necke 2), die wir mangels genügender Literatur nicht genau be- stimmen konnten. Wir schwankten wegen der Größe der Rau- pen zwischen glacialis und Zappona, von letzterer Art hatten wir Flügelreste unter den Steinen der Gemsgrube gefunden. Die Raupen fraßen im Zimmer den September hindurch sehr eifrig an allen Gräsern, die ihnen ziemlich wahllos vorgelegt wurden;

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anfangs Oktober verpuppten sie sich und ergaben nach etwa drei Wochen noch im Lauie des Oktober die Falter, alles 2 von lappona.

Über die Raupen ist folgendes zu bemerken (W.): Alle Be- schreibungen in der Literatur scheinen sich auf die Angabe Sandbergs zu stützen, der 1885 eine Beschreibung nach einer skandinavischen Raupe gegeben hat; jedenialls stimmen alle spä- teren Mitteilungen fast wörtlich damit überein. Eigene Beobach- tungen von anderen Seiten sind mir nicht bekannt geworden. Von Sandbergs Angaben weichen aber unsere Beobachtungen ab, so daß es nicht unzweckmäßig sein dürite, zum besseren Verständnis zunächst Sandbergs Beschreibung wiederzugeben. Sandberg charakterisiert die Lapponaraupe folgendermaßen (Berl. Entomol. Zeitschrift, Band 29, 1885, Heft II, p. 249): ‚Kopf klein, kugelrund, schwarz; Körper rund, nach vorn abiallend, beson- ders aber nach hinten, mit feinen schwärzlichen Härchen besetzt, grasgrün, mit einer schwarzen, vorn abgebrochenen Dorsallinie und einer anderen, durch schwarze Flecken gebildeten, längs der Seiten; die Peripherie der Luitlöcher schwarz; Anus zwei- spitzig, Länge 25 mm. Die Raupe ist von Natur träge, zieht sich bei Berührung zusammen wie eine Schnecke, überwintert und verwandelt sich im Monat Mai oder Juni frei an der Erde oder unter derselben.“

Sandberg fand die Raupe in einem überwinterten Exemplar im Südvarangergebiet im arktischen Norwegen. „Sie lag zwischen angewelktem Gras von Festuca, welches wahrscheinlich das Futter der Raupe war, wollte aber keine Nahrung zu sich nehmen. Sie verpuppte sich am 11. Juni, nachdem sie während einer Woche unbeweglich, schneckenförmig nach der Seite zu- sammengezogen, gelegen hatte. Leider aber starb die Puppe einige Tage nach der Verwandlung, da sie aus dem Raupen- zustand Parasiten mitgebracht hatte.“

Mit der Beschreibung Sandbergs stimmen nun die von uns gefundenen Raupen nicht überein. Ich habe in Heiligenblut noch folgende Beschreibung aufgenommen: Die Raupe hat die übliche Form der Erebienraupe, der Körper hat sattgrüne Färbung, Längszeichnungen kaum als Schattierungen zu er- kennen. Auf dem Rücken läuft, von den mittleren Segmenten an, eine schwarze, breit unterbrochene Linie zu den rot- braunen Schwanzspitzen. Der Kopf ist nicht kleiner als bei anderen Erebienraupen und lichtrotbraun, vorne

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mit einem fast als violett zu bezeichnenden Anflug. Die ersten drei Fußpaare sind hellbraun, die übrigen grün, die Stigmen schwarz. Diese Beschreibung gilt für alle fünf Raupen gleichmäßig.

Da sich die Raupen teils auf der Reise, teils in den ersten Tagen nach meiner Rückkehr, die mich naturgemäß anderweitig in Anspruch nahmen, verpuppten, ist leider eine eingehende Beschreibung unterblieben. Im großen und ganzen stimmen danach zwar Sandbergs und meine Angaben überein, ich bin aber doch erstaunt, daß Sandberg nichts von der rotbraunen Färbung der Schwanzspitzen erwähnt; sie fiel uns gleich als ganz besonderes Merkmal auf und kann gegenüber dem Sattgrün des übrigen Körpers gar nicht übersehen werden. Auch der lichtrot- braune Kopf ist auffallend; es ist gar keine Spur einer dunkleren Färbung, etwa gar einer schwärzlichen oder schwarzen, darin. Ich möchte den Widerspruch zwischen Sandbergs und unseren Angaben über die Farbe des Kopies damit erklären, daß es sich bei Sandbergs Raupe er hat oifensichtlich nur eine einzige gehabt um ein durch die Parasiten krankhait ver- ändertes Exemplar gehandelt hat. Wenn ich Sandberg recht verstehe, hat er die Identität der Raupe mit Zr. Zappona auch nur daran erkannt, daß die eingegangene Puppe dieser Raupe mit einer von ihm schon acht Jahre vorher gefundenen Puppe übereinstimmte, die ihm einen Falter ergab.

Die Abbildung der Raupe im Hoimann-Spuler, Nachtrags- tafel I Nr. 15, dürfte wohl von Griebel nach der Beschreibung Sandbergs entworfen sein; sie ist schon in der Form verfehlt. Von dem ganzen Bild stimmt eigentlich nichts mit unseren Raupen überein, auch die Färbung war bei unseren Raupen viel satter grün; die schwarze Rückenlinie ist viel zu weit nach vorne verlängert und viel zu schmal unterbrochen.

Sandbergs Puppenbeschreibung ist zutreffend. Nur wäre für die von uns beobachteten Puppen hinzuzufügen, daß auf den schmutzig dunkelgrünen Flügelscheiden die Adern deutlich hell gezeichnet sind, so daß man den Aderverlauf der unent- wickelten Flügel ganz genau sieht; auch der Diskus hebt sich klar ab. Die leere Puppenhülle zeigt diese Aderzeichnungen ebenfalls noch.

Die Raupen verpuppten sich frei am Boden in ihren engen Behältnissen; eine, die ich Herrn Selzer gebracht hatte, stand aufrecht, wie es bei den Erebien üblich ist, auf dem Boden zwischen den aus der Erde herauskommenden Grasstengeln.

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Bemerkenswert war bei einer von mir beobachteten Raupe die lange Dauer der Verfärbung vor dem Schlüpfen. Am Freitag abend, den 15. Oktober, hatte sie sich dunkel zu färben begonnen, am 16. Oktober morgens schimmerten die schwarzen Flügel mit roter Binde und darin befindlichen schwarzen Punkten deutlich durch die Puppenhaut durch, so daß ich jede Stunde aui das Schlüpfen hoffte. Aber erst am Dienstag, den 19. Oktober, er- schien der Falter, ein schönes %.

In der freien Natur wird die Raupe erwachsen überwintern. Damit würde auch Sandbergs Angabe übereinstimmen, sofern man die arktischen Verhältnisse ohne weiteres den alpinen zu Grunde legen darf Da der Falter sehr früh erscheint, ist eine Entwicklung der Raupe in einem Jahre, wie im Berge-Rebel vermutet wird, sehr wohl anzunehmen.

Auffallend bleibt immer, daß die Biologie dieser häufigen Art so unbekannt geblieben ist.

Erebia tyndarus Esp. Die häufigste Erebia während unseres ganzen Aufenthaltes. Am 20. August fand ich die Falter frisch und verfilogen auf dem Brettboden, an grasigen und an steinigen Stellen; besonders hielt er sich auch an den Steinwänden der Glocknerstraße selbst auf (W.). In den schlechten Tagen zu Anfang September verschwand er ebenso wie pronoe, aber vom 8. September an fanden wir ihn wieder sehr häulig in frischen und verfilogenen Stücken, besonders 9, von der Bricciuskapelle über den Brettboden bis zum Pallık. Die © verletzten sich außerordentlich leicht bei ihrem lebhaiten Herumkriechen ım Gras; teilweise waren sie so frisch, daß bei Beschädigungen des Flügels grüne Flüssigkeit austrat.

Am 11. September erzielten wir die erste Eiablage; die 99 legten sehr eifrig die für ihre Statur auffallend großen Eier an irgendwelches eingetopite Gras ab. Die Eier haben die Form eines Hühnereis, sind an beiden Enden stark abgestumpit, mit feinen weißen Längsstreiien, jedenfalls Längsrillen, versehen, von hellgrüner Farbe und porzellanartig glänzend. Später wurden sie mehr bläulichgrün.

Die ersten Räupchen schlüpiten am 27. September, zusammen mit den ersten pronoe-Eiern, in Hamburg; sie befinden sich jetzt ebenfalls bei Herrn Selzer im Überwinterungsstadium. Die Zucht ist schon von anderer Seite bekannt, bedari aber bei den aus- einandergehenden Angaben über die Färbung der Raupe der Nachprüfung.

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Satyrus semele L. Ein Stück von Heiligenblut in der Sammlung Sprenger.

Oeneis aello Hb. Ein Stück vom Pallik in der Sammlung Sprenger.

Epinephele Iycaon Rott. Am 19 August oberhalb Heiligen- blut einige ganz verilogene 5, am 7. September ebenda zwei verilogene 9, noch am 10. September verilogene Stücke auf dem Wege zur Fleiß (W.).

Coenonympha pamphilus L. Ganz frische J am 10. und 12. September auf dem Weg zur Fleiß (W.).

Coenonympha satyrion Esp. Am 10. und 13. September noch je ein 5 dieser Hochgebirgsart, deren eigentliche Flugzeit schon lange vorüber war, auf dem Brettboden (F.).

Chrysophanus virgaureae L. Ein verllogenes % am 19. August oberhalb Heiligenblut (W.).

Chrysophanus hippothoe L. Ein Stück in der Sammlung Sprenger.

Lycaena icarus Rott. Frische 5 und 9 fingen wir vom 6. September an bei Heiligenblut nicht selten.

Lycaena eros O0. Am 20. August vor dem Glocknerhaus einige 5 und ein frisches © (W.); am 9. September aui dem Brettboden ein 9%, am 10. ebenda ein 5 (F.).

Lycaene hylas Esp. Am 9. September ein Stück an der Glocknerstraße (F.), am 10. September zwei abgeflogene 5 auf dem Wege zur Fleiß (W.).

Lycaena corydon Poda. Am 19. August ein 5 oberhalb Heiligenblut (W.), am 9. September ebenda einige 5 (F.). Am 10. September noch ein verflogenes 5 an der Fleiß (W.).

Lycaena minima Fueßl. Ein © bei Heiligenblut am 6. Sep- tember (F.), am 7. und 10. September mehrere Stücke auf dem Wege zur Fleiß (F., W.).

Adopaea thaumas Hufn. Ein Stück bei Heiligenblut am 19 August (W),

Augiades comma L. Am 19. August bei Heiligenblut nicht selten, am 20. August einzeln bis zum Glocknerhaus (W.). Vom 6. September ar fingen wir die Falter in frischen Stücken beider Geschlechter nicht selten von Heiligenblut bis zum Pallik. Es dürfte sich um die Form a/pina Bath handeln; eine eingehende Prüfung war noch nicht möglich.

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/Acherontia atropos L. Zwei Stücke in der Sammlung Sprenger; bisher von Heiligenblut nicht angegeben. Es sind die Falter gefangen, keine Raupen.

Protoparce convolvuli L. Heiligenblut, zwei Stücke (Samm- lung Sprenger), ebenfalls neu.

Deilephila euphorbiae L. Im August fanden wir die Raupen sehr häufig oberhalb Heiligenblut in den verschiedensten Größen und Zeichnungsabarten.

Metopsilus porcellus L. Ein Stück in der Sammlung Sprenger.

Macroglossa stellatarum L. Ein 5 am 8. September am vorderen Sattel (F.).

Trichiura crataegi L. v. ariae Hb. Ein 5 fing ich am Il. September in Heiligenblut am elektrischen Licht; bisher für das Glocknergebiet noch nicht angegeben. Der Falter stimmt gut mit Stücken überein, die ich 1919 aus Raupen im Riesen- gebirge gezogen habe (W.).

Poecilocampa populi L. v. alpina Frey. Ein typisches 5 dieser für Heiligenblut ebenfalls neuen Art am 14. September am Licht (W.).

Lasiocampa quercus L. Eine kleine Raupe Ende August bei Heiligenblut (W.).

Macrothylacia rubi L. Anfang September an der Straße oberhalb Heiligenblut mehrere erwachsene Raupen.

Acronycta auriccoma F. Am 20. August bei Heiligenblut eine Raupe an Wolismilch. Anscheinend bisher bei Heiligen- blut noch nicht gefunden.

Acronycta euphorbiae F. Am 20. August eine Raupe am Pallik an Ampfer (auricoma an Wolismilch!), eine halberwachsene Raupe am 9. September bei Heiligenblut (W.).

Agrotis pronuba L. Zwei Stücke in der Sammlung Sprenger.

Agrotis cuprea Hb. Am 24. August ein © bei Heiligenblut auf einer Skabiose sitzend, am 8. September ein weiteres © auf einer Distel am vorderen Sattel. Das eine © legte Eier ab (W.).

Agrotis ocellina Hb. Am 8. September ein 9 am vorderen Sattel auf einer Distel. Das Stück ist zwar ziemlich hell, doch ist es keine alpesiris, die früher am vorderen Sattel gefangen sein soll (W.).

Agrotis grisescens Tr. Ein frisches 5 am 3. September in Heiligenblut am Licht (F.), am 6. September ein © an einem Felsen sitzend (W.).

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Agrotis decora Hb. Am 5. September ein 2 der Nominat- form in Heiligenblut am Licht, am 13. September ein frisches 9 der ab. livida Stdr. an der Glocknerstraße (W.); Höfner gibt in seinem Nachtrag I zur Fauna von Kärnten an, daß nur v. livida im Glocknergebiet gefangen sei.

Epineuronia popularis F. Je ein J am 22. und 23. August in Heiligenblut am Licht, bisher für Heiligenblut noch nicht verzeichnet.

Epineuronia cespitis F. Nicht selten in der Zeit vom 20. August bis 11. September am elektrischen Licht in Heiligen- blut. Die meisten Falter gehörten der v. ferruginea Höfner an, mit „rötlich lehmbraunen Vorderilügeln“, fast ohne Zeich- nung. Das am Il. September gefangene Stück entspricht da- gegen der Nominatiorm. Die Urbeschreibung der ferruginea Höfner kann ich augenblicklich nicht nachprüfen; sehr gut stimmen die von mir gefangenen Stücke aber mit der Beschrei- bung der decolor Sohn überein (Societas Entomologica, XI, 1896, S. 115), die Staudinger für synonym mit ferruginea erklärt.

Mamestra pisi L. Am 25. August eine erwachsene Raupe bei Heiligenblut an Klappertopf, ein großes Stück in der Samm- lung Sprenger. Die Art scheint für das Glocknergebiet neu zu sein, nach Höiner steigt sie nur wenig ins Gebirge auf.

Mamestra dentina Esp. Ein graues Stück in der Samm- lung Sprenger.

Dianthoecia nana Rott. Ein 2 am 19. August am Licht in Heiligenblut (W.).

Hadena gemmea Fr. Bisher für das Glocknergebiet noch nicht verzeichnet. Am 13. September fing ich ein frisches 9 oberhalb Heiligenblut, das an einem Stein saß. Die Art scheint in Kärnten bisher nur wenig beobachtet zu sein.

Hadena lateritia Hjn. Ein 5 am 23. August und ein ® am 4. September in Heiligenblut am Licht (W.).

Polia polymita L. Ein Stück dieser für Heiligenblut noch nicht verzeichneten Art fand ich am 21. August im Heiligenbluter Schulhaus an einem Fenster, ein frisches 9 flog am 5. September zum elektrischen Licht (W.).

Polia chi L. Neu für Heiligenblut. Das erste © fand ich am 19. August bei Heiligenblut an einem Zaun sitzend, später ebenda noch einige an Steinen, zuletzt ein 5' am 8. September. Nach Höfner geht die Art nur bis 1200 m hoch ins Gebirge.

ZI

Die Falter sind erheblich größer als meine mitteldeutschen und Vogesenstücke; eine genauere Beschreibung behalte ich mir vor. Dipterygia scabriuscula L. Ein Stück in der Sammlung Sprenger. Rhizogramma detersa Esp. Ein ganz abgeflogenes 5 saß am 21. August bei Heiligenblut an einem Felsen.

Brotolomia meticulosa L. Ein frisches 2 am 20. August am Pallik, ein weiteres am 23. August noch oberhalb des Pallik (in mindestens 2000 m Höhe) auf einer niederen Pilanze sitzend. Trotz des hohen Fundortes unterscheiden sich die beiden Falter nicht von Stücken des Flachlandes.

Hydroecia niclitans Bkh. An einem Fenster des Gasthauses fand ich einen Vorderflügel der ad. erythrostigma Hw. Zwei Stücke dieser Abart befinden sich auch in der Sammlung Sprenger. Die Art scheint für Heiligenblut neu zu sein.

Amphipyra tragopogonis L. Ein Stück am 5. September am Licht (F.), ein zweites Stück am 9. September ebenda (W.).

Xanthia lutea Ström (flavago L.). Am 5. September ein irisches © am Licht in Heiligenblut, am 10. September ein zweites Stück (W.).

Xanthia fulvago L. Am 11. September ein 9 in Heiligen- blut am Licht (W.).

Scoliopteryx libatrix L. Ein Stück in der Sammlung Sprenger. Die vorbezeichneten vier Arten sind in der Literatur über das Glocknergebiet noch nicht erwähnt.

Plusia variabilis Piller (illustris F.). Ein abgeflogenes Stück in der Sammlung Sprenger, ebenso

Plusia chrysitis L. und

Plusia bractea F.

Plusia gamma L. Ein frisches 5 am 8. September an der Bricciuskapelle (W.), am 8. September ein Stück auf dem Brett- boden (F.).

Acidalia similata Thnbg. Ein 5 am 23. August (W.), und ein zweites 5’ am 7. September (F.), beide bei Heiligenblut.

Acidalia incanata L. Ein frisches 5' flog an sonnigem Abhang über Heiligenblut am 6. September im Sonnenschein (W.)

Ortholitha limitata Sc. Ein Stück am 10. September auf dem Weg zur Fleiß (W.).

Ortholitha bipunctaria S.V. Am 23. August zwei 9 am Licht, auch im Freien in den folgenden Tagen mehrfach ein-

here,

zelne 9, meist abgeilogen, gefunden. Am 6. September noch ein frisches @ am Licht. Alle Falter sind ausgesprochen bläulich- grau. Es handelt sich also um die ad. gachtaria Frr., die im höheren Gebirge vielleicht eine eigene Rasse bildet. Gachtaria wird übrigens in denLehrbüchern als „bräunlichgrau“ beschrieben; Freyer nennt sie aber schiefergrau, stark ins Blaue spielend.

Aus abgelegten Eiern schlüpiten die Räupchen Anfang Oktober; sie befinden sich jetzt, da ein Versuch, sie zu treiben, nicht gelang, in der Überwinterung.

Lygris prunata L. Je ein Stück am 19. und 25. August in Heiligenblut (W.).

Lygris populata L. Nur noch in abgeflogenen Stücken in der Zeit vom 3. bis Il. September auf dem Brettboden, einzeln auch bei Heiligenblut gefunden; die Falter zeichnen sich durch ganz besondere Größe den von mir im Jahre vorher im Riesen- gebirge gefangenen Stücken gegenüber aus.

Larentia cognata Thnbg. An der Unterkuniftshütte am Pallik fand ich am 23. August ein © dieser bisher für das Glockner- gebiet noch nicht verzeichneten Art (W.).

Larentia miata L. Ein 9 am 12. September in Heiligenblut am Licht (W.).

Larentia truncata Hbn. (oder immanata FHw.?) Mehrere abgeflogene, noch nicht näher geprüfte Stücke Anfang September in Heiligenblut am Licht (W.).

Lareniia scripturata Hb. Am 9. September und in den folgenden Tagen einzeln in Heiligenblut im Gasthaus an den Wänden, zum Licht geflogen (W.).

Larentia salicata Hb. Ein Stück der ab. ablutaria am 26. August in Heiligenblut.

Larentia fluctuata L. Einzeln vom 20. August bis zum 6. September in Heiligenblut, in frischen und verflogenen Stücken, an den elektrischen Lampen.

Larentia vespertaria Bkh. In der Literatur für Heiligenblut noch nicht vermerkt, trotzdem sie gewiß nicht selten sein wird. Am 23. August ein © und am 7. September zwei Q an Chaussee- steinen bei Heiligenblut.

Larentia dilutata Bkh. Einzeln vom 11. September an bei Heiligenblut am Licht, am 13. September zwei 5 an Steinen unterhalb des Pallik.

Larentia caesiata Lang. Während unseres ganzen Auf- enthaltes, vom 23. August an, nicht selten bei Heiligen-

N Ra

blut, meist am elektrischen Licht; noch am 9. September ein frisches Z9.

Larentia flavicinctata Hb. Von Anfang September an ein- zeln bei Heiligenblut am Licht.

Larentia tophaceata Hb. Zwei O am 23. August oberhalb Heiligenblut an Felsen (W.).

Larentia cyanata Hb. Ein frisches 2 am 23. August am Glocknerhaus an einem Felsen sitzend (W.).

Larentia verberata Bkh. Am 20. August auf dem Brett- boden nicht selten bis zum Glocknerhaus, aber meistens dJ', nur ein %. Am 3. September am Brettboden teilweise noch frische Stücke, am 8. September aber waren dort 5' und 9 ver- flogen. Die Art trat bei weitem nicht so massenhaft auf wie im Riesengebirge.

Larentia albulata S.V. Ein frisches 2 am 6. September bei Heiligenblut.

Larentia berberata S.Y. Am 23. August bei Heiligenblut am Licht, ebenda am 4. September ein abgeflogenes 9.

Rumia luteolata L. Einen Flügel dieser bisher vom Glockner- gebiet nicht verzeichneten Art fand ich in Heiligenblut (W.).

Biston alpinus Sulz. Zwei erwachsene Raupen, die aber eingingen, fand ich am 2. und 8. September auf dem Brett- boden (W.); die eine Raupe fraß an einer Distelblüte.

Gnophos pullata Tr. Ein frisches © scheuchte ich am Il. September von einer Steinumwallung im Mölltal auf (W.).

Diacrisia sanio L. In der Sammlung Sprenger.

Arctia caja L. Neu für Heiligenblut, wie es scheint. Am 20. August flog ein 5 zum Licht, ebenfalls am 9. September; an demselben Tage fanden wir im Mölltal, einige 100 m ober- halb von Heiligenblut, ein totes 9.

Zygaena exulans Hb. Die halberwachsenen Raupen fanden wir nicht selten an der Franz-Josefs-Höhe und in der Gemsgrube unter Steinen.

Cossus cossus L. Am 8. September im Mölltal, dicht oberhalb Heiligenblut, eine erwachsene Raupe, über den Weg kriechend. Die Art war für Heiligenblut noch nicht verzeichnet.

Hepialus ganna Hb. Zwei © dieser, soweit aus der Literatur ersichtlich ist, seit Nickerl und Mann nicht wiedergefundenen Art schwärmten abends gegen 5 Uhr beim Pallik über dem Gras (F.).

Nachwort.

Mit dieser Nummer schließt der 10. Jahrgang unserer Mit- teilungen. Eine stattliche Reihe von Ergebnissen großen Sammel- eifers und nimmermüden Forschergeistes spiegelt in den mehr als tausend Seiten wider, welche diese zehn Jahrgänge füllen. Zahlreiche treifliche Abbildungen in schwarz und farbig ergänzen viele Artikel und bilden eine wertvolle und willkommene Er- leichterung im Verständnis der wissenschaftlichen Abhandlungen. Aufrichtiger Dank sei hier nochmals allen tatkräftigen Förderern und Mitarbeitern unserer Vereinszeitschrift ausgesprochen.

Auch die Schriftleitung der Mitteilungen und der Verein selbst haben nicht Zeit, Mühe und Kosten gescheut, um durch- zuhalten, namentlich während der letzten schweren Jahre, und um das Versprechen zu erfüllen, das seinerzeit im Geleitwort zur ersten Nummer gegeben wurde: „... wir wollen durch sorg- fältige Sichtung des einlaufenden Materials nur Brauchbares und Gediegenes bieten“.

Daß der Weg, den wir bisher gingen, der richtige war, daß unser Bemühen Anklang und Beifall fand, zeigt sich in dem erireulichen steten Anwachsen der Mitgliederzahl; am 31. De- zember 1920 zählte unsere Gesellschaft 53 Münchner und 60 aus- wärtige Mitglieder und stand mit 29 Stellen (Vereinen, Museen, Einzelpersonen usw.) im Schriftenaustausch.

- Sollen wir aber in der bisherigen Art und darüber hinaus in noch mannigfaltigerer Weise im Ausbau unserer Mitteilungen weiterfahren, so müssen wir wiederholt darauf hinweisen, daß es dazu in erster Linie einer noch tätigeren und freudigeren Mitarbeit aller Mitglieder und Leser bedarf. Wie viele anregende Beobachtungen und Funde haben sicherlich eine Menge Sammler gemacht, die durch den Krieg in die verschiedensten Teile Europas verschlagen wurden; welche Fülle von Vergleichen bezüglich Größe, Farbe, Lebensweise der Raupen und Schmetter- linge konnte gesammelt werden, welch wissenswerte Erfahrungen über Häufigkeit und Örtlichkeit des Vorkommens und ähn- liches konnten heimgebracht werden! Die kleine Mühe, solche Dinge zu Papier zu bringen, lohnt reichlich der Dank nament- lich jüngerer Entomologen, denen damit wertvolle Anhalts-

Le

punkte gegeben werden. Wer aber von den daheimgebliebenen Sammlern Zeit und Gelegenheit hatte, sich auch weiterhin dem Tag- oder Nachtfang und der lohnenden Züchtertätigkeit zu widmen, der sollte gleichfalls seine Aufzeichnungen zur Hand nehmen, um seine Erfahrungen auch anderen mitzuteilen. Jeder Beitrag ist erwünscht: Beschreibungen interessanter, aberrativer Stücke, wenn möglich mit Abbildungen; Lichtiang- und Köder- ergebnisse, sowie die Anführung von Tages- und Saisonausbeuten bestimmter Oertlichkeiten, wie Moore, Gebirgsplätze, Heidegegen- den usw.; Mitteilungen über Zuchterfahrungen und -erfolge aller Art; Schilderungen von Sammelreisen und deren Resultate; Artikel über Genealogie, Systematik, Namengebung usw. in der Entomologie; kurz, jede Abhandlung, die in das Gebiet einschlägig ist und Wissen und Erfahrung der Sammler bereichert. Glaube keiner, daß irgendeine Beobachtung, die er gemacht hat, zu unwichtig sei, um sie der Öffentlichkeit bekanntzugeben; mag sie auch nur eine Ergänzung zu Beobachtungen anderer sein, ja mag sie selbst nur anregen zu Widerspruch und Richtig- stellung, so hat sie ihren Zweck vollauf erfüllt. Nur lebhaiter gegenseitiger Austausch von Erfahrungen und Meinungen fördert unsere interessante Wissenschaft!

Wer also von den Mitgliedern und Lesern dazu beitragen will, unseren Mitteilungen auch im zweiten Dezennium die ge- wohnte inhalts- und abwechslungsreiche Form zu bewahren, an den richten wir die Bitte, uns mit eigenen Beiträgen zu unter- stützen oder Freunde und Bekannte zu Manuskriptsendungen zu veranlassen.*) Dann kann auch die Zeitschriit den vielen Anforderungen, die an sie gestellt werden, in jeder Hinsicht gerecht werden. em

*), Beiträge sind zu richten an Herrn Dr. Otto Kaiser, München 55 Neufriedenheim.

Herr Professor Dr. Otto Schmiedeknecht bittet uns um Bekanntgabe nachstehender Zeilen:

Opuscula Ichneumonologica.

Mit den zahlreichen Subskribenten habe ich den Wunsch, daß das von mir im Jahre 1902 begonnene, durch den Krieg unterbrochene, große Ichneumonidenwerk, von dem bis jetzt 37 Lieferungen erschienen sind, zu Ende geführt werde. Die hohen Drucklegungskosten ließen den Plan immer wieder hinaus- schieben, auch jetzt deutet noch nichts auf eine Besserung in dieser Beziehung. Da jedoch, wie ich aus den vielen Zuschriften ersehe, die entsprechende Preissteigerung gern getragen wird, möchte ich nicht länger zögern. In den 6 Jahren, die seit der Herausgabe der letzten Lieferung verilossen sind, hat nun die Liste der Subskribenten mancherlei Veränderung eriahren und es gilt zunächst die neue festzustellen. Ich richte deshalb an alle, die das Werk besitzen, die Bitte, sch zu melden und mir ihr Einverständnis mit der sicherlich nicht unbeträchtlichen Preiserhöhung bekannt zu geben.

Vollständige Exemplare des Werkes sind bis auf wenige vergriffen, es fehlen die ersten Lieferungen, und so bitte ich gleichzeitig alle, die das Werk anzuschaffen gedenken, mir Mit- teilung zu machen, damit ich ersehen kann, ob sich ein Neudruck der fehlenden Lieferungen verlohnt.

Professor Dr. Otto Schmiedeknecht. Bad Blankenburg in Thüringen.

a

Inhaltsverzeichnis des 10. Jahrganges 1920.

Jahresbericht der Münchener Entomologischen Gesellschaft für 1919 Nr ne Me ee Georg Warnecke. Einige Bemerkungen über die Seiden- spinner Antheraea pernyi Guer. und yamamai Gu£r. und über die geographische Verbreitung beider Arten

R. Kleine. Henarrhenodes Roseni, eine neue Brenthide (Col.) aus der Zool. Staatssammlung zu München

Ludwig Osthelder. Über einige bemerkenswerte Schiele linge in den südbayerischen Torimooren

Eugen Arnold. Aberrative Stücke aus Münchener Se lungen 2... : N A 5.01

Martin Best. essen zu ueılasaı len der Lokalfauna in allen Bezirken . | .

Franz Boegl. Eine neue Form von See eh gesima Hb. SE

Emil Riemel. Parn. nollea nov. " las haten

Martin Best. Spannerartige Nachtialter aus dem Schleiß- heimer-Dachauer Moos

Otto Kaiser. Antheraea episcopalis es Baus

Karl Schawerda. Über Baptria tibiale Esp. und eine neue Form Re ee

Martin Best. Calamia lutosa Hb. und Larentia autumnata Bkh. Lichtfang im Schleißheimer-Dachauer Moos

E. Pfeiffer und Fr. Daniel. Sammelergebnis am Moserboden und im Glocknergebiet . ;

G. Warnecke. Eine I eeslsie means ins Großglocknergebiet .

G. Warnecke und R. Feuerherdt. esse de: vom 19. August bis 15. September 1920 im ee gesammelten Makrolepidopteren 5 Fe

Nachwort

Seite

49 63

67

Alphabetisches Sachregister.

Für die Nomenklatur ist Seitz, Großschmetterlinge der Erde, maß-

gebend gewesen.

Im Text erwähnte Lokalvarietäten und Aberrationen

sind, wenn nicht besonders aufgeführt, unter dem Speziesnamen zu suchen.

Seite

Abraxas sylvata 28 Acherontia atropos 57 Acidalia immorata ER NIZT. > incanata . . 41, 60

5; nemoraria ne

R ornata . 2 27,48

5 ternata 41 Acronyeta auricoma 58 - euphorbiae . 58 Adopaea lineola 39 - thaumas . 57 Aglia tau 2 34 Alsophila ask 27 Amathes circellaris 35 a lota . F 35 Amphipyra on 60 Anaitis praeiormata . 41 Antheraea harti. . 6 h mylitta KRETA NO

5 BERRY ENT A

E roylei 6

2 yamamaltz ....0% gl Anthocharis cardamines. . .47,51 Dulitypie sch 2 Sata 2. 88.6250 5 polymita 5... 59 Apamea nictitans . . . 41, 60 EHE Nanen er + "62 Argynnis aglaja . 24-,.39,.52 5 amathusia . . . . . 16,38

5 En RR A

» euphrosyne;r 2”, .. 26

a lathonia . “16552

- MODE Nana. rt

B pales . 38, 46, 48, 52

= PapiHaranussen.. . Sunge 52

er selenea ER... 15 Nalesinaunank.erl. 179452 Bechinie ERNNaS KEN re, 00

Bapta bimaculata ....... . 29

Seite

Baptria alboialcata 32 ..decisata 31

n eversmannaria 31

moeraria 31 tibiale 31

Biston betularia . 29 „.. strataria ”. 29 Boarmia cinctaria . 29 z crepuscularia 29

N infuscata 29

A“ repandata 29

% roboraria 29 Brephos notha 21. Rs parthenias . . 27 Bupalus piniaria so Calamia lutosa 33 Calocalpe undulata 28 Caloplusia hochenwarthi 41 Celerio euphorbiae . 40, 58 Cepphis advenaria | Chiasma clathrata . . 30, 42 Chrysophanus dorilis 39 = hippothoe 57

- virgaureae . 22,39, 57 Cidaria albulata . . 42, 62 ‚„ alternata 28 Sesaptalasee 41

aqueata . 41

berberata-” 62

bicolorata . 41

bilineata 28

blandiata ER EN 7) „isucaesiata -. . 41,61

coeruleata 28

or cognalar: 61

.corylata.. 28

eyanata . 62

didymata 41

ferrugata 28

Cidaria flavicinctata Jluctuata fulvata galiata hastata hydrata . Immanata . tlaxata. v. mlatarı. minorata montanata munitata „ss ocellatar: olivata

quadrifasciata ... .

„salicata =. ....%.

seripturata

thophaceata .

tristata

Sastruncatar;

unidentaria

variata

verberata .

vespertaria 3 Coenonympha arcania

3 pamphilus satyrion Ä

Colias croceus

.. hyale

sphicomone:.”. Colotois pennaria .. . Conistra vaceinii Cosmia fulvago .

Alutear Cossus cossus Cosymbia pendularia

punctaria . Crambus alienellus . Crino adusta Crymodes zeta Crypsedra gemmea . Cymatophora octagesima

franckii . Dasydia tenebraria Diacrisia sannio Diastictis artesiaria .

Dipterygia scabriuscuia . .

Drepana falcataria

&

68

Seite Seite .41,61 Ellopia fasciaria 29 28,41,61 Ematurga atomaria 30 41 Endrosa roscida . 44

42 Ennomos autumnaria 29

28 erosaria .. 29

42 Epinephele jartina 22 pr nem

41 Iycaon‘... =..2..2098,92

28 Epione repandaria. ... 020

61 Erannis defoliaria . . .. 29

42 b denigraria 29

41 » marginaria 29

41 Erebia aethiops . 438

28 Patete . 43

A »„ eassiope . ER 28, 41 »., epiphron. > . 37,58

. 41,61 5. zeriphiylew, 37

. 42, 61 euryale 38

. 41,61 glacialis . ER ER) . gorge 1.98598 28, 41, 61 lappona ... 98, 45, 48, 53 28 en lipear .\38, 53

28 Lsmantor ae NZ r:02 medusa . 18, 37 ‚41,61 melampus . . 37, 53 38 „simerine... 37

57 BD MALLE.. N Re 37

57 ss pronoez, "38, 45, 48, 53

37 nr SEFENENT ee 22

R 51 .iyndarusı. 38, 45, 48, 56 ‚37,51 Eriogaster arbusculae . 40 29 Eriopus maillardi . 41

‚85. -Erynnis comman.ı ua 39, 57 35,60 Euchoeca nebulata 42 35,60 Euxoa culminicola . 40

62 3 decora 40, 59 LOS „. fatidica 40 28 florigera )

14 grisescens, . 40, 58

41 ze lividarı az 59

41 & recussa . 13 ee) transsylvanica . . 13 ab. Gnopbes ambiguata . 42 20 2 caelibaria 42

NE 7 5 dilueidaria . 42 62 5 glaucinaria . 42

30 - 5 mendicaria. 42

60 mystillata 42

40 pullaia. ‘. 62

Gnophos zelleraria Harmodia caesia

: Damar ke Rh .. Henarrhodes macgregori R roseni . .

Hepialus ganna .. . Herse convolvuli Hesperis alveus. .

5 cacaliae Hipparchus papilionaria . Hydrelia flammeolaria. . Jodis lactearia Ino geryon .

Itame wauaria . Larentia alaudaria

5 autumnata . Lasiocampa quercus Lithosia lurideola . Lomaspilis marginata .

» nigrofasciata . . Y pollutaria

. 39, 44

29

Luehdorfia puziloi v. menecta 8

Lycaena arion 39 astrarche 3

N corydon . . 39537

a Eros ... 39, 43, 57

r hylas 39,97

5 icarus . 39,37

y orbitulus , Ba ie!

> pheretes . . 39, 43 semiargus 39

ense populata . 61 prunata 61

„».. testata. 28 Macaria alternaria. . 29 % notata 29

J signaria Er 2 Macrogiossum stellatarım . . 40,58 Macrothylacia rubi 40, 58 Melitaea aetherie 2l es asterla... .. ..., 38, 43

A athalia. . 22, 38

5 aurelia.. : 38 aurinia : 23, 38

eynthia . 38,43, 46,52 merope . . 43, 38 Mesolype virgata . 28 Nothopteryx carpinata 23

Nyssia alpina. ... Odezia atrata . . Oeneis aello Oligia bicoloria . 2 Opisthograptis Iuteolata . Opophtera brumata . . Oporinia autumnata . 5 dilutata Ortholita bipunctaria chenopodiata 53 limitata . . = moeniata Papilio machaon Parnassius apollo .

Als

en bartholomaeus .

H brittingeri .

k celaudius .

» delius

$ glocneria

hartmanni .

> mnemosyne

s nigrodivisa Parascotia fuliginaria Parasemia plantaginis . Parastichtis lateritia.

. oe

5 rurea . Pelurga comitata Pergesa porcellus . Phigalia pedaria Philea irorella Phytometra bractea . .

chrysitis gamma.. 55 variabilis . . Pieris brassicae . ». »napi „ss rapae : Poecilocampa populi Polia nana BEST,

Polygonia c- -album Psodos alpinata. . »» alticolaria . » coracina » quadrifasciaria trepidaria .

36, 43,

18,

Ptychopoda emarginata . .

41

Ptychopoda humiliata . muricata .

serpentata similata Pygmaena fusca Pyrameis atalanta.. e cardui Rhodocera rhamni Rhyacia alpestris a NEHDREAUR ocellina er pronuba Salassa episcopalis n INS... Y mesosa . Satyrus semele Scoliopteryx libatrix

Selenia tetralunaria . .

Sideridis vitellina .

5l

38, 48, 51

51 2.0 11, 40, 58

. 40, 58 ‚40,58

30

30

30

57

60

29

35

Synchloe callidice. .

»„ daplidice

Tholera cespitis. . . .

5 popularis . Timandra amata Trichiura crataegi.

Trigonophora meticulosa

Triphosa dubitata , Vanessa antiopa » IQ: 25 polychloros a4 urticae . Zizera minima Zygaena exulans s filipendulae ss lonicerae meliloti

purpuralis .

transalpina

Seite

. De 9 .

37,43, 47,49

50

28

Be: ‚38,51

38

. 38, 46, 51

.39, 57 39, 48, 62

Schriftleitung: Max Korb, München, Akademiestraße 23. Druck der G. Franz’schen Buchdruckerei (G. Emil’ Mayer), München..

39 39 39 39 39

Bar an aan ea ea ea ea ee

Ir MITTEILUNGEN Fr Fl \ der Münchner Entomologischen Gesellschaft, e.V. N

11. Jahrgang 1921. München, 31. Mai 192. Nummer 5.) SE ei ei)

Ausgegeben Juni 1921.

Jahresbericht für 1920

der Münchner Entomologischen Gesellschaft e V.

Das im Vorjahre zu Tag getretene, nach der langen Kriegs- zeit wiedererwachte Interesse am Vereinsleben und der Sammel- tätigkeit war erfreulicherweise von Bestand und hat sich sogar, begünstigt durch die besseren Verkehrs- und Verpflegungs- verhältnisse, sowie durch ein im grossen ganzen annehmbares Wetter, noch gesteigert.

Zum erstenmale seit drei Jahren war uns auch im le anbenen Jahre wieder die Abhaltung regelmäßiger Sitzungen während der Wintermonate in unserem Vereinslokale möglich, was in einer größeren Anzahl von Vorträgen und Veranstaltungen zum Aus- druck kommt. So sprach Herr Dr. Kaiser an einem Abend über mimetische Rinnenjalter, und an einem zweiten über Schwalben- schwanzformen, beidemale unter Vorführung prächtiger Schau- stücke. Ein drittes Mal hielt er einen lehrreichen Vortrag über das Wallacesche Farbengesetz bei den Papilioniden und demonstrierte an einem weiteren Abend die seltene indische Eule Nyetipao albocinctus. Ferner wurde ein Abend mit einem außerordentlich interessanten Vortrage von Herrn F.Skell über mikrophotographische Aufnahmen auf entomologischem Gebiete mit Lichtbildern ausgefüllt; Herr v. Rosen erstattete zweimal Bericht über die neuerschienene Literatur und hielt an Hand einer Zusammenstellung der entsprechenden Formen einen kurzen Vortrag über die estländische Schmetterlingsfauna. Herr Boegl sprach an einem Abend über paläarktische und exotische Argynnisarten, wozu reichhaltiges Vergleichsmaterial

DR

vorlag. Diese Vorträge sowie mehrere Verlosungen von zum Teil sehr wertvollen Tieren brachten den jeweiligen Abenden einen be- sonders regen Besuch; doch fand sich auch an allen übrigen Vereins- abenden stets eine stattliche Anzahl von Mitgliedern zusammen.

Die Mitgliederzahl erhielt im Berichtsjahre einen Zuwachs von sechs Münchner Mitgliedern, den Herren H. Glaser, Th.Mitte, L. Pieilter, F. Popp, A. Schönberger und H. Schwer hart, und von neun auswärtigen Mitgliedern, den Herren Dr. A. Asboeck, Dinkelsbühl, W. Götz, Kehla.Rh., K.]J.V.Richter, Komotau (Böhmen), W.Rost, Köln a.Rh., K. Schreiber, Frankfurt a.M., A.Toscani, Krems a.D., B.Zeckowitz, Buda- pest, sowie von dem Fachzoologischen Institut der Uni- versität Freiburg ı.Br. und dem Zoological-Museum in Tring (England). Herr G. Schaller ist von den auswärtigen zu den Münchner Mitgliedern übergetreten, während Herr J. Sey- farth, Fürstenwalde, als auswärtiges Mitglied ausgeschieden ist.

Mit der im Februar 1920 erschienenen Nummer wurde der 9. Jahrgang 1919 unserer Mitteilungen beendet, der eine Reihe sehr interessanter, zum Teil mit schwarzen Abbildungen er- gänzter Artikel enthielt. Die erfreuliche neuerliche Mehrung an heimischen und auswärtigen Mitgliedern, über deren gegen- wärtigen Stand bereits in der letzten Nummer berichtet wurde, ist zweilellos nicht zuletzt auf das wieder regelmäßige Erscheinen unserer Zeitschriit zurückzuführen.

Die Kassenbewegung für 1920 zeigt nachstehendes Bild: Abrechnung für 1920.

Einnahmen: 2A Ausgaben? W% Bestandam 1. Jan. 1920 34.75 Zeitschrift... u 2.202001 Mitsliederbeiträge 7. 1677:— Porto. 210 7.5. 220 Stiltungen: ......2..... 220. | Bücher kreea Verlosungen . . . 1311.— Sonstige Ausgaben. 649.15 Sonstige Einnahmen 106.10 | Kassenbestand . . 13.31

3 348.85 3 348.85

Unsere Einnahmen erfuhren eine bemerkenswerte Steigerung durch die im Vorjahre beschlossene Erhöhung der Mitglieder- beiträge und durch das günstige Ergebnis der verschiedenen Verlosungen. Demgegenüber sind aber auch die Ausgaben insbesondere für die Herstellung der Zeitschrift weiterhin ge- stiegen; auch die Portoerhöhung macht sich in stärkerem Maße bemerkbar. Die Ausgaben für Neubeschaffung von Büchern

UHR

mußten bedauerlicherweise auch heuer wieder auf ein Mindest- maß beschränkt werden. Der Posten Sonstige Ausgaben setzt sich zur Hauptsache aus den Beträgen zusammen, die zum An- kauf von Faltern für die Verlosungen verwendet wurden.

Neuwahl des Vorstandes.

Die 17. Hauptversammlung am 24. Januar 1921, auf der 28 Mitglieder vertreten waren, prüfte und genehmigte die Ab- rechnung und den Voranschlag, und erteilte unter dem Dank der Mitglieder dem Vorstande einstimmig Entlastung.

Bei den Neuwahlen der Vorstandschaft für 1921 wurde an Stelle des 1. Vorsitzenden, Herrn Direktor Rudoli Waltz, der wegen Arbeitsüberhäufung eine Wiederwahl ablehnte, der bisherige 2. Vorsitzende, Herr Dr. Otto Kaiser, zum ersten und für ihn Herr Oberstlandesgerichtsrat Ludwig Müller zum 2. Vorsitzenden gewählt. Das Amt des 1. Schriitführers wurde an Stelle des zurücktretenden Herrn Dr. Ernst Mayer an Herrn Ernst Pfeiffer übertragen. Die Zusammensetzung der übrigen Vorstandschaft blieb die gleiche wie im Vorjahre. *)

Die Münchner Entomologische Gesellschaft spricht bei dieser Gelegenheit ihrem langjährigen Vorsitzenden, Herrn Direktor Rudoli Waltz, für seine stets aufopfernde Tätigkeit und umsichts- volle Leitung der Vereinsangelegenheiten nochmals ihren aui- richtigsten Dank aus. A SALE,

Zur gefälligen Beachtung!

Wir machen unseren Mitgliedern hiemit bekannt, daß die Münchner Entomologische Gesellschaft ein Postscheckkonto Nr. 31569, München, errichtet hat; es wird höfl. ersucht, die fälligen Jahresbeiträge hierauf einzuzahlen. Mitteilungen den Verein betreifend (Aufnahmegesuche u. dergl.) sind zu senden an den 1. Vorsitzenden, Herrn Dr Otto Kaiser, München 55 Neufriedenheim, oder den I. Schriftführer, Herrn Ernst Pfeiffer, München, Herzogspitalstraße 6. Manuskripte für unsere Zeit- schrift sind an deren Schriftleiter, Herrn Max Korb, München, Akademiestraße 23 zu richten. Zeitschriften und Bücher- sendungen, Austausch-, Beleg- und Besprechungs- exemplare oder sonstige die Bibliothek betreifende Zuschriiten wollen an Herrn Dr. Kurt v. Rosen, München, Neuhauserstraße 51, Wissenschaftliche Sammlungen des Staates, geleitet werden. em.

*) Siehe 9. Jahrgang 1919, Nr. 1/4, Seite 3.

Über die von mir beobachteten paläarktischen Lepidopteren (Vorkommen, Lebensweise usw.).

Von MaxKorb. (Fortsetzung.)

Coenonympha Hbn.

Die zahlreichen Arten und Formen dieser Gattung gehören mit Ausnahme einiger nordamerikanischer sämtlich dem palä- arktischen Faunengebiete an. Die kleinen, zarten Falter haben meist auf der Oberseite ein einfaches hell- oder dunkelbraunes Kolorit. Die Unterseite ist jedoch bei vielen Arten mit einer Reihe kleinerer oder größerer Augen und bei einigen auch mit einer hübschen, metallisch glänzenden Umrandung der Hinterfilügel geschmückt. Manche Arten, und insbesondere die in Mooren vorkommenden, sind an ihren Flugplätzen sehr zahlreich an- zutrefien.

oedippus F. Auf der Oberseite einfarbig dunkelbraun, auf der Unterseite gelbbraun, die Hinterflügel mit einer Reihe gelb um- randeter Augen; der Außenrand mit einer Silberbinde geziert. Ich fing den Falter in früheren Jahren im Schleißheimer und Deininger Moor im Juli stellenweise ziemlich häufig.

v. amurensis Rühl. Von der Art wenig verschieden. Oben dunkler schwarz; die Rückseite ist durch lebhaftere braune Färbung, stärker hervortretende Augen und glänzendere Silber- umrandung ausgezeichnet. Am mittleren Amur bei Raddeiika fing ich diese Form in geringer Anzahl auf sumpfigen Wiesen im Juli.

hero L. Diese dunkelsamtbraune, mit drei bis vier rot umrandeten Augen geschmückte und auch auf der Unterseite hübsch gezeichnete Art ist an vielen Orten ziemlich zahlreich. Sie kommt auch in unserer Münchener Umgebung, z. B. am Starn- berger See zwischen Bernried und Seeshaupt, von Mai bis Juni sehr häufig vor, ferner bei Reichenhall, im Algäu usw.

v. perseis Led. Durch eine viel hellere, mehr gelbbraune Färbung der Oberseite mit schwächer rot umrandeten Augen, und durch die etwas breitere weiße Binde auf der Hinterflügel- unterseite von der typischen Art verschieden. Am mittleren Amur (Raddefika) und Ussuri (Kasakewitsch) fingen wir im Juni eine kleine Anzahl. Die Tiere setzen sich gerne auf die Blätter der Gebüsche.

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iphis W.V.ab. (v.) anaxagoras. Assm. Von der Art durch eine mehr graubraune Färbung, das Fehlen der Metallinie, sowie durch die fast vollständig reduzierten Ocellen der Hinterilügel- unterseite unterschieden. Im Kaukasus (Achalzich) fingen wir im Juli 1910 auf dem Berg Chambobel in den hochgelegenen, sumpfigen Wiesen diese Aberration an den Blüten einer dort massenhaft wachsenden großen, weißen Ranunculusart ziem- lich häufig.

leander Esp. Diese hübsche Art zeichnet sich durch eine Reihe fast gleichgrosser Ocellen mit scharfer Silberumrandung und durch dazwischen stehende orangegelbe Färbung auf der Hinterflügelunterseite aus. Wir fanden sie au unseren ver- schiedenen Sammelreisen in Anatolien, bei Amasia (1892), Ak Chehir, Konia (1900) stets nur in kleiner Anzahl an den am Rande der Steppe sich hinziehenden, heißen, trockenen Berglehnen und in den dazwischen liegenden, im Juni und Juli aus- getrockneten Bachbetten, die spärlich blühenden -Kompositen und Sträucher besuchend.

iphioides Stgr. Von Dr. Staudinger mit Recht als eigene, gute Art aufgeführt. Sie ist besonders auf der Hinterilügel- unterseite gut von Zeander zu unterscheiden durch eine Reihe meist größerer, in der gelben Umrandung sich anschließender Ocellen und durch eine sich scharf abhebende, ockeriarbene Marginalbinde, die von der Ocellenreihe durch eine schmale Silberbinde getrennt ist. Diese feine, hübsche Art kommt aus- schließlich in den Sierren Arragoniens und Kastiliens vor. Wir fingen sie an verschiedenen Stellen in der Sierra von Cuenca, so z. B. auf den in der Nähe des OCortijo’s Emby am Uier des Rio lugar. unter den Pinien idyllisch gelegenen Wiesenplätzen. Auch an anderen höher gelegenen Orten der Sierra alta fanden wir iphioides auf den ausgedehnteren Wiesenflächen im Juni und Juli überall, doch immer nur in geringer Zahl, die größeren, heller gelbbraunen 29 stets einzeln und selten.

nolckeni Ersch. Diese aparte, große, schön dunkel kupier- farbige und auf der Hinterflügelunterseite mit einer Reihe (6) schwarzer, gelbumrandeter, weiß gekernter Ocellen geschmückte Art erbeuteten wir auf unserer Reise in den hohen Alai (1905) auf der großen Alai-Steppe bei Sarach-Mogol und Kaschgar-Ssu am 6. und 7. Juli zwischen einer hohen Grasart in Mehrzahl. Im Fluge hatten die Falter viele Ähnlichkeit mit Erebien. Wir beobachteten sie nur an den beiden genannten Steppenplätzen ;

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weiter hinab am Saritasch-Ssu am Ubergang zum Transalai sahen wir kein Stück mehr.

arcania L. Den in Münchens Umgebung und im bayerischen Gebirge an manchen Plätzen, z. B. in Bernried, Almannshausen, bei Reichenhall, stellenweise häufigen Falter fing ich auch in Arragonien in der Sierra de Albarracin (1882) bei Moscardon im Juli in Anzahl.

v. alt. satyrion Esp. Diese kleine, von der Art so sehr verschiedene alpine Form möchte man fast für eine eigene gute Art halten. In den Algäuer Alpen in Höhen von 1400 bis 1600 Meter und höher stellenweise auf Alpenwiesen sehr häufig, so bei Gerstruben, im Oytal, am Nebelhorn; auch in den Lechtaleralpen, Memmingerhütte, Kaiserjoch; bei den Lechquellen (Freiburger- hütte) fing ich einige Stücke, bei denen die Ocellen der Unterseite nur durch einige Punkte angedeutet sind (var. semicaeca).

fettigii Oberth. Der nachfolgenden Art auf der Oberseite sehr ähnlich; dagegen fehlen auf der Unterseite sämtliche Ocellen fast ganz und sind nur durch einige Pünktchen ge- kennzeichnet. Nur in Algerien und Marokko beheimatet. Ich fing sie bei Teniet-el Had (im kl. Atlas) im Juli 1904 zwischen niederen Steineichenbüschen in mehreren Exemplaren.

dorus Esp. In ganz Spanien vom Norden bis zum äußersten Südende (Chiclana, Algeziras) ist diese, auf der Unterseite durch die in einer breiten, gelben Außenrandbinde stehende Ocellen- reihe und durch einen silberglänzenden Saum geschmückte hübsche Art überall verbreitet. In den heißen, sandigen Pinien- wäldern Andalusiens, bei Chiclana, sowie an der Südküste Portugals (bei Faro, Lagos) schon im April und Mai zwischen den dicht wachsenden Lavendel- und Cistusbüschen sehr häufig. In Kastilien (Cuenca) in Tälern und Schluchten im Juni und Juli in Menge, mit Vorliebe an blühendem Eryngium und Doryenium fliegend. Auf dem Heimweg von unseren Exkursionen in den späten Nachmittagsstunden fanden wir oft auf einem einzigen Dorycniumbusch Dutzende friedlich beisammen sitzen.

saadi Koll. In beiden Geschlechtern von hellbrauner Färbung; von den verwandten Arten durch das am Innenwinkel der Vorderflügel befindliche blinde Auge, über dem zumeist ein kleineres steht, und das fehlende, selten nur durch ein Pünktchen angedeutete Apikalauge sehr verschieden. Die Unter- seite ist mit einer Reihe kleiner Ocellen, die durch eine dunkle, zackige Linie begrenzt sind, geziert. Die ziemlich seltene und

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lokalisierte Art traf ich nur einmal auf meiner Reise in das armenische Hochland 1898 auf der großen Steppe zwischen Eriwan und dem Ararat an. Bei dem Ort Agamsali fing ich am 14. Juni an den teilweise sumpligen, salzigen Stellen fast ebensoviel schöne ZZ wie 99.

amaryllis Cr. Oberseits von ziemlich gleicher, gelber Färbung wie pamphilus. Auf der Unterseite stehen vor dem Außenrand eine Reihe fast gleich großer Ocellen, die auch auf der Oberseite der Vorder- und Hinterflügel durchscheinen. Am Amur und Ussuri mehr in der

v. (et ab.) rinda Men. vorkommend, bei welcher die Augen- ilecke sehr licht sind und nur schwach hervortreten. Wir fingen bei Raddefika (Amur) die Art im Juli- August einzeln auf dem steinigen, trockenen, in das Bureja- Gebirge hinaufziehenden Wege. Die ab. rinda Men. bei Kasakewitsch am Ussuri-Ufer an freien, sandigen Stellen den Waldrand entlang, ebenfalls nur wenige Exemplare.

symphita Led. Aui der Oberseite dem pamphilus ähnlich, unten mehr gelb mit einer Reihe von sechs sehr kleinen Ocellen. Nur aus dem Kaukasus von Achalzich und Bakuriani bei Bors- hom bekannt. Ich fing die Art im Juli in den sumpfigen Wiesen auf dem Berg Chambobel in 1500 m Höhe in wenigen frischen Jgf und ©0.

sunbecca Ev. Von allen anderen Coenonymphen durch die vollständig weiße Färbung sehr verschieden. Auf der Unter- seite stehen auf dunkelgrünlich-grauem Grund eine doppelte Reihe weißer Flecken. Diese hübsche Art fingen wir in großer Anzahl im Alai (1905) bei Ak-Bassega schon von Mitte Juni an den ganzen Monat hindurch. Auf den in üppigem Frühlings- grün und Blumenschmuck prangenden Bergwiesen flogen die zarten Falter besonders häufig an den Blüten einer großen, blaublühenden Geraniumart.

v. alexandra Rühl ist eine kaum bemerkenswerte besondere Form und nur wenig durch die reduzierteren, weißen Flecken der Hinterflügelunterseite verschieden. Unter den vielen von verschiedenen Lokalitäten des Alai mitgebrachten sundecca be- iinden sich auch Exemplare dieser Form.

Polycaena Stgr. Diese Gattung gehört zu der äußerst zahlreiche Formen zählenden Familie der Zrycinidae und ist bis jetzt nur durch

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die eine Art, Zamerlana Stgr. vertreten, an die sich zwei Lokali- tätsiormen, Zimur Stgr. und femir Gr. Gr. aus den Gebirgen Turkestans anschließen.

tamerlana Stgr. Diese feine Art ist durch zarte, hellbläulich- graue Färbung mit schwarzen Punkten und beim 5 durch eine weiße Perlenlinie ausgezeichnet, die sich an eine schwarze Rand- binde anschließt und von einer roten Fleckenbinde begrenzt ist. Das 9 besitzt eine rotgelbe Färbung. Ich traf sie zu meiner freudigen Überraschung auf unserer Marschroute vom Alai nach dem Transalai am 3. Juli beim Überschreiten des 3537 m hohen Taldyk Davan (Passes) in mehreren ganz frischen Exemplaren am Wege sitzend an. Aufgescheucht flogen sie nahe am Boden nur eine ganz kurze Strecke weit und ließen sich dann gerne an die von der Sonne warm beschienenen Felsenblöcke nieder. Leider konnten wir uns der vorgeschrittenen Tageszeit halber nicht lange mit unseren Leuten und Pferden hier oben aufhalten, sondern mußten schweren Herzens den Abstieg an den teil- weise noch schneebedeckten und ziemlich steilen Abhängen beginnen, um den nächsten Kirgisen-Aul, Katin Art, noch vor dem Abend zu erreichen.

Lycaenidae. Rapala Moore.

arata Brem. Eine hübsche, den T7hecla ähnliche Art; alle Flügel mit violettem Schimmer überzogen; die Hinterflügel mit einem ziemlich langen, dünnen Schwänzchen und an der äußersten Spitze mit einem meist orangegelben Tupfen geziert. Unterilügel- seite mit breiten, dunklen Binden auf weißem Grund. Hinter den Schwänzchen zwei größere, orangefarbene Flecken, in denen zwei schwarze Flecken stehen. Am mittleren Amur sowohl wie am Ussuri in den Wäldern an blühenden Prunus padus-Büschen im Mai und Juni nicht selten, auch an den Blüten eines cytisus- artigen Strauches fingen wir die Falter mehrfach.

Laeosopis Rbr.

Im Habitus gleicht diese Gattung mehr einer großen ZLycaena, doch ist sie durch verschiedene charakteristische Merkmale streng von diesen getrennt. Die einzige Art dieser Gattung hat einen sehr begrenzten Verbreitungsbezirk; die Falter sind an ihren Flugplätzen nirgends sehr häufig.

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roboris Esp. Oberseite schwarz, der 5% bis zum breiten Außenrand, das 2 nur im Wurzelield dunkelblau bestäubt. Unter- seite grau mit orangegelbem, hellblau getüpfeltem Saum, vor dem eine Reihe schwarzer, weiß umrandeter Fleckchen steht. Nur in Südfrankreich (Östpyrenäen) und Spanien. Ich fing die hübsche Art bei Cuenca (Kastilien) in den Flußtälern im Juni bis Juli nicht besonders häufig an den die Ufer umsäumenden Eschen- bäumen. Die Tiere setzten sich, wenn auigejagt, immer wieder an denselben Stellen auf die Blätter.

v. Jusitanica Stgr. Von meiner Reise im Süden Portugals (1884) nach der Sierra de Monchique brachte ich nebst mehreren anderen neuen Funden auch diese neue Form mit, welche Dr. Staudinger nach meinen Exemplaren beschrieb. Sie zeichnet sich besonders auf der Unterseite durch einen breiten, orange- gelben Außenrand der Hinterflügel und die fast fleckenlosen Vorderflügel aus. Ich fing diese schöne Form in mehreren Exemplaren %g' und %9 von Anfang bis Mitte Juni in dem Bar- ranco bei den Casaes nahe bei Monchique. Sie flogen ebenfalls an Eschenbäumen.

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Satsuma Murr.

[rivaldszkyi Led. Eine kleine, im Wurzelteil stahlblau bestäubte Art, deren Flügelränder namentlich an den Hinterflügeln etwas aus- gezackt sind. Beim © dehnt sich das Blau oft über den ganzen Flügel bis zum Außenrand aus. Am Amur (Raddefika) wie auch am Ussuri fingen wir das flinke, lebhafte Falterchen schon von Ende Mai an bis in den Juni hinein auf lichten Plätzen im Walde an blühenden Bäumen und besonders auch an Spiraeen sehr häufig.

Niphanda Moore.

Im Habitus etwas der Gattung Zaeosopis ähnlich, aber die Vorderflügel spitzer, mit ziemlich langen Fühlern und Palpen.

fusca Brem. Grey. Die Flügel beim © ziemlich breit, einfarbig dunkel, der 5 mit violettem Schimmer. Unterseite mit Fleck- zeichnung; auf den Hinterilügeln an der Wurzel mit einigen Augenflecken. Am Ussuri im Juli, den Waldbächen entlang an Sträuchern und Bäumen fliegend, nicht selten.

Thecla F.

Die artenreiche Gattung umiaßt meist kleinere Falter von fast durchgängig dunkler schwarzer oder brauner Färbung der Oberseite; die Hinterflügel sind meist kurz geschwänzt. Die 99

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mit mehr oder weniger ausgeprägten rotgelben Discal-Flecken der Vorderfilügel geschmückt.

spini Schiff. ab. lynceus Hbn. Die von der Art vornehm- lich beim © durch die mehr oder weniger gelbe Färbung der Oberseite sich auszeichnende Form fingen wir in besonders schönen Stücken, mehrfach ganz gelben 99, in den Pinares von Chiclana (Andalusien) von Mitte Mai ab ziemlich häufig an Thymus- und anderen Blüten. Die hellgrünen Raupen klopften wir im April von den einzeln in den Pinares und den Callejons Gartenwegen) stehenden Rhamnus-Büschen in Anzahl.

v. melantho Klug. Von spini wenig verschieden, jedoch größer und langgeschwänzter, Unterseite heller mit etwas breiterem weißen Querstrich durch beide Flügel. In den Bergen bei Ak-Chehir und Konia (Anatolien) trafen wir diese Form nicht gerade häufig an steinigen, trockenen Plätzen auf niederem Rhamnus oder an Thymus-Blüten.

grandis Feld. Größer als w-album, sonst dieser ähnlich; oben von mehr brauner als schwarzer, unten grauer statt brauner Färbung. Die weiße Linie der Vorderflügel durchgehend mit schönen roten Flecken am Analwinkel geziert. Am Ussuri (Kasakewitsch) fanden wir die Art nur einzeln und selten an blühenden Spiraeen und anderen Büschen.

lieis v. cilicia Holtz. Im cilic. Taurus (1886) fing ich bei Güleck an trockenen Berglehnen um Steineichengebüsch eine kleine Anzahl dieser von der Art nur wenig verschiedenen Form.

ab. esculi FHbn. Von ilicis durch hellerbraune Färbung, länger geschwänzte Hinterflügel und auf der Unterseite durch schwächere, rotgelbe Submarginalilecke verschieden. In ganz Spanien sehr verbreitet und sowohl in Andalusien in der Ebene an den jungen stachlichen Quercus coceifera-Büschen als in den Bergen Kastiliens an Steineichengebüsch überall häufig. Bei Chiclana (Andalusien) klopften wir im April und Mai die gelbgrünen Raupen von den niederen Stacheleichen in Menge.

ab. fonntaineae Aign. Diese durch vollständig gelbe Färbung aller Flügel ausgezeichnete Form fingen wir in Algerien 1904 bei Teniet-el-Haad im Atlas im Juli in nur wenigen um Eichengebüsch herumfliegenden Stücken.

v. candatula Zell. Besonders durch längere, weiß gespitzte Schwänzchen und schärfer sich abhebende rote Flecken der Hinterflügelunterseite gekennzeichnet. In Anatolien bei Ak.

Chehir (1914) erbeuteten wir auf dem Anstieg zum Sultan Dagh im Juli einige um Eichenbüsche fliegende frische Exemplare.

acaciae v. abdominalis Gerh. Von der Art durch die graue statt braune Unterseite, breitere durchgehende weiße Linie gut zu unterscheiden. Größer als acaciae. Ich fing sie einzeln in Armenien (bei Eriwan) 1898 in Bergschluchten an Büschen.

v. gerhardi Stgr. Durch sehr aufgehellte Unterseite und schwache, kaum merklich rote Fleckchen von der vorigen Form verschieden. Wir trafen sie nur einzeln und selten bei Konia (1914) in heißen Schluchten im Juni an Büschen an.

prunoides Stgr. Kleiner als die gewöhnliche pruni, ein- farbig schwarzgrau, ohne rote Fleckenzeichnung. Am Amur (bei Raddeiika) im Juli einzeln an niederen Büschen.

herzi Firs. Von den übrigen Thecla-Arten durch zwei Reihen schwarz gekernter Ozellen auf der braunen Unterseite und durch ein rotes Analband deutlich unterschieden. Hinter- flügel ungeschwänzt. Wir fingen den Falter, der nur in einzelnen wenigen Stücken um Phellodendron-Bäume flog, am Ussuri an freien Stellen im Walde.

ledereri Bsd. Diese Art ist durch eine Reihe auf der hell- grauen Unterseite scharf hervortretender schwarzer, weiß um- randeter Ocellen ausgezeichnet. Der Rand der Hinterflügel ist mit roten, von einer doppelten schwarzen Punktreihe eingefaßten Flecken schön geziert. Wir fanden diese mehr einer C'hryso- phanes gleichende Art auf unseren öfteren Reisen in Kleinasien und Armenien, bei Konia, Ilghin, Eriwan und Kulp im Juni und Juli an manchen Stellen nicht selten auf heißen Berglehnen; mit Vorliebe flogen die Tiere an einer zwischen den Steinen wachsenden niederen, krüpplichen Rhamnus-Art. In Armenien, Eriwan (1898) und Kulp (1901) fingen wir Zedereri in über- wiegender Zahl in der geschwänzten Form v. caudata Stgr.

myrtale Klug. Oben einfarbig schwarzgrau mit einem winzig kleinen gelben Fleck im Analwinkel; die Unterseite hellgrau, ins Bläuliche spielend mit fast ganz verloschener weißer Quer- linie. Das 5 mit sehr kurzem, das Q mit oft längerem dünnen Schwänzchen. Diese nur vom Libanon bisher bekannte, seltene Art fing ich Mitte Juli 1901 in der Nähe des ca. 6000 m hoch gelegenen Kurden-Auls Kasikoporan bei Kulp (Armenien) in geringer Anzahl. Die Falter flogen an den die Quelläufe um- gebenden Büschen, besonders an einer Sorbus-Art, welche wohl auch die Futterpflanze der Raupe sein dürfte. Die von mir aus

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Armenien mitgebrachten Exemplare wurden später von Prof. Dr. Rebel als v. armeniaca in den Annalen des Wiener Hof- museums beschrieben.

tengstroemi Ersch. Durch eine auffälligere Zeichnung der Unterseite von den anderen Thecla sehr verschieden, wurde diese Art früher im System bei der Gattung Zycaena eingereiht. Oben einfarbig schwarzbraun, gegen die Flügelwurzel zu etwas heller. Die Unterseite aller Flügel mit weißen Halbmonden geziert, am Saume mit einer Reihe rotgelber, von schwarzen Punkten begrenzter Flecken. Wir fingen im hohen Alai an trockenen, mit Astragalus- und Oxytropis-Sträuchern bewachsenen Abhängen Mitte Juli eine große Anzahl, auch 99. Letztere setzten sich gerne an die gelben Blüten der genannten Pilanzen, an deren Früchten vermutlich die Raupen leben.

Zephyrus. Dahn.

Nur zwei Arten dieser Gattung (Z. quercus L. und betulae L.) kommen im eigentlichen Europa vor, alle übrigen gehören dem Osten Asiens (Amur-Ussurigebiet und Japan) an. Bei den meisten Arten zeichnen sich die 575 durch prächtig grün-blau glänzende oder orangegelbe Färbung aus, während die 92 teils einfarbig dunkelbraun oder schwärzlich sind, teils einen blau schimmernden Basalteil der Vordertlügel besitzen. Der Sexualdimorphismus ist bei allen Arten stark ausgeprägt. Die Raupen dieser metallisch glänzenden Arten leben auf Eichen (Quercus mongolica).

taxila Brem. Im Amur- und Ussurigebiet ist diese pracht- voll grünglänzende die häufigste Art. Die 99 variieren be- deutend in Zeichnung und Färbung, doch düriten die grau- braunen mit blauem Basalifeld geschmückten die typischen taxila- 22 sein. Die als ab. unicolor bezeichneten sind einfarbig graubraun mit weißlichem, die ab. aurorina Oberth. mit orange- gelbem Diskalfleck. Bei Raddelika (Amur 1903) und am Ussuri (1907) fingen wir Anfang Juli an Büschen eine größere Anzahl im Hochwald und an den Ufern der Waldbäche. Es war stets ein entzückender Anblick, wenn sich diese prächtigen, wie Edelsteine in der Sonne funkelnden Falter auf den Blättern und Zweigen der Erlen-, Hasel- und Eichengebüsche tummelten, die Flügel auf- und abwiegend, oder wenn sie auf den Zweigspitzen mit dem Kopf nach abwärts saßen, die Hinterflügel an den vorderen wetzten, und sich dann, die Flügel plötzlich öffnend, einander in raschem Fluge verfolgten.

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orientalis Murr. Größer als die vorige Art, die Oberflügel bis zum Rand metallisch blaugrün schillernd mit feinen, weißen Fransen, das © braun mit lichterem, bräunlichem Zellende. Bei Raddefika (Amur) im großen Flußtal der Priska Taroga ziem- lich häufig an Eichenbüschen, auch auf blühenden Spiraeen- büschen.

v. saphyrina Stgr. Wenig von den vorigen verschieden, etwas kleiner mit intensiverem, smaragdgrünem Glanz. Unter- seite wie auch bei orientalis silbergrau glänzend, und wie bei quercus mit matter Gelbileckung im Analteil der Hinterflügel. Wir fingen sie einzeln an den gleichen Stellen im Walde wie orientalis, jedoch viel seltener.

quercus v. iberica Stgr. Von der Art nur wenig unter- schieden, größer, Unterseite lichter silbergrau, fast ohne weiße Linie und schwächeren Örangefleckchen. In Kastilien (bei Cuenca) fand ich sie nur einzeln in den Wäldchen bei dem Dorfe Arcas, woselbst ich auch die Raupen im Juni mehrfach von Steineichen klopite. In Algerien bei Teniet el Had, Juni 1904, fingen wir einige große, frische Exemplare, die vereinzelt um Steineichen flogen.

attilia Brem. Einfarbig schwarzbraun, das © oben mit einer weißen Fleckenreihe der Hinterflügel und ziemlich langen Schwänzchen, Unterseite weiß mit dunklem durchgehenden Diskalstrei. Am Ussuri trafen wir die Art nur einzeln an Eichenbüschen.

enthea Jans. Eine düster schwarzbraune Art mit weißlichen Flecken der Oberseite und weißer Unterseite, die einen schwärz- lichen Mittelstreifen, eine Reihe dunkler Außenrandsflecken und einen orangelarbenen Analileck besitz. Am Ussuri im Juli an freien Stellen im sumpfigen Walde einzeln, besonders an Spiraeen- blüten.

butleri. Fent. Ähnlich wie affilia mit einer weißlichen Fleckenreihe auf der Hinterilügeloberseite und mit einer Reihe stärkerer, schwarzer Flecken und breiterem orangefarbenen Anal- lleck auf der Unterseite. Wir fingen nur wenige Exemplare dieser seltenen Art am Ussuri an blühenden Sträuchern den Waldbächen entlang.

saepestriata Hero. Von den fünf am Amur und Ussuri vorkommenden gelben Formen beobachtete ich nur diese große Art, die auf der Unterseite durch eine Anzahl schwarzer Flecken und Streifen auf sattgelbem Grunde von allen übrigen abweicht.

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Oben lebhaft orangegelb mit schmalem schwarzen Vorderilügel- saum, zwei schwarzen Analileckchen und langen Schwänzchen. Wir fingen sie einzeln bei Kasakewitsch (Ussuri) an blühenden Bäumen.

betulina Stgr. Von der gewöhnlichen defulae wenig ver- schieden, heller, die Unterseite statt orange mehr graubraun das orangeiarbige Analileckchen der Hinterflügeloberseite fehlt vollständig. Am Amur und Ussuri erbeuteten wir nur wenige Stücke dieser anscheinend seltenen Form.

Ein Wort zur Bienenmimikry von Eristalis. Antwort auf Herrn Heikertingers Arbeit „Die Bienenmimikry von Eristalis“.

Von Wilhelm Götz, Kehl a. Rh.

Neuerdings bildet sich um die Mimikryhypothese eine reiche Literatur, welche geeignet ist, dieser Schritt um Schritt den Boden abzugraben. Großenteils kann man das schroffe Vorgehen, das voll und ganz seine Berechtigung hat, auch als eine Ernüchterung des Mimikryenthusiasmus halten, der besonders bei englischen und amerikanischen Schriftstellern Blüten trieb. Ich glaube über die Entwicklungstheorie keine Worte verlieren zu brauchen, da sie lediglich das Resultat der bisherigen Zoologie (Botanik, Paläontologie) bedeutet. Hypothetisch sind nur ihre Erklärungs- versuche, unter denen der darwinistische Selektionismus eine grosse Rolle spielte. Eine starke Stütze der Darwin-Selektions- theorie sollte lange Zeit die von Bates aufgestellte hypothetische Mimikrytheorie sein, die uns hier allein interessiert. Wallace stellt für den Mimikryfall fünf Forderungen auf, die aber vielfach gar nicht beachtet wurden. Ohne Erfüllung dieser fünf folgenden Punkte kann bei einer Ähnlichkeit zweier Tiere von Mimikry keine Rede sein; durch die Nichtbefolgung aber wurde der Begriff des Mimikry verzerrt und entstellt. I. Die Wohnorte des Nachahmers und des Vorbildes müssen dieselben sein.

. Die Vorbilder müssen der geschützte Teil sein.

. Die Nachahmer dürfen nicht zahlreicher sein wie ihr Vorbild.

. Die Nachahmer müssen sich ‚„augenfällig von der Mehrzahl ihrer nahen Verwandten“ unterscheiden.

5. Die Nachahmer dürfen nur in äußerlichen Merkmalen mit dem Vorbild übereinstimmen.

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Bringen wir nun folgenden „Mimikry‘fall mit diesen fünf Punkten und unserem klaren Denken in Einklang, so muß hier jede Wissenschaftlichkeit geleugnet werden. Auf einer (engl.) farbigen Tafel sehe ich einen Schwärmer in Ruhe, daneben einen Mäusekopf! Ich staune heute noch, wo eigentlich diese Phantasie herstammt, eine derartige, in der Studierstube „entwickelte“ Ähnlichkeit als einen sehr interessanten (‚most interesting“) Mimikryfall auszugeben. Allerdings mit Punkt 1, 2, 3, 5 der Wallaceschen Forderung stimmt ja dieser Fall überein; Punkt 4 kennt man nicht. Dann ist es einleuchtend: Wann soll ein Schmetterling einen Mäusekopf vortäuschen? Doch wohl nur dann, wenn der Schmetterling an einem Mausloch sitzt. Im Fluge, wenn er die Aufmerksamkeit der Insektenjäger auf sich lenkt, sieht er wahrhaitig nicht wie ein Mäusekopf aus. Man darf doch nicht derartig der Lebensgeschichte (Biologie) ins Gesicht schlagen. Nicht anders verhält sich die Mimikry einer Spannerraupe, die die gleiche Zeichnung besitzt wie ihr „Vor- bild“, eine Korallenschlange. Wie soll denn ein Vogel durch die winzige Spannerraupe auf dem Baum an die auf der Erde kriechende Schlange erinnert werden? Es ist nicht ausgeschlossen, daß eine grosse Zahl von Vögeln die Bekanntschait mit dieser Schlange nie gemacht haben, da ja die Schlangen erst in der Dunkelheit ihre Tätigkeit entialten. Ich glaube durch diese beiden Beispiele deutlich gezeigt zu haben, was aus der Mimikry ge- worden ist.

Jetzt gelte unsere Aufmerksamkeit zunächst zwei sogenannten echten Mimikryfällen. Das Pieridengenus Dismorphia hat sich der Annahme Bates zufolge in seiner Nachahmung von /eliconiden und Neofropiden weit von dem einfachen weissen Pieriden-Muster entiernt. Wie nun aber durch die Untersuchungen des Herrn von Bemmelen (Vortrag auf der 86. Versammlung der Natur- forscher und Ärzte) nachgewiesen wurde, weist aber auch gerade die nachahmende Gattung Dismorphia das Zeichnungsmuster auf, das am meisten dem primitiven Rhopalocerentyp entspricht; hingegen finden wir bei den nächsten Verwandten, den nicht mimetischen weissen Pieriden, daß sie in hohem Maße sekundäre Umbildungen erfahren haben, d.h. daß sie entgegen ihren mimetischen Verwandten weiter vom Familientypus abgewichen sind. Herr von Bemmelen zieht daraus die Unhaltbarkeit der Mimikrytheorie in diesem Falle, was jedoch dahin widersprochen werden könnte, daß eben das dem /leliconiden-Urtyp ähnelnde

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Pieriden-Muster in seiner ursprünglichen Form in der Gattung Dismorphia erhalten geblieben ist (den Trägern zum Schutz), weil eben der Doppelgänger (Heliconide) geschützt war. Warum aber verzichteten die anderen Pieriden auf diesen schon ge- gebenen Schutz? Es muß hier also, der Auswahltheorie folgend, die schützende Ähnlichkeit schädlich gewirkt haben, sonst wäre mir ja unerklärlich, warum eine Auslese stattfand, die den Schutz verließ, um einen derartigen Typus, wie ihn die Weißlinge zeigen, herauszubilden. Hier versagt die Selektionstheorie (der Lamarckis- mus bildet nur eine Art Supplement dazu), ja sie beweist sogar das Gegenteil. Warum entwickeit sich ein Teil der Pieriden zu den heutigen „weissen“ Formen, dem anderen Teil hingegen war diese Gunst versagt; er blieb bei seinem ursprünglichen Muster? Zu all dem bleibt uns noch die Annahme, daß doch die Heliconiden auch eine gewisse Entwicklung mitgemacht haben, und wie wir rückschließen dürfen, weicht das heutige Heliconiden-Muster erheblich von dem früheren ab. Wir müssen also sagen, daß die „geschützten“ /Teliconiden die wehrlosen Pieriden nachgeahmt haben. Lassen wir die Entwicklung beider Gruppen nebeneinanderiallen, so gibt sich folgendes Bild:

Der Pieriden-Urtyp Der Heliconiden-Urtyp entwickelt sich unter behält seine Form [entwickelt sich unter Veränderung der und Zeichnung Veränderung seiner Zeichnung und bis heute bei (ohne | Form- und Zeichnungs- Form zum heutigen früher ähnlich zu verhältnisse zum sog. „weissen“ Typ sein) heutigen Muster ZUD: Zur z.B. Pieris Dismorphia Heliconius

Die Gattung Aeliconius ist aber nicht nur durch Dismorphia sondern einer Arktiide (Bär) nachgeahmt. Man überlege doch, der Flug eines Bären und einer Aeliconide soll noch eine Färbungsähnlichkeit aufkommen lassen ! Dann iliegt die /Zeliconide des Tags, der Bär des Abends. Wenn man auf bunten Tafeln die Vorbilder und die Nachahmer nebeneinander stehen sieht, so denkt man an die Schulkasten, in denen immer solche Bei- spiele zusammengesteckt waren; hier besteht allerdings eine Ähnlichkeit, die aber im Leben vollständig verschwindet. Die Insekteniresser des Tages, die eine Heliconide als geschützt meiden, sind nicht auf der Jagd, wenn der Doppelgänger er- scheint.

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Weitere Beispiele liegen zu Dutzenden vor, auf sie einzu- gehen, würde zu weit führen; uns interessiert hier zunächst noch die Bienenmimikry von Zristalis, der Schlammiliege, die Herr F. Heikertinger zum Gegenstand einer Arbeit gemacht hat*). Zuerst weist H. an Hand von Tatsachenmaterial nach, daß die Schlammifliege durch ihre Bienenähnlichkeit nicht den geringsten Nutzen hat, da die meisten in Betracht kommenden Feinde die Biene ohne nachteilige Folgen verzehren können. Danach führt H. durch logische Überlegungen die Mimikryhypothese für diesen Fall ad absurdum. Das Resultat, zu dem er gelangt, faßt er in den vier Punkten zusammen:

„1. Der Zristalis selbst wurde bei allen Versuchen schutzlos geiressen.

2. Sein angebliches Modell, die Biene, wird nachweislich von jenen Tieren, die auf fliegende Insekten von Bienengröße Jagd machen, schutzlos geiressen.

3. Der Eristalis ist von dem typischen Fliegenhabitus nicht im mindesten abgewichen.

4. Die Herausbildung einer „Nachäffung“ durch Auslese ist unvorstellbar, weil die Ähnlichkeit in wirksam täuschender Ausbildung bereits vorliegen muß**), ehe eine Auslese einsetzen kann.

Hierbei sehen wir völlig davon ab, daß der Fristalis gar keine wehrhafite Arbeitsbiene, sondern eine wehrlose Drohne „nachahmt“, daß die nachgeahmte Tierart gar keine warnende Kennfärbung, sondern eher eine verbergende Schutzfärbung trägt, und daß die neuere experimentelle Vererbungs- forschungdieAnnahmeeinervererbenden Wirksam- keit der Auslese bestreitet**)“. |

Die Untersuchungen des Erfahrungsiorschers Johannsen faßt Herr Heikertinger dahin zusammen, daß es „innerhalb einer einmal isolierten reinen Linie völlig gleichgültig ist, ob die hellsten oder dunkelsten, die kleinsten oder größten, die bienen- ähnlichsten oder bienenunähnlichsten Stücke, die Extreme oder die Mittelwerte zur Nachzucht verwendet werden: die Nach- kommenschait innerhalb einer reinen Linie schlägt immer wieder zum gleichen Durchschnittstyp dieser reinen Linie zurück, der sich unsteigerbar zeigt, sofern die reine Linie nicht mutlert”")..

*) Zeitschrift f. wiss. Insektenbiologie XIV. Heft 1—4.

**) Von mir gesperrt (Götz).

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Hierzu glaubt Herr Heikertinger bemerken zu müssen, daß diese Frage noch nicht spruchreif ist; das ist Ansichtssache. Ich halte die Ergebnisse der neueren Vererbungsiorschung in viel höherem Maße zur Diskussion geeignet wie die „alte“ Auslesetheorie, weil eben erstere nicht ein spekulatives Vermuten ist, sondern ein mathematisch genaues Arbeiten mit Werten, deren Resultate unseren Sinnen durch Apparate greiibar gemacht werden können, und so jede Subjektivität ausschließen.

Ein interessantes Schauspiel erleben wir; man baut die Darwin-Selektionstheorie ab; Lamarck ist mit dieser Theorie abgetan; es behalten also einige alte Gegner dieser Lehren recht, die schon früher die Unzulänglichkeit geahnt haben, doch die wirklichen Beweise des Gegenteils brachte keiner. Man suchte bloß die Darwinsche Warum-Erklärung zunichte zu machen; einen Ersatz gab uns wiederum keiner, d.h. diejenigen, die die wirkliche Erklärung mit ihren Beweisen in der Tasche hatten, sahen das nur als ein Beweis der Selektion an. Man hat die Entwicklungserklärungen (Darwin-Lamarck) entthront, ein neuer Herrscher fand sich nicht; wir stehen in einem Interregnum, das nur ein Wirrwarr erzeugen kann. Das schier unabsehbare Tatsachenmaterial türmt sich auf und will verarbeitet sein. Man wird sagen wollen, wir brauchen eben ein Warum nicht, solange nicht in das Wie vollständige Klarheit gebracht wird. Dem halte ich entgegen, daß die Entwicklungserklärungen mit ihrer be- fruchtenden Wirkung auf alle Gebiete einen der größten Fort- schritte der Naturwissenschaft, speziell der Zoologie bedeutete; das sind die Wirkungen eines Fehlschlusses. Aus diesem Grunde müssen wir uns ein Warum zurechtlegen, das unserem heutigen Wissen entspricht, das wir für die einzig richtige Lösung halten. Die Wissenschaft schreitet stets, und wir wissen nicht, ob spätere Zeiten diesen Erklärungsversuch durch einen anderen wahr- scheinlicheren ersetzen oder diesen als Tatsache feststellen und darauf weiterbauen. Durch die erste Möglichkeit dürfen wir uns nicht abschrecken lassen, wenn wir erkennen, daß ohne die umzustürzende Erklärung die neue wahrscheinlichere Erklärung nie möglich gewesen wäre; es bleibt uns auch hier der Trost, daß auch dieser Erklärungsversuch einen Stein zu dem Weltgebäude bedeutet, wenn er auch überbaut nicht außen prangen kann.

Plate stellt die Erklärungen der Entwicklungslehre durch folgende Tabelle klar, die ich hier wiedergebe, um bei meinen nachfolgenden Ausführungen Raum zu sparen.

| I. Entstehung der erblichen Il. Entstehung der Variationen: Anpassungen:

Darwin: 1. Spontan ohne ersichtliche _ DurchAddition kleiner

Ursache (Mutation). ' Variationen, wobei das 2. Durch äußere Reize Unzweckmäßige im (Gebrauch und Nicht- | „Kampf ums Dasein“ gebrauch). ' zugrunde geht. Lamarck: I. Durch Gebrauch u. Nicht- Direkte Anpassung gebrauch. entsprechend dem 2. Durch ein „inneres Ge- Bedürfnis. fühl“. Neo-Lamarckismus: Durch Intelligenz, Psychisch auf Grund von Zellverstand ohne Reizempfindung. Selektion. Vitalismus:DurchAutonomie(Eigen- Durch mystische Prin- gesetzlichkeit) unter Benüt- zipien (Entelechie), zung chemisch-physikalisch. Lebensprinzip. Kräite.

Durch unsere Vererbungswissenschaft erfahren wir nun, daß nur allein die Mutation als artbildender Faktor in Betracht kommt. Die individuelle Variation spielt bei der Artbildung keine Rolle, viel weniger natürlich die äußeren Reize. Auf Darwin die neuen Erfahrungen der Vererbungslehre angewandt versagt seine Lehre.

Die Entstehung der erblichen Variationen erklärt er durch Gebrauch und Nichtgebrauch der einzelnen Organe, was aber dadurch hinfällig wird, daß angeborene abweichende Merkmale nicht vererbt werden, viel weniger denn erworbene Eigen- schaften. Die Mutation erklärt uns Darwin nicht, er glaubt, sie sei spontan, was aber keine Erklärung ist. Die Entstehung der Anpassungen dürite den einzigen Faktor bilden zur Ver- teidigung der Darwinschen Lehre. Anpassungen sind es im Kreislauf der Natur; an Stelle der Anpassungen im Freileben tritt in der Züchtung irgendein Zuchtziel, dessen Erreichung ja eine experimentelle Bestätigung der Darwinschen Lehre ist. Ein Beispiel erläutere die Nichtigkeit dieses Beweises. Bellis

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perennis (Maßliebchen) besitzt einen einfachen Kranz weißer (bzw. rot-gefleckt-gestreift, rosa) Blumenblätter. Die bewußte Absicht des Züchters (im Freileben der Kampf um’s Dasein), der das gefüllte Tausendschön erhalten will, sucht nun die Samen zu erhalten, deren Blüten ein überzähliges Blumenblatt aufwies. Darwins Lehre zufolge müßte der Gärtner danach suchen, ob nicht in irgendeinem Kelch ein ganz unscheinbarer Ansatz vorhanden ist, ein neues, d. h. überzähliges Blumenblatt heran zu züchten. Dem ist aber nicht so, sondern es ist Tat- sache, daß der Züchter sei das Ziel was es will die erste Mutation abwartet. Eine Mutation ist aber den Mendelschen Gesetzen unterworfen, weshalb er als Kreuzungsprodukt mit normalen Individuen stets auch solche Exemplare erhält, die sich in Übereinstimmung befinden mit der mutierten Sonder- eigenschaft des einen Elternexemplares. Weitere Mutationen vervollständigen das erste Züchtungsergebnis. Dies war die einzige Möglichkeit, den Darwinismus auf empirische Grundlage zu stellen, und wie wir sehen, ist es auch hier reine Vermutung (Hypothese), die den Darwinismus hält. Man zeige an einem Experiment den Darwinismus und er wird gewaltige Anhänger- massen bekommen; mit der einzigen Tatsache der Mutation weiß der Darwinismus nichts anzufangen.

Die Erklärungen der Entstehung der Anpassungen fallen alle unter dem scharfen Messer der neuen empirischen Ver- erbungswissenschaft. Nicht allein die Erklärungen, sondern auch die Tatsache, daß wirklich die Anpassungen gezüchtet wurden, gerät ins Wanken und wird unhaltbar. Wir stehen vor der Tatsache der Anpassungen! Wie diese entstanden sind, wissen wir nicht. Vor der Tatsache der Mimikry stehen wir nicht, sondern wie hier und dort nachgewiesen wird, ist ent- weder der „mimetische Schutz“ überhaupt kein Schutz, sondern eine Vermutung, oder aber das vermutlich geschützte Modell entbehrt dieses Schutzes. Wir haben also nicht die Tatsache einer schützenden Ähnlichkeit, und eine nicht bestehende Tatsache (die Möglichkeit, daß es so sein könnte) bedarf keiner Erklärung, mit anderen Worten, die „Tatsache“ ist der Erklärung halber da.

Arbeiten wir jetzt einmal mit der Fiktion, die Fliege Volu- cella inanis L. genieße durch ihre Ähnlichkeit (!) mit Vespa crabro L., der Hornisse, einen Schutz (vgl. Doflein: Tierbau und Tierleben Il.), so müssen wir laut Mimikrykausale annehmen, daß eine beliebige Fliege nur, weil sie von den schlecht sehen-

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den Feinden mit einer Hornisse verwechselt wurde, am Leben blieb. Von ihren Nachkommen blieben nur die am Leben, die ein kleines wenig, kaum merkbar, der Hornisse ähnlicher waren wie ıhre Brüder. Im Laufe der Generationen wird nun diese Ähnlichkeit zustande gebracht. Mir ist es noch nie passiert, daß ich im Fluge oder in der Sammlung die Fliege mit einer Hornisse verwechselt habe. Was nun für die Hornisse an Feinden in Betracht kommt, dürfte auch zu den Verfolgern dieser Fliege gehören. Doflein behauptet aber, die Verfolger der Bienen können die stachellosen Drohnen von den Arbeiterinnen unter- scheiden. Diese scharisichtigen Vögel sollen nun diese Fliege nicht von der summenden Hornisse unterscheiden können! Eristalis ist vor der Verfolgung geschützt durch seine Bienen- ähnlichkeit. Die Verfolger der Bienen aber fressen nur Drohnen, weil sie diese von den Arbeiterinnen unterscheiden können, und lassen die drohnenähnliche Fliege Zristalis aus Pietät vor der Mimikrytheorie ungeschoren (Heikertinger).

Eine Entwicklung, wie sie obige Fiktion zeigt, ist undenk- bar; nicht besser steht es mit der Entwicklungserklärung der Warnfarben, deren Existenz ich leugne. Die Wespe besitzt Warnfarben, weil sie uns auffällig erscheint. Wer sagt uns aber, ob die Vögel farbenblind sind? Wozu denn Warnfarben, wenn die in Betracht kommenden Feinde trotzdem nicht haltmachen vor dem Stachel. Wenn alle wehrhaften Geschöpfe als solche gekennzeichnet sind, und nur wehrlosen Tieren eine Schutzfarbe oder schützende Ähnlichkeit zukommt, weshalb besitzt dann die Biene ein derartig unscheinbares Kleid’?

Diese und ähnliche Fragen stellte ich jüngst einem etwas bewanderten Entomologen zur Beantwortung.

„Die Mimikryfrage von Zristalis und ihr Fall läßt sich sehr wohl mit der Selektionstheorie in Einklang bringen. Den neueren Forschungsergebnissen zufolge kann man den Stachel der Bienen als rudimentäre Legescheide betrachten (die Ar- beiterinnen sind unfruchtbare Weibchen!). Da den Arbeiterinnen nicht mehr das „Bestiiten“ der Waben zukommt, so ist der Stachel umgewandelt worden zum Ausscheideorgan der Ameisen- säure, die zur Konservierung des Honigs unerläßlich ist. In dieser Eigenschaft erst bildete sich der Stachel heran zum Abwehrmittel, als sekundäre Funktion. Daß Zristalis der Biene ähnlich ist, kann nicht mimetischer Natur sein, wie der ganze Fristalis-Fall nur eine Scheinmimikry war.“ Das war die ungefähre Antwort.

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In dieser Art, folgerichtige Schlüsse zu ziehen, liegt das Todesurteil der Mimikrytheorie. Einmal behandelt Th. Zell die Streitirage, ob der Bienenstachel in der Wunde stecken bleibe oder nicht, auf folgende Weise: „Der Bienenstachel darf nicht in der Wunde stecken bleiben, da sonst die Funktion des Bienen- stachels phylogenetisch unerklärbar sei.“ Der Bienenstachel tat Herrn Zell aber den Gefallen nicht, sondern bleibt in der Haut des Menschen stecken. Er hat jetzt allerdings eine ganz andere entwicklungsgeschichtliche Bedeutung. Diese Art der Schluß- folgerung ist unzulässig. Die Natur ist doch nicht der Theorien wegen da, sondern die Theorien wegen der Natur; mit anderen Worten, unsere Lehren sollen ein getreues Bild unserer jeweiligen Naturerkenntnis sein. Lassen wir nun im Zristalis-Fall die Entwicklung nebeneinander fallen, so ergibt sich folgendes Bild:

Der Fliegenurtypus | In der Entwicklung zum Staatenleben bil- entwickelt sich dete sich ein Teil der mit einem Legestachel durch zu den heu- | versehenen 9 dem Urtyp solitärer Bienen tigen Fliegentypen, | zur Kümmeriorm, den Arbeiterinnen der 04.2..D. Eristalis. jetzigen Bienenarten, von Apis um.

Ich bin mir der Mangelhaftigkeit dieser Tabellen sehr wohl bewußt, betrachte sie aber in diesem Fall als gutes Mittel, die Gleichzeitigkeit des Geschehens darzulegen und zu zeigen, daß die Bienenähnlichkeit von Zristalis kein Jota geringer wäre, wenn die Biene überhaupt nicht existiert hätte; eine biologische Beziehung zwischen Zristalis und Apis mellifica, wie sie die Mimikry fordert, hat nie existiert, d.h. Zristalis mußte in der Entwicklung die Form und Farbe annehmen, ob Apis mellifica existierte oder nicht.

Zu diesem Resultat gelangt auch Herr Heikertinger, wie ein Blick in die oben erwähnten vier Hauptpunkte des Ergeb- nisses seiner Forschungen lehrt.

Wie wir ım Laufe der obigen Darlegungen gesehen haben, halten den neueren Erfahrungen der Vererbungswissenschaft die Entwicklungserklärungen einer Selektion, Gebrauch und Nichtgebrauch, nicht stand. Als einzig wirkender Faktor kommen die zwei Formen der Mutation in Betracht. (Auf die beiden Mutationsfiormen gehe ich an anderer Stelle näher ein.) Die erste Form der Mutation ist das bekannte sprunghafte Auftreten von Variationen, die den Nachkommen erblich fixiert sind nach den Gesetzen von Mendel.

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Als zweite Form der Mutation bezeichne ich die Variabilität der Formen unter physischen Einflüssen. Hierher gehören alle Wärme- und Kälteformen, Feuchtigkeits- und Trockeniormen, Hunger- und Nahrungsüberschußiormen, Formen bedingt durch Luit, Wasserdruck, Luit- und Atmosphärenzusammensetzung, Salz- gehalt des Wassers, Mineralbestandteile der Nahrung und ihr gegenseitiges Zusammenwirken. Diese und noch andere Faktoren (Licht, Schwerkraft usw.), in ihren Kombinationen einwirkend auf das Individuum, sind nicht erblich, sondern verhalten sich wie erworbene, nicht vererbbare Fähigkeiten (was sie auch sind). Als Mutation kann man es erst aulfassen, wenn diese Faktorenkombination auf Generationen einwirkt. Angenommen, ich setze eine Vanessa-Puppe der Hitze aus, so erhalte ich ein lebhaiter gefärbtes Tier als Auswirkung der Energie, die der „Puppen“körper in sich aufgenommen hat. Nun muß doch nach dem Gesetze der Erhaltung der Energie die auf den Imago einwirkende Hitze (oder sonst ein Faktor) irgendwelche Veränderungen nach sich ziehen; dies geschieht auch: bei der Reife der Geschlechtszellen konzentriert sich die ganze Energie in den Chromosomen (den Vererbungsträgern), die dann ihrer- seits die etwaige Veränderung am entstehenden (durch ihre Befruchtung) Individuum zeigen. Diese Veränderung, solern die Chromosomen der Eizelle sowie des Spermas homolog aui- einander wirken, bestimmt die Erblichkeit der dem Individuum zugekommenen Eigenschaften, d.h. es liegt eine Mutation vor. Man wird mir deshalb nicht übelnehmen, bei der schweren Unterscheidbarkeit der Auswirkung derselben Ursache (mit ver- schiedenen Folgen) auch denselben Namen gegeben zu haben. Die neuere Vererbungswissenschait stellt die Mutation als ein- ziger artbildender Faktor und damit (den obigen Ausführungen zufolge) auch die physischen Momente. Es ergibt sich daraus auch eine neue Perspektive für die Zoogeographie und Rasseforschung.

Ohne hier noch einmal auf die Müllerschen Mimikryringe eingehen zu können, möchte ich obigen probeweisen Erklärungs- versuch der Öffentlichkeit übergeben, in der Absicht, einen regen objektiven Meinungsaustausch zu veranlassen. Die vor- stehenden knappen Ausführungen sind der vorläufige Bericht einer im Entstehen begrifienen Arbeit, der also weder vollständig sein will, noch ganz durchgearbeitet ist. Ich will ihn als Vor- schlag verstanden haben und nichts weiter.

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Uber das Vorkommen von Plusia v-argenteum in den bayerischen Bergen. Von Dr. Clemens Hörhammer, Leipzig.

Anm 13. August 1920 machte ich von Berchtesgaden aus eine Tour ins Steinerne Meer, und zwar auf dem Wege von der Saugasse zur Funtenseehütte aufsteigend. Vor der eigent- lichen Saugasse passiert man die sogenannte Unterlahneralm, auf der ich stets einige Zeit verweile, um zu sammeln. Apollo v. barlholomaeus war schon ganz abgeflogen und nur in ganz wenigen Stücken zu sehen, die ich alle fliegen ließ. Von Zye. coridon fing ich einige sehr schön ausgeprägte Stücke der ab. punctata (Tutt). Plötzlich sah ich auf einer braunverschrumpiten Hieraciumblüte eine PlJusie sitzen, die in seltener Weise der Blüte sich anpaßte. Zuerst hielt ich das Tier beim Hinsehen für eine P/usia pulchrina, aber wer beschreibt die Überraschung, als sich eine veritable P/usia v-argenteum herausstellte! So viel ich weiß, ist diese P/usie bisher überhaupt noch nicht in den nördlichen Alpen beobachtet worden, sondern ausschließlich in den Südalpen, Meran, Wallis usw. Das Exemplar war ein Weibchen und so frisch, daß es sich um kein weither geilogenes Tier handeln kann. Es ist auch größer und etwas dunkler als Stücke, die ich von anderen Orten des Südens habe, aber in der Zeichnung völlig normal. Leider hatte ich keine Zeit, um Nachforschungen nach weiteren Tieren anzustellen. Jedenfalls dürfte dieses Vorkommen von Plusia v-argenteum neu für Bayern sein. Erwähnen möchte ich hiebei noch, daß ich oben am Funtenseehaus in den frühesten Morgenstunden mehrere Exemplare von der seltenen Hepialide Hep. ganna im umher- schwirrenden Fluge erbeuten konnte, ebenfalls ein seltener Fund in den bayerischen Bergen.

Schriftleitung: Max Korb, München, Akademiestraße 23. Druck der G. Franz’schen Buchdruckerei (G. Emil Mayer), München.

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Ir vr MITTEILUNGEN Fr ri \ der Münchner Entomologischen Gesellschaft, &.V. \

\ 11. Jahrgang 1921. München, 31. August 1921. Nummer 6-8. \ Eee ei ee ei ee]

Ausgegeben August 1921.

Ein kleiner Beitrag zur Spannerfauna des bayerischen Donautales. Von Ludwig Osthelder, Kelheim.

Es ist eine schon längst bekannte und auch im entomologischen Schrifttum vielfach behandelte Tatsache, daß der Schweizer Jura eine in vieler Hinsicht bemerkenswerte, eigenartige Falterwelt beherbergt. Er erscheint allerdings von der Gesamtmasse des langen Jurazuges hiezu am meisten von der Natur voraus- bestimmt, sowohl wegen seiner Erhebung über den Meeresspiegel, in der er die deutschen Teile des Juras bedeutend übertrifft, als auch infolge seiner südlichen Lage und seines nahen Zu- sammenhanges mit den Alpen und mit dem mittelländischen Faunengebiet.

Die Schmetterlingsfauna des Bayerischen Juras hat demgegenüber bisher eine weniger eingehende Betrachtung geiunden. Wohl ist die interessante Lokalrasse von Parnassius apollo, die er enthält, schon länger bekannt. Anton Schmid hat in seiner meisterhaften Bearbeitung der Schmetterlingsfauna von Regensburg und Umgebung (Korresp.-Bl. d. naturw. Ver. in Regensburg 1885) den südöstlichsten Teil des Bayerischen Juras in ziemlich erschöpfender Weise behandelt, wenn auch durch die neueren Forschungsergebnisse manches bemerkens- werte Neue hinzugekommen ist. Für die weitere Umgebung von Eichstätt bringen die Veröffentlichungen von Professor Knörzer in Eichstätt in den Wissenschaftlichen Beilagen zum Jahresberichte der Realschule Eichstätt 1913/14 und 1917/18 reiche und bemerkenswerte Feststellungen.

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Diese Arbeiten haben sich nicht oder nur nebensächlich mit der Frage der Einwirkung des Standorts auf die Veränderlichkeit des Falterkleides befaßt. Gerade auf diesem Gebiete bietet aber das gewaltige Kalkgebiet des Juras, wie insbesondere auch die Forschungen im Schweizer Jura nachgewiesen haben, ein besonders dankbares Feld. Im Nach- stehenden seien einige bemerkenswerte Beobachtungen an Spannern aus der näheren Umgebung der Stadt Kelheim in dieser Hinsicht mitgeteilt.

Bevor ich in die Betrachtung einzelner Arten eintrete, möge als allgemeine Bemerkung vorausgeschickt sein, daß bei vielen Arten die Regel ist allerdings, wie unten zu zeigen sein wird, nicht ohne Ausnahme eine merkliche Aufhellung des Farben- kleides eintritt, die zweifellos mit dem hellen Juragesteinsunter- grunde des Standorts zusammenhängt. Nun zur Betrachtung einzelner Arten.

1. Ortholitha bipunctaria Schijf.

Von dieser Art fliegt hier eine sehr charakteristische helle Jurarasse, die übrigens auch in anderen Teilen des Juras vor- zukommen scheint. Wenigstens schrieb mir Dr. Wehrli in Basel, daß unsere Form mit der Form des Schweizer Jura übereinstimme.

Die Rasse ist im allgemeinen recht beständig und wenig abändernd. Die Grundfarbe ist weißgrau mit einem ganz leichten Stich ins Bläuliche im Gegensatze zur alpinen Rasse, die in der Regel eine etwas verwaschene, dunkel blaugraue Grundiarbe zeigt, besonders auch das Mittelband der Vorderilügel ist bei unseren Stücken viel heller als bei den alpinen; es besteht meist nur in einer dunkleren, leicht bräunlich getönten inneren Be- grenzung der beiden Querlinien, zwischen denen ein ziemlich breites Feld der weißgrauen Grundfarbe verbleibt. Bei den alpinen Stücken ist dagegen das Mittelband der Vorderfilügel meist mehr schwarzgrau und geschlossen, nur um die beiden Punkte einen helleren Flecken der Grundfarbe frei lassend, bei manchen alpinen Stücken ist es sogar einfarbig schwärzlich.

Die hiesige Juraform ist der von Dr. Schawerda (Zool.- bot. Verh. Wien 1913 S. 160) aus der Herzegowina beschriebenen Lokalform var. sandalica, die übrigens auch in den Abruzzen vorkommt, sehr ähnlich. Sie unterscheidet sich von ihr haupt- sächlich nur dadurch, daß dieser jeder bräunliche Ton fehlt, der

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bei unseren Stücken im Mittelband der Vorderflügel mehr oder minder vorhanden ist.

Ich möchte diese schöne Lokalrasse als var. jurassica bezeichnen.

2. Lobophora sertata Hb.

Schon A. Schmid hat in seinem erwähnten Buche den Fundort bei Kelheim festgestellt, der auch bis heute der einzig bekannte in der näheren und weiteren Umgebung Regensburgs für diese mehr in den Alpen und den Mittelgebirgen heimische Art geblieben ist. Alljährlich Ende April oder Anfangs Mai, wenn sich ihre Futterpflanze (Acer pseudoplatanus) belaubt, künden zusammengesponnene Blattbüschel das Vorhandensein der Raupe, die dann mit diesen Blattbüscheln in schon erwachsenem Zu- stande unschwer einzutragen und zur Entwicklung zu bringen ist. Bei meinen wiederholten Zuchten in den letzten Jahren schlüpften mir nun neben der normalen braunen Form auch eine kleine Reihe grüner Stücke. In den bayerischen Alpen, wo die Art an manchen Orten im September sehr häufig fliegt, sind mir niemals derartige grüne Stücke zu Gesicht gekommen. Dagegen erwähnt Höfer in den „Zool.-Bot. Verh. Wien 1920, Bericht der Sekt. f. Lepidopterologie, Vers. v. 7. Nov. 1919“, daß Graf Turati eine grüne Form nach einem im Modenenser Appenin in 1000 m Höhe erbeuteten Stücke viridulata benannt habe und daß auch in Niederösterreich ähnliche Stücke vor- kommen, bei denen sich ein zartes Grün über die ganze Vorder- flügeliläche ausbreite. Turati schreibt von seinem Stücke, daß es in lebendem Zustande wie eine schöne, dunkler gezeichnete grüne miata ausgesehen habe. Der Vergleich mit miata trifft nun auf unsere grünen Stücke nicht recht zu, denn das Grün ist bei ihnen lichter als bei miafa. Immerhin dürfte es sich empfehlen, alle grünen Formen der ZLobophora sertata ohne Rücksicht auf die Schattirung des Grün als ab. viridulata Tur. zu bezeichnen. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß die grünen Stücke besonders zur Abschwächung der schwarzen Querstriche auf den Vorderflügeln neigen, so daß diese mitunter ein ziemlich eintöniges, lichtgrünes Aussehen erhalten, wie es bei der braunen Stammiorm nie in entsprechendem Maße der Fall ist. Herr Amts- gerichtsrat Püngeler in Aachen hat mir brieflich mitgeteilt, dass er ein grünes Pärchen der Art auch von Standfuß aus Schlesien erhalten habe. Es scheint sich also um eine an vielen

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Orten auftretende Farbenänderung zu handeln, die aber hier unter dem Einflusse des Standorts offenbar viel häufiger ist als anderswo.

3. Larentia aptata Hb.

Diese alpine Art tritt im mittleren bayerischen Donautal an den Jurabergen auf; sie dürfte hier den einzigen bisher bekannten Standort in Deutschland außerhalb des Alpengebietes haben. Schmid berichtet, daß sie ©. Hofmann im Juni abends an den Winzerer Bergen (bei Regensburg) erbeutet habe, daß die Art auch bei Karlstein vorkomme und in der Raupenform Endhälite Juli an Impatiens zu finden sei.

Ich erbeute die Art alljährlich häufig an einer sehr eng- begrenzten Stelle am Fuße des Michelsberges bei Kelheim, der die Befreiungshalle trägt. Sie sitzt dort ausschließlich an moos- und pilanzenbewachsenen Felsen im Schatten des Laubwaldes. Die Flugzeit liegt in der zweiten Hälite Juni und ist sehr kurz. An der Flugstelle und deren näherer Umgebung kommt Im- patiens nicht vor.

Es handelt sich um eine ausgesprochene Lokalrasse, die in ihrem prächtig grünen Kleide ein Seitenstück zu der nicht weit entiernt davon vorkommenden grünen Form von Lobo- phora sertata bildet. Sie ist ausgezeichnet durch eine starke Steigerung aller hellgrünen sowie eine Verminderung der schwärzlichen Zeichnungsteile. Das Mittelfeld ist fast rein grün, die schwärzlichen gewellten Querstreiien in diesem sind nur undeutlich angedeutet, so daß auch das von schmalen schwärz- lichen Linien eingefaßte Mittelfeld einen nahezu einfarbig grünen Eindruck macht. Das Saumfeld ist gleichfalls breit hellgrün angelegt. Auch hier sind die bei der alpinen apfata mehr oder minder stark eingesprengten gewellten schwärzlichen Zeich- nungen stark zurückgedrängt und auf die schwarzen Längs- ilecken in der Flügelspitze beschränkt, während die übrigen Teile des Saumieldes zeichnungslos hellgrün sind. Von zahl- reichen alpinen Stücken, die ich verglichen habe, erreicht keines auch nur annähernd in der Ausdehnung und Stärke das prächtige grüne Zeichnungskleid unserer hiesigen Form. Die alpinen Stücke haben auch stets viel stärkere schwärzliche Zeichnung. Während die alpinen apfata sehr stark abändern, ist die hiesige Form außerordentlich beständig,

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Von der Form lagen mir bisher etwa 60 Stücke vor, aller- dings nur 499, die sehr selten zu sein scheinen. Ich habe diese prächtige Lokaliorm als var. juracolaria in meiner Samm- lung stecken und möchte diese Bezeichnung für sie in Vorschlag bringen.

Bemerken möchte ich noch, daß die der Larentia aptata nahestehende Larentia olivata Pokh. hier ziemlich weit ver- breitet ist, daß ich aber bei dieser einen merklichen Unterschied des Farbenkleides gegenüber den alpinen Stücken nicht fest- stellen konnte, höchstens daß die hiesigen 99 zu einer gewissen Aufhellung neigen.

4. Larentia salicata Hb.

Diese Art, die nach den Schmetterlingsverzeichnissen von Hellweger und Vorbrodt in den Tiroler und Schweizer Alpen wenigstens in den tieferen Lagen in zwei Generationen auftritt, hat in den bayerischen Alpen, die sich allerdings durch rauheres Klima auszeichnen, nur eine Generation. Dagegen fliegt die Art in der Umgebung von Kelheim an den Jurahängen des Donau- und Altmühltales in weiter Verbreitung in zwei Generationen, von denen die erste in der zweiten Hälite April, die zweite Mitte Juli erscheint. Die hiesige Form neigt stark zur var. ablutaria Bsd. Besonders Stücke der zweiten Generation zeichnen sich durch Stärke der hellen, weißlichen Zeichnungen und der gelbgrünlichen Bestäubung aus; sie stellen jedenfalls ein Extrem der Form ablutaria dar. Derartig stark weißlich und gelblich gezeichnete Stücke habe ich aus den Alpen noch nicht gesehen.

5. Larentia tophaceata Hb.

Auch diese Art tritt wie Zar. salicata in den baye- rischen Alpen im Gegensatz zu Tirol und der Schweiz nur in einer Generation auf, die von der zweiten Hälite Juni ab erscheint.

Die Art findet sich auch bei Kelheim, von wo sie schon Schmid in einem Stück aus einer Raupe von Galium syl- vaticum erzog, an den unteren Hängen des Donautales in zwei Generationen, von denen die erste von Anfang Mai, die zweite von Anfang August an erscheint. Die Kelheimer Form, von der mir allerdings erst wenig reine Stücke vorlagen, ist heller als die alpine, mit mehr Weiß und mit mehr Gelb. Sie

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dürfte mit der von Vorbrodt auigestellten var. jurassica aus dem Schweizer Jura identisch sein, ein Vergleich mit den dortigen Stücken war mir noch nicht möglich.

6. Gnophos obfuscaria Hb. (| ambiguata Dup.)

Auch von dieser Art erwähnt schon Schmid ein im Juli bei Winzer unweit Regensburg gefangenes Stück. Ich fand die Art einzeln in der zweiten Hälite Juni auf den Hängen des Goldbergs bei Kelheim.

Während odfuscaria in den bayerischen Alpen durch- wegs in der hellgrauen, mehr oder minder dunkler bestäubten Stammiorm auftritt, ist die hiesige Form im Gegensatze zu allen anderen hier behandelten Arten viel dunkler, vollständig dunkelbraun bestäubt und unterscheidet sich in der Färbung nicht von der norddeutschen var. vepretaria Spr.; sie hat je- doch viel schärfere und dickere Querstreifen als diese. Stücke aus der Regensburger Umgebung, die ich in dortigen Samm- lungen gesehen habe, stimmen mit den Kelheimer Stücken überein.

7. Gnophos pullata Tr.

fliegt an den Jurahängen der Umgebung von Kelheim in der meines Wissens in der Literatur bisher nur aus der Schweiz und aus Südkrain sowie vom Südabhange des Harzes iest- gestellten weißgrauen Form impectinata Gn. In den bayerischen Alpen, wo die Art recht selten zu sein scheint, erbeutete ich bisher nur ein Stück am 17. Juli 1916 bei Kochel, das mit Stücken aus dem Hochschwabgebiet übereinstimmt. Auch hier tritt die Art nur sehr vereinzelt auf. Ein Stück, das ich von Dr. Petry in Nordhausen als var. impectinata von den Gipsielsen des südlichen Harzrandes erhielt, hat die gleiche weißgraue Grundiarbe wie die Kelheimer Stücke, die schwärz- liche Sprenkelung ist aber bei unseren Stücken noch schwächer, ein Stück ist fast einfarbig weißgrau.

$8. Gnophos glaucinaria Hb.

Schmid, der die Art aus im Jahre 1878 auf der Brant bei Kelheim gefundenen Raupen erzog, bemerkt, daß dieselben die daselbst ausschließlich vorkommende var. falconaria Frr. ergeben hätten. Ich kann diese Ansicht nicht teilen. Die Kel- heimer glaucinaria-Form hat mit der violettgrauen, fast

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einfarbigen falconaria höchstens das Eine gemeinsam, daß ihr die gelbliche Beimischung nahezu gänzlich fehlt. In der Zeichnungsanlage hat sie aber durchaus die aus zahlreichen verwaschenen dunkleren Wölkchen und Strichelchen bestehende Zeichnung der Stammfiorm. Von falconaria unterscheidet sie sich vor allem durch die Grundfarbe, die in einem charak- teristischen Weißgrau besteht, wie es als Extrem auch bei besonders hellen Stücken in den Alpen ausnahmsweise vor- kommt und mit der sie ein gutes Seitenstück zu der hier fliegenden Form von Ortholitha bipunctaria und zu Gnophos pullata var. impectinata bildet. Die Form ist an den Jura- hängen des Donau- und Altmühltales weit verbreitet, ich fing sie in der zweiten Hälfte Mai und im Juni, dann wieder von Ende Juli ab. Die Frage, ob es sich dabei um zwei Generationen handelt, möchte ich vorläufig noch nicht mit Bestimmtheit ent- scheiden, wenn ich auch das Vorliegen von zwei Generationen für wahrscheinlich halte. Dafür spricht der Umstand, daß ich aus einigen wenigen Eiern, die ich Ende Juni erhalten hatte, ein © Stück noch am 25. September erzog, ferner ein gewisser Saisondimorphismus in der Größe. Unter den von Ende Juli ab gefangenen Stücken fanden sich zahlreiche auffallend kleinere. Vorbrodt nimmt für die ganze Schweiz nur eine lang- gestreckte Generation mit Flugzeit vom Mai bis September an, dagegen bemerkt Rebel in Berges Schmetterlingsbuch, daß die Art in niedrigeren Gegenden, so bei Wien, in zwei Gene- rationen auitrete.

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß ein aus der Samm- lung Meeß-Karlsruhe stammendes © meiner Sammlung mit dem Fundortzettel „Regensburg Schmid“ durchaus mit Stücken der var. plumbearia aus dem Rheingau übereinstimmt; gleiche Stücke aus hiesiger Gegend habe ich auch schon in anderen Sammlungen gesehen. Diese Form scheint daher, allerdings ziemlich selten, als Aberration unter der hiesigen Lokal- form aufzutreten, die ich mit Rücksicht darauf, daß es sich gleichfalls um eine durch die Eigentümlichkeiten des Juragebietes beeinilußte Form handeln dürite, auch als var. jurassica be- zeichnen möchte.

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Die Macroiepidopteren der Umgebung von Beuerberg und des unteren Loisachtales.

Sammelergebnisse aus den Jahren 1919 und 1920 von Franz Dannehl, München. Vorwort.

Als die Anregung an mich herantrat, über meine Sammel- ergebnisse 1919 und 1920 in Beuerberg und Umgebung einen Bericht zu verfassen, war es mir klar, daß eine solche Arbeit nichts Abgeschlossenes und Lückenloses werden könnte. Gerade die beiden Jahre waren überall in Deutschland gleich ungünstige, überall wurde über außerordentlich düritige Sammelergebnisse geklagt, und ich bin fest überzeugt, daß das von mir durch- forschte Gebiet in weiteren Jahren noch zahlreiche interessante Funde bieten wird. Der ungemein vielgestaltige Charakter der topographischen Verhältnisse, der Wechsel zwischen trockenen und saitigen Waldgebieten auf den Höhen nach dem Starnberger See zu, zwischen Bergriesen und feuchten Moorwiesenflächen, die wechselnde Gestaltung der eigentlichen Moore, etwa begrenzt zwischen Gelting- Königsdori-Beuerberg-Fletzen und den Er- hebungen am Zwiesel, alles dies bietet die Grundlage für eine Flora von beträchtlicher Mannigfaltigkeit und zweifelsohne auch für eine solche der Insektenwelt. Anderseits scheint zwischen der Fauna des unteren Loisachtales und der des Isartales eine bestimmte Begrenzung festgestellt werden zu können.

Wie die Fangergebnisse im Laufe der Jahre sich ändern, wird iraglos auch die Fauna selbst in dauernder Veränderung begriiien sein. Einflüsse, die auf die Nähe des Gebirges, die Schneeverhält- nisse und Witterungsgestaltung zurückzuführen sind, machen sich bestimmt bemerkbar, und es ıst kaum zweifelhaft, daß auch, abgesehen vom Auftreten einzelner Arten und ihrem Ausbleiben, besonders solcher, die „wandern“, die Variabilität mancher Art Schwankungen unterliegt. Feststellungen nach dieser Richtung wären gewiß von größtem Interesse, und ein reiches Feld bietet sich da den Münchener Sammlern für ihre Beobachtungen.

Bei der Aufzählung der von mir in den beiden Jahren ge- sammelten Tiere folge ich dem Vorbrodtschen Werke; da eine oberbayerische Fauna bisher nicht existiert, hielt ich es für richtig, auch die überall auftretenden Arten anzugeben und ihre Erscheinungszeit für das Gebiet zu erwähnen. Ich unterscheide bei der Angabe des engeren Fluggebiets der einzeinen Tiere

zwischen „Moorwiesen“ und „eigentlichem Moor“. Tatsächlich lassen sich hinsichtlich des Aufenthaltes bei den meisten Arten da genaue Daten feststellen, und es werden vermutlich solche Tiere, die als nur im eigentlichen (sumpfigen, nicht kultivierten und nicht drainierten) Moor vorkommend angeführt werden der scheue palaeno gehört dazu —, bei der intensiven Um- gestaltung und technischen Ausbeutung der Moore bald aus dem wundervollen entomologischen Jagdgebiet verschwunden sein.

Die Ergebnisse mehrerer Ausflüge auf den Zwiesel bei Tölz sind in der Arbeit mit erwähnt.

Die einzelnen Arten auf ihre Fähigkeit zu untersuchen, irgendwelchen „Var.“ oder „Ab.“ zugerechnet oder „neu benannt“ zu werden, darauf legte ich keinen Wert.

P. podalirius L. Ein © ım Juni in Wolfratshausen an einem

Fliederbusch. Einige Raupen im Spätherbst bei Königsdori. P. machaon L. In beiden Jahren ziemlich spärlich in den

Mooren.

A crataegi L. Nicht selten; Raupen auf Crataegus, Prunus spinosa und Obstbäumen. P. brassicae L. 1919 häufiger als 1920, wo nur vereinzelte

Stücke auftraten.

Puranae: £. P. napi L. Generation I und II ineinandergehend; II. Gene- ration oit an meridionalis erinnernd. Ein großes © mit

ausgedehnter, aber ganz matter Zeichnung 21. Mai 1920 (in der Zoologischen Staatssammlung). v. bryoniae Ochs. Ein Stück (9) abgefilogen am Zwiesel.

E. cardamines L.

L. sinapis L. Bei Gelting und bei Wolfratshausen.

C. europome Esp. Überall in den Mooren, in Größe und Zeich- nung stark variierend. Flugzeit etwa drei Wochen, 1920 einen Monat früher als 1919. Sonst normale Stücke mit fiehlendem schwarzen Mittelpunkt nicht selten. Auch v. iUlgneri tritt regelmäßig, wenn auch spärlich auf, mit Übergängen zur Sti.

C. hyale L. Verhältnismäßig selten; mehr in trockneren Ge- bieten nach Woliratshausen und dem Isartal zu, während in den Mooren selbst die Art selten angetrofien wird.

G. rhamni L. Sehr häufig, Raupen an ganz kümmerlichen Büschehen von Rhamnus, in den Mooren oft in Mengen.

Se en nellan

=

Ehe wol

Die Falter oft abends an gemeinsamen Ruheplätzen in dichten Ballen auf Cirsinen im Walde.

. iris. L. Ziemlich selten, etwas häufiger in den Wäldern bei

Hohenleiten und nach Seeshaupt zu.

. populi L. Ein auffallend großes 2 aus einer bei Moosaurach

gefundenen Puppe. Selten. (Fletzen.) Ion L. urlicae L.

. polychloros. Nur ein abgeflogenes Stück beobachtet; scheint

im Beuerberger Gebiet zu fehlen.

. antiopa L. „c-album L. atalanta L. Stücke mit weißem Fleck in der roten Binde

hie und da.

. cardui L. . aurinia R. April bis Juni, außerordentlich variabel und

überall sehr häufig.

. cinxia L. Mai-Juni, selten. .athalia Rott. Sehr häufig, überall. Variabel, oft mit getrübter,

verwischter Zeichnung, auch stark verdunkelte Stücke. Flug- zeit von Ende Mai bis in den August.

aurelia Nick. Viel seltener als die vorige, an wenig Stellen. (Moosaurach, Fletzener Waldwiesen.)

M. dictynna Esp. Von Ende Mai bis zum Herbst. In den

Mooren sehr häufig in scharf gezeichneter, schöner, nicht sehr großer Form. Oit sehr verdunkelt, die 29 dagegen häufig mit ins Weiße gehender Grundfärbung, besonders der Hinterflügel, Formen, die der corythalia Ab. und nava- rinae S. entsprechen.

"aphirape Hb. An wenigen Plätzen, streng lokalisiert, dort

aber meist in Anzahl. Etwa Mitte Mai, mit kurzer Er- scheinungszeit. Die ungemein eng begrenzten, hie und da auf kleinen Wiesenflächen von kaum 25 m Durchmesser beschränkten Flugplätze bei Öd, Loh und bei Moosaurach. Ich fing an einer Stelle in einer halben Stunde etwa 20 Exemplare, besonders schöne 22 von Polygonen- blüten.

.selene Schiff. 1. Generation etwa Mai-Juni, II. Ende August-

September, hie und da mit verstärkter schwarzer Zeich- nung. Die Generation II kleiner, abgerundeter, meist er- heblich matter in der Färbung.

B. euphrosyne L. Vom April bis in den Hochsommer, wahr-

scheinlich in zwei Generationen, die beide stark variieren, ohne daß besondere Merkmale die eine charakterisieren. Am Zwiesel eine kleinere, gedrungenere Lokalrasse, meist mit kräftiger Zeichnung, aber matter Grundtönung; be- sonders die Wurzelielder vielfach breit verdunkelt. Fliegt gern zwischen Zhore.

B. pales-arsilache Esp. In den Mooren außerordentlich häufig;

leuchtend rote Form mit kräitiger Zeichnung auf Ober- und Unterseite. 99 gern verdunkelt mit stahlgrünem Schimmer, der später leider schnell verblaßt. Juni-Juli.

B.thore Hb. Ende Mai-Jun.. Am Zwiesel in den Geröllhalden

ee

am liebsten über Brombeerwildnis fliegend. Bei trübem Wetter gern in Kiefern und Latschen zwischen Nadeln ver- borgen, wo sie auch gern übernachten. Der eigenartige, stark bitter-würzige Duft, den die Falter noch wochenlang ausströmen, hängt vielleicht damit zusammen. Weibchen ot in großen, blau und licht gezeichneten Stücken. Fliegt auch am Walchensee in den Hängen unmittelbar bei Urield.

dia L. Nicht häufig und lokal an den trockenen, sonnigen Hängen im April und wieder im September.

. amathusia Esp. Ziemlich häufig, in den Wäldern überall,

während sie die sonnigen Moorflächen meidet. Juni-Juli, auch im August noch in frischen Stücken auftretend. Ziem- lich veränderlich, sowohl verdunkelte als stark bleiche Stücke treten regelmäßig unter der Sti. auf. Im allgemeinen ist die bei Beuerberg fliegende Rasse nicht so sattiarbig und nicht so groß wie die prächtige in den Schlierseer Bergen flie- gende Form.

. ino Rott. Ebenfalls nur in einer Generation etwa von Mitte

Juni an in besonders im weiblichen Geschlecht großen Stücken, die häufig stark verdunkelt und metallisch glän- zend erscheinen. Häufig in den Mooren, aber auf moorige Wiesen lokalisiert.

. lathonia L. Fehlt augenscheinlich in den Moorgebieten. . aglaja L. Nicht häufig, von Ende Juni an. . niobe L. Auch zerstreut mit ad. eris Meig. liegend. Später

als ag/aja erscheinend.

. adippe L. Häufiger als die beiden vorigen, außerordentlich

lebhaft auf der Unterseite variierend, so daß wohl alle in

A.

Ihre Oberbayern bekannten Formen auftreten, was bei der Wander- sucht der Art selbstverständlich erscheint. Die schöne v. bajuvarica Spul. erscheint regelmäßig unter der Art. Schöne Stücke auch vom Zwiesel. Häufig am Nordufer des Walchensees. Flugzeit von Mitte Juni bis zu Herbstbeginn. paphia L. Überall; ab. valesina © Esp. sah ich nur einmal an der Straße nach St. Heinrich.

M. galathea L. Sehr häufig in Mooren und auf Waldwiesen.

DV

In den Mooren auilallend kräftig und dunkel gezeichnete, breitrandige Stücke, die an solche aus Süditalien erinnern und der v. procida Flbst. zugerechnet werden könnten. Auch © Zeucomelas Esp. fing ich hie und da. Die Flugzeit ist auffallend kurz, etwa auf Juli beschränkt.

. medusa F. Diese stark abändernde Art flog 1920 schon Mitte

April. Sie ist in Moor und Wald sehr häufig, ot noch bis zu Beginn des Juli. Variiert auch beträchtlich in der Größe.

. aelhiops Esp. Ebenialls sehr variabel und häufig, in den

Wäldern, Juli-August. Am Zwiesel in Mengen. Auf den Moorilächen kaum anzutrefien.

. euryale Esp. Einige geilogene Stücke auf den Alpenwiesen

des Zwiesel im August.

. ligea L. Im Moor, mit Vorliebe zwischen Buschwerk, und

ebenso überall in den Wäldern; häufig prächtige, sehr große Exemplare, besonders O9, mit starker Ocellenbildung. Stark auigehellte, gebleichte Tiere hie und da, hauptsächlich unter den noch bis zum Herbst fliegenden Stücken. Erscheint von Ende Juni an.

. dryas. Sehr verbreitet und zahlreich im Moor, auf allen

Wiesen und in den Wäldern, schöne große 99 vielfach an- zutrefien.

. aegeria egerides Stgr. Zerstreut und spärlich. .megaera L. Selten, an den Bahnböschungen.

maera L. Ebenfalls in der Umgebung Beuerbergs selten, in den Mooren iehlend. Am Zwiesel mehr verbreitet, ziemlich konstant in der Form, auch die 99, die nicht annähernd die oberbayerische Gebirgsfiorm an Lebhaftigkeit der Farbe erreichen.

. hyperanthus L. Ungemein häufig, vom Mai bis in den Herbst;

die ab. obsoleta Tutt. ölters unter der Stammiorm. In der Größe beträchtlich varııerend.

E. jurtina L. Ebenfalls überall in großer Menge. Schöne, als Übergänge zu den südlichen Formen zu bezeichnende 9 nicht selten; auch auffallend dunkle Stücke sind anzutreffen. Teilweise und gänzlich verblaßte oder gebleichte Exem- plare, die sonst noch einen frischen Eindruck machen, finden sich ebenfalls ziemlich häufig. Den ganzen Sommer über.

C. oedippus F., der im Moor zwischen Beuerberg und Königs- dorf 1920 gefunden sein soll, war leider nicht unter meiner Ausbeute. Es ist vielleicht auf das ungeheuer häufige Auf- treten des der Art so ähnelnden A. hyperanthus zurück- zuführen, daß das interessante Tier leicht übersehen wird.

C. hero L. Aut allen Wiesen, auch im Moor anzutreffen, am liebsten an teilweise schattigen Stellen. Mai bis Anfang Juli. Auf dem Zwiesel bis zum Gipfel fliegend.

C. iphis Schiff. Mehr auf feuchten Wiesen als im eigentlichen Moor, ebenfalls allenthalben nicht selten. Erscheint etwas später als die vorige. (Eine kleine, graugetönte Form, unterseits mit verloschenen Ocellen, sich der v. anaxragoras zugesellend, fand ich 1920 im Juli bei Scharnitz an den Osthängen dicht über dem Ort.)

C. arcania L. Sehr lokalisiert und nicht häufig auf Moorwiesen bei Moosaurach.

C. pamphilus L. mit gen. aest. lyllus Esp. überall, hie und da auch breitrandige Exemplare (v. marginata Rühl).

C. tiphon Rott. Überall in den Mooren und Wiesen, auch auf lichten Waldwiesen. Lebhait variierend in Größe und Ocellenbildung. Sowohl Stücke mit stark reduzierter Augen- binde unterseits und augenloser Vorderilügeloberfiläche kommen vor wie Exemplare, die sich der v. philoxanus Esp. anschließen. Die erstere Form entspricht etwa der ab. isis Thubg. und der in Staud. Liste notierten v. inornata. Vorbrodt gibt eine „etwas hellere Form, als den Typus“ als v. caidion Brph. aus dem Jura an. Auffallend hell- gelbe Stücke sind in den Beuerberger Mooren keine Selten- heit. Flugzeit lang ausgedehnt vom Mai bis August. Vielleicht in zwei Generationen ?

N. Incina L. Überall, schon im April bis Anfang Juni.

Th. spini Schiff. Ein Stück bei Fletzen, wohl nur ganz ver- einzelt vorkommend.

Th. prani L. Ebenfalls sehr selten. (Im Juli am Zwiesel.)

2:

Se

betulae L. Nicht häufig ım Spätsommer; ich beobachtete die Art fast nur in Gärten.

Z. quercus L. Ebenfalls selten; wenige Stücke an Waldrändern

ım Hochsommer.

C. rubi L. Erheblich häufiger, in zwei Generationen erscheinend,

SEES

von denen die Frühjahrsgeneration die stärkere ist. Stücke v. immaculata Fuchs kommen vor. April-Mai und im Spät- sommer, sowohl im Moorgebiet wie in den Wäldern.

. virgaureae L. Juni- Juli, verbreitet. . hippothoe L. Nicht überall; auf den Wiesen am Zwiesel im

Juni mehrfach beobachtet. In Mengen am Kesselberg.

. phlaeas L. Verhältnismäßig selten in beiden Generationen. . dorilis Hufn. Ebenfalls nicht sehr häufig; selten in der

Sommergeneration. Frühjahrsform einigermaßen variabel (April - Juni).

. amphidamas L. Recht spärlich in den Mooren (Moosaurach-

Fletzen). Die Il. Generation erbeutete ich nicht. Gene- ration I im Mai.

. argiades Pall. Nur ein Stück bei Gelting im Juli. . minima Fuexl. Verbreitet, nicht häufig, April-Mai. . argus Schiff. Eine der interessantesten Erscheinungen der

Beuerberger Fauna. Überall von Mitte Juni an sehr häufig, die Moore oft dicht damit bevölkert. Gerade die Form, die in den nassen Moorgebieten heimisch ist, erscheint als eine genau zu umschreibende Lokalrasse. Die Jg von leuch- tendem Silberblau mit weißer Bestäubung, die besonders auf den Rippen nach den Außenrändern zu auffällig hervor- tritt, so daß die ganze Flügelfläche wie mit Strahlen über- streut erscheint. Auf den Hinterilügeln treten zwischen den hellen Strahlen die Randpunkte oit scharf heraus wie weiß umringte Augen; dann bildet eine sehr präzise, schmale, schwarze Linie den Rand. Anderseits erweitern sich die schwarzen Punkte oft zusammeniließend zu einem breiten Band. Die Unterseite ist gleichfalls sehr hell, von bläulich- weißem Ton; die sonst braune Tönung fehlt. Die Bogen- reihen der Augenilecken sind scharf begrenzt und klar, ebenso die gelben Binden. Das weibliche Geschlecht von außerordentlicher Variabilität in Zeichnung und Größe. Fast einfarbig schwarzbraune Stücke und anderseits solche mit breiter gelber Binde, die auch auf den Vorderflügeln aus- drucksvoll erscheint, finden sich überall. Die der oben

NN

SION

beschriebenen weißbestrahlten Form der Männchen ent- sprechende typische Moorrasse ist mehr oder weniger blau bestäubt (1920 etwa 90°/,). Das kann in den einzelnen Jahren differieren, und es wäre wohl eine dankbare Aufgabe, dies zu verfolgen. Ganz blaue 2 sehr selten, öfters so, daß die Hinterflügel fast ganz, die Vorderflügel bis aufs Wurzelfeld blau erscheinen. Charakteristisch ist aber die Verteilung der blauen Bestäubung in Form von der Wurzel ausgehenden Strahlen, die sich zu dichten, aus blauen Keilen zusammengesetzten Bogenreihen innerhalb der schwarz eingefaßten, rotgelben Fleckenreihen gestalten. Die schwarzen Punktreihen vor dem Saume treten kräftig her- aus, öfters besonders randwärts mit deutlicher weißer Einfassung. Bei einfarbigen Exemplaren ohne gelbe Rand- binde findet sich hie und da ebenfalls dieses auffallende Heraustreten der schwarzen Flecken. Unterseits sind die zur Moorrasse gehörigen Weibchen hell, mit breiten und scharf begrenzten, rotgelben Randbinden und wurzelwärts an diese angelagerten weißen Bändern, so daß die bräun- liche, sonst als Grundton erscheinende Färbung sich auf das Wurzelield reduziert. Als Bezeichnung dieser Lokal- iorm werde ich, falls sie sich als alljährlich auftretend er- weist, vorschlagen: var. uliginosa.

.aegon Schiff. Sehr selten, bei Fletzen unter argus fliegend. . baton Bergstr. Auch nur in einem Stück bei Eurasburg.

Mai.

. optilete Kn. In den Mooren überall, wenn auch nur ver-

einzeit, im Juni. (Bei Neuhaus am Schliersee flog die Art 1916 und 1917 im Moor in großen Mengen.) Ein Stück erbeutete ich am 7. Juli im Karwendeltal bei etwa 1400 m Höhe.

.medon Esp. (astrarche Bergstr.). Bei Beuerberg, sehr selten;

einige Stücke auch am Zwiesel im Mai. Stücke der Il. Gene- ration fing ich nicht.

. chiron Rott (eumedon Esp.). Vereinzelt an verschiedenen

Stellen, hauptsächlich Waldwiesen, Juni-Juli.

.icarus Rott. Überall; 22 fast nur in dunkler, fast einfarbiger

Form.

. hylas Esp. Von Herrn v. Otto bei Bolzwang gefangen.

bellargus Rott. Nicht gerade häufig, mit ab. parvipuncta Aign. und caerulea 2 Courv. Juni.

£:

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BE ge

coridon P. Wie überall, auch im Beuerberger Gebiet, wo die Art allenthalben fliegt, ziemlich variabel. Sehr breitrandige und helle Stücke nicht selten; meist in großen Exemplaren in den Moorwiesen. Hie und da mit schwärzlicher Be- stäubung, die schließlich das Blau vollkommen deckt. Einige solche ganz außerordentlich auffallende Tiere fing Herr v. Otto bei Bolzwang. Sie befinden sich in der Zoologischen Staatssammlung. Die %2 ohne besondere Eigentümlich- keiten. Flugzeit Juli bis in den Spätherbst.

. damon Schiff. Notiere ich, obgleich nicht von mir, wohl aber

von Herrn v. Otto ebenfalls bei Bolzwang 1919 festgestellt. Ein solches in der Zoologischen Sammlung befindliches Stück fällt durch verhältnismäßig dunkles Blau, etwa dem Ton des bellargus, aul.

. semiargas Rott. Allenthalben, fast das ganze Jahr über. . alcon F. Im ganzen Gebiet verbreitet, wohl auf allen teil-

weise schattigen, moorigen Wiesen im Juli-August, manch- mal in großer Anzahl. In den größeren Moorilächen selten.

. arion L. Sehr selten, nur vereinzelt bei Hohenleiten und

Königsdorf im Juli angetroffen. Ein Stück 1919 am Zwiesel.

. argiolus L. Nicht häufig in zwei Generationen. Ein © ohne

schwarzen Mittelpunkt am 15. Juni 1919. (Zoologische Sammlung.)

. palaemon Poll. April bis Juni überall auf Waldwiesen.

. lineola O. Juli, nicht sehr häufig.

.thaumas Hufn. Häufiger, von Ende Juni bis August.

. comma L. Zur gleichen Zeit, nicht sehr zahlreich, mehr auf

Waldwiesen.

A. sylvanus Esp. Schon Ende Mai bis in den Spätsommer;

af

Il.

überall.

. alceae Esp. Selten; ich sah die Art 1920 nicht; 1919 nur in

wenigen Exemplaren; auch am Zwiesel.

sao Hb. Nur ein Stück bei Wolfratshausen, Mai 1919. alveus Hb. Von Anfang Mai an, in zwei Generationen. Ziemlich spärlich.

malvae mit ab. taras. Viel häufiger, überall im Frühjahr. Eine zweite Generation konnte ich nicht feststellen.

Th. tages L. Häulig und überall; die Sommergeneration schein-

bar weniger häulig.

Saba IN ar

Außerordentlich dürftig war in beiden Jahren das Ergebnis hinsichtlich der Sphingiden. Von

A. atropos L. fand ich bei Beuerberg Ende Juli mehrere Raupen, deren Puppen überwinterten und zurzeit noch liegen. Aus meinen vielseitigen Erfahrungen ich habe in Tirol früher Tausende von afropos-Faltern gezogen möchte ich bei dieser Gelegenheit auf einiges hinweisen. Die Raupen ver- tragen keine Nässe; die Puppen dürfen, wenn man sie nicht in ihrer glatt ausgebauten Erdhöhle, in der sie frei liegen, ungestört belassen kann, nicht bedeckt gehalten werden; sie machen sich sonst bei dem fortwährenden Bemühen, sich frei zu machen, kaput. Mäßiges Feuchthalten und warmer Standort sind gut, Nässe muß vermieden werden.

H. convolvuli L. Wie überall, zerstreut und wohl nicht selten, den ganzen Sommer über.

H. ligustri L. Ebenfalls nicht selten, Falter gern am Licht, schon von Mitte Mai an.

H. pinastri L. Nicht sehr zahlreich, aber überall. Am Zwiesel ebenfalls mehrfach in den obersten Lagen angetroffen; auch schon im Mai erscheinend.

M. tiliae L. In einzelnen Stücken, scheinbar hauptsächlich in der grünen Form auitretend; Mai- Juli.

S. ocellata L. Wohl die häufigste Sphingide im Gebiet außer stellatarum, Mai-Juli. Raupen überall.

S. populi L. Ungleich seltener, hie und da nur ein Stück am Licht.

H.tityus L. (scabiosae Z.). Nicht gerade häufig, 1919 in einigen Stücken im Mai.

H. fuciformis L. (bombyliformis O). Noch seltener; ich fand nur ein Exemplar der Art im Juni.

P. proserpina Fall. Einige Raupen fand ich bei Eurasburg an Epilob. birsatum schon Ende Juni.

M. stellatarum L. Sehr häufig, überall das ganze Jahr über.

P. elpenor L. Mehrere Raupen an Epil. birsatum im Juli.

M. porcellus L. Nicht häufig, Falter hie und da am Licht, im Mai-Juni und auch im August festgesteilt.

Bombyces. C. bicuspis Bkl. Eine Puppe fand ich an einer Birke an der Straße nach Eurasburg, eine andere im Moor bei Moos- aurach.

C. bifida Hb. In einem Stück 1919 im Frühjahr.

D. vinula L. Sehr häufig und überall im Frühjahr. (Im Kar- wendeltal fand ich noch bei 1700 m Höhe die Raupen, die besonders dunkle 92 ergaben.) Wie überall, variiert die Art stark. Es kommen Stücke mit ausgeprägten Punkt- oder Fleckenbögen vor den Säumen der Hinterilügel vor, oit solche, bei denen diese vollständig fehlen. Die Puppen überwintern in seltenen Fällen ein zweites Mal.

St. fagi L. Selten; 1919 einige Stücke am Licht im Juni; ein Q bei St. Heinrich.

D. trimacula-dodonaea Hb. Selten; ein Stück bei Bolzwang, wo die Art auch von Herrn v. Otto gefunden wurde; Mai.

Ph. gnoma F. (dictaeoides Esp.). Hie und da, in beiden Gene- rationen Ich fing das Tier noch im September.

N. ziczac L. Überall in zwei Generationen im Frühjahr und Herbst.

N. dromedarius L. Viel seltener; ab und zu am Licht, mit gleicher Flugzeit wie die vorige.

N. anceps Goeze (trepida Esp.). Wohl recht selten; ich erbeu- tete nur ein Exemplar.

L. bicoloria Schiff. Ein Exemplar im Mai beim Beuerberger Toriwerk, das leider entwischte. Wohl sehr selten vor- kommend.

L. camelina L. Nicht häufig.

P. palpina L. Verbreitet in beiden Generationen; einige sehr dunkle Stücke.

Ph. bucephala L. Überall, wenn auch nicht gerade häufig.

P. curtula L. Ziemlich selten; ich fand nur wenige Raupen der: Art.

P. anachoreta F. Etwas häuliger, in zwei Generationen. Viel verbreiteter und häufiger tritt

P. pigra Hufn. aut, die besonders in den Mooren allerorts zu iinden ist. Falter ot schon im April bis Juni, dann wieder August - September.

D. falcataria L. Verbreitet; im Moorgebiet in den Birken- schlägen. Frühjahr und Hochsommer.

D. lacertinaria L. Ebenso; überall, wenn auch nicht häufig. Ein auffallend verdunkeltes Exemplar, 27. April 1920, in der Zoologischen Sammlung.

D. cultraria F. Selten; einige Male im Hochsommer 1919 in den Wäldern zwischen Hohenleiten und Eurasburg.

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S. pavonia L. Ziemlich verbreitet, überall von April bis Juni; in den Mooren häufiger. Variabel in Zeichnung und Größe.

A.tau L. Recht häufig, auch verdunkelte Stücke kommen vor. Ein fast schwarzes 5 (ferenigra Th.) sah ich bei Euras- burg, ohne es zu erwischen.

L. dumi L. Eine Raupe, die einging, fand ich im Mai an einem Rain bei Wolfratshausen.

E. versicolora L. Nicht selten, wohl überall im Beuerberger Gebiet, im Frühjahr.

P. populi L. Verbreitet; bei Bolzwang von Herrn v. Otto zahl- reich am Licht erbeutet bis in den November hinein.

M. neustria L. Überall, wenn auch ziemlich selten. Falter im Juli.

E. lanestris L. Ebenfalls häufig, Raupen besonders auf Salıx caprea und Birken. Falter im Spätherbst, meist aber erst (oit mehrmals als Puppe überliegend) im ersten Frühjahr.

L. quercus L. Tritt wie wohl allerorts verbreitet auf; gern in den Mooren an Heide. Falter von Anfang Juni an, öfters der v. alpina Frey sich nähernd.

L. trifolii L., mit ab. medicaginis Bak. vermischt überall, wenn auch nicht häufig (wenigstens in diesen Jahren). Es tritt auch eine der v. iberica Gr. ähnliche einfarbig rotbraune, fast glatte Form auf. Juli- August. Gern am Licht.

M. rubi L. Häufig; Falter im Spätfrühjahr.

O. pruni L. Recht selten; ich sah nur ein Stück der Art im Hochsommer am Licht.

C. potatoria L. Gern auf den Wiesen im Moor, stark gefärbte, variierende Form. Besonders @2 mit breiten Binden, sehr dunklem Außenrand, die Hinterflügel sind interessant. Falter im Juli.

D. pini L. Verbreitet, keineswegs häufig. Außerordentlich variabel, sehr stark zur v. montana Stgr. neigend. Im Hochsommer.

S. antigua L. Nicht selten, wie überall.

D. fascelina L. Hie und da, Raupen im ersten Frühjahr auf Saalweide; Falter im Juli.

D. pudibunda L. Verbreitet.

L. dispar L. 1919 ein 5 am Licht im Spätsommer.

L. monacha L. Ebenfalls nur ein Stück am Zwiesel im Juli 1919. Beide Arten scheinen jetzt im Beuerberger Gebiet nur ganz vereinzelt aufzutreten.

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E. chrysorrhoea L. Nicht häufig.

E. similis Fuessl. Ebenfalls spärlich; Falter Juli-August am Licht.

Th. fenestrella Sc. E.C. Im Frühsommer selten an sonnigen Hängen. Inden eigentlichen Moorgebieten fehlt die Nahrungs-

pilanze. (Fortsetzung folgt.)

Lycaena icarus Rott. albolimbata oO ab. nova Baumann. Von W. Fritsch, Frankenhausen.

Oberseite: Grundfarbe mehr schwärzlich-grau, weniger braunschwarz. Vorderrand der Vorderflügel sowie sämtliche Säume weißlich .aufgehellt, besonders im Apex der Vorderflügel. Alle vier Außenränder werden von einer vollständig ausgebildeten Reihe von Ozellen begleitet, die für gewöhnlich nur auf dem Hinterflügel und auch da nur nach dem Analwinkel zu auf- treten. Die Ozellen sind zum Teil vollständig (so besonders deutlich im Apex der Vorderflügel), teils unvollständig mit weiß umrandet. Die Ozellen gegen den Innenwinkel der Vorderilügel und nach dem Analwinkel der Hinterflügel zu sind nach innen rotgelb eingefaßt, mithin nur nach außen hin weiß gesäumt.

Unterseite: Schema icarinus Scriba.. Die rotgelben Randilecken nur schmal und dadurch scheinbar mehr nach innen gerückt, so daß ein hylas-artiger breiter weißer Saum entsteht, in dem feine schwarze Pünktchen andeutungsweise zu sehen sind.

Type: 1 9, gefangen am 7. Mai 1921 am Südabhang des Kyiihäusergebirges bei Frankenhausen (auf Gips). Kollektion W. Fritsch.

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Oberseite. Unterseite.

Lycaena icarus Rott. nova ab. albolimbata Baumann.

Schriftleitung: Max Korb, München, Akademiestraße 23. Druck der G. Franz’schen Buchdruckerei (G. Emil Mayer), München.

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Ir r r MITTEILUNGEN + + rl \ der Minehner Entomologischen Gesellschaft, e.V; N

\ 11. Jahrgang 1921. München, 30.Sepfember 192. Nummer 9. \ SE ee ee ee ee

Ausgegeben 15. Oktober 1921.

Festnummer

zu Ehren des 70. Geburtstages von Max Korb.

Am 6. Oktober 1851 ist Max Korb in München geboren. Weit über die Länder deutscher Zunge hinaus, ja sicher in der gesamten entomologischen Welt hat der Name unseres Münchner Forschers den besten Klang.

Wenn Lust und Liebe die Fittiche zu erfolgreicher Be- tätigung sind, so trifit das in besonderem Maße auf die Per- sönlichkeit zu, deren 70. Wiegenfest wir heute in einer Fest- nummer der von Max Korb ins Leben gerufenen Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft zu feiern uns an- schicken.

Was den Knaben im Drange der Jugend hinriß und be- geisterte, die Liebe zur Natur, zu ihren schönsten Kindern, den Schmetterlingen, das hält noch heute den Siebziger in vollster Rüstigkeit aufrecht. Mit größtem Eifer arbeitet Korb heute am Ausbau seiner Privatsammlung, brachte er beispielsweise heuer in sechs regnerischen Mai- und Juniwochen welcher junge Drauigänger wollte ihm dies gleichtun? aus dem bekannt düritigen Gebiete von Aschau nicht weniger als 183 Arten Zepi- dopteren mit nach Hause.

Nach erfolgreichem Besuch des Gymnasiums trat der talen- tierte junge Mann in die Handelsschule ein, welche ihm nach Meinung des Vaters die Wege für den kaufmännischen Lebens- beruf ebnen sollte. Hier eignete sich Korb rasch und gründlich iremdsprachliche Kenntnisse an. Besonders das Studium des Französischen bereitete ihm Freude. Bei ausgesprochener Sprachenbegabung gelang ihm später durch Privatstudium mit

BT RE

gleicher Leichtigkeit die Erlernung der russischen, türkischen und spanischen Sprache. Auch im Zeichnen naturwissenschaft- licher Objekte, besonders auf botanischem Gebiete, hat er es zu ungewöhnlicher Fertigkeit gebracht.

Seiner Neigung für Entomologie folgend, oblag er eifrigst dem Studium der Zepidopteren und Coleopteren des paläarktischen Gebietes. Der damalige Direktor der Staatsbibliothek, Dr. Laub- mann, stellte ihm die gesamte einschlägige Literatur auf viele Monate bereitwilligst zur Verfügung. Durch dieses Entgegen- kommen konnte er sich jenes umfassende systematische und biologische Wissen aneignen, welches im Vereine mit genauer Lokalkenntnis für den im Ausland tätigen Forscher unerläßliche Grundbedingung für erfolgreiches Sammelreisen ist. War Korb bereits in den siebziger Jahren mit der Lepidopteren-Fauna Münchens und der bayerischen Berge auis beste vertraut: Hinaus in die Welt! war bei ihm die Parole geworden. Die bedeutendsten Forscher jener Zeit waren bald auf den findigen, in der Zoologie und Botanik tüchtig beschlagenen jungen Mann aufmerksam geworden.

So darf er bereits im Jahre 1873 dem ehrenvollen Rufe eines zoologischen Adlatus bei der Rohlischen Expedition in die Lybische Wüste folgen. 1875 bereist er im Aujtrage einer grossen europäischen Tier-Handelsfiirma Suakim und Massaua in Nubien, um gleich im nächsten Jahre 1876 von dem berühmten Ornithologen Theodor von Heuglin zu einer Sammelreise in die Oase Fayum und an den Mörissee in Ägypten engagiert zu werden.

Nach einigen in den Jahren 1877 bis 1879 ausgeführten Sammeltouren ins Ortler- und Seisser Alpengebiet macht sich das Bedürinis nach Selbständigkeit geltend. Vom Jahre 1880 an unternimmt Korb nach eigenem Programm und auf eigene Rech- nung beinahe Jahr für Jahr die Jahre 1888, 1889 und 1911 aus- genommen im ganzen nicht weniger als 29 große Forschungs- reisen in die bedeutendsten Sammelgebiete der alten Welt. Allerhöchste Empfehlungen des Prinzregenten Luitpold und der Prinzessin Therese von Bayern, sowie der bayerischen Ministerien an die Behörden der von Korb durchforschten Länder erleich- terten ihm namentlich auf russischem und türkischem Gebiete das sichere Bereisen der